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Central-Verein-Zeitung · 1936-07-16 · 29 (16.7.1936) · page 7

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936)
Issue
29 (16.7.1936)
Date
1936-07-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Mr.». » 2. Beiblatt 16. Juli 1936 . Ein Geschlecht wandert durch die Jahrhunderte Die Familie Kremnitzer — Kalischer — Kalisch Vön Dr« Hans Kalisch (Berlin) Die Krisis der Gegenwart hat dazu geführt, daß sich zahlreiche Familien Rechenschaft uher ihxe Vergangenheit zu geben suchen.. Man möchte wissen, woher-.man kommt. Bei uns Juden ist das weniger leicht als bei - den Nichtjuden. Feste Familiennamen sind verhältnismäßig jung, für Altpreußen erst 1812, für die ehemalige Provinz Posen erst seit 18S3 vorgeschrreb^n. Manche Geschlechter führten allerdings schon früher ständige Familien, namen, für mein Geschlecht ist der heutige Name seit etwa 1700 . ULchzuwcisen. Die Archive der jüdischen- Gemeinden lassen für ältere Zeiten oft im Stich, sind auch vielfach in Verlust geraten. Wo Familien jahrhundertelang am gleichen Ort gesessen haben, wie das in Worms, Mainz, Frankfurt, Prag und in kleineren Orten Frankens und Schwabens der Fall war, ist die Ermittlung der Vergangenheit verhältnismäßig einfach. Bei anderen, die — recht oft unfreiwillig — die Heimat mehrfach gewechselt haben, ergeben sich Schwierigkerten. Durchführen läßt sich die Ausstellung eines Stammbaums fast nur bei solchen Familien, deren Angehörige als Gelehrte durch ihre Werke oder durch ihre Tätigkeit in den Gemeinden in deren Geschichte fortlcben. Wenn ich über das Schicksal, meines Geschlechts über fast 400 Jahre und zwölf bis dreizehn (stellenweise schon vierzehn) Generationen Bescheid geben kann, so auch nur, weil es sich zumeist um Männer handelt, die Gelehrte gewesen sind. Familien, die sich soweit zurückverfolgen lassen, bezeichnen sich gern als „alte" Familien. Aber alle Familien sind gleich alt. Die sich so nennen, tun das nur, weil sie von ihrer Vergangenheit wissen. Sich darum zu bekümmern, ist mit nichten ein müßiges Spiel. Es befriedigt, nicht nur die Nachfahren: „Wohl dem. der seiner Väter gern gedenkt!", es bereichert auch, wenn zahlreiche derartige Untersuchungen nebeneinander gestellt werden, die jüdische Kulturgeschichte der letzten Jahrhunderte. Das erste Ereignis, von dem die Familiengeschichte berichtet, ist der Märtyrertod des Rabbi Schemüel ben Jizchak, der 1648 75 Jahre alt, im Ehmelnreckischen Aufstand in Kremnitz (Krzemieniec) in Wolhynien erschlagen wurde. Er ist 1573 geboren.. Don seinem Vater, der etwa 1540—1550 geboren war. wissen wir eben nur den Namen, und daß er aus Ungarisch-Brod stammte. Um so mehr wissen wir von der Frau Chawa des Märtyrers. Nach dem Tode ihres Mannes ging sie mit ihrem Bruder Merkil. „dem Neichen", der in Jerusalem Stiftungen errichtete, nach Palästina, wo sie-gestorben ist. Ihre späten Enkel, zu denen auch Arthur Ruppin gehört, haben, wenn sie nach Palästina ziehen, das Bewußtsein, daß die älteste Stammmutter, von der sie wissen, im Lande ruht. . Sohn (Jizchak) und Enkel (MeirP des erschlagenen Schemüel retteten sich nach K a l i s ch, wo die Familie nach dem Orte ihrer Herkunft Kremnitzer genannt wurde. Die Kremnitzers waren gelehrte Leute, die mit den großen Familien der damaligen Judenschaft verschwägert waren? Meir Kremnitzers Frau Beiloh war durch ihre Mutter eine Urenkelin des großen Mordechai Jaffe (Lewusch). Meir Kremnitzer hatte drei Söhne, die sämtlich in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Kalisch geboren sin^^Mabbi Jochänan Kremnitzer ist der Verfasser eines 1723 in'Berlin erschienenen Werkes Orach Mi schär, er hat Kalisch