Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 50 (12.12.1935)
- Date
- 1935-12-12
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 78% known words query
- IRI
…/2277379-2278097-2278134--09841-2292873- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 50 * 5. Beiblatt :■& 12. Dezember 1935 Fortsetzung: Das neue Buch Die jüdische Mutter Am Vortrupp -Berlafl, Berlin, erscheint ein neues Buch von Leo Hirsch und Egon Aacobs.ochn „Jüdische Mütter" (Preis kart. 2,80 RM. fleh. 3,60 HM).' Es enthält -folgende Kapitel: von .Len Hirsch Die jüdische Mutter, Glücket von - Hamelns die Mutter Rathenaus und die Mutter der 12 000,. von Egon I a e o b s o hnFrau Gndula Rothschild. Iran Jrumet Mendelssohn. Iran Betty Heine, Amalie Beer und Frau Jeanette Hcrzl. Aus dem Einleitunfltopitel „Die ewige jüdische Mutter" von Leo Hirsch bringen wir nachstehend einen Auszug zum Vorabdruck. Eine Mutter darf ihr Kind schelten, sagt man bei im~, aber wehe dem Fremden, der es wagt' Und wer dürfte es wagen, die Mutter zu — - loben? Ter Fremde . . .B Lind wir so fremd geworden, daß wir ansangen — müssen die Mutter zu loben? Wir sind unterwegs, und wenn es ein guter Weg ist, so-ist es der Heimweg „zu den Müttern". Wir hatten uns verloren, und wie konnten wir uns selbst wiedergewinnen, wie könnten wir hcimsinden, wenn wir nicht unsere Mütter wiederfinden... Wir haben nicht blvsr in der Psychologie und Literatur eine „Batermvrd"-Epvche hinter uns. Sollen ivir sie durch einen Rlutterkult wiedergntmacheu? Aber unsere Mutter war nie eine Bladonna, und so wenig rvir meinen, durch eine Erbsünde zur Welt gekommen zu sein, so wenig sollen und wolle» wir. die uns das Leben gab., in die Unerreichbarkeit des himmlischen entrücken. Alis Erden sollen wir sie chrsürchtcn. nicht in den Himmel 'hinauf hciligsprechen, zu lieben, nicht zu loben , sind wir da. Untere Mutter ist keine Göttin. Vor deren Bild wir niederknien. aber wir stehen aus, weil» sic niS Zimmer tritt, ein leibhaftiger Mensch, die Frau, die uns unterm Herzen getragen nild unter Lchmerze» geboren, die uns essen nild trinken, spüren und leiden, lachen und sehen und gehen gelehrt hat. Unser aller Mutter Eva wa^ feine heilige, und piiscre Ltamm-Alütter .waren überall-; irdische Menschen. Die erste eindrucksvolle Aeußeruug Laras: sie lachte! DaS Erlebnis, das ihr ganzes Lein umkrempeln l»ld erfüllen lind unser aller Existenz begründen sollte, wurde ihr vorausgcsagt. und sic lachte. Am Anfang aller jüdischen Mütterlichkeit steht das Lachen. Ja, es fing gut an rnit uiis, und wird. so Gott will, gut enden. Das Lachen der'nicht mehr jungen und seltsam geprüften Frau, die ein Kind erwarten sollte, war wohl, sehr jüdisch, ein bißchen verlegen vor llcberraschung. ein wenig -spöttisch vor llägläubigkeit, und wahrscheinlich auch ein wenig selig, von so heiter froher Leligkeit. daß jede jüdische Mutter etwas absichtlich nicht glauben wollenden Lpott dazngelacht hätte, ivie um daS . Glück, die Aizssicht auf