Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 37 (15.9.1938)
- Date
- 1938-09-15
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2277379-2278191-2278225--13173-2292065- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 12 C.-V. -Zeitung Nr. 37 * 15. September 1938 die Einwanderer festsetzten. Der Einwandererhafen ist überall auch ein Zentrum der Einwan^ereransiedlung, und selbst von hier aus setzt die allmähliche Abwanderung in die inneren Landesgebiete ein. Diese Tatsache bestätigt sich auch in Argentinien, und solange Buenos Aires die Pforte der Einwanderung bleibt, wird sich an diesen Verhältnissen nicht allzu viel ändern. Die relativ starke Konzentrierung jüdischer Einwanderer in Buenos Aires ist ein natürlicher Vorgang, der sich aus den jeder Wanderungsbewegung innewohnenden Gesetzmäßigkeiten ergibt. Allerdings wirken noch besondere Faktoren mit, die unseren Menschen, soweit sie nicht als Siedler kommen, den Uebergang ins Binnenland erschweren. Vor allem ist da wohl die Furcht vor der Einsamkeit zu nennen, die sie bewegt und ihre Entscheidungen unbewußt mitbestimmt. Die einwandernden Juden sind innerlich mit ihren noch zurückgebliebenen Verwandten und Freunden verknüpft; sie fühlen sich unsicher in einer neuen Umgebung, deren Anforderungen sie sich noch nicht gewachsen wähnen; und so ist ihnen das Leben in einem Kreise Gleichempfindender Antrieb, Trost und Notwendigkeit in einem. Jüdisches Leben ist ja von jeher in hohem Maße auf das Gemeinschaftliche gerichtet gewesen, ohne daß der Jude sich hier seiner Umwelt, ihrer Kultur, ihren Leben sgewohnheiten und ihren wirtschaftlichen Forderungen verschlossen hätte. Diese Dinge wirken zusammen, um den Neueinwanderer den Anschluß an den Kreis der schon früher aus Deutschland eingewanderten Juden suchen zu lassen. Im argentinischen Hinterland gibt es kaum irgendwo Zusammenschlüsse oder Gemeinschaften deutschsprachiger jüdischer Menschen. So scheint hinter den Stadtgrenzen vielen nicht nur die unbekannte Ferne des wirklichen Argentiniens, sondern auch die seelische Einsamkeit zu liegen, die sie fürchten. Aber zu diesen Dingen kommt die sehr weitgehende Unkenntnis der wirtschaftlichen und sozialen Gegebenheiten im Landesinnern, das Fehlen . von Stützpunkten, an die der Neueinwanderer auch wirtschaftliceh anknüpfen könnte, die Ungewißheit über die Möglichkeit sozialer Hilfe und des Rechtsschutzes. Weit mehr als in der Hauptstadt ist er in den Provinzen und . Territorien auf sich gestellt. Nicht nur '.subjektiv, auch objektiv ist er den Ver- 'th'ali^issen des Landes, die er nicht kennt, noch' kaum gewachsen. Deshalb braucht der Einwanderer eine Uebergangszeit, die ihn dem Leben näherbringt, eine Lehrzeit, in der er sich mit der noch fremden Umgebung vertraut machen kann. Es gibt eine statistisch nicht erfaßte, aber dennoch starke Abwanderung jüdischer Einwanderer, die nach ein- oder zweijährigem Aufenthalt in Buenos Aires in das Landinnere gehen und sich dort eine Existenz aufbauen. Nicht selten erhält der Hilfsverein deutschspreehender Juden in Buenos Aires Briefe von Menschen, die er in den ersten gehuscht. Der Boden dort ist auch von braunem Sand bedeckt. Selbst in der Badewanne liegt eine Sandschicht. Die Brause groß aufgedreht, den Sand und Hitze weggespült. Jetzt fallen draußen dicke Tropfen und Blitze zucken. Morgen wird es kühl sein. Schon jetzt ist man wieder Mensch. Ich .werde einen Brief schreiben: Wißt ihr. was ein Sandsturm ist? Als „Couple" in USA. Einwanderer in neuen Berufen II*) Es war zwei Tage vor Weihnachten 1937. Es war naßkalt und regnete in dünnen Strähnen