verlassemimd längere Zeit in Frankfurt a. O. und Halberstadt gewirkt. Seine Nachkommenschaft können wir nur bis zu einem Enkel gleichen Namens verfolgen, der noch Ende des 18. Jahrhunderts in Märkisch- Friedland Rabbiner war. Ein zweiter Bruder Schemüel Neemon blieb in Kalisch, auch über seine Nachkommen, zu denen die Frau des bekannten Berliner Rabbiners Elchanan RoseKstein gehört hat. sind wir wenig unterrichtet. Don den: dritten Bruder Jehüda.Lob (l.) stammen wir ab. Er zog von Kalisch.nach Lissa, wo er 1709 im Vorstand der Gemeinde nachweisbar ist. Bor 1737 ist er gestorben. Er -iuhrte zuerst den Namen Ka l i scher . der von da.ab ununterbrochen -bei fast allen feinen Nachkommen in . Gebrauch gewesen ist. teilweisein der Form K a l i schvereinzelt auch in der Form Berlak (Ben Rabbi Löb Kali schert. Bon diesem Jehnda Löb stammen auch die bis .in die jüngsten Geschlechtsfolgen in. der Familie ühlick^en Vornamen Leopold. und Ludwig? Wir würden mit der Kenntnis unseres Stammbaums' mit diesem Ahn. dem ältesten unseres Namens, zu Ende geweieu sein, wenn nicht ein glückliches' Ungefähr durch die beiden anderen Brüder uns Kunde der'weiteren Vorfahren und des Namenswechsels des Geschlechts, versclxisst hätte. Jochanan Kremnitzer nennt in feinem Werke, das auch Vater und Großvater nennt, Jehnda Löb Kalischer in Lissa seinen Brilder. der durch ein Darlehen den Druck Unterstützt habe. Der dritte Brilder Schemüel Neemon hat eine ausführliäie Aufzeichnung über die Vorfahren. (einen sogenannten Iichus - B r i e ft hinterlassen. Tie Aufzeichnungen sind so eingehend, daß man danach für die drei Brilder Kremnitzer—Kalischer, die noch dem 17. Jahrhundert angehört haben, eine leidlich vollständige - A h n e n t a f e l hat aufstellen können, weit'genauer und weiter zurückgehend, als sie mancher ihrer späteren Enkel für sich aufstellen kann. Man sieht die Verzweigungen auch der mütterlichen Vorfahren. Tst Aufzeichnung ist für die Genealogie auch anderer Familien von großer Bedeutung. Lange Zeit war sie verschollen. Es hatte sich die Nachricht erhalten, daß sie Elchanan Rosenstein noch in Besitz gehabt habe. Vor einiger Zeit wurde sie, ans dem Nachlaß von Jvck)anans Enkel Iammend. in Kalisch ermittelt. Ein Teil ihres Inhalts deckt sich mit dem. was. noch Hirsch Zwi Kalischer aus lebendiger Tradition bewußt war. Ucberhaupt hat sich gezeigt, daß die mündliche Tradition über die Jahrhunderte hinweg im allgemciiien richtig weitergegebcu worden ist. Ich führe diese Einzelheiten an, um zu zeigen, wie sich auch ohne Geburts- und Heiratsurkunden jüdische Stammbäfime aus anderen Nachrichten, die man sich mit Geduld und Fleiß zusammen flichen muß. konstruieren lassen. In.unserer Familie haben ein Detter und eine Stammesschwester, eine Urenkelin von Hirsch Zw.i Die Urgrosserem de» Verfa»»er» Kalisck»er. einige Jahrzehnte gebraucht, um zu finden. was ich hier erzähle. Mit Beginnde? 1*. Jahrhunderts helfen uni die Akten der Gemeinde Li'sa weites Wrr kennen die Sohne von Jehuda Löb I, aber nur zum Teil rhre Nachkommen. Von einem Sohn, Moscheh Kalischer, flammen tue jetzt noch nachwelr-baren Lniien ab. Mit seinem Sohn I e h u d a L ö h I I K a l 1 ' d) e r M741 ins 1822), meinem Ur-Urgroßvater. beginnt die Reihe der Gestalten. d,e fiir die ' Nachfahren noch unmittelbare Lcbendigkelt haben! Nach dem Namen feiner Mutter Scheindel -«..Schönckfen') wurde er auch Reb Scheindelsgenannt.. Sein -Urenkel. Lndioig K.a l i f ch - > I^'11 bis 1*85'.- jahrzehntelang Pariser Berichterstatter der . Gartenlaube", hat in .-einemzu rvenig gekainilen Buck» ..Bilder ans meiner Knabenzeit" (Leipzig 1872) das Luiä der Jahre IVO las I-3N.ge'ch^dert. Mangelt seiner D.arstetlmig auch die. poeüevvlle Verklarung. niik der, Aron B e r n sie , u das .