deS Beste nicht durch srecheS Einverständnis zu verscheuche». Einbehutsames. scheinbar unehrerbietiges,/wahrhaft erdcinrommes Lachen. Zunächst war ja.Lara eine Frau-von der Art. wie sie in unzähligen Eremplaren durch unsere Geschichte geben. . Lie war die erste große Unsruchtbare. Zn der Bibel und in späteren Zettlausren, in Geschichten und Legenden, am Wege der Geschichte und noch lieule in den Borzinunecn jedeschaisidischen -'Habbis »'arten die uusrnelu- - baren Frauen. ES sind tragische Figuren-, geboren - um Miitter zusei»', und es ist lbueu-nicht-gegeben zü 'gebären» Biiitter-, die cs nur praktisch nicyl .- sind- Mütter vbne Kind, wandelnde Widerspruche -. in sich selbst. Lie hegen oder haßen oder küßen. aus Notfremde -- Kinder, undwenn das Fremde .Kind krank wird-aind schreit, legeußexs an die' chigenc Bruit. die oluic Bkilchiü , . lind ioen'n nüverschens^ mitten in ihre irre' '.'tot ein Engel käme und ihnen Erlösuiigverkuiidete. wurde» sie nicht glauben, iviirden sie nicht glaube» wollen, wurden' sic dem Gluck nicht gewachsen sein iiuü - lachen. ' ' ' , -siebekka am Brunnen tränkte den Mann, der für Zsäak mit sie werben kam und seine Tiere. Lie wußte von der Werbung noch nichts, und vielleicht war sie erst nun der besten Werbung -wahrhaft würdig, vielleicht tun der Tiere ivillen. zu dciien sic .wie eine. Mutter .war. EleasarS Tiere sind nicht die ersten, die in »ment Gesichtskreis trete», doch die ersten, für die so gesorgt -wird. Die Mutterschaft der Tiere iind das Animalische der Mnlterschast kommt uns späterhin klarer und krasser vor Augen, doch die-steinbeit des Gefühls ist hier ein für alle Male schlicht und wundersam angeichlageii. - Wenn stebeklas Lob» und Enkelgencrationen dann zti Joseph nach Aegypten ziehen werdet» »m schließlich, in der Fron der Pharaonen fast zu vergeben, ivird der Talmud das ergreifendste.Tiermntterbild daraus anwenden: Eine Kuh ü'eiß es. wenn sie zur Lchlachtbank geführt werden soll, und sperrt sich und ist nicht von der Ltelle 311 bringen: dann nihvt man ihr Kalöckieu vor ihr licr. i>nd sie solgt »'gleich. --- io ivurde Israel nach Aegypten ge- Acbekka iiberli'lele den blinden -Isaak, sodaß- -er-seinen-Jnnguen skati des Erstgeborenen segnete, '-Btaii. bat das.uir Betnig erklärt, und angeblich -liebt eine rechte Mutter all ihre Kindev"'gleicherinaßen, Liclierlicli ipar ancli Atebekka keine hiiiiin-' liscl>e heilige, iind was die Liebe-:z>r ihren Lohnen betritit: io ivar ibr Herz gewiß fo rätielbatt. wie Jedes - - Aber das -gleiche Aecht ans Mutterrichkeit baben nur die gleichen Kinder,,und es niüßtc tenie Btntter sein. die »icht mit doppelter, bis zur List gesteigerter Mmterlichkeit ivieder auiwiegt und gntmacht, ivas die A'ätnr versäiimte. Dem schivächsicn Kind lomnit die stärkste Biütterlich- Aachel, die lieblichste aller Frauen, starb. alS sie znm andern Btale B.utler ivurde. In der sivl deS Gel'ärens rief sie das Kind, das znr Welt kam, als sie ans der ä>üelt gim» Benvni, mein