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Central-Verein-Zeitung · 1931-01-30 · 5 (30.1.1931) · p. Seite 51

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
5 (30.1.1931)
Date
1931-01-30
Page
Seite 51 (sequence 7)
Language
German
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I Die Moral des Talmuds Neue Wcg€ der Äpologeiifc / Von Dr. Felix Goldmann (Leipzig)! i Solfinöo cs einen Antisemitismus gibt, hat man nicht mir den Juden als Menschen, sondern nmi} das Judentum als Religion und Lehre an- .^egrnfen. Dem Talmud insbesondere als Cer zusammen fastenden Tarstellung der Entwicklung des jüdischen Lebens und den ans ihm sich anfvauenden G e s c tz b ü ch e r n, hauptsächlie!) dem aus dem sechzehnten Jahrhundert 'lammenden 3 ch u l ch a n A r n ch des I o f c f Karo, galten herabsetzende und schmähende Au griffe in g: oh er Fülle, die der auch von christlicher Teile als böswillig charakterisierte Eise n nt c ii (| c r in seinem „Entdeckte u I u d e n t n m" im Jahre 1700 zusammengestellt hatte. Eine große Anzahl der Behauptungen dieser Bibel des Antisemitismus hat sich im Lause der Zeit so offensichtlich als Fälschung und Mißverständnis erwiesen, das; auch der gehässigste Judenfeind unserer Tage es nicht wagt, ne sich zu eigen zu machen. Immerhin bleiben noch genug der Borwürfe, die in den antisemitischen Blättern immer wieder cmft.mchen und den gutgläubigen, unwissenden Leser 'chrrcken. Tie geläufigsten von diesen Zitaten, cinhunderrzehn an der Zahl, hat A l e r ander Guttmnnn nun untersucht und die Ergebnisse seiner Forschungen in einem Buche') vereint, das mit zu. den besten gehört, die der Abwehr von Angriffen ans das Judentum dienen. Tieies Lob gilt vor allem der Bl o t h o d e! tomtmaiiii betrachtet das einzelne Zitat in 'einem h i st o i i f ch eit Zusa m tu c n h a n g, denn nur ans dieser Grundlage kann wahrhaftige Apologetik getrieben werden, nur so ist der wahie 3inn einer Aeusierung zu erkennen, nur so ist ihre Bedemnng für die jüdische Bl oral zu werten. Er sucht aber die einzelnen Zitate nichts nur in ihrer jüdischen Bedingtheit zu erfassen, um ihre eigentliche Bedeutung tlarzulegen, sondern —' was bisher systematisch noch nie geschehen ist — er vergleicht die jüdische Anschauung mit der der christlichen Umwelt, und er gewinnt so eine ausgezeichnete Bans für eine wahrhaftige und überzeugende Apologetik. An einem Beispiel sei das erläutert. Tos jüdische Gesetz enthält den 3atz, daß es erlaubt sei, den Irrtum eines Nichtjuden auszunntzen, wenn er sich von selbst zu seinem Nachteil irrt. Mann der Nichtjude eine Ncchnung macht und sich irrt. so muß der Jude zu ihm sagen', siehe, ich vertat,e mich auf deine Rechnung, ich weiß nickst, ob es ftch so verhält, doch ich gebe dir, was^dn forderst. (Guttmann, 3eite 72 ff.) 3elbstverständiich hat ein solches Gesetz hertte leine Geltung mehr. 3chon die innerjüdische Entwicklung hat es beseitigt, ganz abgesehen davon, daß cs überhaupt nur solchen Heiden gegenüber galt, _btc sich über die sogenannten noachidischen Gesetze, die Grundforderungen von Moral und Recht, freventlich hinwegsetzten und das Gegenseitigkeitsprinzip im Reckstslebcu nicht aucrkanuten. Auf das „Buch der Fromme u" des Rabbi I c - h u d a b e n 3 a m u e l ans Re g e n s - bürg sich stützend, das freilich kein Gesetzeskoder, sondern eine Mora (lehre ist, haben Rommentatoren des Tchulchan Arnch mit aller 3charfe die Ausnutzung des Irrtums auch eines 0 „E u t f) ii H t c Z a I m u b 3 i t g t c," (sine Arm Wahl au-5 <5utad)ieu, erstattet von Prof. Dr. Michael GaUt'.'