-westpreußifche-: F 0 r d 0 n zencr Tage ge- .zeichnet hat. so sind wir ihm doch twiir dankbar, „daß er uns Ur- Urgroßvater und Urgroßeltern und die Welt, die sie umgab, vor Augen gestellt hat. Der Ur-Urgroßvater (verschwägert „Mechutten" mit Akiba Eger). das Haupt des Beth-ha-Vridraich, wegen seines Scharfsinns den Beinamen Charis Chadd»rh tragend, der auch aus seinem Grabstein eingemeißelt ist. gutmung. -al'er jähzornig (was sich aus viele Nachkommen vererbt hat», noch ganz und gar alte Schule, ist völlig unberührt von der Bewegung, die Mv'es MendelSlohn eingelcitet hat. Sein 1820 erschienenes talmudi'ches Werk Ha-Jad ha-Chasakah. das noch 1869 einen?'eudrnck erlebt hat, ist auch familiengeschichtlich von Bedeutung, weil er l^rrin in einem langen Segensspruch aller feiner namentlich anfgeführten Kinder und sonstigen näheren Verwandken gedenkt. Auch der Sohn Akiba. mein Urgroßvater (1772 bis 1*57». gleichfalls rabbini'äier Gelehrter. gehört noch überwiegend der alten Zeit. an. I^-'U ist er naturalisiert worden. Mit seiner Frau M i r j a m ist er mehr als 6 6 I a h r e lang v e r h e i r a t e t g e rv e s e n. Noch Heute wird das Ehrengeschenk aufbeivahrt. das das Paar zur Diamantenen Hochzeit von der Königin Elisabeth erhallen hat. In hohem Alter machte das Päar die befchwerlick»e Reife nach Glogau. um »ch dort daguerreotypieren zu laffeu. Das Bild des Urgroßlxitcrs zeigt Züge, die sich als Familiengesicht bei den meisten Nachkommen wieder- Ter jüngste Sohn, mein Großvaker M e d e I K a l i s ch . kam 1832 nach Berlin. Er ist 1-8U9 geboren. Nlit die'er Generanv» beginnt die?l,»similation die Familie zu ergreifen, zwei Generationen später als in Hamburg. Berlin und Konigsl'erg. Mendel Kalisch batteHoch die volle-talmudrfche Ansbildung der 18. Jahrhnnderls. hat aber bereiks. ol>ne das Abilurinm geinachr z» haben, mit besonderer ministerieller Genehmigung an der Universtiat Berlin sindieren dürscn. Er war in eng'ier Frennb'.l>-ist ve-.l'unden mit Aron Bern st e i n und A r 0 n H v r in : si. dem!>c kannte,1 Schulmann, meine,m imitlerlichen Großvaler. ionne in,! H. S. Herma n n . dem Begründer der bekännken großen Dinckerei in Berlin. Bei allen lag der gleiche Fall oor:?tu'gabe der ererbien und erlernten TalmudivissensäiastUnd Aiicignnng der modernen Kii'.knr in ihrer deutschen Form, Diese - Männer sta'nden an' der Scheide zweier Zeiten. Sie hatten, den Ilebergang vom F.rdi'ch Deutschen zum Hochdeutsck)en zu mache». A r 0 n Br n >r.e 1 n!a>2 in den Ur« ausgaben von Mendel Gibbor und -Vöaew der '.Naga-.d seine Helden noch Jargon reden, io wie eres in 'einer Kindheit in seiner Heimat gehört hatte, Tie Assimilation, dieür «Generationivar vollständig. Die folgende Generation, ziviimen I-t" und l-',5 aeboren, ist bereits in assimiliertem Rlilieu aiiigeivatiiirn. Es ist die l5em-ration meiner Eltern. Sie halten noch eine Dradition non.der 'lrt des ,'uidcienis der Vorfahren und hatten-auch-noch taebrar-ch geleint Aber'welch Unterschied der Generationen' üiVi* die S ohne leriieu -.mußten-- und 'wobei sie nicht allzu >oeit käme:!, dal-atten die ^!-a!er eui'ach gekonnt. Die darauf folgende Generation nut nie! flliwacheren Kenntnissen und lveit geringerer. Dradüron bat -erst nniliiam den Weg zum Judentumzurückiinden niiHem^Allerdings!>ak unsere Linie bei aller E-ntierniing vom Jndisäien n:e eine gewisse Grenze überschritten. Die Tan'e wiird? qlnrt abgc iehiit .'