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Central-Verein-Zeitung · 1938-04-28 · 17 (28.4.1938) · page 13

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
17 (28.4.1938)
Date
1938-04-28
Page
– (sequence 13)
Language
German
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NEUE FOLGE DER JODISCHEN ALLGEMEINEN ZEITUNG BEILAGE DER C-V.-ZEITUNG Seite >3 lür.17 L Beiblatt Gemeinde 28. Ajg« Im Durchschnitt: minus 27 v. H. Die Schrumpfung der jüdischen Gemeinden 1933 bis 1937 Von Albert J. Phiebig Auswanderungsverluste und Sterbeüberschuss, 'II der Ueberschuss der Zahl der Sterbefälle über die Zahl der Geburten, haben die jüdische Bevölkerung überall in Deutschland seit 1933 wentlich verringert. Zahlreiche Gemeinden sind . dazu durch die Binnenwanderung erheblich, verkleinert worden. 1933 gab es im Reich fast ItiOO Synagogengemeinden mit einer halben Million Juden. Dreiviertel von ihnen (rund 370 000) wohnten in 67 Gemeinden mit jeweils mehr als 500 Glaubensjuden. 1937 wurde diese Zahl nicht einmal mehr von der Gesamtheit der Juden in Deutschland erreicht. Gegen- 1837 . 100 1937 Ernst Lochner & Horkheimer Frankfurt a. M., Liebfrauenberg 39. I. Stock. TeL 29288 HerreSIStoffe in den altbekannt ersten Qualitäten artig dürften nur noch knapp 350 000 Glaubensjuden in über 1400 Synagogengemeinden leben. 1933 waren dreiviertel der jüdischen Bevölkeig Deutschlands in Orten mit je über 500 Glaubensjuden ansässig, 1937 waren es bereits fast %. So ist die Bedeutung dieser Gemeinden gewachsen, obwohl sich ihre Anzahl von 67 im Jahre 1933 bis 1937 sogar um 15 verringert hat Innerhalb der Gemeindegrössenklasse von über 500 Juden lassen sich drei Gruppen gesondert betrachten: Kultusf 500 bis unter 1000 Selen, Gemeinden \ 1000 bis unter 5000 Seelen und mit l 5000 und mehr Seelen. 1933 bestanden 10 Kultusgemeinden mit je über 500 0 Glaubensjuden. Diese Gemeinden umfassten über 55 Prozent (rund 278 000) der Juden in Deutschland, 1937 zählten Nürnberg, MannJaeim und Düsseldorf jeweils weniger als f>000 Juden, waren also dieser Gruppe nicht mehr zuzurechnen. Auf die restlichen sieben gross f. en Kultus-Gemeinden — nämlich Berlin, Frankfurt a. M., Breslau, Hamburg, Köln, Leipzig, München — entfielen nunmehr aber 63 Prozent (= etwa 230 000) der Glaubensjuden im Deutschen Reich. Die Kerngruppe der 36 jüdischen Gemeinden mit 10 0 0 — 5000 Seelen ging von 1933 bis 1937 auf 28 zurück, und die Bevölkerung verringerte sich um fast ein Viertel, von etwa 7800(f auf rund 60 000. Ein entsprechendes Absinken war bei den Gemeinden mit 500 — 1000 Juden festzustellen: von 21 Gemeinden mit rund 14200 Seelen auf 17 Gemeinden mit w-enig über 10 000 Seelen. Besonderen Aufschluss geben die Ziffern der Bevölkerungsabnahme in den einzelnen Kultusgemeinden. Sie lassen erkennen, in Alchen Gebieten der Bestand der Gemeinden gefährdet und damit die Möglichkeit gemeindlicher Arbeit am schwersten beeinträchtigt ts-urde und welche Gemeinden durch Binnenttanderungszuzüge anderweitige Verluste besser susgleichen konnten. Zu der Gruppe der am stärksten verminderten Gemeinden gehören überwiegend west- und süddeutsche Mittel- und Grosssemeinden. Man darf sich bei dieser Fest- *l-°]Iung jedoch nicht zu dem Schluss verleiten lassen, dass der Rückgang der jüdischen Bevölkerung in Nord-, Ost- und Mitteldeutschland weniger intensiv oder bedeutungsschwer gewesen sei. In diesen Gebieten ttaren bereits vor Beginn des Schrumpfungsprozesses die Mittelgemeinden nicht so zahlreich, und die Grösse der Gemeinden war schon lange durch Binnenwanderung beeinträchtigt. So wurden die wenigen Synagogengemeinden mittlrer Grösse Ziel des Zustroms aus den immer kleiner werdenden Gemeinden des nord-, ost- und mitteldeutschen Raumes. Während in Westend Süddeutschland grössere Orte Zuzug erfuhren, standen in Nord-, Ost- und Mitteldeutschland vielfach noch Gemeinden weit kleineren ümfangs vor der Aufgabe, neue Mitglieder aufzunehmen. Für die vorliegende Untersuchung •Aminen, zablenmässig nur wenige Gemeinden i1pr letztgenannten Bezirke in Betracht. Trotz f^r Binnenwanderungsgewinne sind, wie später dargestellt w'ird, Gemeinden — in der Reihen-!ol?e ihrer Abnahmequote aufgeführt — wie Ilaiberstadt. Magdeburg, Liegnitz, Chemnitz, Königsberg i. Pr., Gleiwitz, "Stettin, Beuthen, Erfurt, Braunschweig, Oppeln und Leipzig zusammengeschrumpft. . Die Verschiedenheit des Ausmasses der Jüdischen Bevölkerungsabnahme ergibt sich aus finer Betrachtung des Rückgangs der Seelenzahl ,T! den einzelnen Kultusgemeinden. Glessen, steht der Höhe der Einbusse nach an erster Stelle, es verlor von 1933 auf 1937 über die fällte. 