Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 17 (28.4.1938)
- Date
- 1938-04-28
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite U C.-V.-Zelfung;Nr.17» 28.Äpril1938 Zum ersten Male Handels „Saul6* im Berliner Kulturbund Der „Saul" gehört zu denjenigen Oratorien Händeis, die — im Gegensatz etwa zum „Israel" und „Messias" — ein Uebergewicht der solistischen gegenüber den chorischen Partien aufweisen und einen im engeren Sinne dramatischen Charakter tragen. Die verhältnismässig grosse Zahl der Personen ist in der Chrysanderschen Bearbeitung etwas eingeschränkt und damit die Kernhandlung strenger herausgearbeitet worden. Die eigentlichen musikalischen Höhepunkte liegen dennoch in den Chören, zunächst in dem glockenspielumfunkelten Siegeschor des ersten Aktes, vor allem aber in dem „Neidchor", der in knappem Rahmen eine unerhört monumentale Plastik entwickelt und in seiner Harmonik auffallende Kühnheiten birgt. Hier und in einigen mächtigen Chorfugen konnte Kurt Singer seinen Enthusiasmus für diese Musik am eindringlichsten auf den von ihm geführten Klangkörper — Singerscher Chor, Chor und Orchester des Kulturbundes — übertragen. Die Bevorzugung breiter Tempi erwächst aus einer Gesamtauffassung, die weniger der barocken Bewegtheit als dem Moment klassischer Ausgewogenheit und Abklärung bei Händel Raum gibt. Nur in Einzelheiten vermögen wir nicht zuzustimmen: die Schwelltöne am Beginn des Klagechors wirkten überprofiliert, und "die Verfälschung des ursprünglichen Klangbildes durch Fg^^fL? ALICE SEEVOS. W. 50 i^CICf^fl Passauer Strasse 3. 2+92 81. Chemische Rcinls-unsr — Färben — Entdecken. den modernen Flügel an Stelle des Cembalos bleibt immer wieder bedauerlich. Die Leistungen von Chor und Orchester — der Singersche Chor feierte mit dieser Aufführung sein 25jähriges Bestehen — zeugten von hingebungsvoller Arbeit. Unter den Solisten ist Paula Salomon (-Lindberg) an erster Stelle zu nennen; stimmlich glänzend in Form, gab sie in der Partie des David ein Vorbild oratorienmässigen Stils. Auch Wilhelm Guttmann traf als Saul den Ton gebändigter Dramatik, der hier geboien ist. Als Michel konnte Thea Bieber-Brandt ihre frische Höhe recht günstig entfalten; auch Richard Dresdner vermochte — als Jonathan — auf die Vorzüge seines Materials hinzuweisen. In der Beschwörungsszene die scharfen Charakteristiken von Anna L i p i n und Walter Ries, in kleineren Rollen das tüchtige Können von Kurt Kahn und Max Lexandrowitsch. Am Klavier, erfreulich dezent, Gertrud Marcus, an der Orgel Hermann Schwarz. H. Freyhan. Fahrt insGrenzenlose im Jüdischen Kulturbund Hamburg Die Aufführung von Sutton Van^s Schauspiel hat, was die Wahl dieses Stückes betrifft, einen Sturm widerstreitender Meinungen hervorgerufen. Ein grosser Teil des Publikums lehnt, mit dem Hinweis auf die Schwere der Zeit, eine Problembehandlung ab, deren Gegenstand der Tod bzw. eine Fortexistenz des seelischen Ichs nach dem Tode ist, der andere Teil — er ist nicht kleiner — erlebt voller Gespanntheit die Ausführungen eines Dichters, die, gemildert von dem Humor eines gütigen und lächelnden Herzens, über die Grenzen des menschlichen Lebens hinaus ins „Grenzenlose" führen. Wieder andere Stimmen fragen nach der Verbindung solcher Todes- und Jenseitsbetrachtung mit dem uns alle verbindenden jüdischen Moment, eine Frage, die bei der ausgesprochen anglizistischen Betrachtung dieses .Problems durch Sutton Vane, seiner Formung und, wenn auch nicht Lösung, so doch Auflösung in die Spielhandlung, die jüdischer Betrachtung dieses Problems fremd ist, naheliegt. Dr. Hans B u x b a u m hatte die Aufführung mit einem ausserordentlichen Instinkt für das Atmosphärische, für die Hintergründe und Zwischentöne der Handlung in Szene gesetzt, aus der sich jeder einzelne Schauspieler in ausgereifter Kontur hervorhob. Tragend in strömender Natürlichkeit Fritz Melchiors Tom Prior: Haltlosigkeit und Schwäche des Charakters, leidenschaftliche Ausbrüche aber auch überraschend in den Tönen des Grauens und des Leides. Die zweite Ueberrascbung: Kurt Schindler als „Verirrter", der dem „Liebespaar" (als Partnerin Ursula Lieblich) eine schemenhafte, nervöse und doch ungemein suggestive Ausstrahlung gab. Vertreter ungetrübter Diesseitstemperamente: Edith H e r r s 1 i k s Mrs. Clivden-Banks, saftig und wirksam (nicht immer sehr englisch) in ihren Pointen, Willy K r u s z y n s k i ein hartgesottener Mr. Lingley. Max Koninski fand als Geistlicher, Erna Cohn-Lorenz als Mutter Töne des Herzens. In einprägsamen Chargenrollen Max Ritter als Scrubby und Julius K o b 1 e r. Das Bühnenbild von Heinz Condell bühnenpraktisch und -wirksam, ausgezeichnet unterstützt durch die Beleuchtungseffekte, für deren Leitung Harry Blumenthal zeichnet. Erika Gütermann, Konzerte vorbereiten, dessen Entstehung Friedrich S.-Brodnitz in seinem „New-Yorker Tagebuch IV* anschaulich geschildert hatte. * Bruno Walter dirigierte in Monte Carlo zwei Konzerte, die ausserge'wöbnlicben Beifall fanden. * Auf dem Programm der diesmaligen Masikwoche der International Society for Contemporary Music in London steht u. a. eine neue Symphonie-Suite „Jeanne d'Arc" des französischen Komponisten und Dirigenten M. .Rosent h a I sowie eine Cantate für Sopran, Chor und Klavier von Ernst Krenek. * Die Mailamm-Bücherei für jüdische Musik, untergebracht in der Musikbücherei der N e w - Y o r k e r Stadtbibliothek, wurde vor kurzem eröffnet. Die Sammlung enthält viele'Stiftungen, darunter Werke jüdischer Komponisten wie Ernest Bloch, Jacob Weinberg, Joseph A c h r o n und Edvard Moritz. Bei der Eröffnungsfeier sprach der Präsident der Juilliard Sehool of Music, Ernest Hutcheson, über „Eine jüdische Musikbücherei für New-York" und Rabbi Louis I. Newman über „Musik des jüdischen Volkes". Moshe Rudinow, Kantor des Tempels Emanu-El, sang alte hebräische Gesänge und eine Liederserie jüdischer Komponisten. Unter den Gästen und Gratulanten befanden sich viele führende Persönlichkeiten des jüdischen Lebens. * Josef Wagner wurde zu einem Konzert in der National Broadcasting Company, New-York, sowie zu einem weiteren Klavierabend nach S t. Louis (Mo.) verpflichtet. Im Rundfunk' (B. B. C.) gelangen demnächst seine Kinderliedvariationen für Klavier zur Aufführung. * Franz M o 1 n ä r s auch an der Berliner Kulturbundbühne aufgeführte« Werk „Grosse Liebe" ist in Amerika unter dem Titel „Double Wedding" verfilmt worden. In dieser Fassung, die den Lustspielcharakter des Stückes viel stärker betont als im Original, erzielte „Grosse Liebe" in Budapest einendurchschlagenden Lacherfolg. Jüdischer Kulturbund BerÜn Wochenplan Theater in der Kommandantensir. 57, 20 Uhr: „De lila" 30. April (Abt. 8, 18"). 2. Mai (Abt. 23, 33). 