Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 16 (21.4.1938)
- Date
- 1938-04-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 4 C.-Y.-Zeifung Nr. 16 »21.April!938 Jüdisches Sek FÜttwm An dieser Stelle sollen in chronologischer Reihe Proben aus Jiullurhhlorhch oder literarisch bedeuisamen jüdischen Schriften, die dem grossen Leserpublikum weniger bekannt sind, veröffentlicht werden. Das biblisch-iclmudische Schrifttum ist dabei nicht berücksichtig!. L Aas dem Aristeas-Brief Die griechisch verfasste Schrift in der Form eines Briefes, den ein angeblicher Beamter am Hofe des Ptolemäus Philadelphia — Arisfeas genannt — an seinen Bruder Philckrates richtet, ist eine propagandistisch apologetisch gefärbter sagenhafter Bericht über die Entstehung der g riechischen Pen tateuch-Ueberseixung (Septuaginta). Der Autor ist ein unbekannter jüdischheilenislischer Schriilsieiler aus dem zweiten vorchristlichen Jahrhundert. — Deutsche Uebersetzungen von Moritz Schmidt in Merx' Archiv für wissenschaftliche. Forschung des Alien Testaments und von Wendlaud in Kautzsch, Apokryphen und Rseudoepfsrapben H. 1—30 fs. auch Winter und Wünsche. Jüdische Literatur. I). Palästina im Altertum Der Landbau wird eitrig bei rieben. Das Land ist nämlich reich bewachsen mit Ölbäumen, Getreide und Hülsenfrüchten, ferner reich an Wein stücken und Honig. Die übrigen Fruchtbäume und Palmen können bei ihnen gar nicht gezählt werden; sie haben viele zahlreiche Herden, und inre Weideist reichlich; deshalb erkannten sie gut. dass die Gegenden vieler Menschen bedürfen und. legten die Stadt (Jerusalem) lind die Dörfer pianmässig an. Eine grosse Menge von Gewürzen, kostbaren Steinen und Gold wird von den Arabern in die Gegend gebracht. Denn auch handelseifrig ist das Land, und in der Stadt werden viele Künste betrieben: und nichts mangelt von dem, was über das Meer geführt wird. Denn es hat auch günstige Häfen in Askalon, Joppe und Gaza, ferner in Ptolemais„ das vom König (Ptolemäus II.) angesiedelt wurde . . . Das Land hat aber alles reichlich, da es von allen Seiten bewässert ist, und hat grosse Sicherheit. Es wird von dem niemals versiegenden Flusse Jordan umflossen und umfasste ursprünglich nicht weniger als sechzig Millionen Aecker . , . Wenn aber der Fiuss, wie der Nil, in den Tagen kurz vor der Ernte angefüllt ist, dann bewässert er einen grossen Teil des Landes . . . Andere sogenannte Wixiterflüsse kommen von den Bergen; sie umfassen die Gegenden von Gaza und Azotus. Das Land ist von natürlichen Schutzmitteln umgeben: es ist schwer anzugreifen und von einem Heernicht zu erobern, deswegen, weil die Zugänge eng sind, Abhänge und tiefe Bergschluchten angrenzen und das das ganze Land umgebende Gebirge rauh ist. Es wurde aber auch erzählt, dass aus den angrenzenden Bergen Arabiens früher Kupfer- und Eisenerze gewonnen wurden. J. He. Konzerte und Vorträge Rahe! E r m o! u i k o f f. <1huntfr dem Prolektorat der B e r I i n er Jüdischen Künstlerh i i i e einen Abend irab. orinin für das ostjüdische Lied den rechten Akzent, die rechte Geste, beides kaum erlernbar, von Natur aus mit. Aus der Versenkung in den Gehalt erwachsen ihrem Singen überhaupt die wesentlichen Kräfte, während auf stimmlichem Gebiel der Intonation und der Einschränkung des tremolo noch einige ^«ocJa, "ri IM im Kern Polsterwarsn Eigene Werks?. Umcsrbsifwrsg *f eissensee, Berliner Alice 255 