Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 16 (21.4.1938)
- Date
- 1938-04-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 16 * 1. Beiblatt 21.ApnU938 * Seite3 Anierika / Sonderbericht für die C.-V.-Zeitung von Dr. Bruno Sommerfeld Was der Einwanderer wissen sollte Mit der Warnung vor einer vielfach irrige« Beurteil img des Wirtschaftslebens in USA durch Einwanderer aus Europa endete der in der vorigen Nummer veröffentlichte Abschnitt dieser Aufsatzreihe. Dieses Kapitel und damit die Serie werden mit den nachstehenden Ausführungen vorläufig abgeschlossen. Die Redaktion Die Wunderkarrieren, die man in der ganzen Welt als „typisch amerikanisch'4 bezeichnet hat. sind heute in Amerika nicht aktueller als in jedem normal funktionierenden grossen Staats- und Wirtschaftsverband. Die Ausbeutung der Naturschätze, die Gründung neuer Industrien, das Aufziehen riesiger Handelsunternehmen mit ihren gigantischen Wirtschaftskämpfen und Erfolgen; wie sie für die amerikanische Gründerzeit charakteristisch waren, gehören in R8!lten - Altersversorgung u. and. VefSlCfl6T 11^080 Victor Send, Berlin C. 2, Neue Promenade 4. Tel. 42 60 35. diesem Stil der Vergangenheit an. „Wie s i e gross und reich wurden" kann heute nicht mehr der Leitfaden der neuen Einwanderer sein, da sich die wirtschaftlichen und. sozialen Verhältnisse inzwischen grundlegend gewandelt haben. In diesem Land der vielen Widersprüche kann man die Wirtschaftschancen wahrscheinlich nur durch das scheinbare Paradoxon umschreiben, dass man hier leichter und schwerer Geld verdienen kann als in Europa. Leichter: Hat man erst einmal eine Chance bekommen, so sind im allgemeinen die Entfaltungsmöglichkeiten besser und die Verdienstspannen"grösser als in den entsprechenden Berufen in Europa. Schwerer: Bekommt man nicht den richtigen Anschluss, so kann man Jahre und Jahre draussen bleiben oder am untersten Boden der amerikanischen Tretmühle zermalmt werden. Doch gehen wir der falschen Perspektive in zwei die Einwanderer aus Deutschland zumeist interessierenden Berufskategorien etwas näher nach. Eine grundsätzliche Fehlhaltung besteht in der Annahme einer Ueberlegenheit unserer Ausbildung vor der amerikanischen. Mit Ausnahme weniger wissenschaftlicher, künstlerischer und handwerklicher Berufe muss hier jeder noch einmal in die Lehre gehen. Auf europäischen Lorbeeren kann sich niemand ausruhen. Dem Akademiker, sei er Natur¬ oder Geisteswissenschaftler, wird das Gefühl seiner Ueberlegenheit gründlich ausgetrieben, sowie er seine Studien auf der amerikanischen Universität aufnimmt. Wie glaubten wir den Amerikaner an Systematik und Gründlichkeit überlegen zu sein, und wie erstaunt mussten wir feststellen, dass die Amerikaner — zumindest die alleren Semester — nündestens so gründlich studieren und für gewöhnlich härter arbeiten als europäische Studenten. Amerika hat in der Nachkriegsperiode Kuropa auf den verschiedensten Gebieten überflügelt. Zahnärzte, die schon praktiziert "haben, müssen hier noch einmal auf die Studienbank zurück. Die natur- und geisteswissenschaftlichen Lehrstühle der namhaften Universitäten sind mit Könnern besetzt die auch jeder europäischen Universität zum Ruhm gereichen würden. Das amerikanische Erziehungswesen, das neben diesen Vorzügen auch bedenkliche Schwächen aufweist, nimmt einen so grossen Raum im öffentlichen Leben ein, dass ihm ein besonderes Kapitel gewidmet werden muss. Hier sollte nur ein falscher Blickpunkt der Neuankommenden gezeigt werden. Der Kaufmann wird sich an neue Geschäftspraktiken und Methoden gewöhnen müssen, aber durchaus