.ann, und aus anderen Werken. Gcsannnclt und crgä'.'.n van Dr. Alerander (5r u t t m a n n. 1030. Bhilo-Berlag G. nr. b. H., Berlin V/ 17. Nichtjuden getadelt. Dazu tritt iwch der z i v i l r c ch t l i ch e Grundsatz des Talmuds ..Dine d e 111 a 1 e h u t a d i n e“ (3taatsgesetze sind die entscheidenden und gültigen Gesetze), so daß. ein solcher 3atz praktisch nichts mehr bedeuten kann. Wohl aber könnte man —- und daraus geht der judenfeindliche Borwurf hinaus — aus ihm einen 3chluß aus einen Momml an ethischer Gesinnung in der alten jüdischen Lehre ziehen. Gutlmann vermag aber nachzuweisen, daß die Allen o-hne Unterschied der Konfession den Irrtum leichter beurteilt haben als Tiebstahl oder Betrug Tm.ch Zitate beweist er, daß die christlichen 'Bloralthcologen, wie der heilig gesprochene 3tister der Redemptoristen A l p h 0 ns Bi a r i a be Lign 0 ri (l(39d—1787), und die Al i r ch e n b d tc t nicht um einen Tcut anders gedacht haben. Und dem Judentum und seiner Leb,re einen Borwnrf zu machen, den ein verständiger Biensch ans Grund dieser 3te!len gegen "das Christentum gewiß nicht erheben mürbe und könnte, ist lediglich der Ausfluß einer feindseligen Gesinnung. Man muß im Gegenteil hervorheben, daß das Judentum früher als andere von solchen Anschauungen abzurücken begann, die an sich der ch-. Etlichen Moralkehre in gleichem. Maße eigen sind. Alles muß eben aus der Zeit beurteilt werden! Und Guttmanns Methode, der zur Belenckstung der jüdischen Anschauungen neben den K irdjenü ä t c r n und den ch r istli ch e n M 0 r a l t'h e 0 l o g e n auch das st e u e T e st am e n t und das r ö 11t i s ch c sowie das beut f ui c mittelalterliche Recht mit heranzieht, iü die allein richtige! Das gilt aber auch in dem 3inne, daß die Bedeutung jener Merke, denen angeblich christenseindliche Zitate entnommen werden, auch für i h r e Z e i t untersucht werden muß. 3chon der Talmud ist kein maßgebendes Gesetzbuch, sondern eine Zucmunenstellung von Tiskussionen über das Gectz. die — unseren Reichstagsverhandlungs- Protokollen gleich — Hohes und Edles neben Trivialem und Alltäglichem enthalten. Ein 3atz des Talmuds ist, wenn er nicht ausdrücklich in späteren Gesetzeszusammeustelluu-an rezipiert ist, lediglich eine Meinungsäußerung eines einzelnen, und snr den Geist des Judent u in s ist er ebcnsoavenig maßgebend wie Parlamentsreden von Goebbels oder 3 t r c i ri) c x ■ für die deutsche stultur. Und noch viel weniger Bedeutung haben zahlreiche m l) st i f d) c W c v f c der Rabbalisten, die von der Mehrzahl der Juden kaum verstanden, geschiveigo denn anerkannt werden. Menu einmal ein solches Merk Nichtjuden mit Tieren vergleicht, so ist das gewiß eine (Geschmacklosigkeit, die nicht Vorkommen sollte. 