Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1931-01-30 · 5 (30.1.1931) · p. Seite 52

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
5 (30.1.1931)
Date
1931-01-30
Page
Seite 52 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2277379-2277886-2277891--06517-2287343
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

§2 Bezirksverband Saar. Dienstag, den 3. Februar, 20 J 2 Uhr, Festsaal des Arbeiter-Wohlfalirtihauses. Saarbrücken, .Hohenzollemstrasse 45, stellvertretender Syndikus des Central-Vereins Artur Schweriner (Berlin): „Unsere Einstellung zur gegenwärtigen Lage.“ Alle Angehörigen der jüdischen Gemeinde sowie die Mitglieder der umliegenden Ortsgruppen sind herzlich eingeladen. . Forderung der Liebe und der Gerechtigkeit in Ehren bestehen kann. Solches zu betonen, ist die positive Seite der wahrhastigen Apologetik. Hoffentlich wird auch sie im Hinblick auf diesen Zweck in naher Zeit elxmso gründlich und würdig bearbdU* wie die negative, die Abwehr von gehässigen Borwürfen und Angriffen, die in den letzten Jahrzehnten von Philipp Bloch, von David 6 0 f f m ß n n und P a u l F i e - big in Angriff genommen worden ick und die durch die Arbeiten der Familie G u t t - mann jetzt außerordentliche Förderung erfahren hat. Bescheiden nennt Alexander ©uttniönn seine Arbeit nur eine Sammlung aus den Werken anderer. Sachlich mag das teilweise stimmen, und der Hinweis aus seines Bäte:s Michael E u t t m a n n s Werk-), desien Fortsetzung die Wissenschaft sehnsüchtig ^erwartet, ist wohl berechtigt! Des vorliegenden Buches Verdienst bleibt aber trotzdem in vollem Umfange bestehen. Es zeigt den großen Massen, wie nun historisch und kritisch wahrhaftige Apologetik treibt. Es entschuldigt nicht, es vertuscht nicht, es schildert schlicht und erklärt! Darum aber ist seine Wirkung so groß, denn aus ihm weht der Hauch der "Wahrheit! Lazarus Goldschmidt: Ter babylonische Talmuds Jüdischer Vertag, Berlin. Im Jahre 1807 begann der in Berlin wohnende Privatgelehrte Lazarus G v l d - schm i dt eine Ausgabe des babylonischen Talmud erscheinen zu lasien, welche neben dem Text der ersten zensurfreien Bombergschen Ausgabe Venedig 1520/3 mit vor allem der einzigen vollständigen, in München aufbewahrten Talmudhandschrift entnommenen Varianten zum ersten Male auch eine deutsche Uebersetzung bot. Es bedarf nur einer sehr oberflächlichen Kenntnis des Talmud, um zu erkennen, daß ein solches Unternehmen eines einzelnen Mannes sowohl in geistiger wie in materieller Beziehung etwas ganz Außerordentliches bedeutet. Unter der Ungunst der Verhältnisie ist es denn auch leider kurz vorder Vollendung — es fehlt nur noch ein Band — steckengeblieben. Ta nun inzwischen die erschienenen Bände durch immer höher werdenden Preis immer mehr zmn Vorrechtsbesitz der Neichen wurden, ries Goldschmidt, um seinem Lebenswerk nicht bie_ Wirkung in die Breite verloren gehen zu lasien, eine neue wohlfeile Ausgabe ins Leben, deren kleine, handlichen Bände bei klarem Druck, gutem Papier und schöner Ausstattung je nur 14 Reichsmark kosten (Berlin. Jüdischer Verlag). Dafür enthalten sie freilich nur die deutsche Uebersetzung mit erklärenden Anmerkungen und einem Wortregister, welches jeweils auf" die Stelle hinweist, wo der Gegenstand des Rcgistcrwortes erläutert wurde. Der vorliegende erste^Band enthält den vollständigen ersten Soder ^eraeim