nicht an jene Sorte von „typisch amerikanischen Geschäftspraktiken", die in der amerikanischen (Gründerzeit und der zehnjährigen wilden Spekulationsära nach dem Kriege an der Tagesordnung waren. Die kaufmännische Organisation bat unter dem Gesetz der -efficiency", das in Amerika nicht gross genug geschrieben werden kann, fast die Exaktheit einer Wissenschaft erhalten. In Europa kennt man gewönhilch nur das Schlagwort „Fordisierung", worunter man eleu von Ford eingeführten bis ins letzte durchorganisierten Arbeitsteilungsprozess in der Industrie (das laufende Band) versteht. Inzwischen hat die kaufmännische Organisation besonders auf dem Gebiet des Einzelhandels ungeheure Fortschritte gemacht. Ob das auch zugleich immer sozialer Fortschritt war, steht auf einem anderen Blatt. Die Auswüchse des unfairen Wettbewerbs, wie sie die grossen Unternehme rverbände zum Schaden des kleinen selbständigen Unternehmers sich geleistet haben, sind von der amerikanischen Regierung und einem Teil der amerikanischen Geschäftswelt selbst mit grossem Erfolg be- Lielerung aller Dentalwaren Dental - Grosshandlung Jfeu-Einricmungen DElAKUß £•£ AUSWanderer-SeratUnS Berlin W, TauenJiiensJr.lO kämpft worden. Im Zuge der New-Deal- Politik haben fast alle grossen Industrie- und Handelszweige unter offizieller Sanktion bindende Vorschriften, sogenannte Codes, zur Erreichung von Fairness im Wirtschaftskampf erlassen. Aber wichtiger noch als die Regelung auf dem Papier ist die Schärfung des öffentlichen Bewusstseins gegen den Missbrauch ungezügelter Wirtschaftsfreiheit. Wer unsaubere Geschäfte macht, wird gesellschaftlich geächtet. Wer sein Wort als Kaufmann nicht hält, kann ebenso gut seinen Laden schiiessen. denn es ist um seineu Ruf geschehen. Noch heute tragen es die Amerikaner den Alliierten nach, dass sie ihre Kriegsschulden nicht bezahlt haben. Versprechen ist Versprechen, dem man sich nicht einseitig entziehen kann. Aehnliches lässt sich selbst auf dem Gebiet des amerikanischen Reklamewesens feststeilen. Gewiss trifft man heute noch in Amerika Rekfamemethoden, die man in vielen Ländern Europas nicht anwenden würde. So blüht hier immer noch das ..Testimonial Rackett". die bezahlten „Gutachten"'- irgendwelcher „Grössen" aus dem Reiche" der Kunst und Wissenschaft. Aber auch hier ist seit Jahren ein Kreuzzug für die „Truth in Advertising" (Wahrheit in der Reklame) mit wachsendem Erfolg im Gange. Bluff gilt auch in Amerika vorzugsweise beim Pokern, nicht aber im täglichen Leben. Im allgemeinen habe ich feststellen können, dass die Amerikaner recht wenig ^imiier Ludwig Sfeinnefz \ > Nürnberger Str. 56 {neben Woolworth) von sich hermachen. Dem Europäer gegenüber haben sie immer noch eine Art Minderwertigkeitskomplex auf kulturellem Gebiete. Die Professoren und Studenten sprechen in den achtungsvollsten Tönen von dein „European background", der uns ihrer Meinung nach einen grossen Vorsprung verschaffe. Die einsichtigen Europäer haben längst die höfliche Üebertreibung dieser Einschätzung erkannt. Bluffen gilt nicht, sollte also die Devise des Einwanderers sein; zuerst sollte er nur sehen, hören und lernen. Soweit meine Beobachtungen reichen, haben sich die jüngeren Auswanderer leichter in die neue Situation gefunden als die älteren. Sie sind mit unbekümmertem Lebensmut und ernstem Arbeitswillen an den Neuaufbau ihrer Existenz und damit ihres Lebens gegangen. Wenn ich in ein paar Sätzen das Fazit der mir bekannten Schicksale ziehen sollte, so müsste ich feststellen, dass die überwiegende Mehrzahl von ihnen sich inzwischen ohne grössere Reibung in den