Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 50 (12.12.1935)
- Date
- 1935-12-12
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdisches Leben i Dr. Adolf Leschnitzer: Unser pädagogisches Arbeitsprogramm Zu der Xic-fuifiuii iiOer die pädagogisclie Arbeitin der iicucii indischen schule, die mit Intensität in der Lenentlichkeit eüigesctzt hat, lieferte Tr. - Adolf- Leschnitzer, der Schulreferent der -Nnrfmvrtrrtimiv. einen Beitrag, der als Kompilation von. Tlskussivnsgesichtspunkten cmp»'. jimden ipurde. v\n der 'Lehrstätte .Ch. N. Bialik izirach er »der das pädagogische Arbeitsprogrammdc'r Reichsvertretuiig. Er führte zunächst an-:-, daß nach der Errichtung/desäußörcn? verwaltungsmäßigen Bans, nunmehr.. eine stärkere^Konzciitrativn ans rein Pädagogisches in der ^chuladteilnng der Reichsvertretung erfolgen würde. Daran nnfchlictzend gab er eine Uebersicht über die Einzelausgaben. die zu lösen er für besonders dringlich hielt. Als ersten Punkt nannte Tr. Leschnitzer die H e b r a i s i e r il n g als Borbereitnng für die Alija, aber auch zum Verständnis der religiösen, und kulturellen Werte des Judentums. Tie zweite 'Aufgabe bestände in der. B c s ch a s f n n g b r a n ch b a r e r Le h r -und Lernmittel. Tie Ncichsvertrctung plane, geeignete Lehrkräftemit der Abfassung neuer Lesebücher zli beauftragen. anderseits soll in Nächster;°fcit den Schulen palästinakundliches Atateriäl ' zu besonders niedrigen Preisen angeboten iverden. Wichtig sei iveiter die Aufstellung von M n st e r l e h r p l ä n c n vor allem zur Untcrflützung der schulen in den Kleingemeindcn. Als nächstem Punkte wandte sich der Referent der L c h r e r a n s b i l d u n g imb -fortbildung zn. Tie neuen Lehrer müßten vor allem sehr gute. Kenntnisse im hebräischen answeisen, Verständnis für die jüdische. Gegenwart zeigen, sportl.icl, niel,r leisten und auch im Werkunterricht ausgebildet werden. Ein. besonders schwieriges Problem bilde das der nicht mehr sch.ulp flicht! ge u Kinder. Für die Ansgestaltung des 9. und in. Schuljahres ivürde demnächst eine Versuchsanstalt eingerichtet-werden. Als Sonderanfgabe nannte Tr. Leschnitzer schließlich die F ö r d e r n n g g e i st i g u n d w i s s c n s ch a f t - I ich B e f ä h igle r. Im zweiten Teil seines Referats lieferte der Redner einen persönlichen Beitrag zur pädagogischen Diskussion. Er bejahte die palästinozentrische Erziehung und Ansbildung als etwas. Legitimes und zugleich praktisch Mögliches- Das Zentriun solle nicht Palästina, sondern der Palästiinransbau sein, hinter allem pädagogischen Wirken müsse fortan diese Idee des PalästinaaufbanS stehe». - Ich der anschließende» Diskussion N'»rde N'rniger ans die einzelnen Pnntte eingega-ngen. die Tr. Leschnitzer im ersten Teil seines Reicrats behandelt hatte, als auf die Erziehnngs- und Bildiingsfrage im allgemeinen. Plan - hatte zum. Schluß des anregenden Abends das Gesuch. daß möglichst bald Berständigniig in der grundsätzlichen..Einstellung den Schnlprobleinen gegenüber geschaffen werden müsse, damit davon ausgehend fruchtbare und planvolle Arbeit , in der.Behandlung der Einzclfragen geleistet werden könne lvgl. den Leitartikel dieser Nummer, der EV-Zcilnng>. ' H. 