Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 39 (26.9.1935)
- Date
- 1935-09-26
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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hätte, Mid' bnf? er doch überall vorhanden wäre/' Ich glaiibe. dieser eine Oöeötmfc, der durch all sein Schreiben, Teichen, Lichten geht, würde, in eine Form gebracht, die ihm zn banal war, um sie Niedcrzuschreibcn, einfach lauten: Tun ist wichtiger als Denken, Heimann deutet dies am' klarsten an in dem kleinen Aussatz: „Goethe und der Betriebsrat", nach dem ursprünglich der letzte nachgelassene Band seiner „Prosaischen Schriften"' heißen sollte: „Das; niemand die ihm Angewiesene oder zugelvstc Arbeit nur erleide. Wer sie nur 'erleidet, ist ein. Stlave; erst wer sie tut, ein Mensch." ' , -; Er selbst übte dies schöpferische .Tun. das ihm in seinen rcin--dichterischen Versuchen nicht gegeben war, in verschwenderischem Maße bei seiner praktischen Tätigkeit: bei der literarischen Beratung und dem Ausbau des- C. Fischer Verlags, — nicht nur durch die Ratschläge, die er dem Verleger gab, sondern mehr noch durch die beratende und tätige ' Mitarbeit, die er den Autoren widmete. Mas viele zll Rang und Ruhm gelangten Dichter dann Heimann für Rat und Förderung zu danken hatten, ist nicht abzuschätzen. Von bohrender Schärfe, wie seine Essays, war das lveitertreibende Gespräch Heimanns,? dessen fast fleischloses, knochiges, ganz vom lebhaften. Auge beherrschtes' Gesicht, über dem zarten, fast körperlosen Leib, in der völligen Vergeistigung. ein Abbild seiner Schriften bot. Ein Band der „Prosaischen Schriften": „Wintcrgespinst" enthält meisterhafte Novellen, die in der Darstellung des Psychologischen wie der Umwelt-Atmosphäre ebenso präzis durchgearbeitet sind wie die Aufsätze. Zeitlebens schrieb er auch Theaterstücke, die aber nichtsehr bühnenwirksam sein können, weil hier, zu seinem großen Schmerz, die abwägende Gewissenhaftigkeit seines Denkens den blutvollen Strom hemmte, der das Leben des Dramas bewirkt. In den Landschaftsschilderungen und Bekenntnissen seiner Essays ist mehr Dichterisches als in seinen Dichtungen. Aber cs ließe sich Nachweisen, daß das vorhin angcdentctc, von ihm selbst absichtlich niemals ansgesprochene Motiv: Tun sei wichtiger und stärker als alles Denken, wie durch die Novellen, auch durch die Dramen weht. — in dem Ivurnalistenstück „Armand Earcll" und in dem altjüdischen Drama „Das Weib des Akiba", das demnächst der Berliner Jüdische Kulturbund anfführt. In diesem letzten Stück seines Lebens verkörpert der vom „Wilden des Feldes" znm großen Weisen und Verkünder Bar Kochbas .langsam emporwachsende Rabbi Akiba das Tun, seine auf ihn. harrende Frau das leidende und doch zur . Tat treibende NichttuN. Das Stück' ist voll jüdischer Substanz und voll jüdischen Wissens, gefördert durch Heimanns guten Freund, den bedeutenden jüdischen Gelehrten, Geschichtenfanunler und Dichter I. Al. bin. Gvrivn, der vor kurzem 70 Jahre alt geworden wäre. Nicht nur in diesem Stück beschäftigt er sich 'mit jüdischen Dingen, sondern sein ganzes Leben lang beschäftigt ihn die Indensrägt. Er selbst war weder religiöser Jude, noch nationaler, noch liberaler Jude: aber er fühlte und bekannte sich stets als Jude. Und wenn er dennoch sagt, „alles, was ich jp ver? nehmenimstande war, die deutsche Sprache gesagt hat", so findet er für dies Doppel-Verhalten ein schönes und.stolzes Wort: „Es ist nichts Unnatürliches darin, seine Bahn mit zwei Mittelpunkten zu lausen; einige Kometen tun es und die Planeten alle." In seinem Heimatort wurde er in orthodoxem Hans aufgezogen, das, wie er betont, gerade „durch unsere jüdische Gegensätzigkeit, nicht trotz ihrer", geachtet ist. Er bekämpft leidenschaftlich die Indcntausen: „Das gebildete Lyzeumsjiideiitiun geschwächter Inden ist nichts nutze." Er setzt sich jahrzehntelang mit dem Zionismus auseinander, ein Aufsatz „Zionismus und Politik" ist.1017 geschrieben^ den Zionismus als Tat fordernd, von verblüffender