56 3S 5S Bemühung wird gelten müssen. Für ihr beson- ' deres Genre stellt die Sängerin eine beachtliche Kraft dar. In dem ausgezeichneten Programm nelen die meisterlichen Milhaudschen Bearbeitungen auf, unter ihnen wieder das ..Nachtwächter! ied"' mit seinem fahlen Licht. — Der Begleiter Heinz Fischer brachte als Solist Moussorgsky. Mozart imd Chopin klar und kultiviert, in der Auffassung: durch ein gewisses Mehr au Beschwingtheit und dynamischer Elastizität wird sich die sympathische, weil allem Blendwerk abholde Leistung noch steigern lassen. H. Fr. Ein "Nachmittag im Atelier der Malerin Julie W o 1 f t h o r n wurde von Priedel Lach m a n n (Ernesti) bestritten, die von der tüchtigen Erna Klein begleitet wurde. Die Sängerin brachte Arien aus ihrem umfangreichen dramatischen Repertcire. die sie mir einer Stimme von Forma: und In bester Kenntnis der Charakteristik: der jeweiligen Rohe interpretierte. Kai. Die Arbeit der Jüdischen Winterhilfe Wuppertal-Elberfeld wurde durch ein Konzert in der Synagoge abgeschlossen. Die J ü d i s c h e C horverei n I g u n g Köln sang unter Leitang von Kurt Ii e i n e m a n n Chöre von Zivi und Händel, deren Soli von Dr. Josef Carlebach (Tenor) und Adelheid Hess ,AU> klangschön vorgetragen wurden. Auch in einigen von Kurt Heinemann am Klavier vorzüglich begleiteten Einzelgesängen kamen die schönen Stimmen der beiden Künstler zur Geltung. Lily Heumann spielte das e-moll-Konzert für Violine von Mendelssohn, besonders schön in den lyrischen Stellen. Die Begleitung hatte Willy Löweuslein, Köln. "~ H.3. Im Rahmen des Dresdner Kulturbundes gab Kart E 111 i n g e r („Karlchen"'') einen Heiteren Abend, der harmlose Bissigkeit und humoristische Betrachtungsweise in seiner anspruchslosen fesselnden Manier eindrucksvoll zur Geltung brachte. — Einen Märchen-Nachm i ttag bot G e rda H a mmersc h l a g, Ch em- Malefapbelfasi / David Friedmann BcrSia W 15, p&äerooracr Str. 9. 97 25 65. nitz, dem sie auch Chelmer Sehelmengescbichten und Rätsel einfügte. — In einem ünterhaiiungsabend trat "erstmalig in Dresden Edith Eise n Ii e i ni e r . Berlin/ auf, die sich als eine '-harman'e Soubrette mit sympathisch-timbrierter Stimme und Temperament erwies. An ihre in iiro$?*n Erfolge konnte Siegfried Sonnens c h e i n als Begleiter und Komponist mehrerer sehr gefälliger Gesangsnummern teilnehmen. Im Beiprogramm wurden Charaktertänze (Frau Bonheim) und Saxophon-Stücke (E. Keud i n g) geboten. — Einen besonderen Theater- Erfolg hatte das Hamburger Schauspiel- Ensemble unter Dr. H. Buxbaums künstlerischer Leitung mit der unverwüstlichen Intrigen- Komödie ..Ein Glas Wasser" von Scribe. E. B. Eines der schönsten und eindrucksvollsten Mittwochskonzerte, die von den jüdischen Tonkünstlern Frankfurts veranstaltet werden, galt der neueren französischen Musik. Fraenne Schmuckler bewährte ihren kraftvollen klaren Geigenton, Temperament und technische Bravour an einer Sonate Debussys und einem Violinkonzert Saint-Saens. Hilde Scheres c h e w s k y , sonst Flötistin im Kulturbund- Orchester, gab als Begleiterin dem Klavierpart die eigene Note und spielte vier Präludien von Debussy in charakteristischer und packender Prägung. Erni Stern-Feitler endlich trag Arien und Lieder italienischer und französischer Komponisten mit weichem, anmutig beherrschtem Sopran vor, wobei auch dem heiklen Coloraturenwerk sein volles Recht wurde. Der