Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 45 (5.11.1936)
- Date
- 1936-11-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Porträtstccher ist und diese Kunst aus seiner /oberitälicnisihen Heimat nach Holland über* In deiem 17. Jahrhundert sehen wir dann auch in England. das sich nach jahrhundertlanger Abiperrnng den Juden von A'enem öst'nct, zivci jüdische Künstlern als Bil'dmsunnlaturlslcn am Werke: ^dio Bruder Jamitcl und Al e r and e r- E v v -p e r. Ter -bedeutendere von. beiden. Samuel Evoper, stt . > am -Hofe von Ouver Eroimvetl uud spater von ... Karl II:. 311 höchsten b i,reu gekommen, und-- seine Knust -der- Menichendarsteltung--- eures ... harten siriegshelden wie emeL. we-icl,en Knaben- ... gcstchkcs der englischen. Aruustratie—rechtfertigt seine Bezeichnung als der.„euglnche van Thck"..- Hallt alle diele Portratbegabnng beziehungswciie -Portr^tneignng vom 'Mittelalter bis zum Barock znnaist'st den selardischen Ägiden zu. so sangen alluiahlich, aber eben spater, auch die Aichkenasim a». dem Portrat nch zu nähern. Sie haben stärkere Hemmungen.zu iiberwindcn. einmal weil sie vrthodorer sind, .dann aber, weil sie aus Gebieten stammen, /die. von .sinnst nicht -so sehr gesättigt sind wie die. romanischen Länder. "i'iit welchem, Befreinden sahen die Abgeordneten der Posener (Gemeinde noch 1740 im Ghetto von Siena den durch eine Gestalt des Moses gekrönten Brunnen und ließen sich nur - schwer davon - überzeugen, daß bisher niemand Anstost daran genommen habe. Aber gerade in England, in Holland, und endlich in dem nach Norddeutsthl'and vorgeschobenen Posten sesardischcn Judentums, in den drei Gemeinden Hamburg. - Altona und Wandsbek, scheint sich durch den Anzug aschkenasischcr Elemente eine Filtration in der Frage künstlerischer Anschauungen vollzogen zu haben. Als der große Rabbiner ' Zeivi Aschkcnasi 1714 nach Logdon kam, wurde von seinen Freunden ein Porträt in Auftrag gegeben. Ter Künstler mußte noch heimlich aus einem Nebenzimmer den Darzustellenden beobachten, weil dieser die Zustimmung niemals gegeben hätte. Aber die' hervorragende Gelehrsamkeit und die daraus hervorgehende Verehrung der großen aschenasischen Schriftgelehrten des 17. und 18. Jahrhunderts, eines Ezechiel Landau, eines Akiba Eger üsw., lassen > den Wunsch immer, dringlicher werden, diese Köpfe als Stich-oder Bild, im Zjmmer hängen zu haben, ein würdiger Schmuck der stillen Stndierstube. So kommt das Rabbinerbildnis auch in religiös-orthodoxen Kreisen Deutschlands und des östlichen Europa in Aufnahme. Ohne die künstlerische Gewandtheit der Se» - sardim, ungelenk in dcr^Form, staben sie statt .dessen die primitiven Reize der Bolkskmisti die ja auch manchem.Kultgerät des Ostens eine naive Frische verleiht. Als Beispiel bringen nur das Bildnis von.Jonathan Ehbenschütz. Grostrabbiner von Hamburg, Altona und Waiidsbef. um die - Mittedes 18.' Jahr-.; Hunderts--. uack> einem .siupserstich gemalt (s. Abb.). Zu Beginn dieses 18. Jahrhunderts kommt I sin a e 1 A! e n g s l 104s—170 t > aus Kopenhagen nach Hamburg, später nach Dresden lind wird hier.