56,14 V.H., seiner jüdischen Bevölkerung: b°chum und Nürnberg verloren fast die Hälfte, Worms, Halberstadt, Pforzheim, Bruchsal je rund 45 v. H., die Universitätsstädte Heidelberg und Freiburg und ebenso Hagen je über 40 v. H. - Die gesamte jüdische Bevölkerung des Deutschen Reichs ging von 1933 auf 1937 um 26,95 v.H. zurück. Erheb 1 ieh er als dieser Reichs durchschnitt waren die Abnaamequoten in Würzburg, Gelsenkirchen, Kaiserslautern, Bonn, Darmstadt, .Magdeburg, Landau, Fulda, Fürthi. B., Liegnitz, Chemnitz, Trier, Ludwigshafen, Altona, Wiesbaden, - Offenbaeh, Duisburg und Mannheim. Der Niedergang erfasste also in gleicher Weise jüdische Gemeinden mittleren Umfangs in Landstädten wie an bedeutenden Industrieplätzen. Ein Abstieg, der unter dem Reichsdurchschnitt blieb, war in . Aachen, Aschaffenburg, Breslau, Dresden, Düsseldorf, Halle, Hamburg, Hannover, Hindenburg, Karlsruhe, Stuttgart und Tilsit zu beobachten, vorwiegend Orte mit einer besonders zahlreichen oder besonders lange ansässigen jüdischen Bevölkerung. Am wenigsten betroffen scheinen die grossstädtischen Zentren B e rl in und Köln. In Berlin rechnet man zur Zeit noch mit 140 000 Juden. Hier sind hohe Bevölkerungsverluste durch Binnenwanderungszugang ausgeglichen worden, durch Zuzug von kleinen Rentiers aus der Provinz, die in Berlin ihren Lebensabend zuzubringen wünschen, und von Auswanderungswilligen, die von Berlin aus ihre A us wände rungspläue rascher und besser fördern zu können hoffen. Weniger fällt in diesem Zusammenhang ins Gewicht, dass die Jugendlichen zur Ausbildung in handwerklichen Lehrwerkstätten der Grossgemeinden zusammengezogen werden, während die landwirtschaftliche Schulung in kleinen Orten erfolgt wo oft noch nicht einmal eine Kultusgemeinde vorhanden ist. . In welchen Gemeinden und Gebieten war der Bevölkemngs rückgang in den einzelnen Jahren von 1933 bis 1937 am einschneidendsten"? Diese Frage. macht deutlich, in welchen geographischen Etappen der Abbau vor sieb ge- Kohanlm-W aschgef cuss aus Silber, a us der Synagoge Flatow-Gr enzmark gangen ist. (Bei den Angaben für die ersten Jahre w-aren die gemeindlichen Unterlagen noch nicht von letzter Zuverlässigkeit.) Bereits von 1933 bis 1934 sind die jüdischen Gemeinden Gelsenkirchen, Glessen und Nürnberg um je über ein Viertel, die Gemeinden Bonn, Chemnitz, Hagen und Worms um' je über ein Fünftel ihres Bestandes zurückgegangen. Von 1934 auf 1935 wurde in den badiseben Städten Heidelberg und Mannheim die . jüdische Bevölkerung um je IS Prozent kleiner. Von 1935 zu 1936 verminderte sich die Zahl der Glaubensjuden in. Freiburg und Mainz um je über 22 Prozent. 1937 wurden'die Gemeinden-Braunschweig, Giessen, Trier, Worms und Wuppertal-Elberfeld aam stärksten betroffen. Ihre Mitgliedschaft 'sank nochmals um je rund ein Fünftel. So kennzeichnet das nüchterne Zahlenbild den sich unablässig vollziehenden Weg der Schrumpfung der jüdischen Kultus-Gem'eiden in Deutschland. von Kultgeräten aus kleineren jüdischen KuMsgemeinden in Norddeutschland. Zu den Geräten und Textilien aus den Gemeinden Demmin; Stralsund, Markise h-Friedland. S e g e b e r g und F 1 a t o w / Grenzmark gesellen sich Erinnerungen aus einigen westlich gelegenen Orten, so aus Gersfeld in der Rhön, Homberg am Harz, Ellrich und zu der früheren Provinz Posen gehörenden Kr o t o s c h i n. Magister Kirsch Der gute Likör, Magister. München VII Kunstgegenstände aus jüdischen Kleingemeinden Zu einer