amerikanischen Wirtschaftsprozess eingegliedert hat. Die meisten haben recht bescheidene Stellungen inne und müssen unter Anspannung aller Kraft arbeiten, um im Wettbewerb nicht zu unterliegen. Viele haben ihre Stellung auf eigene Faust gesucht und gefunden, indem sie sich durch Empfehlungsbriefe nach dem Schneeballsystem von Unternehmen zu Unternehmen durchgefragt haben. Die Hilfskomitees haben nicht selten wertvolle Unterstützung leisten können. Die amerikanischen „Präsidenten" und ^Vizepräsidenten" haben die gute Eigenschaft sich persönlich sprechen zu lassen, wenn es auch nur für kurze Zeit ist. Verallgemeinern lassen sich diese Erfahrungen nicht, da die amerikanische Einwanderung Einzelwanderung ist und bleiben wird, und die Chancen je nach Alter, Vorbildung, Beziehungen für jeden Ort in Amerika verschieden sind. Einige Einwanderer haben schon nach kurzer Zeit verblüffend 'gute Stellungen gefunden. Wenn man den Gründen nachgeht, so sind oft kleine Zufälle entscheidend gewesen. Es ist schon so, wie mir ein erfahrener amerikanischer Geschäftsmann neulich sagte: .,Den Zufall können Sie nicht herbeiführen, aber sie müssen für ihn gerüstet sein." Er meinte damit, dass das amerikanische Berufsleben unberechenbar ist, dass man' heute ganz oben und morgen ganz unten stehen kann, dass plötzlich eine Verwendungsmöglichkeit auftaucht, an die man nie gedacht hak aber man darf sich in Amerika nicht treiben lassen und auf seine ..Chance" warten, sondern muss mindestens so zielbewusst, gründlich und vielseitig seine Ausbildung betreiben wie in der alten Welt. Durch solche Realität zerstiebt vielleicht eine amerikanische Fata Morgana. und die hochgespannten Erwartungen in den Köpfen oder Briefen der Bleibenden und Wandernden mögen um einige Grade sinken. Aber mit Trugbildern ist niemandem gedient, und auch das Amerika des Jahres 1938 ist bunt und lebensvoll genug, um jeden Menschen, der Selbstvertrauen und Mut zum Wagnis hat. unwiderstehlich in seinen Bann zu ziehen. Das Protokoll von Rom Am 16. April wurde in Rom ein englischitalienisches Protokoll unterzeichnet, dem zwei Briefe und sieben Anlagen beigefügt sind. Die Anlage drei verbreitet sich in acht Artikeln als umfänglichster Teil dieses Dokuments über die Situation im Mutieren Osten. Es verlautet, dass über Palästina im Laufe der Verhandlungen ausführlich gesprochen worden ist. ohne in einem der Dokumente ausdrücklich erwähnt zu sein. Der Generalsekretär des Völkerbundes, Avenol. teilt mit. das« die englische Regierung durch Außenminister Halifax den Antrag gestellt habe, auf der am 9. Mai beginnenden Sitzung des Völkerbundsrates die Befugnisse des High Coimnissioner für die deutschen Flüchtlinge auch auf die österreichischen Flüchtlinge auszudehnen. In der Mitteilung des englischen Aussenministeriiuns wird die Dringlichkeit .diese» Antrages im Interesse der Flüchtlinge besonders betont. unermüdlichen Schaffen eine Grenze gesehst wurde. William Stern gehörte xu den bekannten und international anerkannten Psychologen. Er begann seine akademische Laufbahn in Breslau, wurde dann im Jahre 1919 an die neugegründete Hamburger Universität berufen, der er bis zum Jahre 1933 angehörte. William Stern hat eine umfassende .Jüdisches F&ehgreschäft Spe;. Röntgenzr,i E'.elctro-Kedi:« Bedarf für den Arzt Äuswanderer-Beraluns, An- % Vsrks«? Köntg-en-iag-. Xusrt Uarcsiso Berlin N. 4. 