3. Mai (Abt. 22, 32), 4. Mai (Abt. 28, 38), 5. Mai (Abt. 7, 17). Kulturbundsaal, Kommandantenstr. &8/S9: SO. April 20K Uhr: Kleinkunstbühne: „Warum lügst Du, Cherie?": 2. Mai 3034 ühr: Film „Idl. mit'n Fidl"; 3.. L und 5. Mai 19 und 21K Uhr Film „Idl mit'n Fidl". KALENDER Mai 1938 Konzerte und Vorträge Ein bereits aus Frankfurt a. M. an dieser Stelle besprochener Heine-Abend fand eine solch erfolgreiche Wiederholung im Rhein-Ruhr-Bezirk des Jüdischen Kulturbundes, dass ihm in kurzen Worten nochmalige Erwähnung gebührt. Gerhard Walter Rosenbaums Erzählung vom Leben und Schaffen des Dichters war ein pastellzartes, poesievolles Essay, Otto Bernsteins Meisterrezitation ist über jedes Lob erhaben; die gesang- ' liehen Leistungen der Altistin Adelheid Hess - die an Stelle Thea Stuckenschmidts für die hiesigen Veranstaltungen gewonnen wurde, und die Heine-Lieder verschiedenster Komponisten zum Vortrag brachte — zeugten von starker Musikalität und tiefem Erleben. Kurt Heinemanns Begleitung am Flügel bildete ein kleines Kunstwerk für "sich. —yo— Das Volksstück „Das Kamel geht durch das Nadelöhr" von Frantisek Langer wurde unter der Regie von Ben Spanier von der Bühnenvereinigung Rhein-Ruhr im Jüdischen Kulturbund Düsseldorf aufgeführt. Die Aufnahme des unterhaltsamen Stückes war dank der sehr guten Besetzung äusserst herzlich. J. C. Max K o n i n s k i stellte sich an zwei Abenden dem Publikum des Jüdischen Kulturbundes Hamburg als ein Sprecher von ausserordentlicher Ausdruckskraft und Eigenart vor. Die so unterschiedlich zusammengestellten Programme der beiden Abende bestritt der Vortragende, seiner umfangreichen künstlerischen Anlage nach, aus verschiedenen Mitteln. In einem aber bleibt er sich immer gleich, ob er Georg Brittings ,,Salome" oder Martin Kessels „Radrennbahn" fast brutal zusammenraffte, ob er Mclnars „Des Zuckerbäckers goldene Krone" in einen lethischen Strom des Humors tauchte, ob er Leipzigers erschütterndes Gegenwartsbild „Die Neun" oder Leo Hirschs „Das Geschenk" in das gramvolle Dunkel des Leids und messianischen Glühens senkte, immer sucht er die Bindung an die geistigen Kräfte, aus denen das Werk strömt, die Formung der höheren Gestalt. Dieser Gestaltungswille Max Koninskis traf nicht immer gleichmässig ins Volle. Dort aber, wo er gesammelt hineinriss in die Bindung, führte er, wie in dem Aufrauschen chassidischer Welt- und Geistesfreude in Spektors „Armenmahl", zu einzigartigein künstlerischen Erleben. E. G. Das Schauspielensemble des Jüdischen Kulturbundes Hamburg gastierte mit Molnars „De - lila" zweimal im Verein für jüdische Geschichte und Literatur (Kulturbund), Karlsruhe, und im Kulturbund Hannover. Die Aufführung, die hier schon (vgl. C-V.-Zeitung, Nr. 4 vom 27. Januar) ausführlich gewürdigt worden ist. fand überall reichen Beifall, der sowohl der Regie von Dr. Hans Busbaum, dem stilgerechten Bühnenbild von Anni G o w a als auch den hier schon genannten Darstellern galt. Dr. Lutz Weltmann, Berlin, sprach im Breslauer Kulturbund über „Werden und Wesen des Golem. Eine Wanderung von der Weltschöpfung bis zum Maschinenzeitalter". Der Vortragende ging in seinem, auf reichem Material aufgebauten "interessanten Vortrag von dem ersten Vorkommen des Begriffes Golem in der Bibel (Ps. 139,16) aus. Nach der Betrachtung der nichtjüdischen Golemliteratur wandte er sich der jüdischen Golemliteratur des 19. Jahrhunderts zu, die die enge Verbindung mit der Sage vom Golem des Hohen Rabbi Low in Prag aufnimmt. Schvv. Im