'B—n. » Tie Reichs-Vertretung der Inden in Deutschland wird Anfang Januar 1!»30 einen für die Tauer von fünf Monaten berechneten Lehrgang zur Ausbildung.. von- Lehrern der hebräischen Sprache veranstalten. Es handelt sich nicht um die Ausbildung von Schullehrern, sondern von Lehrern, die außerhalb von -schulen' in Bünden und Organisationen aller Art, insbesondere an Erivachseiie- Ilnterricht erteilen wollen. In Frage . kommen nur -solche Damen und Herren, die über erhebliche hebräische Sprachkenntnisse verfügen nd jüdischer Geist und Pädagogische Eignung besitzen; nur eine beschränkte Teilnehmerzahl kann ausgenommen werden. - Ter Lehrgang, wird 60 Wvchenstunden umfassen, die an fünf Tagen gegeben werden; außerdem ist häusliche Arbeit in erheblichem Umfang notwendig.- Tie Leitung des Kurses liegt;m den Händen von Tr. Kal ö k o. . Meldungen "find zu richten an die Allcichsvcrtrctung der Juden in Teutschland, Lchülabteilimg. Ber.lin-Charlottenbnrg Kantstraße 158.: Ter Meldung. ist-. in zweifacher' Ausfertigung, deutsch und hebrckisch, ein, Lebenslauf beizufügen, der. insbesondere über den Bildungsgang des Bewerbers ausführliche -Angabe,r, enthalten soll.. Auf die- Meldung hin werden die Aufnahmebeh.ing»ngen mitgeteilt werden. Honorar: 60 RAl - monatlich. In besonderen Fällen kann Antrag aus Honvrarcrlaß gestellt werden. Ter „Angriff"' vom 0. Tczembcr teilt mrk, daß aus Anordnung des Staatskommissars Tr. L i p p e r t die Bereinigung der Berliner Berufsschulen durch die Errichtung jüdischer Sonderklassen vorbereitet wird. Lehrhaus Wiesbaden ' In dem Vortragszyklus: „Jüdische Religion — gestern und heute" sprach als zweiter Redner Rabbiner Dr. Hahn (Essen) über: „Tie Religion der Vernunft". Ausgehend von der Stellung der Religion im System der idealistischen Phitosophie/zeigte erwie die -Nautische Prägung des Religionsbegrifss die Geisteshaltung des 19. und 20. Jahrhunderts ausschlaggebend beeinflußte. In einer interessanten Geschichtsanalyfe legte er dar, wie verwandt—und anziehend'die Religion innerhalb der Grenzen der „bloßen Vernunft" den in den Raum Europas, im Emanzipations-Zeitalter einströmenden Juden erscheinen mußte. Tie besten Geister .der Zeit glaubten, eine ähnliche Verbindung mit den philosophischen Ideen der Umwelt entgehen zu können, wie das den jüdischen Rcligionssystematikcrn der spanischjüdischen Epoche möglich ivar. Tabei übersah man den grundlegenden Unterschied in den Voraussetzungen, Unter denen damals die Synthese vollzogen werden konnte. Damals war die Religions- Philosophie aüsgesvrdert, den als selbstverständlich gegeben erachteten Inhalt des ostenbarten Gesetzes zu deuten und zu erklären. Im Zeitalter der idealistischen Philosophie aber handelte es sich darum, den überkommenen Religionsbegriff unter dem Gesichtspunkt der Forderung der autonomen Persönlichkeit aufzulockern und zu kritisieren. So kam cs. daß von der überlieferten Religion nur soviel als halt- und brauchbar hingcstellt wurde, wie es die Religion, gegründet auf die Postulate der Vernunft, zuließ. Als Exponent der so „geläuterten" Religion muß trotz aller Hinneigung des Alterswerkes zur Ueberliefernnq Hermann Cohen in seinem Wirken und Schaffen, betrachtet werden. In seinem Schlußwort zeigte der Redner in den Ergebnissen des „neuen Denkens", wie es durch Franz Rosenzweig in die jüdische Religivnsphilosvphie unserer Tage eingeführt wurde, daß das Zeitalter der Vcrnunftreligion vorüber ist. Ausgabe einer neuen Religivnsbetrachtnug müsse es sein, bei aller Wahrung der wissenschaftlichen Ergebnisse des Emanzipationszeitalters den Anschluß an die gestaltenden Kräfte der Lffenbarungsrekigion wiederzniinden. Tie Verlebendigung der Religion im Bereich des Judentums könne nur erreicht werden durch den Rückgriff aur die Sinnhaftigkeit des jüdischen Lernens, das seine religiviisbildcnde Kraft in allen Epochen der jüdischen Geschichte bewiesen habe. .. Tie Münchener Gemeinde veranstaltete im Rahmen der gemeindlichen Lehrkurse dieses Winters eine erste Reihe, in der Ralibiner T.r. Leo.