Lchmerzenskind! Doch Jakob' nannte es Benjainin. Glückskind.. Wenn Rachels klagendes Web das letzte Wort der Mutterschaft i»äre. inüßteii wir jeder Lchnierzeiiskind beißen! Doch die Mütterlichkeit geht -übers Grab biiianS, und die Ltanim-wiütler Tara. Aebelka, Nachel iuid Lea sind nnsrrc Fürbitteriniien. Wie der Zug nach Aegypten in Knechtschaft und' Elend, so erscheint manchinal daS ganze Leben iiniercs Bvlkcs in daS bange, nabe, atembetleiniiiende Urbild der w!ntter-nnd-Ki»dscha>t cingcfangen, an dessen Ansängen die lachende Lära. die sorgeiide und vor Liebe listige Aebekka. die sterbend klagende Rachel und die demütig stnmnie Lea wachen. Bücher für Kinder Aus den neuen jüdischen Kinderbüchern ivcbl eiii frischer Wind, er bläsl den Erivachsenen nur die- -Lhre». so daß ihnen inanchiiial hören und Lehen vergebt, er tuschelt ibncn manchmalzu. daß sie znm alten Eisen geboren, ja diese jüdischen Jugendbücher sind.inanchiiial w!ärchc»bncher nie die Erwachsenen und nüchterner Tatsachenbericht für die Kiitder. Lind die Rollen vertanict,t? In dicieii Büchern iverden fleine Jungen und Mädchen lebendig, die mit c.iner Lelbstvcrsrändlichkeit und . Reise, mit c.iner Ausgeglichenheit und lleberlegeiiheit mit Dingen fertig ,verden, zu den.tvir Erwachsenen noch soviel Romantik und Leiitimeutalität mitbringeii, um dann mit sehr sragiviirdiger Entschlvsseubeit ... am liebsten Entscheidiingcn ans dem Wege geben. Für uns Erivachsc^ie iü das Radio noch ein . unfaßbares Wunder, das Fernscben eine. Fabel, für viele von nns Errvachsencn ist der bewußt gegangene Weg zum Judentum in seiner jetzigen Art noch ein tlüeg ins Reuland. Und uns Erwachsenen, die wir gerne ein wenig ztwiel iiächdenken, und iins gerne ein tvenig zu ivichtig nebmen. wird hier in, den Büchern für die - Jugend das gesunde ..priimim vivere. deindi philosophare“- in Reinkultur vor- . geführt. 'Wieviel können und sollen ivir auS diesen Kinderbüchern lernen, nur überheblichen Erwachsenen. £h es niin „Die Bier von Kineretb" von Zaakvw L imon, „Die Jungen vom Giisch" von der io. diesen Jilgendbuclierii liegt.. Rian muß ilin anerleniieii- Eine z>veile' Frage i|t. ob mb die'er propagandinnche Borpig. und man kann rnlitg auch von einer.-moraliiclie» L.iialital sp-reäie».-auch, mit einer kunilieriicheii verbindet ‘ '.'iim. die Bücher ltelle». benimmt keine literariiclieii Ansprüche ä>i sich selbst, »e wollen uu-litinelir-lein, als eben, diese B^-^g,i^r»da rm g»!en Liuii. LÜir .ivolleu. dcsbatb -keine Bergleiche-- anstellen, -keineii der- .- artigen 2ge.rtme.tsor a» ße Tegeu. - . walle» al'er in diesem Zusainlneuliäng. . au ein . Jugeiidbuch erniuer». - aiü da-.- a'udi die . jiidiicheu ,NindeL ''li.ich.tverzuineu sollen .üt.id 'durieii. ein Jugendbuch. . das das Telionsle iß. iüas älle Kinder der ganien L'Üell unter jeder Tonlie. ob sie die heiße, palaiiiiieiisisctie oder ° die küble im Aorden ist. nur lesen könne». Im 2g js 1 j a w s v e r l a g ersäiie» jetzt nett „Tie Fahrt ins 2üliiiderla»d'. das lit eine Znlaimneiistellnng von M.ircheii denlsclier Tieliter. denlsäier Roiilantiker. 