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Central-Verein-Zeitung · 1936-11-05 · 45 (5.11.1936) · page 5

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936)
Issue
45 (5.11.1936)
Date
1936-11-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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;Nr.45 *1 Beiblatt ,5. November 1936 Jüdische Porträtierkujist / Von Franz Landsberger f Das J ü <1 i s c h e. M u s e u in in Berlin eröffne! am Sonntag, dem 8. November, in ■Verbindung. mit der ti r s e 1 l s e h a f t Hi r; jüdiseh-e F a m i 1 i e il f o r s eh un tr und dem G e sa m t a r e li i v d erd u de n in . Den tseh la n d eine Ausstellung .. LJ n - ... s'e r e A Im e n ". Olelchzeitiir-werden. in . . verschiedenen .Städten des Heiehs jüdische Por,li;li-Au.ssIc>W111v_ion eröffnet. Aus diesem ■-.- Anlass veniffenlliehen wir nachstehend’eiijen Aufsatz des Dir^Jdörs des Jüdischen. Museums', in Berlin, Professor Dr. Kranz Landsbeiger, über jüdische l’orträt-Malerei. IiiH die Hilden schon in alten Seiten trotz des Bildverbots eine figi'lrtiche Uiutft besessen haben, ist lcekannt genug und durch die aufgedeckten Fresken vvit Dnra-Enropbs erst kürzlich wieder 'bekräftigt worden. Bor- 'wiegend stellt diese signrate Malerei, wie die gesamte altere jüdische Kunst, int Dienst religiöser Ausgaben, und es möchte scheinen, it(3 ivnrde das toeltliche Themg: Landschaft. Inte- - ricur, Stilleben, Bildnis, kurz alles das, ivas sich das übrige Europa seit der Renaissance schrittweise erobert hat, gänzlich fehlen und ivieder in vereinzelten Ansätzen. Fa. . von; . 17. Fahrhnndert an bis zur Gegenwart kann man sogar von einer konlinnierlichen Linie des jüdischen Porträts sprechen. 2üenn. also nn allgemeinen zwischen, der XLumt des VMirttos und. der. späteren jüdischen ALmm. ein tieier Riß klafft, so baut doch das Bildnis zwischen beiden einen, wenn auch.schmalen-' Berbindnngssteg. . 'S'- '■ Fn -einem jnbischen Sippeugrave ans dem Fahr hundert unserer Feitrectmilug. in Palmyra, unweit von Baalbek, finden »ür an den Wänden Engelsgestalten mit Medaillons in den Händen, in denen sich Brustbilder jüdischer Ptänner und'Frauen befinden. Die Gesichter zeigen jene knappe scharfe Echarakte-F ristik,. wie sie die späte Antike, etwa in den- Fajnne-Porträts erscheincit lieft is. Abb.l. Und ans einem jüdischen Sarkophag des Lateran- Mnfenms in Rvm^ gleichfalls ans den ersten Jahrhunderten, haben wir ans dem Sargdeckel liegend die plastische Gestalt des Berstvrbcnen, eines Knaben, der mit Hündchen und Vogel spielt.. - V ' Ans dem Blillclalter begegnet, uns. die. seltsame. Nachricht. daß ein i.panii.ctier F»de die Büste von Franz v. Aüisi geichaitendiat, als der später, heilig gesvrocbene Mönch Anfang des >ü, Fahrlmnderts iiiBaanienioeilte. Die Bnstenwrm ist. im. Mittelacier selten ge- . nng und eigentlich'nur.nocti inFakraler Formsi »ls Belianienbehälter -im Taiwan ge. Aber -gerade im KL Fahrhnnd^ct tanclit sie gleich? zeitig am Hvic Fciedrmis^ I I., des Hvhenstanf-en, in Snditalic»E»nt/ Bon-dem Ans' setzen jener Franziskns^Bnsie gaben wir leider nictg die mindeste