! l; nie ui Großvater 1832 riach Berlin kam. fand er dort einen atieren Bruder vor. Das AnabenschLff Erzählung von Sritz R0 thyLe ß er mit Zeichnungen von Horst Moratz -Aus. dcm (Spanien der Jiiqnii7ri'on ist die jüdische Gemeinde der (5'adl Scdano geschlossen geflohen, um ihrem Glauben treu zu -bleiben. An der'97ordküfte Afrikas hat sic auf der Flucht unweit Arsila ein Zeltlager'aufgeschlagen. Und diese anscheinend dem -Untergang prcisgcgcbeiien Juden werde» auch »och des kojtbarsien (Schatzes beraubt, den sic neben ihrer Tora besitzen: ihre Knaben, werden von einem Kaperschiff entführt.' Hundert Knaben sind im Laderaum des Seglers eingesperrt. Zerschlagen und todmüde sank die Nrchrzahl in sich zusammen. (4- Fortsetzung) ' Aber unenftöcgf, ja, noch weiter steigernd, hielt eine große Gruppe von Knaben im Gebet aus: Es waren Camüel, David, Jenlo und an die.zwanzig andere. Schon während des Nraarib lvarcn fic auf die Knie gesunken, obgleich der Ritus es nicht vorfchrieb. Sie schlügen mit der Faust auf die T8ru>t, tiefer beugten stch ihre Köpfe ,.. bis zwischen die .Oberschenkel, .... bis jie e^nen körperlichen Schmerz empfanden: sie wollten ihn empfinden. Ihre Stimmen wurden gellender, nichts Kindliches lag mehr darin.^ Weitere fielen ab. Noch ungefähr zehn Knaben lagen auf den Knien, als über dem.Meer der Mond aufging und wenige verlorene Strahlen durch die Scharten in den Raum schickte. Das geheimnisvolle Licht brachte höchste Aufwallung über die^Änaben. regelmäßigen Bewegungen schwankten die nackten Körper hin und her ... Die Knaben waren nähe der vollkommenen Derzückung! t Hajim schlief fest, und/Juda beobachtete allein den unheimlichen Zustand seiner Gefährten. Ein Schauer wehte um ihn. Ein ungewisses Verlangen Weg in Juda auf: war es der Wunsch, wie jene dort durch Gebet und Kasteiung Befreiung zu suchen? Nein, er war nicht ivcrt, das zu wünschen, denn er.war unrein, wie die verbotene Speise, die er genossen hatte; "»> znenig stieß >w mit den Füßen die Schale um, daß der Rest des Inhaltes auf den BodeiHil) in sickerte. Bedrückt und zerrissen wie noch nie, vcrsuckte Juda, Schlaf zu finden. Ec wälzte sich auf dem Boden, eine Viccleistunde um die andere. Plötzlich richtete er sich wieder auf: hatte der starke Hajim ihm nicht den uneingeschränktesten Beifall gezollt? War das nicht der Beifall für den Helden gewesen? Nach einiger Zeit nahm er die umgestoßene Schale aus und schlich damit zum Kessel. Mehrere Male füllte er das Gesäß und. goß die Brühe in langen Zügen herunter ... Mochte sie unrein sein, sie gab Kraft!. Dann suchte er Joseph. Vorsichtig fühlte er nach hier miö nach dort. AlS er Joseph gefunden hatte, weckte er ihn unsanft. Dem Schlaftrunkenen hielt Juda seine zur Faust geballte Hand dicht vor die Augen: „Das, Joseph, das soll mein Gott fein!" raunte er ihm zu. In dieser Nacht schlief Juda fest und traumlos zur Seile von Hajim. Als er in der Ncorgenfrühe erwachte, war er sofort auf den Beinen und fühlte sich trotz der harten Planken, auf denen er gelegen hatte, fast erquickt. Ec trat über Hajim hinweg auf eine der schmalen Oefsnungen zu. Er streckte scin?n Kopf hindurch und zog die frische Seeluft in langen Zügen ein. Das Meer war glatt und tiefblau. Er zog den .Kopf wieder zurück und ging mit leisen Schritten dahin, wo am Abend die Knaben in ihrem fast übersinn, lichen Zustand gebetet hätten. Sie mußten in später Stunde kniend, von der Müdigkeit überwältigt sein, ihre Köpfe waren zwischen die Oberschenkel gesunken. " ^Dann maß er den Raum mit den Augen ab. Er mochte etwa die halbe Schissslänge einnehmen, die Höhe betrug nicht mehr als zehn Fuß, aber ohne Hilfe einer Leiter oder eines anderen Gerätes hätte niemand von ihnen die Decke erreichen können. Es war ein Laderaum, wie aus den Ballen, die sicherlich eine geraubte Ware enthielten, zu schließen war. Behutsam ging Juda zwischen den Schläsersi einher, zählte sie