Ausstellung im Berliner Jüdischen Museum In den kleineren jüdischen Gemeinden hat sich gerade in der letzten Zeit die wichtige Frage ergeben: Was wird mit dem Kultgerät, das Schmuck und Zierde. Stolz und' Zeichen jüdischgeschichtlichen Schicksals für die Judenheit in ganz Deutschland bedeutet? In dem Bemühen, kommenden Generationen zu beweisen, dass. wir bei allen äusseren Sorgen den kulturellen Aufgaben und Pflichten gerecht geworden sind, bedarf es in besonderem Mass. der Erhaltungder Kunstwerke in Kleing-emeinden. Denn abseits vom Wege führen Kultgeräte aller Art ein. gewisses Eigenleben, auch im Künstlerischen. So ergibt sich in vielfacher Hinsicht die Notwendigkeit, diese Kunstgegenstände zu hüten und zu pflegen, damit sie für die Geschichte der Juden in Deutschland, für die Forschung und für kommende Geschlechter ein abrundendes,: einheitliches Bild. vermitteln können. . Das Jüdische Mus e um Berlin in - Gemeinschaft mit dem Gesamtarchiv der Juden in. •Deutschland eröffnete jetzt eine erste Ausstellung Waschgefäss aus der Synagoge Demmin LP. Fat. (3) Kar plus Toravorhang aus Märhisch-Friedland Aus der Ausstellung „Kunslgcgenstände in\hxrm Gemeinden* im j-üdhehen Museum Berlin Die Aufstellung der Kunstsachen aus diesen Kleingemeinden erfolgte in dem stilvollen sog. Synagogenraum in der Oranienburger Strasse. In der Mitte steht der bekannte. Alniemor aus dem märkischen S c h ö n f 1 i e s s, neuerdings historisch und künstlerisch erweitert durch die Eingliederung des klassizistischen Toraschreins aus demselben Gotteshaus. Mit den vergoldeten Säulenkapiteilen und der alten Beschriftung in hebräischen Lettern unter dem Dach, das ein Würfelfries ziert, bildet dieser Architekturteil des Tempels eine wirkungsvolle Umrahmung für die Kultgegenstände aus den übrigen Kleingemeinden. Viele Toravorhänge, schön in den Farben, silbergestickt und mit Jahreszahlen versehen, hängen in. der Ausstellung. Neben Beispielen aus dem frühen 18. Jahrhundert, die in der Ornamentik Zusammenhänge mit der Architektur der Zeit zeigen, konnten klassizistische Textilien in das Museum kommen. Von manchem .interessanten Vorhang kennt man den Stifternamen. Sehr bemerkenswert unter den Arbeiten, die für die Beschneidungszeremonie gestaltet wurden, ist ein Vorhang aus Arnswalde, mit Segenswünschen für die BeritMila bunt bemalt. Auch eine Decke aus dieser Gemeindet mit Silberbrokatbordüre ist zu sehen. Dann verschiedene Torawimpel, teils ornameutal mit Symbolen und Schriftbändern,, teils figürlich gestickt und bemalt, neben dem eigentlichen Kultgerät: Waschgefässe aus Silber und Kupfer, bestehend aus schön geformtem Becken und leichthandlicher Kanne, eine Bsomimbüchse in Turm- . form, ein zierlicher, ganz rokokohaft gearbeiteter silberner Kidduschbecher mit hebräischer Inschrift, hölzerne,' eine Jad und ein hölzernes Gefäss zum Bereiten der Mazzoth neben einer ebenfalls aus Holz gearbeiteten Beschneidungsbank aus dem Jahre 1772, die das Museum bereits in anderem Zusammenhang zeigen konnte, ergänzen das Bild der Kunstsachen aus den Kleingemeinden. Die Ausstellung, deren Zustandekommen auch dem Gesamtarchiv zu verdanken ist, bringt in einer Vitrine .bibliophile Denkmäler, die man in der Vielseitigkeit bewundern muss. Beschneidungsbücher aus der Altmark, aus Strausberg, aus Günzenhausen und Koblenz liegen neben den so reizvollen Stammbüchern, die in Frankfurt a. d. Oder, in Z ü 11 i c h a u . in Märkisch-Friedland. sorgsam geführt worden sind. Um diese Dokumente jüdischen pietätvollen Sinns herum zeigt man Memor- und. Steuerbücher, auch ein exegetisches Werk, Kuntres genannt, das der Gemeinde Graetz geschenkt worden ist. So ist eine umfassende Uebersicht von Dokumenten aus Kleingemeinden zustandegekommen, und es bleibt nur zu hoffen, dass der Ruf des Museumsleiters, Professor Dr. Franz Landsberger, eine Stätte der Betreuung für die sonst in alle Winde zerstreuten jüdischen Kulturwerte zu schaffen, nicht ungehört verhallen wird. Dr. Olga Bloch.

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