Kulturbund Breslau wurde die Revue „Von Romeo bis Streichquartett" an zwei. Abenden aufgeführt. Das Publikum amüsierte sich, zumal bei der köstlichen Shakespeare- Parodie, ausgezeichnet über den unverwüstlichen Max Ehrlich, über Rosl Gerstel, Fritz Tachauer und die anderen guten Kräfte des Ensembles. Hff. Edith Herrnstadt-Oeitingens meisterhafte Sprechkunst und dramatische Ausdruckskraft erfreute die Mitglieder des Leipziger Kulturbundes mit den Rezitationen. Man hörte Stefan Zweig, Buber, Manfred Sturmann, E. Zimei, ■ Martha Welheimer sowie Werke der Vortragskünstlerin selbst. K.S. In dem jetzt abgeschlossenen Winterhalbjahr fanden in der jüdischen Gemeinde Landeshut i. Schi, zahlreiche Vorträge statt, so von Frau Dr. Aschheim -Baruchsen über „Jüdisches Leben, jüdische Gebräuche und Feste in Darstellungen jüdischer Künstler", von Rabbiner Dr. Geld über „Das Lied des Ostens", von Direktor Abt (Breslau) über die Vorbereitung der jüdischen Jugend für den Beruf, Rechtsanwalt Dr. Erich Bry (Breslau), dem Vorsitzenden des Landesverbandes Niederschlesien des Jüdischen C.-V., über „Alte und neue Aufgaben im Judentum", von Georg Michaelsohn (Berlin) über „Jüdische Auswanderung — heute", von Rabbiner K o k o t e k (Waldenburg) über „Jüdische Frauen einst und jetzt", von Prediger Falkenstein, dem Leiter der jüdischen Kulturarbeit in Landeshut, über Rabbi Akiba Eger, Abrabanel, die Marannen. H. J. J o n a s (Landeshut) las aus seinen neuesten jüdischen Dichtungen F. f. Sonntag 2. Montag 7. Sonnabend 14. Sonnabend 19. Donnerstag 21. Sonnabend 28. Sonnabend 30. Montag [ill!!!ll!i!ll!|liüli!l!llllll!l!ll! Ijjar 5698 30. Nissan. 1. Tag Rosch Chodesch 15. Omer-Tag 1. Ijjar. 2.Tag Rosch Chodesch 16. Omer-Tag . 6. Wochenabschnitt: Kedoschim 3. B. M. 19—20 Haftara: Arnos 9,7-15 21. Omer-Tag 13. Wochenabschnitt: Emor. 3. B. M. 21—24 Haftara: Ez. 44,15-31 23. Omer-Tag 18. Lag baomer 33. Omer-Tag 20. Wochenabschnitt: Behsr Ssinai 3. B. M. 25—26,2 Haftara: Jer. 32,6-27 35. Omer-Tag 27. Wochenabschnitt: Bechukkotai 3. B. M. 26,3-27,34 Haftara: Jer. 16,19-17,14 42. Omer-Tag 29. Jörn Kippur Katan j|!ll!l!!l!l!!!in!il!ll!llll!i;il!ll!!!i!i:il!l!l!!lilll!!!iinii!i!)!!l!il!!il:, Die Sonderveranstaltung des Palästina-Schauspiels „Das Geriet t", die am 4. Mai, für den Keren Hajessoth im Kulturbundtheater stattfinden sollte, muss aus betriebstechnischen Gründen auf Sonnabend, 7. Mai verschoben werden. Beginn 'ausnahmsweise 203^ Uhr. Die für den 4. Mai ausgegebenen Karten behalten ihre Gültigkeit für das neue Datum. Theater der Jüdischen Schulen, Berlin. Am 17. Mai, 20% Uhr. findet im Kulturbund-Saai, Kommandanterstrasse 53/59, eine einmalige Aufführung des Schwanks ..Das Extemporale"" mit Max Ehrlich in der Hauptrolle statt. Eintritt für Kulturbundmitglieder und R.-Karten-Inhaber. „Idl mit'n Fidl". Die Uraufführung.de* Films findet zugunsten der jüdischen Altersheime am 2. Mai statt. Direktor Heinrich Stahl und Dr. Kurt Singer werden die Ein Führungsreden halten. Die weiteren Aufführungen finden in der Zeit vom 3. bis zum 12. Mai (ausser Freitags) statt. Theater, Musik, Film Im Jugoslawischen Nationaltheater in Zagreb (Agram) wurde eine Büste des verstorbenen Schauspielers Josip P ap i c aufgestellt. * Hans Wilhelm Steinberg wird in der nächsten Saison das Symphonie-Orchester der National Broadcasting Company in New-York für die unter Leitung von Toscanini