Kenntnis. Die. Renaissance -täßt die italienischen Fnden lebhaft Und so gut wie gleichberechtigt an dc/r kulturellen Blüte ihres Landes, teilnehincn. Bon dem Anhauch dev Kumt dieser Epoche beseelt scheinen Fuden unter anderein die damals so sehr verbreitete Technik der Niedaille geübt zii haben oder wenigstens für sich Haben üben lassen. / Erhalten ist freilich nur ganz Weniges, an erster stelle die hier abgebildete ts.Atzh.l Plakette, die. im 17. Fahrhniidert in Achon gefunden, heute in der Pa^ riser Bwliottzögue Aalioüale betoahrt wird. Der Dargenellte in nach der.. Umschnftung in hebräischen Lettern ein Benjamin ben Elijahu Beer, das.Entstctntngsdatum kann als 1-197 oder MM.*» gelesen werden, der Äil ist der - in Ltzeril.Uien ic» den Pledaillen des Antonio Pisano "gebräuctzlicheiF. Doch die Art..wie. der Kops sorglos ans der Mitte gerückt toird,. die Biicl,staben schreiblusiig »nd nnrnlng die-, freie Fläche überziehen. läßt auch.als B.ert'er. 7 tiger desStückes einen Abkömmling des Bol- . ' kes der Sctirtit., also eiueinjndisctjen .Pj.eda.il.- len.r/vermuten, . Eilte klassischer.ausgewogene und daüer ivo.hl von christlicher Fand »am- . - inende 'Medaille, toahrscheinlich um t--Js in Portugal entstanden, heute im Musee binnh Pari»!, ist jene der Grazia P.endes, deren jugendlicher Kopf svivohl von lateinischen wie ' von hebräischest Vettern umrahmt wird.- Pkit der Pcrtreibnng der Fnden von der Pnrettäen-Falbitisel wandert die Porträtliebe der Fnden in den Mittclmeerländern nach nördlichen Fönen. . Die Prominenten der 'neuen Fn'dengentejnde in Folland, vermögend und selbswewnsU. lassen firt) von keinem Geringeren als Bembrandt malen, und dieser wiedernm. im Ehetko wohnend, wird von der ihm verwandt erscheinenden Fnnerlichkeit, aber anch von der Prachtlicbe des. immer noch rrrjatmffra Zwei Wandstreifen aus dem jüdischen Sippengrab in Palmyra erst seit den Tagen der Emanzipation erscheinen. Nun sind gewiß die meisten dieser Gebiete int Judentum tvirklich erst um 1800 ausgetreten. Nur auf das Bildnis trifft dies nicht zu. Wir finden es sporadisch schon in jüdischer Antike, und in der Folgezeit immer Von links nach rechts: Eduard Afbgnus: Bildnis der Sängerin Jenny Und, 1847, Berlin, National-Calerie. — Max Liehermarm: Bildnis der Gattin des Künstlers, 1930. — Medaille des Benjamin hen Elijahu Beer und der Crazia Mendet. — Abraham Abramson: Medaille von Daniel Itzig, 1793, Berlin, Jüdisches Museum. Bildnis des Rabbiners Jonathan Eybenschütz, Berlin, Privätbesitz. / starf orientalisch gewandc-ten Volkes seltsam angezogen. Aerzte, Rabbiner, Philosophen treten in Bildern und Stichen ans: wer kennt nicht die schöne Radierung, die Rembrandt von seinem Freunde, dem Rabbi Ptenasse ben Israel, geschaffen hat! Reben solctter Meisterschaft erscheint der Knpscrstich. des gleichen Rabbi von Laloino d'Ftalia steif und liölzern. Aber der Künstler ist uns gleichwohl ehrivürdig, weil er einer der frühesten jüdischen Rabbi Akiba Egers Leben Zu seii}em 175. Geburtstag am 8. November / Von Leo Hirsch Der große Rabbi/Akiba Eger war klein von Gestalt. Da sehen wir ihn vor