Hellsichtigkeit. Und noch, wenn er Bücher .Bnbcrs, bin Gorions bespricht, spricht er weniger von den Büchern als über Grundfragen des Judentums. Auch in der Iuden- . frage fordert er immer das- Indesoin als Tun. als bewegende Tatin jüdischer Religion. Gemeinde. Kunst lind Politik. - * .'Atvritz Heimann war ein großer Weiser, ein großer Künstler: ein großer Helfer und ein großer Jude'; und als dies...alles in.Einem gelangte er selber zu dem schöpferischen Tun, das die. unausgesprochene'- Grundforderung; seiner denkcrischen Arbeit war: - - Kurt I’inthus. Leo Kamriitzer, Erfurt, gestorben Bor ivenißcn Tagen ist -Leo Kamnitzer, der den früheren Landesverband Thüringen des Eentral-Dereius anfgebant und über ein Jahrzehnt als Syndikus betreut hatte, einem Herz-, leiden jäh erlegen-.. An seiner Bahre vor einer großen Trancrgemeinde wurde ausgesprochen, .was dieser kämpferische, im besten Sinne volkstümliche Alaun der jüdischen Sache und den ihm nahestehenden Organisationen gewesen war. Den Dank und Abschiedsgrub der Leitung des Eentral- Bcreins und der früheren Kollegen überbrachte Dr. Alfred Hirschberg (Berlin). Im Kreise des Eentral-Bereins ist der Name Leo Kamnitzer ehrender Erinnerung gewiß. u-— Glückwunsch für Rabbiner Dr. Max Dienemann Am letzten Tag des Jahres r>(JJ>"> wird Rabbiner Dr. Mar Diencmann (Oifcnbach) 60 Jahre alt. In ihm besitzt das deutsche Judentum einen begnadeten Meister des Wortes,-, der die Erinnerung an die gelehrien Rabbiner des Mittelalters roto-l)tvn.<t Arno Kikoler in uns wachrnst. Der Jubilar hat neben seinen großen Ausgaben als Führer und Lehrer seiner Gemeinde eine reiche und fruchtbare Schriftsteller«' tätigkeit entfaltet, von der grundlegende Artikel in den verschiedensten jüdischen Zeitungen. aber vor allem mehrere b,edenrsame Bncher^eredtc.s Zeugnis ablegen. Seinem LieblinstheinuE..Zudentnin und Ehristenlniil" widmete er eine Schrift, in derer die Unterschiede beider Religionen in der Anisassnng des Aleiischcn aufzeigt. Der Anschauung de? Judentums von seiner Gottesebenbildlichb it. des Al en scheu stellt er die christliche These von desi'eii Siindhaiiigkelt entgegen Mid kvinint znm Schluß. daß das Indentuin keine Gnadeuspendung -von außen kcniit, sondern daß der Alensch nur aus sich selbst heraus das Bvie überwinden kann. Auch -mit der^ Fraye,-wie - sich^unfer religiöses Leben außerhalb Palastinss^znigestalten hat und ob ein 'solches überhaupt möglich ii't,-hat'sich Tienemann ni einer bedeutsamen Schrift beschäftigt. Seiner rastlosen Tätigkeit entstammt seriier; der Stammbaum. der angesehenen Wormser Familie Guggenheim. der in gemeinsamer Arbeit mit dem T'"endlicher Notar Tr. - Siegfried ..Guggenheim enksian- - den ist. Auch für die Enzyklopädien und Lexika des Judentums-hat der Jubilar manchen Artikel geschrieben: diese Aukiätze.chewegen sich vorwiegend ~ ain dein -vguptintercsientengcbict Tienemann-:-/den Beziehungen d'cs Judentums zur christlichen limivett. Nicht Unerwähnt bleibe auch der -Um-irand, daß der'Jubilar während einiger- Zeit die. im Philv-Berlag erscheinende Zeit'a,rin ..Ter Alorgen" gemeinsam mit der Witive des Begründers, des früheren.Darnntadtcr Philoiophieprosenors Tr. Julius Gold ü ein, geleitet hat. ' Tie Ossenbacher. Gemeinde und mit ihrdas; ganze Judentum wünscht in' slotzer Dantvarteit. daß dem Jubilar noch lange. Zahre segensreichen 'Wirkens zum Wohle seiner Genieiude imd ' znm Heile senior Glaubensgenossen beichteden sein mögen: -Dr. BL-Fraokfuvt a: Mi;. M ist die C.sV.sZeUiutQ. im Stcassen= Jkandel nicht nach PALÄSTINA Der neue regelmäßige Schnelldienst Triest-Haifa mit dem modernen 10000-Tdns-Einklässendampfer TEL-AVIV / Nur eine Klasse von höchstem Komfort; fließendes Wasser, kalt und warm, in jeder Kabine. Große, schöne Gesellschäftsräume, Sportdeck, Schwimmbassin usw. Alle Bequemlichkeiten an Bord. Erstklassige rituelle Verpflegung. Nächste Abfahrten i Ab Triest: Ab Haifa: D. Tel-Aviv. 11. Okt. 12 Uhr 4. 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