2l-enn inan das Jnbalts- Verzeichnis iiberiliegt. toeu» inan die 2üvrte „Gvckel >md' Hinkel, ütnßknacker iind Mänselvnig. Ziverg Rase und Peter Lelilrmit" tieft-, dann gelingen sie .schon allein, »in das :i!m>dl,ernm »>it ivnndersamein Dutt zn -ersnllen. >>m ans ei» La»uncrivölkchen. schiveben zn kömien und ans ihm immer weiterznscliii'eoeii in die Leligkeit. lind loeiin auch diese Leligkeit in die lebendige, -jüdische 'AUrk Iichkeit dmikle finstere Lchatteu wirst, ivir ivolleii 'sie ihrer Lchatteu wegen noch bielir lieben. 2üir ivolleu die Leligkeit nictit iim de» Ld>atten verkaufen, wir -wolle» es tun >oie Peter Lchlemil. <;. ti. Bernhard G e l b a r t lKedem-Berlag. Berlins oder das „Land der Jugend" lBerlag.der Indischen Rundschau, Berlins, das 'Bnä> der Klnderrnndschan. iil, in allen Büchern tvird uns Paläslina. das fremde >md weit entfernte Palästina dnrct, die Kinder vertrant n»d. ivohtbekaiint gemacht,.die Kinder bringen nns Palästina so nah vor die -Angen, daß ivir Farben und Konturen erkennen, die .Kinder halten »ns Palästina, ivie eine runde, . gereiste Frnäit entgegen, so daß wir danaäi saßen lviinten. R'ein. die Erivachseucn sind p,«> oder ,'lmtru Paläüina, sie ivolleu nberzengen oder sie sind mißtrauisch, sie sclMlder» in den lenchtcndsleii Farben oder in Gran., sie spreclxe» von Wirtschaft und Politik, von Glonben und Heimat. - - die Kinder sagen nur: „Ilebcrall in Erez Israel werdcü senk Trauben geerntet", oder „Die jungen Elialiizim waren von der benachbarten Kivnzah gesd>ickt ivorden. um an der Berteidlgnng der kleinen Kolonie teilznilchliieii, deren Beivohner gering an Zahl und deren -Ui»der noch sehr klein waren," Lv sagen es die Kinder.' trocken und sachlich fini> ihre 2bvrte. ivcil sie vvii'dent berichten und das »bildern, ivas ihiien so natürlich ist wie jeder angeborene Besitz. Und so sind diese jüdiicheii Jugendbücher wegen . ilireS Mangels an 'Wäinderschilderiingen voll. 'BUinder für die Erivachieiien. sie sind eigentlich^ die beite Propaganda für Palästina, beßcr als die begeislertesten Patäslinabcricht'e. Das.ist der Wert. Ein neuer Kalender Znm elflemniil ersctieint dieicr rage der reich bebilderte Kalender der 1 j r a e l i t 1 s di r 11 T a 11 b ß >> in m e» a >1 ft alt. der siel, znm Unterscliied von inanchen andern indiieheil.Kalendern an das bürgerliäie Jalir anlelmt. '>!ebe„ einigen Bil- -derii ans der Anstalt, die - Beriländ-n-is für die Erpel,nlig der Taubsl.mnmen »vecken sollen, dienen die andern der Berlcesimg in - jüdisclies 2l>ißeii, Geickunackvvlle Reproduktionen von Kiiiisliverkeil nnd Kiinslgegenst.inde». Pl,olvS bedeutender jüdischer Persönliclikeiteii aus "Bergaiigeiilieit iind Gegenwart soivie Lprüche mid Auszüge aus moder- »eul jüdisclie» Lchrislnm niaetie» de» Kalender zn einein wertvollen Lchmml. Tee Preis beträgt bei vvrz»glick,er Aiisstattiing RM. - p - * Anläßlich des Erscheinend