3ie kann aber keinen Grund zur Erregung geben, denn sie erscheint darum in ganz besonders mildem Lichte, weil ja auch das Neue Testament die Heiden als Hunde und 3äne bezeichnet, ohne daß man ihm daraus eineu Bouvurs mackst. Und im Mittelalter waren, wie schon Philip p Bloch vor vierzig Jahren nachwies und nun Guttmann durch weitere Beispiele belegt, solche Bergleiche gang und gäbe. Ter heilige D i l a r i n enennt die Leiden Lunde, die Retz er Tchireino, und seine Ausdrucksweise siebt nicht vereinzelt da. Taß Guttmann daneben noch eine Menge von F ä l s-chn u g e n auid-eckt und Bl i ß v e r - st ä n d n i s i e in" großer Zahl richtigsteltt, sei eocn'o herrorachobcn, wie daß er in ausgezeichneter Me:se zur B l n t b e s ch u l d i g u n g 3tellnng nimmt. Tcm neuen Buch von Erich Bischofs über das Blut im jüdischen Tchrisitum widmet er eine ernsie, sachliche und sehr nachdrückliche Miderlegnng. 3chon dieies Rapitel allein sollte von jedem, den. die Probleme angeren — und ihr ft reis ist in der Zeit des schärfsten und skrupellostsien Judenhanes gewiß nickst klein —, eitrig studiert weiden. Und keiner, der im jüdischen Leben stetst, wird Guttmanns Buch mit seiner unendlichen Fülle von Tatsachen und Anregungen misten können, weil es gewissermaßen ein Handbuch der literari'chcn Abwehr, und zwar ritt leicht verständliches und überzeugendes, darftellr. Einlmndcrrnndzehn Zitate, die wianiasien und gerährlichftcn, hat Gurtmann unter sucht. Für den Fachmann genügt das vollständig. Tenn auf Ertmd der hier am'gezeigten Methode wird rin Renner des 3chrifttmns leicht den wahren üinn anderer 3telleu erkennen, aus denen nam der Bcetnuug der Judenfeinde eine minderwcinge, fremdenieindlicha Ethik spricht. Im Jnckerene der Latem sollte man dtesi noch st h len den Anklagen bearbeiten, damit ein vollständiges Alluterta! für die Abwehr vorhanden ist. Freilich ivird man dabei eine Entdeckung machen, die sehr zum Nachdenken anregt. Es gibt int m l i ch außer di e s e n e i n h tt u d e r t z e h n Zit a t e n c i g e 111L i ci) n u r n 0 ch g c, n z iv 0 nig e. die zur B e - a n st a 11 d :t n g A 11 l a ß g e b e u. Und daran erkennt man, welche geringe Rolle im großen. 3chatz.e jüdischen 3chrnttmns die Anklagen spielen, die man mir großer Mühe herausgesi'cht und und von denen auch nicht eine vor detn ttstcht^stuksto der Mahrhcit bestehen kaum. ^Zlb'r wenn cs 3chädli:tge voären, was würden ne gegen den unendlichen Reichtum bedeuten. den das 3chrisitmn des Judentums aufiveist'. Mas will es besagen, daß auf Grund der traurigen Eriahrnnaen unserer von Leid und Trauer erfüllten Gesthichw einmal ein Mort des Unmms gegen die Beriolaer erklingt, wenn die ganze Einstellnug der jüdischen Ethik vom Geiste der Bersöhnlichteit und der reinsten Nächstenliebe bestimmt nsird, und wenn immer und immer triebe, Liebe und Blenschliehkeit aucki gegen die Fremden gepredigt werden! Tcr lvah r o T alm u. djnde nicht nur der lheovetiseze, aus Lehrsätzen lonsiruierte, sondern der im Leben wirkende - ■ vertrat und vertritt eine 3ittliii'tcir, die vor der höchsten Le!iensvsrsicherünssgs£snseii3*l iE gegründet 1882 Vcriragsgcsellschafi grosser jüdischer Organ isa tionen Versicherung'-res*:;i'. 1.1 MiHarde SCO Itillicßen Goldmark Craramicniirtol. *‘:i. 133 „ Xeuzugang Ifö?. f;l.*r 360 „ Lebens-, Aussteuer-, Slüdisngeld-, Renlenversicherungsn Sdiaiz der Familie — Sicherung des Alters — durch Pkönix. nzrn- TIIJC3XXII1J 7/Hirni ImZIZZLXZL; um.

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