bei der abendlichen Einfahrt in den Hafen des großartigen, lichterglänzenden New York. Wir wurden von der Tante abgeholt, die uns das Affidavit gegeben hat, der wir aber — wie wir uns fest vorgenommen hatten — nicht zur Last fallen wollten. Das ist ja für junge, arbeitswillige Menschen eigentlich selbstverständlich. Man hatte uns ein Zimmer gemietet, und sogleich mußten wir 10 Dollar von unserem „Vermögen" dafür opfern. Die erste Zeit verging mit Orientieren, Bekanntenbesuchen und dann hauptsächlich natürlich mit Stellungsuchen. Für Frauen ist das Problem verhältnismäßig leicht, aber für Männer — auch wenn sie jung und intelligent sind und ziemlich gut englisch sprechen — Glücksache. Nur durch sehr gute Beziehungen kann man einen meist recht schlecht bezahlten Posten erhalten, von dem man als Verdienst vielleicht 12 oder auch 15 Dollar in der Woche nach Hause bringt. Die 7 oder 8 Dollar, die die Frau verdient, kommen dazu, und dann reicht es gerade zum Leben. Beziehungen hatten wir weiter keine und nach einigen fruchtlosen Versuchen entschlossen wir uns zu etwas ganz anderem: Wir gingen als „Couple", d.h. als eine Art Diener- Ehepaar. Der Mann ist Chauffeur, und hält das *) Vgl. C.-V.-Zeitung Nr. 28 vom 14. Juli 1938 „Stockboy in New York" — Monaten nach ihrer Ankunft unterstützte und dann aus den Augen verlor; unmerklich, zahlenmäßig nicht erfaßbar, aber mit innerer Folgerichtigkeit wirkt diese gewissermaßen anonyme Binnenwanderung der jüdischen Einwanderer entlastend und ausgleichend. Sie wäre zu ermutigen, zu fördern, sichtbar zu machen und planmäßig zu gestalten. Denn zweifellos geht die Kritik, die an der Konzentrierung von Einwanderern in der Landeshauptstadt geübt wird, von der richtigen Erkenntnis aus, daß das. wirtschaftliche Schicksal des Landes wie des Einzelnen eine andere Verteilung der zuwandernden Bevölkerung erwünscht erscheinen lasse. Der Bedarf Argentiniens an Menschen und an Mitteln, um die im Lande schlummernden Möglichkeiten zu erschließen, ist in der Hauptstadt gering, im Binnenland fast überall groß. Dabei handelt es sich sicherlich nicht nur um landwirtschaftliche Siedler. In dem Leitartikel der „Prensa" vom 30. Juli, der eine Stellungnahme zu den neuesten Einwanderungsbestimmungen enthielt, findet sich ein überaus eindrucksvoller Hinweis darauf, „daß die landwirtschaftlichen Aussichten beträchtlich sind unter der Voraussetzung, daß die Zahl der Lande Bewohner sich in ungewöhnlichem Verhältnis vermehrt und sich den verschiedenartigsten wirtschaftlichen Beschäftigungen zuwendet." Dieser Satz des bedeutendsten argentinischen Presseorgans läßt erkennen, daß Großbritannien Am 1. April 1938 ist ein Gesetz in Kraft getreten, wodurch das Rentenalter für blinde Personen von 50 auf 40 Jahre herabgesetzt worden ist. Am 4. April 1938 ist eine Verordnung des Arbeitsministers in Kraft getreten, wonach die in privatem Dienstvertrag eingestellten Kraftwagenführer in die Arbeitslosenversicherung einbezogen worden sind unter der Voraussetzung, daß die Beschäftigung nicht für Rechnung eines kaufmännischen Betriebes, eines Unternehmens mit Gewinnzwecken oder einer Gärtnerei ausgeübt wird (IRA 1938, 562, 566). Irland Die Arbeitsbedingungen und die Arbeitszeit für Angestellte in Ladengeschäften sind in sehr eingehender Form durch zwei Gesetze vom 25. Februar 1938 geregelt worden. Beide Gesetze erfassen sämtliche Ladengeschäfte und gelten für alle Angestellten, mit Ausnahme der Familienmitglieder des Geschäftsinhabers, die mit ihm im gemeinsamen Haushalt leben. Die Arbeitszeit untere Stockwerk des Hauses in Ordnung, versieht außerdem, das