und vom zweiten ^eder den umfangreichen Traktat Schabbat. Der Fortfall des den Druck sehr verteuernden Driginaltertes, so bedauerlich er ist, kann immerhin von den Benutzern verschmerzt werden, da sie, soweit sie auf ihn Wert legen, gewiß selber im Besitze irgendeines Textes sind und bei Unstimmigkeiten zwischen Eotdschmidts Uebersetzung und ihrem Text sich sagen können, daß der Uebersetzer aus Grund einer besieren Vorlage gearbeitet hat. Wem es nach solcher Feststellung dann ernstlich darum zu tun ist. diese Vorlage kennenzulernen, der wird immer die Möglichkeit haben, sie irgend:oo cinzuschen und seinen Text danach zu verheuern. Goldschmidt war bisher ein Lehrmeister für Gelehrte, insbesondere für christliche, die sich mühevoll in das talmudische Wirrsal, fern von aller jüdischen Hilfe, einarbeiten wollten oder mußten, und er wird es noch für lange Zeit bleiben. Aber darüber hinaus scheint sich seine Bedeutung auch auf solche jüdischen Kreise zu erstrecken, die das „Studium" der Väter lieben, aber aus Mangel an einem der immer seltener werdenden talmudkundigen Lehrer damit nicht recht vorwärts kommen können. Hier bietet sich ihnen die helfende Hand, die sie sicher durch das Labyrinth hindnrchsührt. Und das will etwas bedeuten. Tenn wenn auch gewiß die Talmudlektüre inhaltlich nicht gerade „modern" ist, so leister sie dock) an sich für die Schürfung des menschlichen Geistes unendlich viel mehr als vieles von dem, was sich als neuestes Literatrrrprodukt auf dem Büchermarkt anpreist. Bei aller Anerkennung der gegenüber der früheren Ausgabe vorgenommenen Verbesiernngen sollen bei dieser Gelegenheit doch einige kritische Bedenken für die folgenden Bände nicht unterdrückt werden. Tie noch -immer ziemlich unbekümmert gehandhabte Interpunktion erschwert oftmals das Verständnis. Hundertfach findet sich immer nech das Ansruiungszeichen in'Verbindung mit dem Fragezeichen (!?), welches man mir hinter^ einer verwunderten Frage enoartet, am <-chluöe eines einfachen Aussagesatzes an Stelle des Punktes. Dafür fehlt das Fragezeichen nicht selten da, wo es unbedingt hingchörr. Ja. es finden sich Frage und Antwort nur durch ein Komma getrennt. Ferner fehlt es nicht an längeren oder kürzeren Abschnitten, die so, wie sie dastehen, ohne Vergleich mit dem Original schleck)terdings unverständlich sind; und zwar sind das durchweg solche halakhischen Inhaltes. Wenn nun auch, wie gern zugestanden werden soll, die Uebersetzung solcher Partien ' häufig erhebliche Schwierigkeiten macht, so muß dann - aber der Mangel der Verdeutschung durch eine etwas reichlichere Kommentierung tunlichst ausgeglichen werden. Doch damit genug. Taiz ein Wunsch noch soll ausgesprochen werden: Möge diese Ausgabe bis zur Vollendung gedeihen! . *> „Das Judentum und seine Umwelt", Pzilo-Verlag. Professor D. Windfuhr (Hamburg). Sigmund Fraeukel: „Aussätze und Reden." -dcrauogegcbcn von Professor Tr. Adolf Fracnkcl. Im Verlag V. Heller in München, 1930. Der Verfasser begründet die Herausgabe des Buches damit, daß es für die jüdi'-che Alst chmeinheit von Bedeutung sei, das Bild von Sigmund Fraeukel in ganzem Umfange zu erfassen. da der Typus des deutschen Juden, den Sigmund Fraeukel in hervorragendem Maße verkörpere, in der vorigen Generation ziemlich häufig vertreten, heute aber im Auchlerben begriffen oder nahezu ausgestorben sei. Bis auf diesen Satz, den