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Jeschurun · 1919-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1919) · p. Seite 113

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 113 (sequence 115)
Language
German
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Das neue Jahrbuch der jüdisch-literarischen Gesellschaft. Gleichgiltigkeit in der religiösen Praxis wollte nun der Lissaer Rabbiner in seiner am מובת מגדול des J. 1782 in der dortigen Hauptsynagoge gehaltenen Drascha entgegentreten. Die edlen Absichten des Kaisers Josef für eine- Verbreitung weltlicher Bildung, in dem den damaligen Verhältnissen entsprechenden Mab, unter der jüd. Bevölkerung durchaus billigend, spricht er seine Befriedigung darüber ans, daß es schon damals in seiner Gemeinde — die bekanntlich zur Zeit noch nicht zu Preußen gehörte — Mitglieder gab, die der deutschen Sprache und deutschen Wesens kundig seien, und bedauert nur, daß die Armut des übergroßen Teiles der jüd. Bevölkerung es diesem unmöglich mache, den Kindern Unterricht in der Landessprache erteilen za lassen. Mit aller Schärfe aber wendet sich der Rabbi gegen die Beeinträchtigung des ליכלדד מתדדמ, da die Thorakenntnis allein den inneren Reichtum des Juden beding«, ohne die er ganz armselig dastehe. Voller Entrüstung weist er den Vorwurf de« bisherigen Mangels an ethischer Belehrung der Jugend zurück, mit dem Hinweis, daß unser ganzes rabhinisches Schrifttum in Talmud, Midrasch und den Dezisoren in dieser Beziehung das beste Erziehungsmaterial noch immer bietet. Ein jeder wirklicher תלמיד חכם sei auch heute das sprechendste Beispiel dafür. Es ist leider nicht möglich, auf beschränktem Raum auch nur auszugsweise den Inhalt der D’rascha mit ihren von tiefreligiösen Empfindungen getragenen, geistreichen Ausführungen, und den bald in schwungvollem Ton bald in beißender Ironie gehaltenen Widerlegungen der Angriffe auf aitgeheiligte Traditionen, wiederzugeben. Der Stil ist zwar nicht klassisch, ist aber sehr lebhaft und zeugt von einer gewissen Gewandheit und Beherrschung der Sprache, trotz manchen grammatischen Unebenheiten, ist also ein Beleg dafür, daß damals in den rabbinischen Kreisen keine Verwilderung im Gebrauch des Hebräischen eingerissen war. Die Rede selbst ist auch ein gewichtiger Protest gegen die den damaligen Talmudheroen angedichtete Bildungsfeindlichkeit; dieser An warf erledigt sich auch durch die Tatsache, daß der gleichfalls aus Polen stammende R’Jacob Josna Falkr der berühmte Verfasser des u. d. T. פכי ימופוע bekannten Werkes, in seinem Testament seinen Familienmitgliedern dringend anempfahl, sich gute Kenntnisse der Landessprache anzueignen, damit sie nicht das in der Strafandrohung Dt. 28,49 angedeutete Unheil treffe. Fehlt es auch in der Predigt nicht an scharfen Ausfallen gegen Wessely, 80 muß man berücksichtigen, daß es in berechtigter Notwehr gegen die Angriffe auf das Heiligste und Teuerste geschah. Der beste Beweis für die Berechtigung der Ausführungen des lissaer Raws ist jedenfalls die Tatsache, daß Wessely selbst es voll Bitterkeit feststellen mußte, wie hei Einführung seiner Reform- Vorschläge nur ״des Kaiser© Gebot aufrecht erhalten, die Lehre aber verlassen wurde״. Lewin, der mit dieser Veröffentlichung gewissermaßen einen קידרטז מפזם geübt hat, zeichnet auch mit einigen Strichen die Bedeutung des R. David Tewele, den Graetz einen ״Winkelrabbiner* nennen zu müssen 8

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