hier sehr ernst genommene Amt des Servierens und im Sommer den Garten. Die Frau kocht und macht das obere Stockwerk, wo sich meistens nur Schlafzimmer und Bäder befinden. Auch auf diesem Gebiet herrscht zwar reichlich Angebot, auch von Schwarzen, aber man bekommt doch eher eine Stellung als in anderen Berufen. Wir ließen uns also am 10. Tage unseres Hierseins von einer jüdischen Dame in Long Island als „Couple" engagieren. Noch hatten wir wenig Erfahrung in dieser Arbeitt. Ich konnte lediglich Auto fahren und meine Frau verstand die alte heimische Küche, und war auch sonst in der bei uns üblichen Hausarbeit erfahren. Von einem Zurechtfinden in der Stadt konnte für mich natürlich nach 10 Tagen noch keine Rede sein und die amerikanische Küche ist trotz ihrer verhältnismäßigen Einfachheit derart verschieden von der unsrigen, daßman im Kochen vollständig umlernen muß. Nach 14 Tagen hatten wir aber soviel Ahnung, daß wir wenigstens ungefähr wußten, was in derartigen Stellungen verlangt wird. Aber mit den beiden amerikanischen Kindern konnte meine Frau nicht fertig werden, da sie sich gegenseitig nicht verstanden — die Kinder konnten kein Deutsch und meine Frau kein Englisch — und immer konnte ich natürlich auch nicht vermitteln. Wir verließen also diese erste Stellung, fanden aber bald eine andere, wo wir 5 Monate blieben und uns die notwendigen Erfahrungen in jeder Beziehung aneignen konnten. Diese Stellung hatten wir bis vor etwa 6 Wochen. Dann wechselten wir wieder, und haben jetzt eine sehr schöne Position gefunden. Sehr nette jüdische Amerikaner sind unsere Herrschaft. Sie bewohnen ein 7-Zimmerhaus mit einem großen Garten. In der ersten Stellung hätten wir 80 Dollar im Monat bekommen, in der zweiten stiegen wir auf 90 Dollar und jetzt beziehen wir zusammen ein Gehalt von 120 Dollar im Monat, und haben — wie auf allen derartigen Stellungen — Wohnen, Essen und Trinken frei. Von unserem Gehalt können nach seiner Meinung die wirtschaftliehe Chance auch für die N i c h t landwirte im Hinterlande gegeben ist. Es ist eine wichtige Aufgabe unter besonderer Berücksichtigung der Berufs struktur und der sonstigen Einordnungsmöglichkeiten der jüdischen Einwanderer aus Deutschland und Oesterreich, diese Chancen zu studieren und so die Vorbedingungen zu schaffen, um einen ins Gewicht fallenden Teil von ihnen ins Landinnere zu bringen. Auch vom jüdischen Einwanderer ist in diesen Dingen eine .Neueinstellung zu fordern. Seine Bereitwilligkeit, sich den Notwendigkeiten zu fügen und nach einer angemessenen Anlaufzeit in der Hauptstadt .aber sofort ins Landesinnere zu gehen, muß noch in starkem Maße wachsen. Das Großstadtleben von Buenos Aires und der Reiz, den es auszuüben vermag, werden ihn in seinen Entschlüssen nicht schwankend machen dürfen. Er, der in seinem Geburtslande durchaus nicht nur Großstadtmensch gewesen ist, muß erkennen lernen, daß Buenos Aires nicht Argentinien ist, muß eine lebendige Beziehung auch zu den übrigen Teilen des Landes zu gewinnen suchen. Hier hat eine Erziehungsarbeit einzusetzen, die auch der Einzelne an sich vollziehen muß. Sie wird leichter sein, wenn eine planmäßige Förderung der jüdischen Binnenwanderung unseren Menschen die Sicherheit gibt, draußen Weggenossen ihres Lebenskreises wiederzutreffen, und ihnen so die Furcht vor der Einsamkeit nimmt. wird auf 11 Stunden täglich und 48 Stunden wöchentlich begrenzt. Als besonders wesentlich verdient die gesetzliche Testlegung eines Urlaubsanspruchs hervorgehoben zu werden. Dieser Anspruch entsteht, sobald der Angestellte mindestens einen Monat in dem Betrieb beschäftigt war