Beifall war ungemein herzlich. —tt. . Das Streichquartett des Jüdischen Kulturbundes Rhein-Main, Frankfurt a. M., bestehend aus Th. Rat n er, E. Drucker, R. R a b i n o w i c z und Grete Hoff, musizierte in der Synagoge Saarbrücken und im Kulturb u n d Königsberg i. Pr. Hier spielte im Quintett von Dvorak Bruno G 1 a d e. Königsberg, den Klavierpart. Im Jüdischen Musik verein Breslau gaben Irene Tintner-Weissenberg (Klavier) und Dr. Kurt T i n t n e r (Violine) ihr erstes grosses Konzert als einen Sonatenabend mit Werken von Corel Ii, Händel, Mozart und Cesar Franck. Es zeigte die beiden jungen, strebsamen Künstler, deren Ausbildungsgang so grundverschieden war, technisch und geistig auf bedeutender Höhe, und erbrachte durch manche interessante Einzelheit, vor allem in stilistischer Hinsicht, den Beweis dafür, dass sie dazu berufen sind, die gerade hier sehr lebendige Tradition auf dem Gebiet der Kammermuslkpflege fortzusetzen. Hff. Die Jüdische W t n t e r h i 1 f e in Breslau veranstaltete für die von ihr Betreuten zwei Bunte Abende. Hanni Brauer-Goltz und Rudolf Selbiger sangen mit Erfolg einige Operettenschlager und Duette. In dem Duelt ..Heinerle, ich hab* kein Geld" war die kleine Hilde Liebes eine reizende Partnerin für Hanni Brauer. Ursel Berliner erfreute mit Chansons, Elise S z e p h a s y spielte ein Violinsolo, und Egmont Pb 11 ak. der auch die Begleitung am Flügel hatte, zeigte sich in zwei Soloszüeken als unverändert feinsinniger kultivierter Pianist. Siegfried Bruck trug das Buch Esther eindrucksvoll nnd dramatisch bewegt aus dem Gedächtnis vor. Der Einakter „Firma Meyer und Beer", von Hanni Brauer, Toni Guite'ntag. Rudolf Selbiger und James Eisner flott gespielt, bildete den wirkungsvollen Abschluss, "zu dessen Gelingen die laimige Ansage Ernst Abbes beitrug. Die Besucher waren" angeregt und beifallsfreudig. Sehw. Im Kulturbund Stettin sang Paula Sa- 1 o m o n (-Lindberg) an Stelle des erkrankten Hermann S c h e y. Mit ihrer schönen Altstimme sang sie Lieder und Arien von Händel. Gluck. Saint-Saens und Verdi. Der Flötist Alfred Lichtenstein entzückte durch die vollendete Virtuosität seines Spiels. Auch er musste sich zu einer Zugabe verstehen. Erna Klein begleitete beide Künstler am Flügel mit gewohnter Meisterschaft. F.K. Musiknotizen Franz Osbo rn spielt am 24. April 20 U Uhr. vo? dem Mikrophon des Senders -der italienischen Schweiz, Monte Ceneri. * Offen ha eh? „Schöne Helena'4 gelangt am 2ö. April, 21% Uhr, im Sender Lyon zur Aufführung * Emanuel Feuerman n wirkt als Solist in einem am 23. Mai in. der Londoner Queens Hall stattfindenden. Toseanmi-Konzert — im Rahmen der Musical Festivals — mit. # Der Pianist Alexander Borowsky wird, wie im Vorjahr, am Londoner Trinity College of Music einen Kursus abhalten. # Das Oratorium von C. Ph. E. Bach .,Die Kinder Israels in der Wüste'1 wurde .kürzlich im englischen Rundfunk aufgeführt. Die Rundfunkbearbeitung stammt von Walter Gruner, Dozent für deutsche Musik am City Literary Institute in London. * Die Arbeitsgemeinschaft von Juden ans Deutschland (Association, de Juifs provenant d"Allemagne) veranstaltete in Brüssel zugunsten de« Hilfswerks einen. Kanunerrausikabend unter Mitwirkung des Cellisten Marix Lfwensohn. der Mitglied des Concertgebouw-Orchesters ist. Auf dem Programm standen Händel, Bach und Schumann. Jüdische Filmarbeit in Deutschland Gemäss einem Erlass des Reichsmmisters für Volksaufklärung nnd Propaganda (SJ. 745/5. 