uns, wie eine Urenkelin ihn sah, als sic noch ein sehr junges Reädchen war. (fr kam zur Hochzeit' ihres Bruders. Hunderte waren ihm entgegengercist, und ein Biererzug war prächtig feiner Karosse vorgespannt, in wMlser „der kleine schmächtige Mann, in seinen seidenen Kaftan gehüllt, die Pelzkappe auf dem yi'r Haupte, dasaß. still und einfach. Aber es ist mir noch heute erinnerlich, daß etwas Hvheitsvvlles. Vornehmes über der bescheidenen Erscheinung ruhte, jenes nndefinier. bare Etwas, das die zum Herrschen Geborenen umgibt, und um den äußeren Menschen den Abglanz einer edlen Leele breitet, «o wirkte der Greis aiif alle/ die in atemlosen Lchwciaen das Hans umstanden, in dicht gedrängten «charen. die Hunderte! Und dann, al^ erden Wagen verließ und einen Augenblick ans den steinernen Treppen, die zur Eingangspforte führten, stehen blieb und ein mildes, unendlich gütiges Lächeln feine Lippen umspielte, da neigten sich die Männer ehrfurchtsvoll, und laut rief einer aus der Pteuge: .Gelobt feist du usw.', und die aiidern wiederholten murmelnd diese Worte und die Frauen schluchzten laut vor Ergriffenheit' und preßten ihre Kinder an sich, als sollten - sie von den Mutterarmen eng umschlungen der Empfindungen dieses Augenblickes teilhaftig werden." Das war vor beinahe hundert Fahren, und derFRuhm Räbbi A'kiba Egers ^eichte überallhin, wo Juden' noch Juden waren. Rabbi A'kiba Eger. 1761 in Eisenstadt in Ungarn geboren, war zur Größe im Talmudstudium gewissermaßen schon erblich verpflichtet. Leine Vorfahren, die mütterliche Familie kam aus Halberstadt, waren vielsact) bekannte Rabbiner, sein Großvater Rabbi Akiba. Eger der Aeltere war als Verfasser des Mischnat de vtabbi Akiba berühmt,' sein Ur- 1 großvater Abraham Broda, seit 1711. Rabbiner von Frankfurt am Main, eilt großmächtiger Tatmndist. ein Inriiriöser. pompöser Herr und „Wiederherstetler-der Thorakrone in Deutschland". Unser Akiba Eger , war frühreif, als K'ind ungewöhntrrch'eruft. als Bachnr anffälliq durchseine rasche Auffassung, strenge Logik. Fleiß. Fähigkeit, tiefe Frömmigkeit. Lchüchternheit. Menschenfrenndlichkeit und rührende Bescheidenheit. Dies alles bei quälendster Körperschwäche und Kränklichkeit. Er war gewiß nicht stolz ■ ' d l - und am wenigsten auf Heine Lchtvächlichkeit eitel, und so will es schon ivas heißen, daß er in seinem Nachruf, verewigt wissen wollte, er habe von seinem fünfzehnten Fa>>re an mit Lchüleni „in schweren Lchmerzen" gelernt. 1774 kam er nach Breslau. Fefchiwaschnler. bald Rieister »nd bekannte Leuchte des Studiums, die jüdischen Nabobs rissen sich um ihn als Schwiegersohn, und 17*<> zog er als Bräutigam der -glücklichen"'Märgnlies in Lina ein. Ans dieser Feit stammt sein ältestes erhaltenes talmndisches Gutachten,, das sich außer durch Scharfsinn Und Wissen durch sein Temperament Und ..rücksichtsloses wissenschaftliches Selbstbewusstsein" anszeichnet. Liga war damals polnisch und mit seinen viertausend Fnden ein Fentrn-m der jüdischen Geisteswelt. Ftzig Ptargnlies war ein reicifer Mann, der seinem Schwiegersohn Akiba Eger , ein scliönes, gartennmgebenes. behaglichcs Hei