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Central-Verein-Zeitung · 1938-09-15 · 37 (15.9.1938) · page 13

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
37 (15.9.1938)
Date
1938-09-15
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 37 * 15. September 1938 €.¥2ttti Seite 13 Zum Verständnis des Talmuds Von Max Dienemann Aufklärung über den Talmud ist ein dringendes Erfordernis nicht zuletzt in jüdischen Kreisen selbst. Die Entwicklung der jüdischen Erziehung im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert hat dahin geführt, daß das Lernen des Talmuds für eine geringe Zahl, fast nur für Fachgelehrte in Betracht kam. Die meisten stehen daher allem, was über den Talmud gesagt wird und aus ihm zitiert wird, ohne Kenntnis und ohne Kritik gegenüber. In der Reihe „Bücher der Klärung und des Wissens" erschien soeben im Verlag Erwin Löwe-Berlin von Eli L. Berkovits ein Bändchen „Was ist der Talmud?" Das Buch hat einen großen Vorzug, mit dem es viele volkstümliche Darstellungen des Talmuds überragt, daß es nämlich an bestimmten Beispielen die Methodologie der Arbeit aufzeigt, die im Talmud ihren Niederschlag gefunden hat. Insbesondere ist das Kapitel über die sieben Hill eischen Deutungsregeln und die Art, wie an Beispielen ihre Anwendung und Wirksamkeit dargelegt wird, von starker unterrichtlicher Kraft und einprägsam. Gerade das vermißt man sonst an Büchern über den Talmud, daß man in den inneren Prozeß der Gedankenarbeit eingeführt wird. Als besonders gelungen muß man auch jenen Teil der Darstellung bezeichnen, in dem der Nachweis geführt wird, daß der Talmud nicht als „Buch" zu benennen und zu werten ist, weil — auch wenn um der Gedächtnishilfe willen das Wort aufgeschrieben ist — es doch in ihm nicht geschriebenes, sondern gesprochenes Wort bleibt; woraus dann wieder folgt, daß wir auf falschem Wege sind, wenn wir unsere gewohnten und berechtigten Ansprüche an die Systematik eines Buches auf den Talmud übertragen. Man möchte sich überall in dem Bändchen die Sprache so klar und durchsichtig wünschen, wie gerade an diesen Stellen; aber vielleicht ist das nicht restlos zu erreichen, und es gehört zur Tragik, in die der Talmud — und mit ihm die Gemeinschaft seiner Träger — verstrickt ist, daß bis ins letzte hinein jegliche ihm gewidmete Schilderung nur von dem völlig verstanden werden kann, der mit ihm als Lernender zu tun hatte und hat, und daß für das Verständnis des Nichteingeführten ein nicht erlöster Rest bleibt. So sehr man das Buch" empfehlen kann, so sehr man wünschen möchte, daß es viel gelesen wird, man darf darum doch nicht unterdrücken, daß gegen manches Vorgetragene Widerspruch zu erheben ist. Der Verfasser legt dar, daß das geschriebene Wort der Bibel von Anfang an einer Auslegung, einer nebenhergehenden mündlichen Ausdeutung bedurfte. Das ist so über jeden Zweifel hinaus richtig, daß auf dieser Erkenntnis jedes Verständnis des Werdens der sogenannten mündlichen Lehre, die dann im Talmud ihren Niederschlag fand, beruht. Aber indem er sich herausnimmt, jede, auch die älteste, Auslegung des Bibelwerkes „Talmud" zu nennen, tut er etwas, was zu tun er kein Recht hat. Talmud ist das Wort für die bereits in Jahrhunderten erprobte Methode und den in ihr gewonnenen Stoff; indem er das Wort für die Zeit der Bibel selbst anwendet und Mose, der, wie er es ausdrückt, „der erste Bibellehrer" gewesen sei, zum ersten „Talmudisten" macht, prägt er den Satz: der Talmud ist so alt wie die Bibel selbst. Solch