de« zweiten Banded der dom Dubnow-Komitee hkraiiogcgcbcnkn oll» gemeinen Enzyklopädie in engliiclier Lpracl,e fand. >oie der II'A aus Paris gemelde! ivied. u, Paris ei» Bankett statt, an dean etioa .'m» Personen teilnäbnieii. Der Boriiireiide des 2>eri>andes jndiscl,cr £rgaiiisativ>icn. Israel JesrvNlin. leitele die 2>erauslaltniig. Leliaioiir A.sck, ioies darauf bin. daß die jiddisctie Literatur sich trotz der Beract,li,»g. die 'hr seile ms j„d,sel,cr n fei t ef t m-lf r r im.i, vorwenigen Dezemi'ieu eutgegeiigebrachl ivurde. bedeutend cntivickell i,abe. Er l,ob die Aii'fopf.eriingssähigkeit und Telbstlosigkest der B.'aniier l,ervor. die die schivierige. Aufgabe der heran -gal>c dieler Enztzklopädie -ans - sich gew'ininei, liaben. '»'ach Anspraä,e» d<s Dichters T-ilimn, Tchuenr. de.-, bekaiinten jivdisel,,-,, JoiirlialislcN Ben Adir n»k> dis Bizcprandeuten der .-seiitralverivaltiiNg des '-iierbai'de-s C 'K I. Dr. T ingaloivikb. gab der "Leiter der Üledasliviissomininivii. i'l. Abrainvivicz. eine» kurzen Ilebcrbti.l iiln-r .'lnlage iind Tnrd,- sübrnng des jh-rrfr.-.;imii Tcblnß hob der hillvriker E. Tielteriloiver die l,ol>en Lciflniigen der Redaktioiislvinmifsion liervor. Die juäen von Alexandrien Anmerkungen zu einem Buch Von Heinz Berggrün - Im 5. Band seiner ..Römischen beschichte" stellt Bcommsen dem Philosophen Philmi da-S Zenqnis aus. er sei ..mehr sanftmütigen als tapferen 'Herzens, der aber doch fiir die Seinen ... getrenlich eintrat". Damit weist er ans die politische Rolle hin. die Philon eine Zeitlang im römischen Kaiserreich 'gespielt hat nnd die der jüdische Philosoph selber in einem ausführlichen historischen. Bericht erwähnt. (P h i l 0 n v, A l e r a n - d r i e n „B 0 n d e n .M a ch t e r w e i s e n Gotte s". herausgegeben und überseht von h a n s L e -w h. ' 3 ch 0 ck e n B erlag, B e r l i n.i Tiefer Bericht ist ans doppeltem -Grunde für -nns von besonderem Jntereche. Es ist zunächst die ungewöhnlich dramatische, von innerer Spalknnng erfüllte, gegenwarts- "nahc Schilderiing von Zeitereignissen, die 'in der Geschichte der jüdischen Diaspora deshalb eine besondere Bedeutung einnehmcn. weil sie die erste große Anseinandersehnng zwischen iiiodernem Tiaspm'ajndentlnn niid Umwelt darstellen: — Philons Bericht ist darüber hinaus aber zugleich auch die erste be- . dentsamc nnd vor .. allem mmplomatische Aenßernng von jüdischer Seite. . die das Problem der jüdischen Zerstreuung betrifft. Jiir Zeit als Philvn. einer der angesehensten Familien der Stadt angehörend, in Aleraitdrien lebte, war die Lage der Juden i>ü-d-ceser^Pr0viliz des römischen Imperinms anßerordclitlich günstig. "Alerandriabildete das -haNptzentrnm der jüdischen Diaipora. Rach"Flavins Josephns soll. Alerander der Große schon rmch der Gründung der ^tadt im Jahre 3ä2 v. Ehr. palästinensische Inden in Alcrandricn ängcncdelt habet» Seitdein werden sic von den Beherrschest des Landes ihrer bcsondcrcn kommerziellen Fähigkeiten wegen. denen die Stadt