2. 38/1) ist die Errichtung eines Instituts für jüdische Film arbeit genehmigt worden Kranken-12: Versicherungen Terslc&ernn.^sbüro „Europa** G.m.b.fff. Inn. seit 1924 H. Manassa, Berlin, Pariserstr.37, Euf 924646 für „die Herstellung, den Verleih und die Vorführung jüdischer Filme in Deutschland, und zwar auswanderungsfördernder, palästinensischkultureller und von Spielfilmen rein jüdischen Charakters mit ausschliesslich jüdischen Darstellern". Als ersten Film wird das jüdische Filminstitut den grossen jüdischen Spielfilm ,.I dl mi tn Fi dl" am 2. Mai im Saal des Jüdischen Kulturbundes Berlin herausbringen. Dieser Film kann mit grosser Spannung erwartet werden. Er lief monatelang mit ausserordentlichem Erfolg in New-York, Paris, Warschau und London. Jüdischer Kulturbund Berlin Wochenplan Theater in der Kommandanteastr. 57: „D e l i I a": 23. April, 30 Uhr (Abt. 5, 15): 24. April, 15 Uhr f Abt. 50, 60), 2 0 Uhr (Abt. 6, IS)); 24. April, 11V2 Uhr, Konzert, Opernarien; „D e 1 i 1 a" , 20 Uhr: 25. April (Abt. 9, 19); 26. April (Abt. 21, 31); 27. April (Abt. 24, 34); 28. April (Abt. A4, 54). Kulturbundsaal, Kommandantenstr. 38/59: 23. tjnd 24. April. 20K Uhr: Kleinkunstbühne „Warum lügst Du, Cherie?"; 25., 26., 27., 28. April, 20 Uhr: Konzert, Opernarien. Der Kulturbund bringt in einer Sonderveranstal» tang am 24. April, 20 Uhr, in der Neuen Synagoge, Oranienburger Str. 30, das Oratorium „S a c I" von Georg Friedrich Händel unter der musikalischen Leitung von Intendant Dr. Kurt Singer heraus. Mitwirkende: Paula Salonion (Lindberg), Wilhelm G u 11 m a n n , Walter Ries, Anna L i p i n , Thea Bieber-Brandt, Richard Dresdner, M. Lexandrowitsch, Kurt Kahn, Kurt Singer? Jüdischer Chor, Orchester und Chor des Jüdischen Kulturbünde?: Cembalo: Gertrud Marcus, Orgel: Hermann Schwär z. Kartenverkauf •in den üblichen Zahlstellen gegen Kulturbund- und R.-Karten-Auswci*. Das Aprilheft des „Morgen" „Primum vivere. deinde philosophari!" Erst K'ben, dann philosophieren! Mit dieser Parole v.-enden sich .in heutiger Zeit nicht selten jüdische Menschen .geaeu alie Bestrebungen, sich über den Sinn jüdischen Schicksals, jüdischer Geschichte, jüdischen Lebens klar zu werden. Sie übersehen, dass iur eise der Gehihr der Auflösung ausgesetzte Gemeinschaft besondere Gesetze gelten, dass vor allem unsere in die Welt hinausziehende Jugend einer zur völligen Selbetnufgabe führenden Arig'leiehung an die neue Umgebung anheimzufallen droht, wenn ihr Judesein ihr nicht mehr sinnvoll ex'Scheint. Deshalb empfangen wir immer mit dankbarer Freude die Helte der Monatsschrift ..Der Morgen" (Philo G. m.b. K.. Berlin W 15), die mit der April-Nummer den 14. Jahrgang eröffnet und wieder in tief schürienden und doch auch dem Laien verständlichen Darlegungen Rechenschaft über die Lage des Judentums in der Welt zu geben sich bemüht. In der das neue Hett einleitende.!