- B a e r mal d-eine Arbeitsgemeinschast. über Gedichte von Jchuda Halewi, Rabbiner'Tr. Bruno F i n k-e l s ch er er'einen Kurs „Ter Kampf um. die Erhaltung der Eigenart in der jüdischen Ge-- schichte.",:- Tr.--.Werner -E a h n m ann einen über die innere Problematik des: modernen Judentums leiroto-, imö Professor Arthur C oh c n einen wirtschastsgcschichtlichen Vortrag ans dem judticharabischcn Kulturkreis hielt. Bildungskurse der Lynagogengemeinde Esten. Cs sind sechs Kurse zur Erlernung des Ncuhebräischen und sechs Kurse zur Erlernung der englischen Sprache eingerichtet worden. — Außerdem finden wöchentlich Arbeitsgemein.'chaftsn statt über: „Palästina, Wirtschaft und Geiellichait" (Georg G u t h m a n n ,-Tüsseldori), „Probleme der Auswanderung" (Tr. M. -Lchw'eizer. Esicni und „Franz Rosenzweig — die Rückkehr ins Judentum" (Rabbiner Tr. Ha h n.-Esten). — Ter große. Vo.rtragszyktus der'Bitdungskurie, in dem vor allen Dingen auswärtige Redner zu Worte kommen sollen, steht unter dem (vesamtthema: „Wege zum Judentum." Als erster Redner sprach in der überfüllten Halle des Jugendheims Ilniversitätsprosessor Tr. K i i ch k-^öln) über: „Gottesglaube und Naturwisienschaft." Ten zweiten Vortrag in.dieser Reihe hält Tr. Eduard Strauß (Frankfurt am Main) über:„Religion und Vernunstglaube." — In der Snnagoge hält Rabbiner Tr. Hahn bei den Freitag-Abend-Gottesdienstsn religiöse« Amprachen über: ' „Prophctismns —die ersten Propheten." Innerhalb der religiös-charitativen Arbeitsgemeinichait der jüdischen FräneN, Eiiens wird der von Rabbiner Tr. Hahn geleitete Bibelkursns. der bereits im vorigen Jahr unter starker.Beteiligung stattiand, fortgesetzt. - , Israelitischer l'empel-Verband Hamburg ' Eine ' neue Einrichtung des Israelitischen Teinpet-Verbandes und die L n eg - 2 d) a b b a t - Feiern. Tie erste Feier fand am U. September im Tempel unter großer Beteiligung der Jugend statt. Tie Leitung lag in den Händen von Rabbiner TrL 'Italiener unb Lberkantor Kornitzcr. Ter zweite Lncg Schabbat wurde am 2..'November begangen. Auch zu dieser Feier lvarcn viele junge Menschen gekommen. Im L ehr h a u s d e s T e m p c l s und iväyrend des Winterhalbjahres lw:>r-S(i verschiedene Arbeitsgemeinschaften eingerichtet worden. Es kesey: Rabbiner Tr. Benno Jacob über: Msmmen':' Rabbiner Tr. Italiener: „Aus der Geschichte der Juden" (Entstehung des Talmud): Lberkantor Korn itzer: „Tie Gesänge des Tenipels": Rabbiner Tr. Joseph Norden: „Religiöse Strömungen des Judentums von der Zeit Moi'es Mendelssohns bis zur Gegenwart."- Dr. Alired Beis teitet hebräische und neuhebräisckie Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene. Im Laine des Winterhalhjak>.rcs veranstaltet der Israelitische Tempel-Verbandwie in den Vorjahren einen Vortrags; ü k l n s über: „Fragen der Gegenwart." Ter erste Vortrag über das Thema^.Auswanderung" findcr Wann und wo finden Sie Rat? tliio-ll’lauen i. V. .l'-ilc-n t-i'U-u ilnnvüWi jui" Mo«1 '•nat, 10—1? Llir. ^la^deburg . finir.-in. I, n.. I)>'zi-iiiber, lö . *:»• I!» L'Jir. .'