der Herausgeber in seinem Vorwort an führt, ist die Tendenz des Herausgebers in jeder Weise zu begrüßen. Jedes Wort der Aufsätze und Reden Sigmund Fraenkels ist scharf umrisscn und prägt die Gedankengänge eines Mannes, der als Kämpfer für alle diejenigen Gesichtspunkte cinhitt, die er in feinem Leben als gut und recht empfunden hat. Für ihn gibt es kein Zurückweichen oder auch nur den Gedanken der Aussichtslosigkeit eines Kampfes. Ueberall, wo er sicht, daß das, was er als Recht anerkannt hat, angcgri'fen wird, tritt er mit der Schärfe und llnbedingtheit seiner Persönlichkeit ein. Das Buch zerfällt in vier Teile. Ter erste Teil bckaßt sich mit wirtschaftlichen. steuerlichen und verkehstecbnischen Fragen. Man möctste sagen, daß jedes Gebiet dieser Fragen von Sigmund Fraeukel mit der ganzen Schärfe und Klarheit seines Denkens durMgcarbeitet ist. Dabei in zu bedenken, daß Sigmund Fracnkcl an alle diese Fragen ohne akademische Vorbildung Herangegangen ist, und daß er mit seiner klaren Intuition cs verstanden bat, Dinge so auseinanderznsttzen. daß selbst der Laie chm in jeder Weist frlgen kann. Ohne seuilletvnisti'ch zu werden, sind seine Auseinandersetzungen im wirklichen Sinne populär und volkstümlich. Es zeigt sich auch der Eharakter Sigmund Fraenkels, der als deutscher Jude nicht nur von einer richtig verstandenen Vaterlandsliebe erfüllt war, sondern auch eine gewisse bayerische Färbung seines Denkens austoeist. In dem zweiten Teil finden sich Reden und Briefe über innerjüdische Fragen. Vor allen Dingen werden dis jüdischen Geineindcsiagcn Bayerns behandelt. Bayern befand sich infolge des Judcnedcktes von 1§13 in einer sonderbaren Lage. Aach dem bayerischen Zudenedikt von 1S13 gab cs keine;r Austritt aus der jüdischen Gemeinde ohne gllichzeüigen Austritt aus dem Judentum. Daber roaren bei der Entwicklung zum liberalen Judentum die Belange des gcschestreuen Judentums dem Wohlwollen der^Gemeindelcitung überladen. Hiergegen kämpft Sgmrmd Fraenke! an. und zwar nicht, weil er die Einheitsgemeinde zertrümmern, sondern weil kr die Gcwwensfre'cheit der koustrvatwcn Kieste gewahrt haben wollte. Aaclwem Sigmund Fraenke! das Ziel seines <£-ieben§ erreicht bat, also die Möglichkeit, Austrittsgemeinden in Bayern zu gründen, war er der erste, der erklärte, daß rnan wohl das Recht haben müstst. eine Sondergemcinde zu gründen, um nicht der Vergewaltigung irgendwelcher entgegenstehenden Kreist zu unterliegen, daß aber die Gründung von konservativen Sondergcmeinden nur cinc Wachs im Falle äußerster Notwehr fein dürfe. Sigmund Fraeukel wurde daher von manchen Kreisen der Drlhodorie angegriffen. Diese Angriffe finden in Form und Inhalt wundervolle, zum Teil sarkastisch scharst und auch humoristische Vlbmebr in einem ebenen Brief, der ans Seite 1*11 unter dem Tuet ..AlistriUsspiel" abgedruckt ist. Der dritte Teil dcs Buches umfaßt jüdische Betängung nach außen, insbesondere den Kamps glzen den Antisemitismus. Sigmund Fraeukel tritt im Jahre 1916 in langen Verhandlungen mit dem Lberbesthl-habcr Dber-Dst für die Juden in Litanen ein. und reist arich im April 1917 gemeinsam nur Tr. Abraham Oirsch ins Hanptgriartier Lber-Dü. llcbcrall zeigt sich bei ihm die genaue Kenntnis jeder Sachlage, die es ihm ermöglicht, ans alle Fragen mit Klarheit einzngehen. ii: 'I stßttMMW

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.