-im Grvßporträt wie in der Bildius-"Miniatnr der Ptalcr des sächsischen- . Blit dem stärkeren Wehen einer juden- - .sreundtichcü Stimmung, die vielfach gerade von den Fürsten genährt wird — als spürte ein alter Adel den anderen rücken jü- Leo Prochownik: Lesende Kinder (Zu dem Aufsatz ,,Vier Künstler sielhn aus” auf der nächsten Seile) Fot. Abraham bische Künstler immer öfter iy die Stellung von. Hvfkünstlern ein. Jüdische Medailleure erhalten in Mecklenburch^md' Preußen den Posten von Münzmeistersi/und darunter bc- - findet sich um 1800 ein so hervorragender Künstler wie Ab ra h am Ab ram s v n (1754 bis 1811). Seine Köpfe von Fürsten, aber auch von Glaubensgenossen zeichnen sich durch Knappheit, Schärfe und zugleich Wärme der Eharakteristik aus. Welche vornehme Ruhe atmet z. B. der Kopf des Bankiers Daniel Jtzig "mit dem'Gegensatz des scharfen Profils zu der Weichheit von Kappe und Gewandung, (s. Abb.). " Die Bildnisnnniatur, die wir bereits in England bei den Brüdern Cooper .in Blüte fanden, läßt jetzt auf deutschem Boden in einer Zeitspanne von etwa 50 Jahren — von 1800 bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts hinein — eine Anzahl bedeutender jüdischer Kräfte erscheinen: Johann Michael Siegfried Lowe, Sa lomon Pi rill a s, L i pp m a n n F r a e n ke l, L.e v Lehmann, David Alexander Fiv - rino. Gerade diese Fähigkeit, im Kleinen und Feinen zu arbeiten, scheint dem Juden . gelegen zu haben. In der Enge seiner. Ghettvstckbe hatte sich dev Schreiber, der Soser, seit Jahrhunderten bei spärlichem Licht nahgesichtig über Rollen und Folianten gebeugt und sie mit zierlichsten Initialen und bildhaften Szenen geschmückt. . Bon jener graphischen Fein-Begabung 'leben auch die Porträtstecher dieser Zeit, die in H e i n r i ch B e n dir (1768 bis 1828) ihren hervorragendsten Vertreter gefunden haben. Während also die sileinkünstler: Medaille, Miniatur und Graphik, bereits voll beherrscht werden, wächst die Großpvrträtmalerei in den aschkenasisihen Ländern langsamer, (sind zögernder aus ihrer Vorher erwähnten voltskunsthasten Primitivität heraus. Tie Kunst der Gebrüder Hcnschel. die zu Beginn des 19. Jahrhunderts von Schlesien nach Berlin wandern, steht noch auf dem Grenzstrich von einer dilettantischen, übrigens in ihremDiletttantismus sehr liebenswürdigen, Porträtkunst zu einer Kunstbeherrschung, die mit derllmwelt voll konkurrieren kann. Erst der. Wohlstand der Judengemeinden in Berlin, Frankfurt und Hamburg gestattet es, den begabten, und vermögenden Söhnen, jedmögliche Ausbildung durch Akademien oder große Reisen nach Italien und Frankreich zu erhalten. Dabei verliert ein Philipp Veit (1793 bis 1877), der "Enkel von Vivses Mendelssohn, frühzeitig sein. Judentum, ja, er wandert in weichen christlich-nazarenischen Bahnen, bleibt aber in seiner kräftigeren Porträtknnst mit der Anlage seines Stammes zu guter Menschen- . beobachtung verbunden. * Ter Berliner Eduard Magnus (1799 bis 1872) widmet sich bereits ganz allein dem Porträt, beherrscht-das Einzelbild wie die vielfigurige