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Central-Verein-Zeitung · 1938-10-20 · 42 (20.10.1938) · page 5

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
42 (20.10.1938)
Date
1938-10-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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eilage der C-V.-Zeitung Nr. 42 * 4. Beiblatt 20. Oktober 1938 Mittellungen aus dem Hilfsverein der Juden in Deutschland EinwanderuiigsYorschriften Australien Der Hilfsverein der Juden in Deutschland hat soeben ein Merkblatt herausgegeben, das die Einwanderungsbestimmungen nach und die Berufsaussichten in Australien in kurzer und übersichtlicher Form zusammenfaßt. Wir entnehmen diesem Merkblatt, daß, wie schon allgemein bekannt, die Einwanderung nach Australien an eine ausdrückliche und vorherige schriftliche Genehmigung der australischen Regierung („landing permi t") gebunden ist. Sie wird nur drei Kategorien von Einwanderern AUSWANDERUNG*-MOSEL S^as. üntarfeeitunsen praktisch, elegant und preiswert MARTIN ADAM," Innenardiiieki, BERLIN W 50 Ausstellung: Tauentzienstr. S (Fahrst.) Ruf: 24 4915, im Arnold-Müller-Haus gewährt: 1. nahen Verwandten (Ehefrauen, unmündigen Kindern, erwachsenen unverheirateten. Töchtern, Eltern und Bräuten) von bereits in Australien lebenden Personen, die dort eine Existenz gefunden haben. Hierbei kann von den unverheirateten Töchtern bei Landung ein Vorweisegeld von 50 australischen Pfund (1 austr. £ ca. RM. 10,—) verlangt werden, während bei den anderen erwähnten Familienangehörigen gewöhnlich davon abgesehen wird; 2. Personen, deren Berufe sie für Australien als besonders erwünscht erscheinen lassen, und für die in Australien Ansässige garantieren, daß sie nicht der Allgemeinheit zur Last fallen werden. Diese Einwanderer müssen bei der Landung ein Vorweisegeld von mindestens 50 australischen Pfund besitzen; 3.. Personen, die Berufe haben, an denen in Australien jeweils Bedarf besteht, die aber keine Garantie von in Australien ansässigen Personen haben. Solche Personen müssen bei der Landung ein Vorweisegeld von mindestens 200 australischen Pfund besitzen. Selbst wenn aber alle vorstehenden Bedingungen erfüllt sind, steht es jeweils im Ermessen der australischen Behörden, die Einreisegenehmigung zu erteilen oder nicht. Der Antrag zur Einreisegenehmigung (application) muß in englischer Sprache an die australische Regierung in Canberra auf einem Formular ^gerichtet werden, das beim britischen Konsulat erhältlich ist. Dem Antrag sind für jede Person beizufügen (wobei für die jeweils notwendige englische Ueber- Setzung eine notarielle Beglaubigung nicht erforderlich ist): polizeiliches Führungszeugnis oder Leumundszeugnis des zuständigen Rabbiners oder der zuständigen jüdischen Gemeinde des Antragstellers; ein Gesundheitszeugnis, das von einem beliebigen Arzt aus- * gestellt werden kann; ein Lebenslauf in englischer Sprache; Abschriften von Zeugnissen in englischer Uebersetzung; zwei Paßbilder; ein Begleitschreiben in englischer Sprache, in dem dargelegt werden muß, mit welchem Beruf und in welcher Weise der Antragsteller sich in Australien niederzulassen gedenkt. Ferner ' sind wenigstens eine, möglichst aber sechs internationale Antwortscheine beizulegen. Für den Versand dieser sechs Scheine ist behördliche Genehmigung erforderlich. Die Gebühr für das Permit von einem australischen Pfund ist — ebenfalls nach behördlicher Genehmigung — der australischen Regierung besonders zu überweisen. Das Permit gilt zur Einreise innerhalb von elf bis zwölf Monaten vom Ausstellungstage ab. Bei jedem Antrag nach Australien muß mit einer Wartezeit von mindestens drei Monaten gerechnet werden. Australien bietet Aussichten für sehr gut ausgebildete Handwerker, ferner für Industrielle