Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 14 (7.4.1938)
- Date
- 1938-04-07
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Kr.U*7.Aprin938 4. Beiblatt» C-V:>Zeitung Seife TS Franz Molnars „Delila" LS"Kultu" Zum drittenmal bringt die Kuliurbundbühne £a Berlin einen M o 1 n a r : nach dem originellen, ^wischen Phantasie und Wirklichkeit schwebenden „Spiel im Schloss" und der schmerzlichheiteren „Grossen Liebe" das Lustspiel „Delila". Das neueste Werk des erfolgreichen ungarischen Dichters jüdischen Geblüts ist im Hamburger Kulturbund bereits gespielt und aus diesem Anlass in der C.-V.-Zeitung vom 27. Januar ausführlich besprochen worden. In seiner Grundftimmung, aber auch in der Linienführung einer sehr dem Volkstümlichen zugewandten Charakteristik steht es der „Grossen Liebe" nahe: hier wie dort ist es nicht mehr der Brillantfeuerwerker einer prasselnden Bühnentechnik, die mit dem „Teufel" im Bunde war; es ist auch nicht der kecke und gewagte Abkömmling parfümierter französischer Salondramatiker, der den ..Leibgardist'4 schuf; Molnars „Delila" ist, mit der Hand des gewiegten Bühnenmannes, einfacher, ohne alle technischen Kunstgriffe, gestaltet und irägt die Züge jener sinnig-vermenschlichten Romantik, die man auch an der „Grossen Liebe" wahrnehmen konnte. Dazu hat Molnar dem reizenden Einfall von der modernen Delila, die ihrem Manne die Kraft der Anziehung auf andere Frauen mit dem Sparkassenbuch nimmt üda war die Kraft von ihm gewichen"), eine liebenswürdige Wendung ins Ausgleichende, Versöhnliche gegeben, und das happy end, das bei anderen oft nur eine Verlegenheitslösung ist, fliesst hier ohne Zwang aus dem Einfallsreichtum eines Dramatikers, der auch den Unwahrscheinlichkeiten des Lebens die Illusion des Realen m wahren versteht. Die Aufführung — tmter der Regie de« oft bewährten Gastregisseurs Dr. Hans Buxbaum aus Hamburg — ist sehenswert Sauber ausgefeilt, beschwingt im Tempo, unbeschwert durch lastende Sentimentalitäten, dynamisch auf einen feinen Kammerspielton gestimmt — alles in einem von Heinz Condell gestellten Bühnenbild, von dem die Atmosphäre eines licht- und ~ NEUERSCHEINUNGEN! Sammlung „Jüdisches Wissen" — Band 11 ftabb. Davln Schönberger BETENDES JUDENTUM In Leinen-Goschenkbond RM 3.—• ^vk^^P^.;^-^ - <v;* W^s s^'^<\, - v F8r Kinder von 5—10 Jahren DAS LUSTIGE REGENWETTERBUCH Bilder und Verse von Edith Samue! — RM 2.50 Soradilehrbödier ~ ENGLISCH WIE ES DES ENGLÄNDER SPRICHT von P. Bendheim 3ondi> RM2.70-Band lh RM 3.25 — Sdilössel ]e RM 1.10 Zw beziehen durch die Jüdische Buchhandlungen end JOSEPH JASTROW, Jöd. Buchverlag. Berlin W 15. geschmackvollen Gartenrestaurants einladend ausstrahlte. Auch schauspielerisch wurde Hervorragendes geboten. Allen voran Jenny Berns t e i n in der Titelrolle. Eine ausnehmend kluge Delila, die ihre Frauenlist hinter einer gemessenen Zurückhaltung graziös zu verbergen wusste i— sie schien wirklich aus dem kühleren England im das südlichere Ungarn verschlagen zu 6ein. Köstlich, wie sie mit einigen englisch-steifen Brocken das ausbrechende Temperament ihres „Löwen" bändigte; wundervoll, wie die erwachende Eifersucht der Frau nur in einem erratenden Blick, in einem verhaltenen Wort spürbar wurde I Immer wieder muss man staunen, dass diese Künstlerin in der ungewöhnlichen Selbsteicherheit ihres Spiels rieh nie dass verleiten lässt, die schmale Gefahrengrenze, die von der Kunst rar leeren Routina führt, za überschreiten. Neben Jenny Bernsteins überlegener Delüa als bedrohliche Nebenbuhlerin die hübsche Kellnerin Ilonka von Elfriede Borodkin. Aueh sie meisterlich in der Gestaltung des anderen Frauentyps — der listigen Kokette, die nach den Männern raffiniert ihre Netze auswirft, in der Liebe sich selbst belügt und schliesslich wieder dem Ersten ins Garn läuft, der ihrem