stehenden Rundfunk- Ans den Gemeinden Dresden Reichsvertretung und Gemeinde hatten zu einem Gemeindeabend eingeladen, bei dem ein Rechenschaftsbericht über das grosse Sozialwerk von „Hilfe und Aufbau" gegeben wurde. Namens des Gemeindevorstandes begrüsste Dr. Walter Grün die zahlreich erschienenen Gemeindemitglieder. Der Film der Reichsvertretung; „Schaff-ender Wille" gab einen umfassenden Einblick in die bisher geleistete und weiterhin zu leistende ümschichtungsarbeit. Zu dem Film sprach Direktor Josef Schmeidler, Mitglied des Präsidialausschusses der Reichsvertretung. G.X, Hamburg Der Hamburger Synagogenverband. Konnte auf sein 70 jähriges Bestehen zurückblicken. Dieses Jubiläum hat für die ganze jüdische Gemeinde eine besondere Bedeutung; denn der Grundsatz, „die Ausübung des Gottesdienstes einzelnen religiösen Gemeinschaften zu überlassen'*, hat sich für die Gesamtgemeinde günstig ausgewirkt. Das sog. Hamburger System, das die Trennung von Gemeinde und Kultus gewährleistet, hat die Gemeinde stets vor der Spaltung, vor jedem Konflikt bewahrt. Aus Anlass des Ehrentages fand am 2. Pessachtage eine eindrucksvolle Feierstunde statt; sie erhielt durch die Festrede von Oberrabbiner Dr. J. Carlebacb und die gesanglichen Darbietungen von Oberkantor Hornstein und dem unter Leitung von Kalmann Roth schild stehenden Synagogen c b o r ihre hohe Weihe und ihre künstlerische Note. Ein eigens für diesen Tag von Dr. Carlebach verfasstes hebräisches Gebet, in dem einer Reihe von Persönlichkeiten gedacht wurde, die an dieser Stätte wirkten, deren Wirken und Namen aber weit über Hamburg hinaus Bedeutung erlangten, bescbloss die bedeutungsvolle und würdig-schöne Feststunde. S. E. Krefeld Im ersten Vierteljahr 1938 sind 28 Personen in die Gemeinde zugezogen. In derselben Zeit verzogen von hier 39 Personen, davon nach Orten innerhalb Deutschlands 18, nach Palästina 2, nach sonstigen Ländern 19. Einem Gesamtzugang von 31 steht ein Gesamtabgang von zusammen 48 Personen gegenüber, Die Seelenzahl der Gemeinde betrug am 1. April 1459. J. D. Semesterbeginn in der Lehranstalt Die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, Berlin, eröffnete ihr diesjähriges Sommersemester mit einer kurzen internen Feier für ihre Hörer in der Aula der Anstalt. Die Festrede hielt der diesjährige Vorsitzende des Lehrerkollegiums, Rabbiner Dr. Max Wiener. Er schilderte die Entwicklung des Judentums seit der Emanzipation. Vor 100 Jahren wurde die Entwicklung des Judentums als abgeschlossen angesehen. Das Philologische trat in den Vordergrund. Zunz forderte eine Inventarisierung des vorhandenen Schrifttums, solange dies noch möglich sei. Das Judentum wurde blutleer wie ein Geisjt ohne Körper, alles Nationale wurde abgestreift, an Stelle des Gemeinsamen trat immer mehr der Individualismus. Erst allmählich entstand aus der iadividualistiscben Zersplitterung eine neue Gemeinschaft. Dass dies geschah, verdanken wir den Männern, die ihre Arbeit nicht als Inventarisierung, sondern als lebendige Arbeit am jüdischen Volke auffassten. Zu erstreben ist eine Verknüpfung mit der Geschichte in der Form, dass sie uns als Bestandteil des lebendigen Lebens gilt. — Ferner wurde der 25jährigen Zugehörigkeit von Rabbiner Dr. Leo Bae"ck zum Dozentenkoliegium gedacht. Das Lehrer» kollegium wird aus diesem Anlass eine Festschrift herausgeben. Die Reichsvertretung hat der Anstalt eine