'Chausseestrasse r> Telefon 42 60 68. und weitreichende Forsehertätigkeit entwickelt. Es gibt kaum ein Gebiet innerhalb der Psychologie, auf dem er nicht anregend und fördernd gewirkt hat. Er hinlerlässt umfangreiche Werke über die Psychologie der Zeugenaussagen, Kriminalpsyehologie. Jugendpsychologie, Kinderpsycbologie, Psychetechnik, dift'erentielle Psychologie usw. Ycr allem ist er durch sein Hauptwerk, die ..Psychologie der frühen Kindheit", das in vielen Auflagen erschien, bekannt geworden. Oft wurde, er als psychologischer Gerichtssachverständiger herangezogen. In einem dreibändigen Werk legte er seine philosophischen Grundanschauungen des Personal ismus nieder. Kurz vor seinem Tode ererisfsB3rk8ti-rajäii?lS^^a schien in englischer Sprache eine Allgemeine Psychologie. In weiten jüdischen Kreisen in Deutschland ist in den letzten Jahren seine Tochter Eva durch ihre hervorragende Tätigkeit für die Jugendalija bekannt geworden. Eine grosse Anzahl von Freunden und ScMlent wird mit tiefem Mitgefühl den Tod dieses hervor- WSe bJsiier beliefert Sie* <w MaroareteMermannJrankfartaJ. SÄ Haus- und Küchengeräte für Ajisstatt.issgr und Aoswanöernnsr Bsac-tüen Sie aber: %. Zt. nor ■■ XySaisestr. 27. a. d. Wittelsbacher Allee Haltestelle Linie 15. Tel. 28368. Anf Wunsch Hausbesuch. ragenden Gelehrten betrauern. Er war nicht nur wissenschaftlicher Forscher und Lehrer, sondern vielen von uns ein väterlicher Freund, der an den persönlichen Sorgen seiner Schüler Anteil nahm und vielen tatkräftig Förderung und Hilfe leistete. Professor Dr. Curt Bondv, Gross-Breesen. Waran und w© finden Sie Ret? William Stern An der Universität D u r h a m im Staate Norib- Carolina (USA) wirkte seit einigen Semestern Professor Dr. William Stern. Eben waren die ersten Fäden gesponnen, um eine persönliche Verbindung zwischen ihm und der neugepianten Gross-Breesener Siedlung im benachbarten Staat Virginia herzustellen und wissenschaftliche und persönliche Beziehungen sollten wieder aufgenommen werden, die den Schreiber dieser Zeilen seit langen Jahren mit William Stern verbanden, zuerst als sein Schüler und später als Kollege an der Universität. Nun kommt ganz unerwartet aus Amerika die Nachricht, dass William Stern an einem Herzschlag gestorben ist und damit seinem 8nUßlHnn!ttU!UIWH!ll!UINi!!M!?HIIH^ MlttelöeutscbSand ^Sagdefonrgr Erfnrt 27, April, 16—15 übr, Könijstrasse 15, II. 2S. April, 18—!8lA Uhr. Synagoge. >iordde«tschIai54i Hannover Mittwochs 16—IS Uhr. Lsadschaftstr.6 (Bankhaus Mr-yerstein) wrgearben in Süd-Afrika Wohl jeder Jude, der in den letzten Jahren nach Süd-Afrika eingewandert ist. kennt das Haus der Jewish Guiid, deren Zweck, Juden mit Rat und Hilfe den Weg in die neue Heimat zu erleichtern, schon aus der Aufschrift einer Tafel zu ersehen ist, die aussen am.Hause angebracht ist (Bild4). Die besondere Fürsorge der südafrikanischen Juden gilt der Jugend, in dem Waisenhaus (orphanage, Bild 1), von dessen Fenstern man einen herrlichen Blick über die südafrikanische Landschaft hat (Bild 2), werden die Kleinsten der Kleinen beireut. Die ausgezeichnete ehrenamtliche Leiterin, Frau Hammerschlag, wählt zu ihren Helferinnen und Kinderschwestern auch gern Jüdinnen aus Deutschland. Auch unter den Kindern, diese« Waisenhauses finden wir Kinder jüdischer Einwanderer aus Deutschland, ebenso wie in dem schönen Mädchenheim (Bild 3). in dem berufstätige junge Mädchen zu niedrigen Beitrügen leben können, so dass sie auch bei kleinen Gehältern gut aufgehoben sind. Die beiden lustigen Schulmädel, die das Bild zeigt, tragen die typische englische Schuluni form, die ja auch in Süd-Afrika üblich ist. Foto und Montage Hedwig Frankensrein. Rüf ^ritt*»***^!** ' ad* JUWELIER LIPOWETZK! * BEHLS FRSEDR1CHSTRASSE 193a, ECKE LEIPZIGER STRASSE. ANK. a NR. llj 48 541 c^u l!**uF