Märchentraume eines möglichst splendiden Lebens in der Ehe Erfüllung bringt Besonders amüsant, wie die Darstellerin die schwankende Liebesempfindung mit ein paar aufflackernden Lichtern der Selbstironie umspielte. Zwischen den beiden Frauen, der legitimem und der auf Legitimität spekulierenden, Fritz Wisten als genasführter,modernerSimson.Der Regisseur Wisten ist als Darsteller der Bühne letzthin ferngeblieben; um so mehr behagte es ihm offensichtlich, sich nach längerer Zeit wieder einmal ausspielen zu können. Er war in seiner Rolle ganz Nerv, ein hin und her getriebener Erotiker in der Hauptszehe, als er sich, von Ilonka bedrängt, entscheiden muss, entschlusslos wie ein Kind. Ilonkas Verlobten, der erst zurückgewiesen, dann aber in Gnaden wieder aufgenommen wird, gab Walter Herz: durch das Gefühl dumpfer und verschmähter Liebe schlug bei ihm im Schlussakt sehr wirksam ein Zug jungenhafter Fröhlichkeit hindurch. Unübertrefflich in Umriss und sicherer Kunst der Charakteristik Sigmund Nunberg als alter Schankbursche, der bald lachend, bald plärrend über die Bühne schlürft, neugierig das Ohr an die Wand legt und für sein „Engeri" Delila freiwillig den Zwischenträger spielt. Kleinere Episodenrollen waren mit Martin Brandt, Fritz L i o n , Alfred Oben: Frztx Wisten, Jenny Bernstein (Schaffer). Unten: Sigmund Nunberg, Walter Herz, * Elfriede Borodbin Fot. (2) Abraham Lichtenstein und Eva Baruch durchaus angemessen besetzt. Einer der glücklichsten Abende unserer Kulturbundbühne. Der Beifall, der mehrfach spontan das Spiel bei offener Szene unterbrach, wollte am Schluss kein Ende nehmen. Dr. Hugo Lachmanski. Rezitationsabend im LandesirerbandGroß-BerlindesC-V. Otto und Jenny Bernstein Der Landesverband Gross-Berlin des Jüdischen Centrai-Vereins beschloss die Veranstaltungen dieses Winters mit einem Rezitationsabend von Otto und Jenny Bernstein. Beide Künstler brauchen um die Gunst des Publikums nicht mehr zu werben: der dichtgefüllte Saal des Brüdervereinshauses bewies, welcher Wertschätzung sie sich in weiten Kreisen der an Kulturdingen intereseierten Berliner Judenschaft erfreuen. Jenny Bernstein widerlegte das alte Vorurteil, dass Schauspieler auf dem Wege von der Bühne zum Vortragspodium oft das künstlerische Ziel aus dem Auge verlieren. Hier wusste die Vortragskünstlerin mit den ganz anders gearteten optischen und akustischen Mitteln der Szene aufs klügste hauszuhalten: Mimisches deutete sie nur leise und unaufdringlich an. Seelisches klang in einem gedämpften Vibrato auf oder wurde auf die behutsamsten Zwischentöne abgestimmt, und der unbesiegbare Scharm ihrer Persönlichkeit Hess auch den Humor nur in den zartesten Farben spielen. Eine Kunst des sparsamen und in ihren Schattierungen doch unendlich mannigfaltigen Ausdrucks, die an diesem Abend zwiefach zur Entfaltung kam: in einer schlichten, aus der Enge häuslicher Einsamkeit und doppelten Witwentums sich visionär ausweitenden Seder-Erzählung des palästinensischen Dichte» S. J. Agnon und in einer humoristisch-symbolischen, reizend pointierten Tiernovelle des Dänen Gustav Wied. Otto Bernstein brachte diesmal nur Ostjüdisches — neben einer Talmudlegende einiges aus den kurzen, chaseidiseben Geschichten von Martin Buber, voll aphoristischer Lebensweisheit; so. dann eine ernst-besinnliche Erzählung von J. L- Perez, die Gott zum höchsten Richter über menschliches Tun einsetzt, und zum Schluss eine an heiteren Zwischenfällen reiche, in lebendigste Anschauung umgesetzte Humoreske von Scholens Alejchem „Auf der Trambahn". Unnötig, zu sagen, wie die in diesen Blättern oft gewürdigte Kunst des unvergleichlichen Dieners am Wort des Dichters das Gesprochene wieder im Grundkern erfasste, geistig bezwang und bis zur Transparenz sinnfällig machte. Einmütiger, immer wieder einsetzender Beifall lohnte