Familiengruppe, gibt den Menschen bei aller Aehnlichkeit einen Zug gefälliger Schönheit und ist in seiner Farbenwahl so ansprechend, d^ seine Kunst noch heute ihren weichen Zauber ausströmt. (s. Abb.). In der Gepflegtheit des Vortrags läßt er an den gleichzeitigen Komponisten Felix Mendelssohn denken. Welches Wohlbehagen niuß doch, diese Juhen der dreißiger Jahre,, die sich im seligsten Traum der Assimilation befanden, , durchströmt haben! Ter jüdische Porträtist Hamburgs ist L 0 u i s A s her (1804 bis 1878-),- der Frankfurts M o r i tz O p P e n h e i m (1800 bis 1882); besonders dieser fühlt sich, bewußt als Jude und betont darum eher die Rassezüge seiner Modelle, als daß er sie, wie Eduard Magnus, abschliffe und glättete. Eine Anzahl kleiner, heute noch kaum faßbarer Maler wie Wilhelm H e i n r i ch S ch l e singe r, F e r d i n a n d H e i l b u t h, . 11 Philipp Arons, Gusta v S e r tz, stehen in der. Nachfolge dieser Porträtisten. Bis dann ein paar Jahrzehnte später nnt M a r L i e b e r m a n n eine Porträtbegabnng höchsten Ranges aus den Plan tritt. -Tie Z"6e des Gesichts, die Haltung des siopses,.die Stellung des Körpers, das Spiel der Hände: das - alles macht die Porträts .Liebermanns zu völlig einmaligen Schöpfungen; hier^ist aus der Eharakteristik des Menschen die'Sprache der Liniender Farben, des ganzen,Biloausbaucs erwachsen, (s. Abb.) Aber wie die Natur keinen.Sprung machtläßt auch die Kunst, das Genie erst nach vielfachen Vorbereitungen entstehen- Darum ist es. wichtig,, sich die Entwicklungslinien jüdischer Porträtknnst vor Angen zu halten, um den Fangen Weg bis zum 'Gipfel zu schreiten. r>kacki einer Ervsinunasseicr -für geladene Galle atn kommenden Sonntag wird die Ausstellung „Unsere Ahnen" für das Publikum vom 9. November, 10" Wir an llchrbar sein. Lcsfnungszeiten: Täglich, außer Sonnabend, 10 bis 14-Uhr.. ^ürlisclie k'amilierlkorsctrunA Das neue Mitteilungsblatt der „(S.c f c 11 s cha f t für Jüdische^ Familiensors ch u n g" (Schriitleitung: Dr. - Arthur (5 z c 1 - litzer) enthält eine 'Reihe von Beiträgen, die .kulturhistorisch von Interesse sind/ Regierungsrat i. R. Oswald Laffallh lHamb' Fackmrzt Tr. Egon Fla hm (Berlin) s Untersuchungen über „Tie Familie des ' stechcrs Micliacl Loser (1728—1^12) zu L a. d. W." .fort. Nabbine-r Tr. A. P 0 s n e r ' (Jerusalem) benennt „Eine neue Quelle für Fämiliensorschung". Ter .Direktor der Bibliothek in Tel-Aviv. Professor Tr. Heinrich Löwe, ver- ' öifentlicht Auszüge aus. einem, oberschlesischen Mohelbuch.. Dr. L. Moses (Wien) gibt die Darstellnng einer mährischen Judensamilie („Tie Familie Siebenschein") und Tipl.