-Tt-I.:.,25185. am „onntag, dem 15. Dezember 1935, 11 IIHp. 00. Rtin., im Großen Tempel, statt. - Es sprechen Rabbiner Tr. Italien e"« . lEinleituugswortel . iind als Reierent Henry E h a s f e i, Sekretär des' Hilssvereins der Juden in-Teutschland. Tie Ber- : anstaktung wi-rd von Chorgefängen umrahmt werben. . - : / : / * In einer Borstandssitzung des Jüdischen Schuldereins Hamburg berichtete Rabbuier Dr. Italiener, während des Sommerhalbjahres 1905 seien 277 Kinder von 5 Lehrkräften (Rabbiner Tr. Italiener, . Lberkantor Kornitzer, Tr. Lst'is, Georg de Haas, ,Frl. Selma Lehmann) unterrichtet worden. Für die Kinder religiös-liberaler Kreise. , die die jüdstchen Schulen Hamburgs besuchen und daher am <-abbat schulfrei haben, findet, im Anschluß an den Gottesdienst im Tempel am Sonnabend vormittag in den Untcrrichtsräumen des Tempels eine religiöse Unteriucisungsstunde stätt. - Zurzeit nehmen an dieser Stunde 50 Kinder teil> so daß insgesamt 32/Kinder von den -Lehrkräften des Jüdischen Schulvereinsbetreut werdeiu Während des Lommerhalbjahres gingen 44 Kinder in die jüdischen Schulen, über, 5 vrrzogen ins Ausland und 4 traten ins Berufsleben. Tie K a n- 1 o r e n k u r f c, die von Lberkantor K o r n i tz e r geleitet wurden, erfreuen sich eines regen Zu-- fpruchs. In diesem Jahre wurden sämtliche Funktionen der Iugendgottesdienste an den hvhen Feiertagen — abgesehen vorp der Predigt — durch Jugendliche ansgesührt. Tabei verdient der i-chüler Peter L ö w e u t h a l besonderer Erwähnung, der als jugendlicher Kantor fiuigierte und durch seine schöne, frische Stimme die Gottesdienste besonders'feierlich, gestaltete. Sie wurden an Hand einer dem Verständnis der Kinder angepaßteu Liturgie unter Mitwirkung eines -Kinderchors veranstaltet. Tie ivirksamste Ergänzung des Unterrichts bedeutet das religiöse Erlebnis. Sv wurde gleich nach den hohen Feiertagen mit den Sabbatstnnden begonnen, die mit wechselnden Gruppen vor oder, nach den -vauptgottesdiensten am Freitag äbend skattfinden.' Durch Vorträge Jugendlicher .empfangen, diese Sabbatstunden 'ciiie besondere 'Note. 'Mit der schnlentlassenen Jugend wird iveiter enge Vcrbnidnng anfred)t erhalten. In entsprechenden Arbeitsgeineinschaften werden die gewonnenen Kenntnisic vertieft. Auch an den Arbeitsgemeinschaiten des „Letz r h a u f e s d e-s Tempels", der vom Israclitisck)en Tempel--: verband eingerichtet wurde, nimmt die schulentlassene Jugend in starkem Biaße teil. Ter Vorstand des Jüdischen Schnlvereins Hamburg besteht zurzeit ans folgenden'Mitgliedern: I. Vorsitzender: Daniel M ü u'd c n . 2. Vorsitzender: Tr. Helmuth Nathan, Schatzmeister: David Fr.i:schmann: ferner Rechtsanwalt Rudolf Samson, Adolf F.l oer itici nt, Siegbcrt S i m e n au e r und - Henriette Torkel. . G. W. Schulwerk der Adaß Jisroel Berlin. Anmeldungen für Realgyiiaiinin, Lberlyzeum und Volksschule werden täglich im Sekretariat, -Siegm.undshvf I I (Telephon: C 9, 091:1) von 9 bis 1 Uhr» entgegengenommen. Sprechstunde der Schulleiter': Sonntag. 11 bis 1 Uhr. Piittwvch.K'.- bis IO Uhr. .Außerdem' iür Sckinle Artilleriestraße 31: Donnerstag 12 bie 1 Uhr. Fortsetzung dieser Berichte 4. Beiblatt.' 3, Seite den fünf Stadtteilell llur.noch ein einziges bewohnest. . Das altes geschieht, während.der Günstling des Kaisers/der Judo Agrippa, sich im Glanz seiner neuen Bcacht nach. feinem neuen Königreich begibt. Wir wissen nicht, ob Philvn die Schuld, die 'Agrippa an den Ausschreitungen in Alerandrien hatte, nicht einiah oder absichtlich verschleiern wollte. Fest.-.steht jedenfalls, daß die grundlegende Tendenz des Buches eine wesentliche 2Landlting erfahren hätte, wenn Philon die Grscheinnng Agrippas in historisch gerechterer Beleuchtung'gezeigt hätte. Doch bevor wir näher darauf eingehcn, sei kurz die Folge der geschilderten Ereignisse skizziert. ° Kurze Zeit nach dein Pogrom vom Jahre- 37 lvird F-laccns, „der frittiere Herr über Tod und Leven", verhaftet, in die Ber.