und Landwirte' mit Kapital. Auch für bestimmte weibliche Arbeitskräfte bestehen Arbeitsmöglichkeiten. Dagegen ist für Angehörige der verein gibt allen Rat und Auskunft, die nach Australien auswandern wollen. Er versucht besonders denjenigen Personen zu helfen, die zur Gruppe 2 (berufliche besonders erwünschte Personen) gehören. Ihre Auswahl geschieht im wesentlichen durch die jüdischen Hilfskomitees in London und Australien zusammen mit dem Hilfsverein. Es dient zur Erleichterung der Arbeit, wenn schon bei der ersten Beratung im Hilfsverein die Briefe von Angehörigen in Australien oder von Personen, die für den Antragsteller in Australien garantieren wollen, mitgebracht werden. h\v. Kolumbien Nach soeben dem Hilfsverein der Juden in Deutschland zugegangenen Informationen hat die Kolumbianische Regierung neue Einwanderungsbestimmungen erlassen. Ein Regierungsdekret vom 1. Oktober 1938 bestimmt, daß das zur Einwanderung erforderliche Landungsdepot verdoppelt wird; es berechtigt sind; derartige Visa können vielmehr nur ausnahmsweise auf Anordnung des kolumbianischen Außenministers erteilt werden. Das neue Gesetz bedeut&t eine Erschwerung gegenüber den bis vor einigen Wochen geltenden Einwanderungsbestimmungen, doch wird sich seine Bedeutimg erst genau beurteilen lassen, wenn der vollständige Text des neuen Gesetzes vorliegt. Mexiko Spediteure seit 1S06 Berlin -Schöneben, Martin-Luther-Str. 26 / Telefon 77 20 20 Ausfand - üefeersee Es ist zu befürchten, daß die mexikanische Regierung eine Gruppe von österreichischen Einwanderern, die als Touristen ins Land gekommen waren, als unerwünschte Ausländer ausweisen werde. Die Einwanderungsbehörde hat aus diesem Anlaß den Konsulaten telegraphisch mitgeteilt, daß Touristenvisa nur dann gewährt werden sollten, wenn sicher sei, daß der Reisende nicht versuche, heimlich im Lande zu bleiben oder durch Heirat mit einer Mexikanerin das Aufenthaltsrecht zu erwerben. Die Maßnahme ist darauf zurückzuführen, daß der Kleinhandel gegen diese Art von Einwanderung protestiert hat, wobei er darauf hinwies, daß viele der illegalen Einwanderer Juden seien und die Ansässigen aus dem Hand ei verdrängten. Chile beträgt nunmehr: für Angehörige der mittel- und westeuropäischen Staaten 500 Pesos (— ca. 710 RM), für Angehörige der osteuropäischen Staaten 2000 Pesos (= ca. 2840 RM). Außerdem dürfen die kolumbianischen Konsuln keine Pässe visieren, deren Inhaber nicht zur Rückkehr in ihre Heimat Das chilenische Konsulat in Berlin weist darauf hin, daß alle Anfragen und Anträge privater Personen an das Konsulat, die sich auf die Einwanderung nach Chile beziehen, nur berücksichtigt werden, wenn sie vom Hilfsverein der Juden in Deutschland bereits geprüft und befürwortet worden sind. Alle Interessenten werden deshalb gebeten, sich in erster Linie an den Hilfsverein zu wenden. Arbeitsrecht -atis aller Welt ZIGARREN WOLF Frankfurt /Main, Zeil 49 Groß« und Kleinuerkauf Versand ab Mk. 20.- frei Haus freien Berufe wenig, für Kaufieute und kaufmännische Angestellte. fast keine Aussicht vorhanden. Unter allen Umständen sind gründliche englische Sprachkenntnisse erforderlich. Der Hills- Ckilc Das Recht der Angestellten in Chile ist in einem Gesetz Nr. 6020 vom 5. Februar 1937 (Diario Official vom 8. Februar 1937) umfassend geregelt. Darin wird zunächst festgestellt, daß kein Privatangestellter eine geringere Entschädigung annehmen darf als das lebensnotwendige Mindestgehalt. Unter „lebensnotwendigem Mindestgehalt" werden die unbedingt zu befriedigenden Lebensbedürfnisse des Angestellten verstanden (Ernährung, Kleidung, Wohnung usw.). Da der Begriff des lebensnotwendigen Mindestgehalts sehr allgemein ist, da die Entlohnung der Angestellten irgendwie rechnerisch festgestellt werden muß, da