Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 114 (sequence 116)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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I!4 Das neue Jahrbuch der jüdisch-literarischen Gesellschaft. glaubt, obwohl Wessely sich vordem von ihm eine Approbation für sein Werk יין לבנון erbeten hatte. — Bei dieser Gelegenheit sei aus den dem Jahrbuch beigefügten Miscellen, in denen uns Unna aus dem Briefwechsel zwischen dem jedenfalls s. Z. sehr geschätzten Literarhistoriker Raphael Kirchheim in Frankfurt a. M. und Gräfcz Interessantes über des Letzteren mitunter abweisende Stellungnahme zu den Kultusreformen und intimere Vorgänge innerhalb des Lehrkörpers des Jüdisch-Theolog. Seminars in Breslau mitzuteilen weiß, auch berichtet, daß Grätz mit der Bezeichnung ״Winkelrabbiner“ auch modern gebildete Rabbiner seiner Zeit herabzusetzen suchte, wenn sie ihm irgendwie hindernd in den Weg traten1). Vom ferneren Inhalt des Jahrbuches sei hingewiesen auf Ehrentreus: Sprachliches und Sachliches aus dem Talmud, worin der als rabbinische Autorität bewährte Verfasser seine schon in früheren Jahrgängen erschienenen trefflichen Erklärungen zu interessanten Stellen aus dem talmudisch-midraschischen Schrifttum fortsetzt. So manche bisher dunkle oder mißverstandene Stelle erhält hier ihre Aufhellung, wobei wir besonders die eigenartige Deutung hervorheben wollen, die Ehreutreu dem Ausspruch des Elischa b. Abuja in Aboth IV, 20 gibt, wobei er den Ausdruck נייד הדעז als aus der griechischen Literatur entlehnt nachweist und die Worte als Bekenntnis der Büßfertigkeit in den letzten Lebensjahren Elischas erklärt, wo die Jugendeindrücke von תורזל דכל:צות stärker hervortraten und die in späteren Lebensjahren vorherrschende Beeinflussung griechisch-epikuräischer Lebensauffassung zurückgedrängt haben. Besonders bemerkenswert sind in dem Aufsatz die Mitteilungen über das gegenseitige Verhältnis zwischen R’Ezechiel Landau uDd R. Nathan Adler und die dabei in Betracht kommende Vermittlertätigkeit des R. Mosche Sofer. Den Beschluß der Abhandlungen bildet eine längere Studie über R’Ascher b Jechiel (רא״פז) von Alfred Freimann in Posen. Der jugendliehe, eben erst dem Gymnasium entwachsene Verfasser, legt hier seine schon als Schüler begonnene Arbeit über den für unser Talmudstudium und die Halachafestsetzung maßgebenden Autor mit einer für sein Alter geradezu erstaunlichen Belesenheit und Gründlichkeit vor. Es wird ein lückenloses Bild der Lebensumstände und der Persönlichkeit des רא״כז entworfen; die damaligen Zustände in Deutschland wie in der Provence und Spanien bei dessen Eintreffen in diesen Ländern werden uns anschaulich geschildert, x) Es handelt sich, wie ich nach mündlichen Mitteilungen uud aus eigenem Wissen feststellen kann, um den Nachfolger Z. Frankels, den sowohl als Talmudisten wie als feinsinnigen Gelehrten bekannten Leser Lazarus, ehemals Rabbiner in Prenzlau, Verfasser der Schrift ״Die Ethik in der Halacha“, und um David Joel, den (nachmaligen Seminarrabbiner, vorher Rabbiner in Krotoschin, einen trefflichen Lamdan und philosophisch tiefgebildeten Mann, Verfasser der ״Religionsphilosophie des Sohara.