und teilte sie nach ihrem Alter ein: Ihn einbegriffen waren sie zweiünöneunzig. Davon rechnete Juda zwei, - undzwanzig zu den Jüngsten unter acht Jahren, drei, das wußte er, waren noch nicht einmal sechs Jahre. Fünfundvierzig Knaben mochten zivischen acht und elf Jahren alt sein. Und fünfundzwanzig schlug Juda zu den Größeren bis zu dreizehn Jahren. Aeltec war niemand, denn die Knaben wurden mit dreizehn Jahren'mündig und galten als Jünglinge. Don diesen aber war keiner am Strande , gewesen. Als Juda bemerkte, daß Hajim aufgewacht war und sich reckte, kniete er neben ihn und näherte seinen Mund dessen Ohr. Hajim setzte sich kerzengerade auf, sein Gesicht zeigte grenzenloses Cr« staunen: „Das ist unmöglich! Juda!" murmelte ec. Juda deutete auf die Eifernden vom Abend vorher: „Der Himmel hat kein Feuer herabgefendet. - Nichts ist geschehen, und nie werden wir unsere Eltern Wiedersehen, wenn wir nicht' kämpfen!" „Aber wir werden sie auch nichr^ Wiedersehen, Juda, wenn . . . wenn es nicht gelingt. Man wird uns töten!" „Ebensogut kann es glücken," entaeanete Inda, „dann kehren Wir zurück. Werden wir es aber nicht wagen, dann kehren wir nie beim!" Hajim fuhr sich um der Hand anf-ieieat dinch die Haare: „Aber Waffen, Juda, wir haben keine Waffen!" Juda ivandte sich de»n uäctisteu Ballen;u, der wie die andern von starken Stricken umgeben loar. Zur Verstärkung der Knoten waren an verschiedenen Stellen aroße eiserne Klammern an» gebracht. „Das sind unsere Wassen!" saale ec urid^ machte sich daran, eine Klanuucr abriinebmen. Hajuu verstand «bn und griff zu. Es war eine weit schwerere Arbeit, als sie sich vorgestellt batten. Die Klammern rvgren scharf geboaen- und hielten die Stricke straff gespannt. Jrach einer halben Skunde ballen sic die erste Klammer grlöjt. Dre war säst so dick wie ein Finger, aber die beiden spitzen Enden waren noch geaeneinanöec gerichlet. Mit roßer Mühe bekamen sie eg fertig, die Klammer aerade ru biegen, ^un halten sie ein zwei Fuß langes, starkes Eisen in der Hand: eine Waffe! Juda riß die Leinwand des Ballens auseinander und griff hinein. Als er die Hand zurückzoa, war sie voller Oeisamen. Achtlos ließ er sie fallen. Die Stunden gingen hin. Dag Merqcngebet war schnell und flüchtig gesprochen. «Samuel und d:e akideren Eiferer waren spät aus quälendem Schlaf erwacht, sie verbrachlen d:c Zeit im Dahindämmern. Juda und Hajini aber waren ,'eor aeschäflig: an einer Seite deS Raumes fanden sie unter Len Ballen lange Stangen, öie öazu dienten, die Caravelle in seichtem Fahrwasser ooni Grunde abzu, stoßen: Juda schritt die Stangen ab, prüsle Stärke und Länge, dann ruckte er mit Hajim einzelne Ballen hierher und dorthin. Nur wenige beobachteten Juda. Je-mehr der ^ag vorschritt, Um so hoffnungsloser wurde die Skmkumnq. Es mochte eine gute Stunde-vor.dem Mincha-Gebel fein, als sich Juda auf einen Ballen jtellte; da das Schiff bei geringem Seegang keinerlei Bewegung machte, war dos möglich. Er hatte während der letzten Stunden fortwährend das, was er sagen wollte, im stillen wiederholt, aber als er ansing, mit gedämpfter Stimme zu sprechen — denn man durfte ihn natürlich nicht auf Deck hören —, da wollten ihm die Worte nicht recht vom Munde. Cie wären gefangen, begann er, und nie ivürden sie Eltern, Brüder und Schwestern Wiedersehen, wenn sie nicht selber — er sagte das so, wie er es empfand — Gott bei feiner Hilfe unterstützen würden. Hätten sie nicht von den jüdischen Helden gehört, Johan wie Johannes und Simon, die den Tempel aegrn die Römer verteidigt hatten. Daher wollten auch sie ein Beispiel eines solchen Heldenmutes geben, und er mache den Vorschlag, sowie am

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