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Central-Verein-Zeitung · 1930-12-12 · 50 (12.12.1930) · p. Seite 651

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
50 (12.12.1930)
Date
1930-12-12
Page
Seite 651 (sequence 11)
Language
German
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651 Caesar Seligmann zum 70. Geburtstage Der 70. Geburtstag von Rabbiner Dr. Caesar Seligmann (Frankfurt a. M.), den weite Kreise des Judentums in Deutschland und außerhalb seiner Grenzen am 14. Dezember mit ihm seiern, lenkt den Blick der Zeitgenossen vor allem aus die religiöse Bewegung, deren Ausbau, Kämpfe und Ausbreitung innigst mit seinem Namen verknüpft sind: das liberale Judentum. In diesen Zeilen jedoch soll von der anderen Bewegung die Rede sein, der die Liebe Caesar Seligmanns nicht geringer gilt: der Bewegung, die der Verbundenheit von Deutschtum und Judentum geweiht ist. Wenn diese seine Verbundenheit vom Deutschtum und Judentum sich vielleicht weniger in tönenden Worten und ausdrücklicher Beteuerung äußert, so ist gewiß kein „zu wenig" die Ursache. Im Gegenteil, diese Haltung entspricht gerade seiner Selbstverständlichkeit, dem Gar-nicht-anders-sein-Können, in dem Caesar Seligmann sich treu blieb durch all die Wandlungen hindurch, die die deutsche wie die jüdische Umwelt in jener Zeitspanne von vor 1870 bis nach 1918 genommen haben. Zwei Wurzeln entstammt dieses vollblütige Deutsch-Judentum: der Tradition und dem Jugenderleben. Der Stolz, einer jüdischen Gelehrtenfamilie anzugehören, die sich bis in das Jahr 1650 zurück Nachweisen läßt und ihren Namen nach dem deutschen Städtchen Katzenellenbogen trägt. Paart sich mit der Freude, die besten Eigenschaften des Naturells, Optimismus und Humor, der Pfälzischen Heimat zu verdanken. Den Jugendjahren war jede Problematik über Deutschtum und Judentmn fern. Man war Deutscher wie jeder andere, und als 1871 die siegreichen Truppen von Frankreich heimkehrten, da ging der Knabe mit den Kameraden in den Wald, band große Eichenkränze und marschierte damit stundenweit den von Westen kommenden Regimentern entgegen. Von einem Ulanenrittmeister aufs Pferd genommen, zog der Junge inmitten der umjnbelten Soldaten in die Heimatstadt ein, unter all seinen nichtjüdischen Freunden ebenso dazu gehörend, wie er sich tm väterlichen Rabbinerhaufe dem Judentum zugehörig fühlte. Verdankt Caesar Seligmann so dein Deutschjudentum wesentlichstes seiner Persönlichkeitsgestaltung, so verdankt umgekehrt das Deutsch- Judentum ihm reichste Förderung. Er gehört zu den wenigen Gestalten, die sich bereits vorder Gründung des Centralvereins sür den Zusammenschluß der deutschen Juden zu aktiver ' Verteidigung angegriffenen Rechts und zur Stärkung eigenen Selbstbewußtseins öffentlich einsetzten. Bereits um das Jähr 1890 ries er in einer Predigt im Hamburger Tempel, das Andenken des dieser Gemeinde entsprossenen Gabriel Riester zitierend, dazu auf. Als der Centralverein 1893 gegründet war, war er unter den ersten, die seine Ideen verbreiteten, Enthusiasmus sür ihn weckten, Menschen für ihn sammelten. Wann immer Maximilian H o r w i tz , wann Eugen F u ch s ihn riesen, stets trat er mit seiner Begeisterungsjähigkeit sür sein Deutsch-Judentum, sür unseren Centralverem ein, und seine glücklichen Formulierungen, heute als Selbstverständlichkeiten in unser aller Fleisch und Blut übergegangen, brachten damals deutlich zum Ausdrnck, was die Masse seiner Hörer zuvor unklar empfunden hatte. Unter die Stimmen, die ihm damals zujubelten, mischten sich auch solche, die ihn scharf angrisfen, weil er davor warnte, daß einzelne jüngere Glieder im Judentum in Gefahr waren, zu vergessen, daß wir nicht nur nach der Verfassung und dem geschriebenen Gesetz Deutsche sind, sondern vor allem nach unserem Geiste und unseren Empfindungell. Caesar Seligmann hat sich durch diese Angriffe nie irr machen lassen. Weder gab er dem Ansinnen nach, aus taktischen Gründen zu verschweigen, was er als Wahrheit empfand, noch ließ er sich dazu beeinflussen, die Aggressivität anderer zu erwidern. Er ging seinen Weg, versöhnlich und einigend, zu den Menschen, treu und folgerecht in seiner Gesinnung und seinem Werk, „Wir sind Deutsche,^ weil wir nicht anders sein können, als Deutsche zu sein" und „Die Fortexistenz des Judentums beruht aus dem Willen zum Judentum", so lauteten einst lvie heute seine Parolen. Das Lebenswerk Caesar Seligmanns entspricht ihnen. Wes das, was er, der religiöse Führer, der Erzieher der Jugend, der Vertreter jüdischer Weltanschauung gegenüber Zeitströmungen, der Meister der deutschen Sprache, als Ausdruck jüdischen Betens geleistet hat, dient dazu, den Willen zum Judentum in den Menschen zu stärken, die deutsch sind, weil sie nicht anders sein können. Mögen dem Deutsch-Judentum von dem aus der Höhe seines Schaffens Stehenden noch viele Jahre hindurch die reichen Früchte seines Wirkens beschieden sein. Kostenlose Fussuntersuchung und pedographischer Fussabdruck in allen Filialen Verlangen Sie die Gratis-Broschüre von Dr.Wm. EVI-Scholl: „Die Pflege derFussel< In den vorbildlich eingerichteten Fusspflege-Abteilungen unserer beiden Häuser am Dönhoffplatz und Tauentzienstrasse 14 Pediküre u. Fussmassage nach den neuesten Methoden Wir führen die hochwertigen Dp-Scholl-Einlagen: sie allein sind über den ganzen Erdball hin millionenfach mit Welterfolg verbreitet. 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