-Jng. Julius Wronkow (Berlin), veröffentlicht eine Anleitung zur ...Numerierung der Personen in Teszendenztafeln nach dem Teziinalsystem". Mi'- zellen, Buä)besprechungen und ein Snchblatt, ans dem Anfragen familiengeschichtlickier?lrt dem Leserkreise unterbreitet werden, bilden den Ab-. schluß des materialreichen Heftes. . —g— Katalog 185 Ludwig Rosenthal's Antiquariat (München). „Bävarrca" nennt Ludwig Rosenthal's Antignariat den soeben versandten Katalog 185. der den Katalog 133 des Münchener Hauses ergänzt. Es ist ein reichhaltiges Lagerüerzeichnis. das Bücher und Handschriften, Autographen, Urkunden und Flugblätter ans der baherischen Geschichte. Literatur, Topographie und Kunstgeschichte verheißt. Biele ^Seltenheiten begegnen, so ein schönes Ansichtenwcrk von 1619, das Bilder ans Augsburg. Regensburg, Salzburg oder/vom Tegernsee in Radierungen enthält,,so die inhaltlich außerordentlich wichtige, in zwei Teilen vorliegende genealogische Chronik von Lerchenseld mit den eingeklebten Holzschnitten von Hans Burkmair im ersten Teil, oder - das reizende Stammbuch pes Wilhelm Necker mit 42 Eintragungen aus dem 16. und 17. Jahrhundert, mit Modebildchen und Miniaturen amüsantester Art. 0. B. 8. November, 20.15 Uhr: Konzert im Hause Wachsnüinn, Wilmersdorf, Brandenburgische Str. 45, 41. Lbaahalter-Quarlett. Else Wachsm.ann (Ecsona>. Ruth Waahalter und Walther Hirschbera (Klavier!. 12. November- 17 Uhr: Frauenvercin der Berliner Bne.i-Briß. Lihung mit Bvrtra.a. Frau Oise Goldner-ZixgeUaub. Qvgenhaus. Kleiststrafie 10. 12. November, 20.45 Uhr: Lrtsarupvc Berlin der Agndas Jisroel. Tr. Marimickan Landau: „Sam- Hirsch und. unsere Zeit." Aula, Liegson Raphael -i mnndshos 11. er war es. der' für den Wegfall der. Trau- - schein- und Handelsgelder tvie der Rekrutengelder, also für den"HPresdieiist der Juden eintrat. Man-war schau sehr stolz auf diese Zierde des Judentums, die mau „zu Napoleon" . schickte, nur die-Bezahlung ivar schändlich. Mehrere Gesuche Rabbi Alibä Egersum Gehaltszulage-blieben imberücksichtigt. Zaghaft gestand 'er, daß sein Einkommennicht zwei drittel seinfs Bedarfs deckte, und bat um 5 Taler die Woche. Als er eine Tochter verheiratete. gestand man ihm endlich>'ine kwine Summe nach'.Peinlichstem- Hin und Her-zu, 'nnst später beglückte man ihn vollends durchsvlgendeu jüdischdcutsch uiedergeschriebeueu Vorstaudsbeschluß: „Wir genehmigen 250 RT jedesmal ha Raw. ha Gaou Akiba Eger zu schenken, wannen er-eins seiner siinder ausgibt. so männlich wie iveiblich". Tann. 5556', . stirbt seine Frau Glnckclsen. und Niärkisch- Friedland wird durch Feuersbrunst zerstört. 1800 folgt eine zweite Fenersbr^lnst. Im Jahr danach heiLatet er Brendel Feibetmann, die . - ihm fünf Söhne und sectis Tbehtcr sci,enll. 'NNttlerweile geht es in llNärkisch-Friedland - wieder bcsser/scin Einkomlnen wird erböbt. die. Gemeinde hält ihn. . dem anderiveitig Besseres geboten wird, der hochbcrühmte- Rabbi Moses Soser tvird sein Schwiegersohn., und 1814. bietet die Großgemeinde Posen Rabbi Aliba Eger ihr Ravbinat an. Ehe er es antreten. konnte, gab es die sgnaiisclsiien Kämpfe zwischen den.Aufklärern, denen er »nt seiner bedingungslosen Jüdischkeit der schlimmste Dorn im Auge war. und den Allironunen. die ihn verehrtem er tvar - —längst die lUlWiWiiUJ -Ant-oxität seiner^ett i.»talten jüdischen, talmudischen. rabbinischen Dingen. Anderthalb Jahre kättipste die Dp- Position gegen den dem Gcivählten schon mitgcteilten.Beschluß. Ende 18K> wurde er endlich rechtmäßig