die Darbietungen des Ehepaares Bernstein. H. L. Künstlerische Veranstaitimgen inBerlin und imReich Der Jüdische Kulturbund Berlin hatte zu einem Gesellschaftsabend eingeladen, der in erster Linie der „Stärkung seiner Finanzen" dienen sollte und auch den erwarteten Erfolg hatte. Jeder Einsichtige weiss, wieviel Mühe, Kosten und Initiative der Kulturbund aufwenden muss, um seinen Theater-, Konzert- und Vortragsbetrieb im gegenwärtigen Umfange weiter zu führen und das erreichte Niveau zu halten. Viele Hunderte füllten die Räume des Brüdervereinshauses und zeigten sich für die bunte Reihe der Darbietungen dankbar und beifallsfroh, su denen sich der grösste Teil des Ensembles zur Verfügung gestellt hatte. Dr. Kurt Singer „dirigierte" diesmal durch das Mikrophon launig und humorvoll die Schar seiner Mitarbeiter, die sich, wenn sie nicht agierte, unter das Publikum mischte. Zu Beginn gab es eine von Max Ehrlich lustig gestaltete revueartige Repertoireschau über die bekanntesten Aufführungen des Kulturbundes, drei Kapellen spielten zum Tanz auf, und die Tombola fand so regen Zuspruch, dass sie bald ausverkauft war. E. G. h. Das vielseitige Können Arno N a d e 1 s, des Dichters, Malers und Musikers, erwies sich erneut bei dem Gemeindeabend in der Synagoge Levetzowstrasse, der zu Beginn eine Uraufführung, das Orgelvorspiel zu Wajechullu von Nadel, brachte. Hermann Schwarz interpretierte das für den Gottesdienst geschriebene Stück mit wirkungsvoller Registerwahl, Das rauschend einsetzende harmonische Werk wird wohl für manchen Sabbateingang weihevolle Einleitung werden. Im Mittelpunkt der Veranstaltung, bei der Oberkantor Magnus David-, söhn und mit erläuternden Rezitationen Elfriede Borodkin mitwirkten, stand eine ausführliche Würdigung des Deutero-Jesaia durch Rabbiner Dr. Ignaz Maybaum. Kai. Alfred Lichtenstein (Rezitation) und Alfred Lichtenstein (Flöte) gaben gemeinsam bei Weil einen Abend, der allen als etwas Besonderes im Gedächtnis bleiben wird. Sie boten wirkliche Kleinkunst, eine einzige geschlossene Leistung. Lichtenstein, der Schauspieler, las ein indisches Märchen „Shiwa erzählt" (aus dem Englischen) lebendig und fast aufregend dramatisch, Lichtenstein, der Flötist, hatte mit grossem Geschick und Stilgefühl einigen modernen Franzosen ein paar Takte entlehnt iur! der Erzählung eingeflochten. Kindlich verzaubert und für eine Abendstunde ihrer Wirklichkeit entrückt, dankte den Künstlern eine zahlreiche Zuhörerschaft. H. A. Tn einer Veranstaltung des Berliner Kulturbundes hatten sich Johanna Meyer und Lotte Rosenbaum-Schwarz zur Rezitation von Frauengedanken und Frauengesprächen zusammengefunden. Die Frauengedanken sollten, in Verstund Prosa, zu möglichst vielfältigem Ausdruck bringen, was das Herz der Frau zu allen Zeiten bewegt hat. Den besonderen Reiz des Programms bildeten aber die szenisch angedeuteten und aufgeteilten Frauendialoge, für die ostjüdische und westjüdische Dichter, wie Perez und Gordin, Hofmannsthal und Molnär die Teste hergegeben hatten. Das meiste war auf einen dunkelen, elegischen Ton abgestimmt; erst ganz zum Schluss wurde der Klang heller und heiterer. Von den beiden Ausführenden überraschte Lotte Rosenbaum-Scbwarz durch die jetzt zur vollen Reife emporgediehenen Kunst, mit der sie vqb allem das Sprachliche in reicher Modulation zu meistern wusste; nur in Hofmannsthals gedämpfter, schwermütiger Wortmusik schien das Piano künstlich zu erstarren. Neben ihr hatte Johanna Meyer vielfach mir die undankbare Aufgabe, Schallrohr für die dominierende Partnerin zu sein; wo sie indes selbständig hervortrat, wirkte sie, wie stets, wieder sympathisch durch ihre behutsam glättende, begütigende Mütterlichkeit. H. L. Mit einer bunten Veranstaltung, die in geschickter Wahl der „Attraktionen" sämtlichen Anwesenden Freude