ein Satz ist in einem erschrekkenden Maße irreführend. Ganz abgesehen davon, daß es ja über das Alter der Bibel auch andere Ansichten gibt, von denen man, auch wenn man sie nicht teilt, Kenntnis nehmen muß, wird mit einer solchen Satzprägung gleichsam hintenherum die Streitfrage nach der Autorität und dem Charakter der mündlichen Lehre beiseite geschoben. Ob der Bibel von Anfang an eine mündliche Lehre „autoritativ" beigegeben war, oder ob diese von einem bestimmten Zeitpunkt an als Anwendung des Bibelwortes auf eine andere Gegenwart entstand, ist eine der Streitfragen zwischen Orthodoxie und Nichtorthodoxie. Man kann sie nicht für den Nichteingeweihten dadurch lösen, daß man ein Wort, das in seiner bestimmten Nuance bekannt und nur in ihr gebräuchlich ist, vordatiert und so dem Leser seine eigene Anschauung suggeriert. Mit einem Spiel mit Worten lassen sich Weltanschauungsfragen nicht lösen. Der Autor hätte gut getan, sich die Frankeische Definition des Ausdrucks „halacha lemosche misinai" als: „sehr alte Ueberlieferung" und nicht als wörtlich zu nehmende Formel: „Wegweisuhg für Mose vom Sinai her" nochmals zu vergegenwärtigen. In seinem Bestreben, den Beginn dessen, was man mündliche Lehre und dann später Talmud nennt, möglichst weit hinaufzusetzen, prägt er den Satz: „Das Postulat der Ewigkeit der Lehre widerspricht dem Begriff der Entwicklung." Das aber ist in dieser Bestimmtheit nicht anzuerkennen. Man kann und muß die Ewigkeit der Lehre in ihrem „Geistsinn" — um ein Wort des Verfassers zu benutzen — bejahen, aber diese Ewigkeit schließt die Entwicklung der Anwendung der Lehre im Alltag nicht aus. Man darf nur nicht dem W7ort Entwicklung als einzig mögliche Deutung den Sinn geben, daß etwas eine Stufe erreiche, bei der die vergangene Stufe als erledigt, abgetan betrachtet wird. Es ist vortrefflich, wie das Wesen des „Kommentars" und die Notwendigkeit des sich immer erneuernden Kommentierens klargelegt wird, daß nämlich jedes Geschlecht seine besondere Schicht hat und so die Ewigkeit des Gehalts der Lehre in immer neuen Tiefen zutage tritt. Aber er schießt auch hier wieder übers Ziel hinaus, wenn er glatt behauptet, alles Kommentieren könne die Entfaltung der Lehre nur dann weiterführen, „wenn der Kommentator davon (?) die Ueberzeugung haben kann: alles dies ist Mose am Sinai überliefert worden". Das ist Dogma, Bekenntnis zu einem Dogma, aber nicht wissenschaftliche Darlegung. Ein übers Ziel Hinausschießen ist's, wenn er, um die einzelnen Ordnungen der Lehre innerlich zu charakterisieren, für die 5. und 6. Ordnung „den Heiligungen (Kodaschim)" und „den Reinigungen" (Taharot) als verbindendes Element das „Zurückgehen auf göttliche Schöpfungsprinzipien" angibt. Man muß mit diesem Wort sehr vorsichtig sein, mit ihm kann man jeglichen vorhandenen Unterschied als gottgewollt bezeichnen, und ihn darum als des Festhaltens wert erklären, weil er göttliches Schöpfungsprinzip sei. Der Widerspruch richtet sich hier nicht gegen den Inhalt des Vorgetragenen, sondern gegendie Wortwahl. Es ist, um noch eines zu erwähnen, dem man nicht zustimmen kann, nicht so ohne weiteres zu sagen, daß Tosefta das von Rabbi Jehuda hannaßi Ausgeschiedene und nicht in die Mischna Aufgenommene enthält; Tosefta ist vielmehr eine der Mischna parallel gehende Lehrensammlung eines anderen, der nicht die Gunst bes.chieden war, allgemeine Anerkennung zu finden und so kanonische Geltung zu erhalten. Von Kleinigkeiten wäre zu erwähnen, daß man nicht Gemarah