- bannniig geschickt und schließlich von den Häschern des Kaisers, „der grausamvon Charakter und unersättlich in seinein Rachc- ' durste war"., ermordet. Nack) der Absetzung des Statthatlers haben, die Juden unter llnmittelbaren Angriffen und Berfolgnngen nicht mehr zu 'leiden. - Aber sie erwarten, eine Gnlschädignng snr^denihnen zngesügten schrveren inaterieüen Schaden zn erhalten. Hier setzt Philmls politische Allivität-ein. An der Spitze einer Deputation der angesehensten Einwohner der Stadt begibt er sich nach t)iom, NM beilü Kaiser über die Lage in 'Alerandrien ztl berichten und vor allem die Wiedereröffnung der Shnagvgen zn fordern'. Doch vom Kaiser höhnisch abgewiesen, müssen sich die jüdischen Abgesandten unverrichteter Sache in ihre Heimat znrchMLg^bern-^wei Jahre spater lvird Ealignla ermordet? nild sein Nachfolger Elalidins schasst den 'Juden 'Aleraudriens alsbald die erbetene Nehabilitiernng. Soweit geht Philons Bericht jedoch nicht. Bezüglich der Bersvlgltiigen in Alerandrien bricht er init der Beschreibung der erfolglosen Aildiciiz bei Gailis ab. Bon den fünf Büchern seines großen Geschichtsiverkes sind uns nur noch zwei erhalten, davon das zweite auch nur fragnlentarisch. Das erste, in befielt' Mittelpunkt die Persönlichkeit des Statthalters Flaccns steht, schließt mit dem Satz: „Sv nulßte glich Flacclls zngrllnde gehen, als untrüglicher .Beweis dafür, daß das Volk der Iliden nicht von der göttlichen Hilfe verlassen ist." - . Es ist sehr zweifelhaft, ob Philon den gleichen Satz, der die Absicht seiner Schrift in : ganzer Klarheit znm Ansdruck bringt, auch dan»l niedergcfchrieben hätte, wenn er einige Jahrzehnte später die Zerstvrnilg des Tempels in Jerusalem miterlebt hätte. So aber ist er von der Wahrheit, seiner'Anschauung dllrchdrlillgen. Er verkennt die Tragweite der Ereignisse, er ist ehrlich überzeugt davon, daß?dns Ganze nirr ein Brickalitätsakt dcs Flaccns und der Pöbelmasten war" und daß im Grlillde die Böller in ihrer Gesamtheit weit davoil entfernt waren, in der jüdischen GallltsteltlUlg eine P r o b l e m a t i k zn sehen. .Die-Bestrafung des Flacclls. die üvrigeiis keinestvegs auf 'Beranlasslilig der'Inden erfolgte, svilderu einzig deslialb. lveilder Argwohn des Kaisers gegen den ägyptischen Statthalter längst nicht bescliwickstigt war. betrachtet Philon als eine göttliche Bestätignng seiner eigenen Allnassllng.- Aber F-laccns ist für ihn nicht Persvnisizierling einer antijüdischen Haltnilg. von der weite. Kreise ergriffen sind, soildern die Einzelerscheiiillng eiiles vom rechten Wege Abgeirrten. der sich dem göttlichen Willen widersetzl nild daran zlrgrniidc geht. Sv erklärt sich allch Momnrsens ablehneilde Kritik an- Philvnr- Das -—)o äußert-stch '.iNommfen —, lvas Philon in Wirklichkeit dachte, fei nicht nach dem. zw beurteilen, was', er zn sagen für zweckinäßig hielt. Btommsen ist also der?>Ncimlng, Pliilon hätte mit Absicht die Indenverfolgungen in Alerandrien so dargestellt, als seien ne nur ans den Willen einzelner Hetzer und des Flaccns im besonderen zlirückzutühren. um dadurch die Gesainlstimmung in der Bevölkerung zu verfchleirrn. Wir können nicht mit Sicherheit behaupten, daß dieser Borwurf Momnisens keine Berechttgung habe. Anderseits aber liegt es nahe än;unehmen> daß Philons Am-' fafsung typisches Beispiel einer gerade in der jüdischen Geschichte häutig anzutrestenden Form verhängnisooll-oplimistischer