Büste von Leo Baeck gestiftet (die auf 'S. 2 dieses Blattes wiedergegeben ist). Baeck selbst dankte in bewegten Worten für die ihm erwiesenen Ehrungen und betonte, dass, wenn auch die Menschen kommen und vergehen, die Aufgabe stets dieselbe bleibt: Träger der jüdischen Tradition zu sein und zu bleiben. Gü. Lo. Fortbildung für Englisch-Leerer In der Zeit vom 3. bis 13. April veranstaltete die Schulabteilung der Reichsvertretung einen Fortbildungslehrgarig für Lehrer des Englischen in Lehnitz. Etwa 40 Lehrer und Lehrerinnen der verschiedensten Schulgattungen aus allen Teilen Deutschlands hatten sich eingefunden.. Das sorgfältig aus» gearbeitete reiche Arbeitsprogramm umfasste Üebungen in Phonetik, Grammatik und Konversation. Dazu kam eine Reihe von Einzelvortragen. Einzelne Schriftsteller, Geschichte der Juden in England, das Empire, Zielländer der Auswanderung, englische Malerei, englische Psalmen u. a. wurden behandelt In dankenswerter und selbstloser Weise hatten «ich Lehrkräfte der englischen Intensivkurse des Jüdischen Lehrhauses Berlin und einzelne andere Persönlichkeiten zur Verfügung gestellt. In dem behaglichen Lehnitzer Heim untergebracht und "fürsorglich betreut, % fanden die Teilnehmer in der schönen, ruhigen Umgebung auch Erholung und Entspannung nach anstrengender Arbeit. ~ Dr. Tb. Englischer Abend-Intensivkurs. Da? Jüdische Lehrhaus Berlin beabsichtigt gemeinsam mit der Schulabteilung der Reichsvertretung, ab 9. Mai 1938 einen englischen Abend-Intensivkurs einzurichten. Ziel des Kurses ist, eine gefestigte Grundlage für eine wirkliche Beherrschung des Englischen und eine Einführung in die Kulturkunde der angelsächsischen Länder zu geben. Der Kursus wird 4 Monate dauern. Schulgeld monatlich 25 RM. Unterricht von Montag bis Donnerstag täglich abends von 7 bis 10 Uhr in Gruppen von höchstens 15 Teilnehmern und zwar: 1 Stunde grammatische und schriftliche üebungen, 1 Stunde Konversation., 1 Stunde auslandskundliche Vorlesungen in englischer Sprache, in denen die verschiedenen Gebiete des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens der Auswanderungsländer eine den Interessen des Hörerkreises entsprechende Darstellung finden werden. Durch die Begrenzung der Za.hl der Teilnehmer an den grammatischen und schriftlichen, sowie an den mündlichen üebungen dürfte ein Höchstmass an Intensivierung gewährleistet sein. Meldungen z'ir Teilnahme mit dem Vermerk: „Betrifft englischen Abend-Intensivkurs" ■ sind zu richten an das Sekretariat des Jüdischen Lehrhauses, Berlin W50, Harburger Strasse 5. Seder in Gemeinschaft Soll man über Sederabende berichten? Isl nicht ihr Verlauf durch die Verlesung der Hagada, in der wir Jahr für Jahr erfahren, diese Nacht von allen anderen Nächten unterscheidet, bereits von vornherein festgelegt? Tausendc aus unserer im Aufbruch befindlichen Gemeinschaft mögen diesmal dieses zeitnahe Fest im Familienkreis erlebt haben, als wären sie selbst aus Aegypten gezogen. Vielen aber ist durch die Trennung von den nächsten Angehörigen der Sederabend am Familientisch versagt. Dieser Vereinsamten nahm sich in Berlin auch in diesem Jahr wiederum die Chewra Kadischa an« Sie lud sie zu einem Sederabend ein, der durca seine besondere Herzlichkeit den familiäre" Charakter wahrte und die zahlreichen Teiüieb* mer das beglückende Gefühl der festen Geborgenheit in ihrer jüdischen Gemeinschaft erleben liess. W. R-ck»