schreiben sollte, das Wort, ein Alef am Schluß und kein He, ist also Gemara zu schreiben; man würde der W;ortbildung des Hebräischen entsprechend auch besser der Drusch sagen als der Drasch. Die als einer der Druckorte angegebene Stadt heißt nicht Dierenfurt, sondern Dyhrenfurt. Es ist schade, daß diese Ausstellungen zu machen sind, sonst hätte man an dem Buch eine ungeschmälerte Freude. Professor Franz Oppenheimer Umsorgte Jugend Die Blätter der Zentralwohlfahrtspflege und Wirtschaftshilfe bei der Reichsvertretung „Jüdische Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik" bringen in ihrem soeben erschienenen Augustheft einleitend den aktuellen Aufsatz von Dr. Arthur Lilienthal über den neugegründeten „Reichsverband der Juden in Deutschland" (vgl. Nr. 33 der C.-V.-Zeitung vom 18. August). Die anderen, besonders aufschlußreichen Ausführungen des Heftes schälen aus dem großen Fragengebiet der Auswanderungsprobleme die besonderen pädagogischen und psychologischen Probleme unserer auswandernden Jugend heraus. Dr. Fridolin Friedmann faßt Beobachtungen an jüdischen Kindern und Jugendlichen zusammen und kommt hierbei zu dem Ergebnis, daß die seelische Gefährdung des jüdischen Kindes erheblichherabgemindert wird, wenn es gelingt, eine inhaltlich bestimmbare jüdische Gesinnung als zentralen Wert zur Geltung zu bringen. Für die Einstellung des Jugendlichen zu seiner künftigen Auswanderung ist nach Friedmanns Auffassung bezeichnend, daß die im jugendlichen Alter bestehende Abenteuerlust einen gewissen psychologischen Ausgleichswert für den jungen Menschen bietet. FoU: Julius Wolfthorn Professor Franz Oppenheimer, der frühere Nationalökonom an der Frankfurter Universität, verläßt Berlin, um einer ehrenvollen Berufung nach Amerika zu folgen. Die Malerin Julie Wolfthorn stellte in ihrem Atelier das Porträt aus, das sie soeben von Franz Oppenheimer vollendete. Ihre bewährte Kunst, Men-* sehen auf der Leinewand festzuhalten, Gesichter und Gesichtszüge, Ausdruck und Mimik im wirklichsten Sinne des Wortes abzumalen, ohne daß dabei Härten und Weichheiten, verschwinden oder gedämpft werden, beweist Julie Wolfthorn auch diesmal wieder. Freunde und Verehrer Franz Oppehheimers, der der Sohn des bekannten Predigers der Reformgemeinde, von Haus aus Mediziner und Verfasser grundlegender volkswirtschaftlicher Werke sowie einer fesselnden Autobiographie ist, erfuhren mit Staunen, daß das Porträt in nur zwei Sitzungen geschaffen wurde, die Künstlerin auch eine Zeichnung angefertigt und das Ganze in anderthalb Stunden gearbeitet hat. Vor dem marmorfarbig gehaltenen Hintergrund erhebt sich das Gesicht des weißhaarigen Gelehrten, von dem seine Freunde bewegten Abschied nahmen. Dr. Olga Bloch Hilde Bielschowsky vertritt in ihrem Aufsatz über „Sprachvorbereitung auswandernder Kinder" den Standpunkt, daß auch für Kinder von 4—8 Jahren bereits vor der Auswanderung eine sprachliche Vorbereitung notwendig sei. Für ihre an Montessori angelehnte „Lehr"-Weise enthalten ihre Ausführungen interessante Beispiele. Heinz Warschauer berichtet aus der Praxis der jüdischen Anlernwerkstatt in Frankfurt a. M. zur „Gestaltung der jüdischen Gegenwarts- Porträts aus der Welt des jiddischen Theaters Von W. Krtiszynski V- Awrom Morewski In einer zergliedernden Betrachtung der Kunst des italienischen Schauspieivirtuosen Ermete Novelli scheidet Martin B u b e r einmal die großen Darstellungspersönlichkeiten in zwei scharf voneinander getrennte Gruppen: „Es gibt", sagte