Selbsttänschung. ist, die darin besteht, jndenseindlickie '.iNaßnahmcn. nicht als generelle, aus dem Spannungsvxrhällnis entstehende, sondern als auf. zniallsbedingter privater. Initiative beruhende Aenßernngen anzniehen. Hätte Philon die wirkliche Nolle, die Agrippa spielte, dargestellt, so wäre die These der Alleintchnld^des „Flaccns und der Pöbelmanen" nicht mehr aufrecht zn halten gewesen. Er hätte dann nämlich nicht nur die. Ncitschnld. des Provokateurs Agrivpa zngeben, foxidern zugleich auch die Frage in ihrer aU'geineinen Bedeutung anschneiden müssen, wieweit in gewinen Fällen eine tatsch gelenkte Aktivität ans. jüdischer Seite die Stellung zur Umwelt komplizieren kann. Philons Schrift ist nicht nur — wie schon anfangs angedentct — als historische Snelle von Bedeulnng. Sie ist vor allem interessant wegen ihrer.Grnndcinstellung. die inzwischeü ohne daß wir uns denen vielleicht stets io bewußt waren wie in der gegenwärtigen Stunde — durch immer neue Borgänge im Lauf der jüdischen Geschichte widerlegt wurde: daß itämlich eine Diaipora-Problcmätik nickN bestünde und jede sndenseind- Iiciic Aktien nnabhängsg von wellanschanlickier Einftelltnig lei und aut einer Bcr- 'ketlnng äußerer Umstände beruhe, bei, der -das Iridenproblem als Problem weder offenbar noch versteckt irgendeine Nölle spiele. . Der Herausgeber und vortreffliche Uebersetzer der Schritt „Bon den ONachterweiten Gottes". Hans L c w h . sagt in seinem Borivörl mit Recht, daß Phiton. der in dem 'Ablauf der Ereignisse die Wirkung der göttlichen Borsehung erblickte, sich die Aufgabe setzte, das'schreckliche Ende der Urheber der Bersolgungen durch die strafende Hand Gottes darzustellen. Das gibt der Schrift ihren besonderen Charakter. Das erklärt aber auch, daß dem Philon durch die für die Inden Aleraudriens besonders günstige Wendung, die die Bcrfolgnitgen vom Jahre 38 mit der 'Absetzung des Statthalters 'Flaccns nahmcit. die Problematik der Diaspora in ihrer gefchichllichen Besonderheit verschlossen bleiben mußlc. Jubiläum der Buchhandlung „Kedem“ Verlag und Buchhandlung Kedem sind vor 15 Jahren gegründet worden, ini Dezemberl-920.. Gründer waren Leo 'Bluinslein. der jetzt in'Palästina eine 'Buchhandlung besitzt. nnd- L. Brvnstein. der heute Alleininhabcr der'Firma ist. Hanptaingabe des Unternehmens war von vornherein die Btlege und Verdreilnug des jüdischen Schrifttums in allen Sprachen. Schon in den ersten Ickhrcn har die Buchhandlung Kedem die hebräischen Gnmnanen mehrerer Länder beliefert: viele hebrai'ckie Literatur, die in Berlin hergestellt wurde, ist nach Palästina und Amerika geliefert ivvrden. Besonders verdienstlich ivarcn die Kcdcm- Katatvge, die eine snstematische Uebersicht über alle t'icnericheinungen aus jüdiichem Gebiet brachten. Seil zwei Jahren ist dem Unternehmen ein Bertag angegtiedert, in dem n. a. die Kedein-Taschenwörlcrbücher. die Schriitenreihe „S-vtrejnn". Werke wie „IiiracI, Volk und Land", „Arbeiterinnen erzäblen" und jetzt vier Jugendbücher ici-nenen sind. Eine ziveibändigc Indische Geschichte von Tlclir A. Theilhaber ist in Vorbereitung. K. 1*. Im Alter von—5L.--Jahren ist, der Leiter dcr- Abteilung ihr Bibelwisienichast und jüdische Literatur am -loxvi->h Rlleolouieal Semiuarz', Proststok 'Morris Leviuc., gestorben. Ter Vorstand der Indischen Gemeinde Mailand hat einstimmig beichlosten. den ehemaligen Lberrabbiner von Padua, Tr. Gustavo Castelb v l v g n eit, der eine Zeirlang auch das Amt des Lberrabiners von Tripotitanien innehatte, als Lberrabiner nach .Mailand zu berufen.