schließlich der Lebensstandard in den einzelnen Provinzen des chilenischen Staatsgebietes verschieden ist, wird die Höhe des lebensnotwendigen Mindestgehalts in jeder Provinz von einer gemischten Kommission festgestellt, in der Arbeitgeber Jüdische Pioniere des Wanderns Von Dr. J. Kliersfeld, Bockum II. Schon seit dem 16. Jahrhundert finden wir Juden auf den Schiffen jener Heiden, die der Arktis ihr Geheimnis entlocken wollen. Im Jahre 1773 rüstete Kapitän Phipps, der spätere Lord Mulgrave, in England eine Nordpolexpedition aus, der sich auch der Astronom, Botaniker und Mathematiker Israel L y o n s anschloß. Seine Eltern waren ein Menschenalter vorher aus Polen nach England eingewan-' dert, wo der Vater die hebräische Sprache an der Universität Cambridge lehrte. Isr. Lyons war selbst schon Hochschullehrer, als er sich zu der Wanderung in den hohen Norden entschloß, die er dann mit dem Leben bezahlen sollte. Hundert Jahre später ging der Mediziner und Zoologe Emil Bessels in die Arktis, erforschte den Einfluß des Golfstromes auf das östliche Spitzbergen und erweiterte die Meteorologie um wichtige Kenntnisse. Noch einmal trat er im Jahre 1871 die Wanderung in das Gebiet des ewigen Eises an, um auch an der Hallschen Expedition erfolgreich und in vorderster Linie mitzuarbeiten. Unter den jüdischen Pionieren der Arktiswanderung darf Einer nicht fehlen: der ungarische Jude Angelo Heilprin. Aus einer bekannten Gelehrtenfamilie stammend, wird er selbst Professor der Paläontologie und Geologie in Philadelphia. Als das furchtbare Erdbeben auf Martinique bekannt wird, begibt er sich sofort in die gefährdete Gegend und nimmt an Ort und Stelle, während der Vulkan noch raucht, unter Einsatz des eigenen Lebens, die Untersuchung über die entsetzliche Katastrophe auf. 31jährig organisiert er 1891 die erste Peary-Nordpolexpedition, mit der der später so berülimt gewordene Cook als Arzt mitfährt. Aber schon ein Jahr später soll er.zeigen, daß auch er zu den großen Pionieren des Wanderns gehört: Pearys Expedition ist verschollen. Die Welt bangt um den kühnen Forscher. Niemand scheint es zu wagen, ihm Hilfe in der unbekannten Schneewüste zu bringen. Da ist es der junge Jude Heilprin, der bereit ist, sein Leben einzusetzen, um ihn zu retten. In fieberhafter Eile und mit der ihm eigenen Energie und Tatkraft stellt er eine Rettungsexpedition zusammen und tritt an ihrer Spitze die Wanderung ins Ungewisse an. Nach mühevollen Märschen, nach unsäglichen Strapazen, nach Zeiten quälender Ungewißheit und vergeblichen Suchens wird sein Wagemut belohnt. Es gelingt Heilprin, die steckengebliebene Expedition Pearys zu befreien und ihn samt allen Teilnehmern, einschließlich Cooks, heil heimzubringen. Die ganze Welt hatte die Wanderung Heilprins verfolgt und bei dem so überaus glücklichen Ausgang aufgeatmet. Peary schrieb am 1. Juli 1907 über Heilprin: „Mehr als jemand anderem ist Angele Heilprin der rührige Anteil Amerikas an den arktischen und antarktischen Arbeiten während der letzten fünfzehn Jahre zu danken. Nur seinem Interesse und seinem Glauben an meinen ersten Plan, den ich im Jahre 1891 der Akademie der Naturwissenschaften vorlegte, habe ich es zu verdanken, daß die genannte Organisation meinen Plan sich zu eigen machte, und daß das Interesse für Polarforschungen seit dieser Zeit immer mehr anwuchs." Wie nach dem Norden, so lenken die jüdischen Forscher ihre' Schritte auch nach dem Fernen Osten. Iwan Semjonowitsch Poljakow durchwanderte das ferne, unwegsame Sibirien, um die Siedlungs- und Kolonisierungsmöglichkei-en dieses düsteren Landes zu erkunden. Gottfried Merzbacher, 1843 zu Baiersdorf geboren, war ein' einfacher jüdischer Kürschner und Kaufmann, den es hinaustrieb, zunächst in seine engere Heimat, wo er sich durch viele Erstbesteigungen als Alpinist einen Namen machte. Bald genügte ihm dies nicht mehr. Er wanderte durch viele europäische Gebiete, um die Länder und ihre Lebensbedingungen kennenzulernen. Aber auch diese Wanderungen stillten eine Sehnsucht, die in ihm brannte, neues, unerforschtes Land zu entdecken, nicht. Und so durchforschte er den Kaukasus, dieses zwar uralte, aber wenig erschlossene Gebiet. Wie ein Mensch, der stets von neuem beginnt, einen verlorenen Schatz zu suchen, so zog er-immer wieder in die Ferne. 