bereitete, hatte der Jüdische Kulturbund Rhein-Ruhr seine Mitglieder überrascht: Da produzierte sich zunächst der unerhört begabte Magier Jan.i Ballan, der durch seine Zauberkunst das Publikum in atemloser Spannung hielt und ausserdem als Bauchredner in harmlos-geistvoll dahinplätscherndem Dialog mit seinem Negerkarlchen grössten Heiterkeitserfolg errang. Da war Fritz Benseher Conferencier, Chansonnier und Witzeakteur, immer gleich charmant und voller Esprit, da brachte Thea Stuckenschmidt Opemarien, Tonfilmscblager und vor allem ihrem angenehmen Alt entsprechende Negergesänge, da spielte Erna Salm -Mann elegant und temperamentvoll Chopin, Debussy und Prokofieff und begleitete geschickt am Flügel — kurz, es war ein Abend, der noch lange in angenehmster Erinnerung bleiben wird, -ro- Im Hamburger Kulturbund gastierte an zwei Abenden das Streichquartett des Jüdischen Kulturbundes Rhein-Main mit Werken von Smetana, Haydn und Tschaikowsky. Man. muss den Mitgliedern des Quartetts (Ernst Drucker, R. Rabinowicz, Th. Ratner, Grete Hoff) hohe Anerkennung für die Sauberkeit ihres Musizierens und für ihr in Vortrag und Klang so einheitlich abgestimmtes Zusammenspiel zollen, dem in Aufbau und Gestaltung vor allem der Primgeiger die Prägung gibt. Die Künstler sahen sich von einer dankbaren Zuhörerschaft durch langanhaltenden Beifall ausgezeichnet. A. Mendelssohns „E1 i a s" kam durch den Synagogenchorverein Aachen unter Leitung von Richard Heidelberg und unter Mitwirkung des Frankfurter Kulturbundorchestera zur Aufführung. Alle Achtung vor dem Wagemut und dem Können des Dirigenten, der einen solchen Klangkörper wohl zum erstenmal dirigierte! Chor, Orchester und Solisten folgten ihm mit grosser Begeisterung. Den Solopartien wurden Lotte Meyer, Köln (Sopran), Lore Michaelis-Sander, Frankfurt a. M. (Sopran), Irma Rosenberg (Alt) sowie Oberkantor Bernhard A 11 (Bariton) und Dr. Josef Carlebach, Köln (Tenor), in hohem Masse gerecht. In den Duetten und Quartetten wirkten ausser den eben Genannten Thekla Löwenstein, Regina Kanstein und Ilse Wolf verdienstvoll mit__ J.L. Jüdischer Kulturbund Berlin Wochenplan Theater in der Kommandantenstrasse 57. 20 Uhr: ,.D e 1 i l a-': 9. April (Abonnement, Abt. 46), 10. April fällt aas (siehe Pressenotiz). 11. April (Abt. 41, 51). 12. April (Abt. 42, 52), 13. April (Abt. 43, 53). 14. April (Abt. 1, 11). Kulturbundsaal, Kominandantenstrasge 58/59: Kleinkunstbühne: „Warum lügst Du, Cherie?1': 9. April, 20 Ubr 15; 11., 12. nnd 14. April, 20 "Chr: Italienischer Opern-Abend. Veranstaliungsverlegungen: Laut behördlicher Anordnung finden am 10. und 20. April keinerlei Veranstaltungen statt. Das Konzert vom Sonntag, 10. April, vormittags, wird auf Sonntag, 24. April, HVa Uhr (Kulturbundtheater), verlegt, das Konzert vom Mittwoch, 20. April, abends, auf Mittwoch, 13. April, abends (Kulturbundsaal), . vorverlegt. Die betreffenden Konzertmarken gelten für diese Tage. Die Vorstellung der Klein- Jüdische Bücher W62, Wormssr Strasse 6 a, am Wittenbergplatz, Ruf 24 7022 QERHß^D FOCHS kunetbühne am 10. April fällt aus. Die Verlegung der Theater Vorstellungen ist den Mitgliedern direkt mitgeteilt worden. Um tauschscheine behalten zu den verlegten Terminen ihre Gültigkeit. In der Tombola des Gesellschaftsabends am 2. April blieb der Hauptgewinn, ein© Amerikar.eise, zurück, obgleich alle Lose ausverkauft waren. Der Gewinn trägt die Nummer 666. Der Gewinner wird gebeten, sich anter Vorzeigung seine« Loses unverzüglich beim Kulturbund zu melden. Rudolf Nelson, der seit einiger Zeit in Amsterdam mit grossem Erfolge Revuen spielt, begeht am 7. April seinen 60. Geburtstag. KC neu Jüdischer Buchvertrieb Martin Salomon In ra# mm E i birlin-charlottinburq, Dahlmann.strassi 8 rufi m 1141 Bücher - Ritualien - Schallplatten VERSAND IN- UND AUSLAND