ernannt, nüt 12 Talern die Woche und freier Wohnung. - Die aufgeklärte Opposition protestierte beim prenßischen-Oberpräsidenten gegen die Wahl dioseäWüindes-. rabbiners, der bigott wäre und als Fanatiker aberglänbisclie Vorurteile 'begünstigen würde. Man ein igle sich auf ein Kompromiß, beschränkte die Schülerzahl, die E'inkünfte und die / morätische, das heißt jüdisch-politische' Wirksamkeit des neuen Rabbiners und bestimmte eine sivnt.rotle. Als er einzog, gab es natür- . lich Aufregung genug. Einer seiner Gegner hatte erklärt, bei seinem Leben sollte der Rabbi Atiba Eger nicht nach Posen kommen, und wurde kurz vorher vom Schlag getroffen. Ein -Fleisckier redete Häßliches über den - nüt Ovation in . Posen ein ziehenden Rabbi -und starb ans per^ Stelle. Wenigstens gingen sotck^ - Naclrrichten. nur. -und. mün kann, daraus . schließen, in welchem Ansehen er stand. Ihn selbst kümmerte nur seine Arbeit. Akorgens um 4 Uhr begann er mit Mischnastudien. Wenn es Tag wurde, im Sommer nach dem zMorgengebet. im Winter davor.- hielt er vor Gemeindemitgliedern eine einstundige Talmndvvrlesung. - Tann warb ' er ' bei den Hörern oft - für wohltätige Zwecke. Das Frühstück tvar die einzige "Mahlzeit, die; er im Kreis der -Familie cinnahm. Bon 10..bis 42 Uhr hielt er seinen Lehrvvrtrug' in der Jcschiiva. der ans jeder Posener .Gemeinde 'wenigstens ein Schüler angehvrte. Kam ein, , / Leichenzug vorbei, so erhob er sieh, tim init all' seinen Schülern dem Toten die letzte Ehre zu erweisen. Tein Rcittagessen war leicht und kärglieh.- er gönnte-sich kaum Zeit dafür. Zu schrvaeh. um nur zu sitzen, tag er dann ans dem Sofa, las Renerseheiunngen. -immer den Bleistist in der -Händ. um Randbcmerknngen zu machen. Dann wiederholte er vor seinen Söhnen. Verwandten und besonderen Schülern m uä gspe>sUmu^Doumch.d!vohn te er den Sitzungen dxs Beth Din. des Gerichts, und der Gemeindevertrelnng bei. auch hier der äuge se-hcn sic Richler und. Gutachter und chelieb-- teste Schiedsrichier. den trptz dem Berdot auch Niehtjirden um Rat .und ' Urteil angingen. Nack, dem Riinchagebet. das er n Talliit und Tiillin verrichtete, kam sein Lehrvortrag über . den Rimalkommcnlar Magen Awraham, nach Bon 8P§ ttl'uher abends schrieb er die Antworten auf die vei-schicdenartigen Anfragen und seine berühmte.n Rechtsgutachtcn. -Vor Niitternacht kam er selten zu Bett. Nur an Feiertagen, Sabbaten. Freitagen lebte er ausschließlich seiner-,Familie, seiner persönlichen Andacht, seiner Gemeinde. Fünfmal jährlich, predigte er. Das war seine Tagesordnnng. Darüber hinaus gab es'noch, immer wieder Arbeit und Verdruß. Die aufgeklärte Opposition begnügte .sich nicht mit dem/Rabbi Akiba Eger nicht tangierenden Kompromiß. Zur Resorin des jüdischen Unterrichts kämpfte man mm beim siiiltnsministerinm in Berlin gegen die alt-, modische Lehrweise und den Lehrstoff, mit dem Erfolg, daß die Regierung 1825 den Talmndnnterricht verbot. Rabbi Akiba Eger ließ eine Denkschrift ansarbeiten, woraufhin der Talmndnnterricht. wieder frcigegeben nmrde. Tie Einwände, gegen die Person