1892 wandert er nach Arabien, Persien und Indien, 1902 und 1907 nach dem Tienschan, von wo er mit vielen wertvollen Kenntnissen zurückkam. Die Welt erkannte seine Leistungen durch hohe und höchste i\uszeichnungen, die ihm verliehen wurden, an. 1832 wird armen jüdischen Eltern in Ungarn ein Sohn geboren: Hermann V amber y. Im Alter von 22 Jahren wandert er aus, wendet sich nach Konstantinopel und wird dort zuerst französischer Lehrer und dann Privatsekretär bei Fuad Pascha. 1861 begibt sich Vambery in ein Gebiet, das ein Europäer nur unter größter Lebensgefahr betreten kann. Auch noch wenn er sich, wie er es tut, als Derwisch verkleidet. Denn Entdeckt wer den bedeutet den sicheren Tod. Aber Vambery zieht unter dem Namen Reschid EPendi dnreh die unwirtlichsten und fernsten Gegerden Turkestans, Persiens, Armeniens, Bucharas und Samarkands. Er lernt die Sitten und Gewohnheiten, die Lebensweise und Lebensbedingungen der Menschen kennen, wohnt ihren Zusammenkünften und streng abgeschlossenen religiösen Feiern bei. Lernt ihre Sprachen sprechen wie ein ihriger, kennt ihre Geschichte, so wie sie selbst. Und ist der erste Europäer, der diese Gegenden durchquerte und ein Bahnbrecher in der Erforschung Zentralasiens. Als er zurückgekehrt ist, ist er eine Autorität auf dem Gebiete der Sprachen, der Geschichte und Verhältnisse dieses bis dahin verschlossenen Gebietes. Seine Bücher werden in alle europäischen Sprachen übersetzt. Die Regierung des englischen Imperiums wird auf diesen wichtigen Mann aufmerksam, andere europäische Staatsmänner beiragen ihn über diese Gebiete. Er wird der intime Berater des Sultans Abdul Hamid. In dieser Stellung wird er ein bewußter Pionier jüdischen Wanderns, er ebnet Theodor Herzl den Weg zum Sultan. Die R.eihe dieser Männer soll beschlossen werden mit dem zeitgenössischen großen Erforscher des chinesischen Ostturkestan: Sir Marc Aurel Stein, ebenfalls einen ungarischen Juden. 1862 in Budapest geboren, trat er nach Absolvierung seiner wissenschaftlichen Studien in englische Dienste. 1897 reifte in ihm der Plan zu einer Durchwanderung und Erforschung der Umgebung von Chotan. Aber erst drei Jahre später gelang ihm das Vorhaben. Und als erster Europäer machte er archäologische Entdeckungen im chinesischen Turkestan, die eine alte Kultur im Tarimbecken erwiesen, in der sich indische, chinesische und zugleich griechische Elemente mischten. Fünf Jahre später trat er eine neue Wanderung an, die ihn in die Wüste Gobi und nach Chinesisch- Turkestan führte. Unter den schwierigsten Umständen und mit einer bewunderungswürdigen Energie stellte er die Untersuchungen in den Gebieten des Tarimbeckens an und fand Dokumente, die wahrscheinlich älteren Datums sind als irgendwelche, die uns anderswo im Original erhalten sind. Ob er auch oft für eine ganze Zeit auf Wasser angewiesen war, das Hunderte von Kilometern weit mitgenommen werden mußte, ob ihm die Zehen erfroren oder ob er krank über die 4000 m hohen Pässe nach Süden getragen werden mußte, er hielt durch und wurde einer der größten Kartographen, der die bis dahin ganz unbekannten Gegenden, wie die Wüste Taklamakan und die Wüste Gobi kartographisch genau aufnahm.

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