er, „zweierlei große Schauspieler. Die auf Grund ihrer Fähigkeit absoluter Aufnahme und absoluter Nachahmung beobachtete und nach dem Beobachteten gebildete Ausdrucksbewegungen zur ,Gestalt4' verbinden. Und die auf Grund ihrer Möglichkeit, die Art und das Dasein verwandter (wirklicher oder gedichteter) Organismen zu innerst durchzuleben, das jedem dieser Organismen notwendig zugehörige Aeußerungssystem aus sich produzieren. Jenen eignet der Geist, der erworben wird im Gange der Zeiten, diesen der Geist, dessen Flügel wie der Augenblick sind, und sein Name: Erlebnis." Zu dieser zweiten Gruppe von Bühnenkünstlern gehört Awrom Morewski, der schärfste Charakteristiker unter den Darstellern des modernen jiddischen Theaters. Ueber drei Jahrzehnte sind vergangen, seitdem der Apotheker-Hilfsprovisor Morewski die Ketten eines nur widerwillig ausgeübten Berufes kurz entschlossen abschüttelte und in die staatliche Petersburger Theaterschule eintrat, um nur noch der schon seit früher Jugend in ihm lebendig gewesenen Leidenschaft zur Bühne zu leben. Als er nach . dreijährigem Studium die Anstalt im Jahre 1910 verließ, hatte er das Diplom eines „Schauspielers am Literarisch-künstlerischen Theater" in der Tasche. Man hatte dem begabten jungen Mann die Tore zur russischen Bühne weit aufgetan, und einzig mit ihr waren seine Wünsche für die Zukunft verknüpft. An die Möglichkeit einer Karriere am jiddischen Theater, das damals in Polen und Rußland noch in den Kinderschuhen steckte, dachte er nicht einen Augenblick: Er war russischer Schauspieler, von russischen Meistern gebildet, und in zäher Arbeit die Schlacken der Anfängerschaft abstreifend, gewann er bald Namen und Geltung in der russischen Kunstwelt. Da kam der Weltkrieg, und der Ausbruch der russischen Revolution führte Morewski in seine Heimat Wilna zurück. Hier war er am 8. März 1386 als Sohn eines nicht unbemittelten Kaufmanns geboren worden, hier hatte er im Cheder gesessen, hatte Talmud und Tenach studiert, hier hatte er dann später das Gymnasium besucht, hier, in den Gassen und Winkeln der jüdischen Stadt, wurzelten seine Jugenderinnerungen, und hier traf er auf seinen Freund und Kollegen vom rassischen Theater und nunmehr zum jiddischen Schauspieler gewordenen Alex Stein und durch ihn auf den Direktor des jiddischen Theaters in Wilna, Nochum Lipowski. Ihrer Ueberredungskunst gelang es, Morewski für die jiddische Bühne zu gewinnen, und in Perez Hirschbeins „Letzter Jude" fand das erste Auftreten des Neophyten statt. Der damaligen Sitte gemäß hatte Lipowski das Debüt Morewskis mit einigen Worten angekündigt und hinzugefügt: „Es möge stattfinden mit Masel." Sein Wunsch hat sich erfüllt. Der Schauspieler Morewski zieht seine künstlerischen Kräfte aus den Tiefen seines Menschentums. Er gibt .kein Mosaik beobachteter Einzelheiten, zusammengehalten durch das Band kaltschnäuziger Routine, er kennt keine von außen aufgesetzten Drücker und Nüancen, seine Schöpfungen sind immer Stücke seiner seihst, Kinder ureigenen „Erlebens", und eben darum werden sie „Erlebnisse" für den Zuschauer jenseits der Rampe. Der Mensch Morewski ist von staunenswerter Vielseitigkeit: Sein Wissensdurst treibt ihn, sich immer neue Gebiete des Geistes zu erschließen, seine Intelligenz zwingt ihn, über das, was ihn gerade an allgemeinen und künstlerischen Problemen erfüllt, sich und anderen mit der Feder Rechenschaft zu geben, seine Phantasie ist die eines Dichters, sein Temperament bald vorwärtsstürmend, bald bedächtig