ztim großen Teil ihren wirtschaftlichen 'Atlfschtvtmg verdankte-, geschäht und es wurde ihnen, obwohl ne iticht das aierandrinifchc Bürgerrecht besaßen, jede politische und kulturelle Freiheit geivährt. Die 'Umgangssprache war. nicht hebräisch, sondern in Änpassnng.an--die Landessprache griechisch, und selbst ihre Gebete verrichteten sie in griechischer Sprache. Ter Uebergang 'der Herrschaft atis den Händen der Ptolemäer iit die der Römer brachte ihtieit weitere Borteile. .Vinte' Privilegien wurden ihnen verliehen, ne erhielten, wenn auch nicht in der Gefaintheit. so doch in einzelnen Gruppen die bürgerliche Gleichberechtignng tiiid standen überdies unter beionderent kaiserlichen Schtlh. So erklärt es sich, daß Philvn. der zn Lebzeiten bei d.cn eigenen Glatibensgenossen. ivie auch bei den Gebildeteit intler den Römern "Holzes Ansehen genoß, im vollen Be.wtißtsein ihrer Bedeutung die Sähe niederschreiven koitnte: ..Wegen ihres B.tenschenreichtums. kann nämlich ein eiiizelnes Land niclft alle Inden faneii. Des- - halb bewohnen sie auch die Mehrzahl der fruchtbaren Inseln mit» Kontinente Europas- ,,nv Asiens. Dabei hatten sic für ihre Hauptstadt die heilige Stadt, in der der heilige Tempel des höchsten Gottes steht, betrachten aber als Baterland den Drt. an dem sie geboren nnd anfge-zogeu sind nnd seit Gene- - rationcn zn wohnen'pflegen." — In diesem Gefühl von Glcicl>stcllniig. das ihnen den Anfprllch gab. die Provinz Aegypten als ihr Baterland änzniehen. wurden sie von dem tatkräftigen nlid energischen -Statthalter F-laccns Avilliiis jahrelang bestärkt, bis äußeres Ereignis eiutrat. das die völlige Er- . ichütternng der jüdischen Position' zur Folge hatte. Im Jahre ZI wird der Kaiser Diberins in Rom ermordet, und als fein t>cachfolger. besteigt Gains Calignla derr Dhron. Datz ist für'Griechen und Aeghpter. die. „mißgünstig von Natur", die Juden um ihre bürgerliche Gleichberechtigung, ilzre wirtschaftlichen Erfolge unt» nicht zuletztum den Genuß röniischer Gunst und römischen Schutzes beneiden, nnlltvminene Gelegenheit, deir Staltlfalter gegen sie ansznlfetzen und schließliclf i»i Berlans der Ereignisse z>i schwercil judensciiidlichen Rlaßnahmen zti veranlassen. Flaccns, der ein Berlraiiler des Diberins roar. ist bei dem neuen Herrscher ans verschiedenen persönliclieir Gründen besonders sistlecht angescliriebeir und ninß gen'ärtig sein, fclir bald .nach dcm Riuster scincr Frciliide in 'Rom beseitigt ztr werden. Da cutscliließt er sich unter der Einwirk,ing von Riciisclien. die seine Angst nnd Berwtrrn'ng ansiintzeu. um il>n für ihre Pläne einznsetzcn. und gelrieben von dem Ehrgeiz, seine Stel- Iniig. koste es lvas es wolle, zn halten, eine n fn'ioei nicht vorhandene Jndenseindsciiait an den Dag zr, legen. ' Er-braucht gegen den .neuen -Kaiser den Beistand der mächtigen Ltadt Alerandrieu. niid -dieser Beistand, io ivill iiiau Um glauben-machen, könne nicht besser, erkauft werden als dadurch,, daß: man dem Böik die Jndell als