-: Betrachtung über „Selbstbewußtsein" bemerkt H. B.. dass die ,.T\rise des abendländischen Denkens"' für Juden augenblicklich oft in der Verteidigung ihrer Zugehörigkeit zum AbendUnce überdeckt werde. Judentum heisse für jeden, der ernst damit mache, nicht mehr Pietät, Brauch tum. natürliches Volkstum, sondern: Rückkehr zu Gott. DerZionist Iguaz Maybaum unterzieht in der Haapiabiuindhing des Heftes den Zionismus ..als säkularen Idealismus und als religiöse Bewegung'" einer kritischen Betrachtung. Der Zionismus als jüdische Massenbewegung sei idealistische Bewegung im Sinne der Ideologen des 19. Jahrhunderts. Er habe sich ganz als jones titanische Ich des abendländischen Idealismus gesehen. Der Idealismus sei Vveitan-cluu;- urur des sich vor allem politisch entfaltenden Men-chen. Der Zionismus sei die letzte Konsequenz eines politischen We^liudentums. Die Behauptung, Gass es uir den Juden einzig die Entscheidung zwischen Pariaexistenz und politischer Selbständigkeit gebe, sei falsch. Sie widerspreche der jüdisch-religiösen Auflassung, dass es möglieh sei. ohne nach dem Mittel der Macht zu greiten, die Macht der Wahrheit und des Guten durchsetzen zu können. Die Ueberwindung des Menschen durch den Menschen, diese tragische Situation sei das Zentruni der idealistischen Welt. Der Mensch des Idealismus behaupte, dass das Streben nach Wahrheit mehr sei als der Besitz der Wahrheit. Das Gebet widerspreche der Würde des autonomen Menschen, der sich nichts schenken lassen wolle. Was Segen sei. was der Mensch ohne Leistung habe, könne nie Gegenstand einer Ethik sein. Die Barmherzigkeit Gottes, die ihn ja zum säumigen Richter mache, gehe in keine Ethik ein. Die Heiligkeit des Äbrahamsweges. des jüdischen Weges, sei etwas anderes als die heroische Aufopferung des Lebens. Aus dem Leben herausgenommen, wie es alle anderen leben, und geweiht für das Leben, das sei der Weg des Priesters. Das sei eine Haltung, die für jeden Juden die jüdische Möglichkeit bedeute. Es gebe keine politische Idee, für die das jüdische Volk eingesetzt, 'heroisch aufgeopfert werden dürfe, weil es seinen Auftrag in sich selbst trage. Das jüdische Volk als ganzes — in Palästina und Uebersee — suche Lebensraum. Das sei ein ganz unheroisches Ziel. Gegenüber dem Zionismus als säkularem Idealismus sei der Zionismus als religiöse Bewegung einerseits realer eingestellt, andererseits sei er sich der Heiligkeit seines Weges mehr bewusst. Der Weg in die politische Arena der Weltvölker sei uns versperrt. Aus dem Boden des Zionismus werde die postzionistische Geschichte des modernen Judentums hervorwachsen. Maybaum nimmt die Fordern na der Tora: „Ihr sollt mir ein Volk von Priestern, ein heiliges Volk sein!" in ihrer ganzen Schwere und in ihrem ganzen Ernst. Er ist sich sicherlich auch der inneren Gefahren dieser Berufung iiewussh Wenn wir im Ostjudentum und auch in Palästina mitunter einem militanten Alheisnius begegnen, so ist diese Haltung oft die Reaktion auf eine vom Historiker Simon Dubnow als paradox bezeichnete Tatsache der jüdischen Geschichte, dass es nämlich in den letzten Jahrhunderten in Osteuropa ein Miüionenvolk gegeben hat. dessen ganze männliche Jugend in rigorosester Weise zu Theologen erzogen wurde. Die Spannweite jüdischer Lebensführung und die Verschiedenheit des Milieus zeigen in reizvoller Weile die im ..Morgen" aufeinander folgenden Lebenserinnerungen des aus dem Bodensee-Dorfe Wangen stammenden Juristen und Dichters Jakob Picard und die chassidische Erzählung „Die Verlobung" des vor kurzem mit einem Preis der C.-V.