zurückhaltend. Aus alledem folgt zwingend: Der Schauspieler Morewski verfügt über eine selten reiche Skala darstellerischer Ausdrucksmöglichkeiten, die Spannweite seines Talents reicht von burlesker Komik bis zur tiefsten Tragik, seine Kunst schreitet den ganzen Kreis menschlicher Leidenschaften aus. Ein Jahr lang war er bei Lipowski in Wilna tätig und spielte sich dort gewissermaßen in das jiddische Theater ein. Dann ging er nach einem kürzeren Aufenthalt in Lodz, wo er Gelegenheit hatte, eine seiner berühmtesten Rollen — „Den Mann, der die Ohrfeigen bekommt" (Der wos krigt diPetsch) von Andrejew zum erstenmal darzustellen, nach Warschau zur „Wilnaer Truppe" und hatte dort als Sender Brinitzer einen Hauptanteil an dem Erfolg dieser theaterhistorisch gewordenen Aufführung. Die Auslandsgastspiele der „Wilnaer" machten seinen Namen in der ganzen jüdischen Welt populär, und gaben ihm zugleich Gelegenheit, sich auch ein neues Arbeitsgebiet, den Film, zu erschließen. So spielte er 1922 den alten „Row" in „Das alte Gesetz", und ebenso im darauffolgenden Jahr eine Hauptrolle in dem von Dr. Guter inszenierten Film „Der Turm des Schweigens". 1927 organisierte er das „Meutim- Theater" in Riga, gehörte 1928 wiederum der „WTilnaer Truppe" an und folgte später einem Ruf nach Buenos-Aires an das „Ambo- Theater", an dem er eine lange Reihe von begeistert aufgenommenen Gastspielen gab, um dann eine Rundreise von mehrmonatiger Dauer durch ganz Argentinien anzutreten. Erst 1930, nachdem er inzwischen noch Mitglied des „Morris Schwarz-Kunsttheajters" in New York gewesen war, kam er wieder nach Europa zurück. Einem längeren Auftreten in Paris schloß sich ein Engagement an das damals von Dr. Michael Weichert geleitete „Nowosci-Theater" in Warschau an. Seither ist er feste Bindungen nicht mehr eingegangen, aber man findet ihn als Gastspieler an allen großen jiddischen Theatern, als Darsteller im jüdischen Tonfilm und als Rezitator und Vortragskünstler in unermüdlicher Tätigkeit. Die Zahl seiner künstlerischen Schöpfungen, ist außerordentlich groß. Außer den schon angeführten sollen wenigstens noch einige genannt werden: Hamlet in einer eigenen Uebersetzung, Uriel Akosta, Kean, Danton in Büchners „Dantons Tod", Chazkel Drachme in „Gott, Mensch und Teufel" von Gordin, Mendel in „Kiddusch haschem" von Schalom Asch, Raul in „Versuchung" von Preger, Dukus in „Dukus" von Kazisne, Mordche Masa in „Schmates" von Leiwik. Vor allem aber der Shylock im „Kaufmann von Venedig", eine Figur, deren darsteEerischen Gehalt auszuschöpfen, ihm immer von neuem ein reizvolles Problem ist. Ein Problem, das auch den Schriftsteller Morewski schon seit Jahrzehnten beschäftigt. Waren es zunächst nur Einzeluntersuchungen, die er verstreut, bald hier, bald dort über das Werk Shakespeares in Zeitschriften hat erscheinen lassen, so hat er sich in einer im vergangenen Jahr in Wilna veröffentlichten Arbeit mit dem ganzen Komplex der einschlägigen Fragen auseinandergesetzt und ist dabei zu Resultaten gelangt, die landläufigen Auffassungen recht oft widersprechen. Die Abhandlung ist dem bekannten Filmschauspieler Muni, mit dem ihn seit einem gemeinsamen Engagement bei Morris Schwarz in New York eine tiefe Freundschaft verbindet, gewidmet. Einer Reihe von Vorträgen, die Morewski vor einigen Jahren unter dem Sammeltitel „Shakespeare im Licht des jüdischen Gewissens" über das gleiche Thema gehalten hat, muß in diesem Zusammenhang

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