und in diesem Monat mindestens 150 Arbeitsstunden geleistet hat. Die Dauer des Urlaubs beträgt grundsätzlich für jedes Beschäftigungsjahr 6 Tage, in bestimmten Handelsbetrieben, in denen die Notwendigkeit von Arbeitsleistungen an gesetzlichen Feiertagen besteht, beträgt der Urlaub zum Ausgleich für die Feiertagsarbeit 14 Tage (IRA 1938, 748). Neuseeland Ebenso wie in Australien hat auch die neuseeländische Regierung Vorschläge für die Einführung einer pflichtmäßigen Kranken- und Rentenversicherung ausgearbeitet. Die Versicherung wird aller Voraussicht nach am 1. April 1939 in Kraft treten. Nach den bisherigen Veröffentlichungen sind Leistungen bei Krankheit, Invalidität und wir also viel sparen. Wir haben kaum Ausgaben, außer an unseren freien Tagen. Diese sind jede Woche, einmal nach dem Frühstück, außerdem jeden zweiten Sonntag nach dem Lunch, und wenn wir abends gegen i^ß Uhr mit unserer regulären Arbeit fertig sind, können wir oft ins Kino oder in die 30 Autominuten entfernte Stadt fahren. Wir haben jetzt nach 8 Monaten sogar schon unseren eigenen „car", und waren bereits in der Lage, für zwei Familien Bürgschaften stellen zu können. So erwarten wir die Schwester meiner Frau mit Mann und Kind und haben ihnen von unserem ersparten Geld eine kleine Wohnung eingerichtet. Natürlich muß man sich gründlich umstellen, wenn man einen derartigen Beruf ergreift und man muß Lust und Liebe für die Arbeit haben, gut Englisch sprechen können und einen Führerschein besitzen. Die Frau sollte wenigstens eine gute Grundlage im Kochen haben, auch Gartenkenntnisse sind gut zu verwenden. Wer den ernsten Willen hat, in den ersten Jahren unseren Beruf zu ergreifen, der wird es im allgemeinen nicht zu bereuen haben. Aber alle Vorurteile müssen unterwegs über Bord geworfen werden. Es gibt noch manche reichen jüdischen Familien hier, die gern ein jüdisches „Couple" aus Deutschland nehmen würden, und mit 75 bis 80 Dollar monatlich Anfangsgehalt für Beide kann man fast immer rechnen. Wir sind recht stolz auf unsere bisherigen Leistungen und Erfolge, weil sie ohne Hilfe erreicht worden sind, aus eigener Kraft und ohne jeden finanziellen Rückhalt zu Beginn. Nun sind wir „expierient", und diesem Umstand haben wir auch unsere neue Stellung zu verdanken, die uns von einem Tag zum anderen einen Sprung von 30 Dollar monatlich machen ließ. Nun noch eine kurze Beschreibung unserer Arbeit, die mit wenigen Ausnahmen in den meisten Häusern die Gleiche ist. Angefangen wird um 1/28 Uhr morgens. Die Frau hat das Frühstück zu bereiten, das der Mann serviert. Dann trinken wir unseren Kaffee, der Mann spült das Frühstücksgeschirr, während anschliebei Arbeitslosigkeit vorgesehen. Insoweit gehen die Vorschläge noch weiter als bei der australischen Sozialversicherung. Die Krankenhilfe umfaßt neben der Leistung eines Krankengeldes bei Arbeitsunfähigkeit außer Arzthilfe auch Krankenhaus- und Heilstättenbehandlung, ferner — soweit die ex!'crderiichen Mittel hierzu aufgebracht werden können —- Krankentransport, zahn- und augenärztliche Behandlung, Massage, Röntgenuntersuchungen und anderes. Die Finanzierung der Krankenversicherung soll durch, Erhebung eines „Beitrages für soziale Sicherheit" in Höhe von 5<Vo der Löhne und sonstigen Einkommen, ferner durch Erhebung einer „Meldegebühr" von jährlich einem Pfund für männliche Personen über 20 Jahre und durch die Gewährung eines Zuschusses aus öffentlichen Mitteln erfolgen (IRA a.a.O.). Uruguay Eine Verordnung vom 24. Februar 1938 (Diario official vom 1. April 1933) regelt den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer in gewerblichen Betrieben. Sie enthält u. a. Vorschriften über Arzthilfe und erste Hilfeleistung im Betrieb, über Arbeitsräume, ihre Beleuchtung, Heizung und Lüftung, über Umkleideräume, Speise-und Ruhesäle. Max Goldstein Der Kilfsverein der Juden in Deutschland teilt mit: Das Chilenische Konsulat in Berlin weist darauf hin, daß alle direkten Anfragen und Anträge privater Personen an das Konsulat betr. Einwanderung nach Chile zwecklos sind. Die Einreisevisen für Chile werden nur in besonderen, seltenen Fällen erteilt. Das Konsulat berücksichtigt Anträge nur dann, wenn sie vom Hilfsverein der Juden in Deutschland bereits geprüft und besonders befürwortet sind. Deshalb müssen sich alle Interessenten in erster Reihe an den Kilfsverein der Juden in Deutschland, Berlin W 35, Ludendorffstr. 20, wenden. Die Fach- und Mode-Schule Friedmann in Zürich, Weinbergstr. 31, veranstaltet für Auswanderer Kurse zur Ausbildung in der Damenkonfektion. Der Unterricht erstreckt sich auf Zuschneiden, Anprobieren, Abstecken, Abformen, Modeaseichnen und Entwerfen. Wann und wo binden Sie Rat? IMLitteldeutscManö Halle Magdeburg 20. September, 17-19 Uhr, Germarstr. 12, Gemeindehaus. Tel. 22871 21. September, 16-18J^ Uhr, Königstr. 15 II, bei Sabatzky Korddeutschland Hannover Mittwochs, 16—18 Uhr, Landschaftstraße 6, ptr. (Bankhaus Meyerstein) Iiinksrhein Trier 22. (nicht 21.) September, 11^-13 Uhr, im Büro von Rechtsanwalt Dr. Voremberg-, Adolf-Hitler-Str. 9 Hessen-Xassau und Hessen Ems Worms Jeden 4. Donnerstagim Monat, 111//—12 y. Uhr, bei Rabbiner Dr. Laupheimer, Braubacher Str. 17 Jeden letzten Mittwoch im Monat, I5i/j — 16V4 Uhr, Gemeindehaus Hintere Judcngasse 2 ßend die Frau oben und der Mann unten die Zimmer macht. Gegen 11 Uhr beginnt die Frau in der Küche den meist sehr einfachen Lunch, zu bereiten. In der Zwischenzeit fährt der Mann die Lady ins Städtchen oder arbeitet im Garten. Gegen i/ol Uhr wird geluncht und nachdem das Geschirr gespült ist, arbeitet der Mann bei gutem Wetter wieder im Garten. Manchmal muß er auch das Silber putzen oder die Lady zu Einladungen fahren. Die Frau wäscht indessen etwas Seidenwäsche und bügelt sie oder bereitet in der Küche das Abendessen Vor. Meistens findet sie aber noch etwa zwei Stunden Zeit für sich, der Mann hin und wieder auch. Dann wird mit großer Sorgfalt der Tisch gedeckt und um 6 Uhr wird gegessen, nachdem die Frau vorher ein meist ziemlich umfangreiches Menu gekocht hat. Das Servieren wird dabei sehr genau genommen und alles muß streng nach Vorschrift gehen. Der Mann trägt dazu eine weiße Jacke mit schwarzer Schleife. Zwischendurch essen wir und dann wird gespült. Etwa gegen 1/28 Uhr sind wir fertig. Manchmal, wenn Gäste da sind, werden abends noch Drinks serviert sowie Obst mit Gebäck. Das geht aber alles sehr schnell, wenn man es einmal weiß und bereitet keine Ausbrüche von Angstschweiß mehr. An normalen Abenden nehmen wir oft unseren „car" und fahren noch einige Stunden hinaus. Die Wagen der Herrschaft müssen natürlich vom Mann in Ordnung gehalten werden, ebenso der Keller. Mit der Heizung hat man aber kaum etwas zu tun, da alles mit Oel geheizt wird. Ueberhaupt gibt es in den modernen Häusern der reichen Leute hier soviele vereinfachende und praktische Dinge, die die Hausarbeit sehr erleichtern, so daß sie wirklich zur Freude wird. Vor allem dann, wenn die Leute so nett sind wie unsere Herrschaft. Nur: die Umstellung muß eben vollständig sein. Wir haben jedenfalls Freude an unserer Arbeit gefunden und wünschen diesen Platz noch lange zu behalten. Hans und Friedel Rosenthal, New Rochelle. Arbeitsrecht aus aller Welt