-Zeitung ausgezeichneten Schriftstellers Moritz Kaswan. Dem jüdischen Brauche, Sternchen auf Grabmäler zu legen, geht Max Grunwald nach. Seinen Deutungen könnte noch ein Erklärungsversuch hinzugefügt werden, der uns in Palästina begegnete: Man habe früher in der Wüste die Gräber durch grosse Steine vor Schakalen und anderen Raubtieren geschützt. Dies sei der Ursprung der später anders motivierten Sitte. Felix Hepner gibt einen Ueberblick über die Geschichte der abessinischen Falascha. Eigenartige Verse der Resignation nnd der Hoffnung von Uri Rosenheim, Glossen und Buchbesprechungen sind der Inhalt der übrigen Seiten, der auf gewohnter Höhe bleibenden Monatsschrift. Fritz Goldschmidt. Aus der wissenschaf fliehen Weit Am 29. April vollendet Professor Friedrich Adler (Hamburg) sein 60, Lebensjahr. Adler, aus dem Württembergischen stammend, wirkt schon seit 1902 als Lehrer des Kunstgewerbes, zuletzt bis 1933 an der Kunstgewerbeschule in Hamburg: An die jüdische Oeffentlichkeit trat Adler zuerst auf der Werkbundausstellung in Köln mit einem Synagogenentwurf, der das erstemal jüdischen Kultbau in Zeitform brachte. In einer grossen A.tr/ahl von Arbeiten in Metall und Edelmetall in Stoff nnd Druck hat der Künstler seine hohe Beherr«rhur.<i der Technik des Kunst gewerblichen, seine Meisterschaft, seine Vollendung bewiesen. Seit Jahren-wirkt er segensreich durch künstlerische Erziehung der heranwachsenden Generation im Rahmen"seiner Lehrkurse in der Franz-Rosenzweig-Gedäehtnis-Stiftung (Jüdisches Lehrhaus. Hamburg), wirkt als Kunsterzieher in seinem privaten jüdischen Fachkursus in der Weg- und Richtungweisung junger jüdischer Kunsthandwerker. Seinem reichen Schaffen und Wirken mögen noch Jahrzehnte, beschieden sein. S. E. * Der Papst hat Kardinal H i n s 1 e y . den Erzbischof von Westminster. beauftragt, der Witwe und den beiden Töchtern von Heinrich Hertz, der durch die Erzen2'una' von elektrischen Wellen im Jahre 1886 die Grundlasren für d'e drahtlose TelesraphiV, Telephon te und den Rundfunk legte, und der im Jahre 1884 in Bonn starb. 250 Pfund Sterling nuszuzahleu. Durch Vermittlung von Professor Bjerknes in Owo war ein Manuskript \on Heinrich Hertz in den Besitz der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften sielanst. Frau Hertz erklärte, dass ihr die Gabe völliounerwartet gekommen sei, zumal sie auch keine Katholikin wäre. * Der englische Journalist Camille R. H o n i 2 traf zu einem Bescich in Schweden ein. Er wird Vortrage halten und Archivstudien über Aron Isafe.*, der als erster ungetaufter Jude in Schweden Niedcrhissungsrccht erhielt, betreiben. Lsaks stammte aus Mecklenburg. Seinen Memoiren mis-st man dte gleiche kulturhistorische Bedeutung bei wie denen der Glückl von Hameln. Ausserdem, hat Honi? vorn „Jüdisch wissenschaftlichen Institut'1 in Wilna den Auftrag erhalten, schwedische Werke der schöiipc. Literatur für eine grosse internationale Anthologie, welche in jiddischer und hebräiseher Sprache erscheinen soll, auszuwählen. R. S. PJe Achawa. 1StU als Verein zur Lnterstützun? hilfsbedürftiger Lehrer gegründet und später zu einer Art Pensionskasse ausgebaut, ist nunmehr zu ihrer ursprünglichen Wirkungsweise zurückgekehrt. Der Verein hat in einer ausserordentlichen Mitgliederversammlung ein neues- Statut angenommen, das i"1 Wortlaut mit dem Entwurf übereinstimmt, der i"1 Herbst 1037" allen Mitgliedern zugegangen ist. Djc neue Rezeichnun-r des Vereins lautet „Ächawa (Brüderlichkeit') Hiifsvercin für israelitische Lehrer _in Deutschland*' und ist neu in das Vereinsroidstcr ec trafen. Zum 1. Vorsiizenden wurde Ober lehrr 1. R. K. Gut. Frankfurt a. M., Mendolssohnstr. (;:'- wiedergewählt.