Geschenk ansliesere, N'ocl) ist FlaeeuS - iiln'iitschkvssen,- noch zögert er. Da tritt ein ziveites äilßeres Ereignis eii» romantisch in seinenZBegleiterscheini'iirgcn. dramatische Anslockernng und bunte Belebung dieser strengen Folge pvlilifcher Borgäligc. iind dieses Ereignis — das Eiutrefreii des Jndenkönigs ' Agrippa in Lllerandrien — gibt Flaccns Avillins Bcranlaffii.iig, endgültig niid ganz seine Jndcnseinds.chaik ai.fzndeckcu. '- -vier weic!,t Philvn erstmalig, in bedetltfauiem PJiße von der Scliildetung anderer 'historikcr ab. Während, er bei den übrigen Perföiilickikeiten. die er erwähnt, .durchaus nickst fpariam mit Attributen umgeht, um ihre. Eigenickiaften zn kennzeichnen, verzichtet er gerade bei der fragwürdigen Erscheinung des 'Agrippa auf jede Eharakterisicrung. Ter Jude 'Agrippa. Enkel herodes' I., ein berrvölinter Abenteurer, nach Mommsen „unter den zahlreichen in Rom lebenden orientalischen. Fürstenwlmei, iiugesälir der geriugsügigste und liei->iiitergekoii,nieuste". wurde' von Diverius lvegeii politischer Iluziiverläfsigkeit in den Kerker .geioorseu und von seinem Freund iiud Gönner Ealignla uiistt u'lir ans der E)efaugensck>aft wiedee veireik. sondern überdies mit eiiiein Driltel der großväter». liehen -Erbfel,,ist als Königceiih bcsel,c>ist. Was tut darauf Agrippa als erstes? Stolz . autZ'eine Heue Jch'irde und auf die lKniist des -Kaisers,--.begibt er sicli im frisch erivorbeneu Köiiigsgcnnriid nnd umgeben mm präelstig ftassierke» Drabanleu iiack, Alerandrieu. rvo er. N'enige '>>,'o>iaie zuvor »och als aiisgeviiiencr Weck>selsck,i,ldiier versuelst l,alte. bei den Bantuns der Dkadt neue lKeldaiileil>eu zii machen. Sein- 'Besuch bedeulet also eine maßlose -L»eriinssordei iiiig des olmelstn sck,on jiidenieiiidlick, gestiiiiniteii J'-olkes. Kein L'bort davon bei Pl,ilvn. 'Anist dessen Tiirstellung erfolgte-Agrippas Durel,.reise diinl, Alcrandrieu lediglicl» um ans Anraten des -Kaisers ans kürzestemJkbege inZdie eigene Pruvinz zu gelangen. A.ngeblick, kam er „unerwartet und uuer-lauut" in'Alerandrieuan. 11 n£> zeigle beim Betreten der Stadt große °...11rücffjoI« tiiug". Wstv können uns aber nii'ljt vorstellen. daß die Durchreise Agrippa--' so 'ckuvere jndeiifeiiidliche Mäßiiahmen zur Folge gehabt hätte, wenn nicht des Judeutöiiigs Erscheinen i it Wahrheit de sonders provozierend geiveseu wäre. - Die Erzesse. die sein VIuü,rtrn ai-islöste. Iiahcit alle 'Rerkmale der Pogrome späterer Epochen. Unter der ji,disck,en Bevölkerung wird ein grausames Blutbad aiigefkistet. die ' Dempel werden eutiveiht und zerstört.- die Sct>ifse der Inden vom Pöbel in Brand-gesteckt, an' -l'") Häuser dem «--rdbodeu gleich, gemackst. .'ch B.'itglicdcr der 'äerosia. des Aelteftenrates der 'judifilien (üemeiude. im Zirkus öfscntlich an-'-gepeitsclit. und teiliveife zu Tode geprügelt. Flaccns erläßt ein Edikt, durch das die Jndeil ihre bürgerlichen Rechte verlieren nnd als ..Fremde und Znwanderer" anznschcn sind. Auch dürfen sic fortan von