des Rabbi., die auch nicht unterlassen wurden, blieben von der Regierung' iinberücksichtigt, weil die Gegner ihre Namen nicht nennen -wollten.. - J.nzwisckM wirkte Rabbi Akiba praktisch weiter. Er brachte das Geld für den Ban eines neuen Lehrhauses ans. er organisierte die neue Beleuchtung der Jndenstaöt,. um an den kostspieligen. Laternenpsählen vrdnnligsgemäße Ernwschnüre anzubringen, Pr war der' geivandleste "MoHel, der unzählige - Beschneidüngen vollzog, er sorgte für Arme und Kranke, er schlichtete Gemeiiidestreitigkeiten in vielen Prvvinzstä.dten, ja selbst in Wilna, er war der tätigste Fürsprecher des alten Judentums in der min sckfdn europäischen Frage'der-siultusrewrm, er eigentlich schuf den Posener Juden ihr. sirankenhans. Er halte häufiss. mit Staatsbehörden zu tim. und cs ist bezeichnend, wieviel Eharakter er. der Schüchternste und Bescheidenste, zeigte, wenn er für die Inden oder, das Judentum seinen Mann zu'stehen hatte. Er stand der Unnvell so feft und frei gegenüber, als ivcnn er der Botschafter der bedeutendsten Weltmacht gewesen wäre., So stand er selbst einer schlimmen Bedrängnis gegenüber, l83l brach die Eholcra in Posen, ans, lind er organisierte den siampf gegen sie. Sehr wenig aufgeklärt und sehr tüchtig. Er sorgte für ^geregelte Lebensweise der Armener organisierte die -Psildtätigteit der Reichen., er sorgte jüdischrituell für Hhgiene. er gab auch denen, die es wünschten, Amulette, er erlaubte keine Tiätsehler. er organisierte die Gottesdienste an den hohen Feiertagen so. daß sic keine Anstcckungsquelle wurden (eine .gigantische Leistung)/' er ■} durchbrach um des Lebens willen „gesetzgebend" religiöse Vorschriften, und so mußte i "selbst die Regierung anerkennen, daß die 'Ehckterasterblichke.it der. Posener Inden dank seiner Arbeit unendlich geringer war als die der Nichtjuden und anderer Städte. ^Als ihm der König Friedrich Wilhelm Hl. zum ehrenden Tank dafür durch den Lberpräsidenten ein Kabinettsschreiben feierlich überbringeii ' ließ, das aber der Rabbi nicht offnen wollte, weil es an einem Sabbat war, da siuste er lächelnd, er könne es nicht Fesen. Ter Ober- Präsident erbrach es und las es ihm vor. Ter- .. artige Glanzpunkte gab es dann noch mehr in seinen letzten Jahren: als die Emanzipation durchgeführt wurde und er einen großen patriotischen Dankgottesdienst abhielt; als das neue Jndengesetz überreicht wurde und Rabbi "Akiba Eger die Jndenstpaße illuminieren und den Armen ein splendides Volksfest geben ließ; und als er von der Hochzeit seines Sohnes in Alinsk nach Warschau kam. Warschau ihm zu Ehren illuminiert ivnrde. oiernndzwanzig. Ehrenbediente ans der. Elite der Gemcinde ihn umgaben. . doppelte militärische Ehrcmyachen vor. seiner Haus- und Zimmertür standen, llnten Tag und Nacht viele Tausende seines. Segens harrten nnEvierhundert Kaleschen ihn fürstlich begleiteten, als er Warschau verließ. Kurz danach starb seine Frau, ein Jahr später wurde er gelähmt, am. 12. Oktober 1837 starb er. In seinem Testament hatte er sich, jedes Lob bei Grabreden und Nachrufen verbeten;