in. mit einer stattlichen Bibliothek errichten konnte, iknd der junge Eliemann schns sich, .ohne Amt, vline Aussicht, auf Geld und Geltung. eine eigene Feschiwa. Seine Lehr- . Methode war neuartig. " Er verzichtete ans . allen Pilpnlismns. geistreiche ihtortche-n - und sensationelle. Gcdankensombiiiationen.Schcin- und 'Notlösungen/ Er Itielk täglich drei Vorlesungen.. beaclitete jede andere Meinung,'.' duzte keinen Schüler, nannte auch niemand-' „Schüler", sorgte aber für jeden, wo es nur nottat. während er für sich auffällig genügsam gegen üch nn gemein streng/war und dabei das „reine Gemüt eines unschuldige» Kindes" sich wahrte. Er ließ sich keinen Dienst an Notleidenden. Kranken und Toten entgehen. Damals begann seine kleine Statur niitersetzt zu werden, „der Kopf unverhältnis- ^"ößig hoch und länglich, die Augen feuer-sprühend' und die Stirn hochgewölbt". Dazu rin häufig auftretender Fug von tie'er Schwermut lind stillem Leiden ütn die Lippen. . Fehn Fahrt/ lang ging" fs ihm gut in Lissa. er konnte Tag und Nacht lernen und lehren und helfen und hatte ein rnlsiaes, materiell.sorgenloses Heim. . Seine ältesten „ Sohne Abraham und Saloiito Eger. später AliGr'EgerS Nachfolger in Posen, »nd zwei Töchter kamen lsifr zur Vllelt. >7'dü brannte Lina ab. von 4SI Häusern blieben nur B, Ftzig Piargulies ivar bettelarm geworden, »nd Rabbi.Akiba Eger mußte sehen, wie er >veiterkam»n.d seine Familie ernalirte. Nicht . eben beglückt nalnn er die Stellung eines Rabbiners in Märkisch Friedland an. Er war Fahre alt. lmtte Frau und vier Kinder und bekam, es reichtenicht eben tveit, folgendes „Gelialt": freie Amtswoljnung und . 4ü Pfund Licht für den Winter. 10 Taler . monatlich, dazu i°> Taler jährlich für zwei. Predigten, -' Prozent von Hochzeiten. 1 Prozent von Testamenten, Fn Piärkiscl).Fried» - land lebten damals etwa 700 Anden, es war mehr znm Sterben als zum Leben, aber „nicht der' Lrt bringt den' 'Man», sondern der Mann bringt.den Lrt zu Ehren", und Rabbi Akiba Eger zog bald einen Scljivarm bedeutender Scl)üler an. die später bekannt wurden, und in schwicrigeil Fällen wandten-sich selbst die; cutlegenste11 Gemei>,de11 au ihn iim lvutachken und Entscheid. Fn-seinen .Korrespondenzen? dieser -Art liandelt es sich niclit nur uin verzirgckte-'Fragen des Elte-, Sclieidungs- und sonstigen Rechts, sonderii auch um Probleme, die für die - Rechtsentwi.ckl.nng der jüdischen . Angelegenlieiten im preußischen Staate ent-F. scheidend wirken sollten, und es ist wenig bekannt, ivie häufig und intensiv das Berliner Rabbinat sich damals an Rabbi Akiba Eger geivandt hat.- Und als Napoleon 1807 das Herzogtum Warschau schuf,, entsandten die GroBgemeinden des min dazugeschlagenen ..Posen, nämlich Polen »nd Lissa,- Rabbi Alüba Eeter üi den Reaiernnasverhandluugen '. nach Wartcham^ollwohl er oder vielmehr seine Gemeinde Märkisch-Friedland 'ja bei Preußen geblieben - war. Dabei erwies sich seine angeblieli fanatische und reformfeind- * iicf)c Einstellung erstaunlicl). weitsichtig und emanzipatorisch in politischer Hinsichh denn I

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