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Central-Verein-Zeitung · 1930-12-12 · 50 (12.12.1930) · p. Seite 650

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
50 (12.12.1930)
Date
1930-12-12
Page
Seite 650 (sequence 10)
Language
German
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650 das Einhorn, das bei Sußmann vorkommt, sind durchaus heraldisch geartete Wesen. Amüsant, wie hier, und besonders auch bei -einigen Eulen und ähnlichen Tieren, häufig menschenähnliche Gesichter auffüllen. Derlei fand sich schon in Jablonow, eine gerade Linie Zieht sich von dort bis in die kleinen fränkischen Orte. Aber es spielten vielleicht auch Malerscherze dabei eine Rolle, indem Gemeindemitglieder mit den beliebten jüdischen Tiernamen durch eine Neckerei verewigt werden. Menschen selbst durften nun einmal nach den strengen Gesetzen der Religion nicht dargestellt werden — so mag der Künstler sich hier aus originelle Art entschädigt haben. Aber wenn nun Sußmann alle möglichen Arten von Federvieh herbeiruft, das dem Landjuden aus seiner täglichen Umgebung vertraut war, Enten, Gänse, Kapaune, kämpfende Hähne, oder auch Vögel aus Wald und Feld in seine Malereien einflicht, wenn er den Hasen schildert, für den er eine besondere Vorliebe gehabt haben muß, und der in allen Miniaturen ja auch schon eine erhebliche Rolle spielte, so haben wir einen Maler vor uns, der mit frischer Anschauung die Wirklichkeit ringsum studierte. Daß er bei der Uebernahme des besonders merkwürdigen Elefanten von Jablonow reichlich Phantasie aufwandte, nimmt gewiß nicht wunder. Man braucht nur daran zu denken, wie sich Albrecht Dürer mit dem Dickhäuter plagte. Wie sich alle diese stzuagogalen Wand- und Deckenmalereien mit Arbeiten der Textil-, Buch- und Goldschmiedekunst berühren, wie aus der Formgebung täglicher Gebrauchsgegenstände ein instinktiv gefundener Stil der Flächen- und Naumglicderung erwuchs, das wird von Töplitz vorderhand nur angedeutet. Es leuchtet ein, daß sich hier kunstgeschichtliche Ausblicke von außerordentlicher Weite eröffnen. Max Osborn. Frauenarbeit im Centrawerein. Wir haben wiederholt die Notwendigkeit betont, unsere Frauen zur tatkräftigen Mitarbeit an der Erhaltung des deutschen Judentums heranzuziehen. Gemäß dieser Beschlüsse haben in den letzten Wochen in Gemeinde-, C. V.- und Frauenversammlungen in V o ch u m , E l b e r s e l v, Recklinghausen, Matzen, Aachen, C r e f e l d , Köln, Siegbürg und M ü n ch e n - G l a d b a ch Vorträge von Frau Life L e i b h v l z stattgesunden. „Schmock" kann nicht sterben! Kritisches Zu Robert Grötzschs Komödie Robert G r ö tz s ch Zeigt in seiner im Dresdener Schauspielhaus mit Erfolg urausgesührten Komödie „Iournali st ü b e r Bor d" auch einen jüdischen Redakteur und stellt ihn als Leiter eines angeblich großen Blattes einen Akt lang in den Vordergrund. Leider ist die Figur dieses Dr. Markus genau so possenhaft verzerrt geschildert wie trotz aller frisch naturalistischen Striche das ganze um ihn herum befindliche Milieu, das in dieser spaßig-spießigen Form nimmermehr einen Begriff gibt von der ernsten und aufreibenden Arbeit im Getriebe einer anständigen Tageszeitung. Dr. Markus jubelt. Schon das ist bei einem Mann seines Grades unwahrscheinlich. Unsere modernen Autoren von Geschmack sollten sich endlich Zu dem Leitsatz bekennen: Schmock ist t o t, und man rühre als äußerlich betrachtete Lustspielsigur nicht an ihn, bloß um die Lachmuskeln einiger Besucher des Parketts zu reizen. Auch das Verhalten von Dr. Markus kann leider unsere Zustimmung nicht finden. Läßt er sich doch, genau wie vorher der Held dieser liebeszornigen Philippika, sein Kollege und Nachfolger „auf Zeit" Dr. Sch m i d t, über Bord spülen, nur weil auf Wunsch des Verlegers dieser angebliche Mann aus dem Volke, momentan Zeitungshändler, der schon einmal aus lauter Prinzipientreue strandete, von der Straße heraus an seinen Platz gesetzt werden soll, um die langsam absterbende Zeitung zu Geschäfts- Zwecken zu „amerikanisieren". Der „ewige Jude" bei Grötzsch ist Schmidt, der im Kampf um seine Existenz den verfluchten Berus liebend hochzuhalten sich bemüht, während Markus mehr den Typ des kühl sachlich denkenden Routiniers darstellt, der, in ewiger Tretmühle abgearbeitet, die Zeichen der Zeit nicht erkennt oder vielmehr schon vorher durchschaut, daß auch die neuen Methoden versagen. Grötzsch, der als Dramatiker bereits mit den netten „Dyckerbotts Erben" hervorgetreten ist, steht inner- und außerberuflich seit langem in vorderster Reihe derer, die aus Gerechtigkeitsgefühl und K u l t u r b e w u ß t s e t n jede geflissentliche Verunglimpfung jüdischer Ehre mutig bekämpfen. Um der gleichen Motive willen, die auch diese halb lustig blinzelnde, halb sehr ernsthaft dreinblickende Komödie widerspiegelt, ist ihrem Schöpfer ungeachtet aller kritischen Einwendungen die erneute Zuneigung aller Ausrechten, denen wir uns herzlich anschließen, gewiß. vr. Richard Elb (Dresden). Trier oder Köln? Wo wohnten die ersten Inden in Deutschland? In Anwesenheit des Regierungspräsidenten von Trier, des O b e r b ü r g e rm e i st e r s, des L a n d r a t e s, des Leiters des P r o v i n z i a l m u s e u m s in Trier und einer Reihe namhafter Historiker sowie zahlreicher nichtjüdischer und jüdischer Bürger Triers hielt Oberrabbiner Dr. Adolf A l t m a n n (Trier) auf Einladung der Gesellschaft für nützliche Forschungen im überfüllten Vortragssaale des Provinzialmuseums einen Vortrag über das früheste Vorkommen des Juden in Deutschland. In diesem Vortrage, der eine scharf zusammengefaßte Uebersicht über die bisher geführten Untersuchungen Dr. Altmanns über das Vorkommen der Juden in Deutschland gab, gelangte der Referent zu einem Ergebnis, das, nach Ansicht der anwesenden Historiker, geradezu eine Revolution der Wissenschaft bedeutet. Durch die Auswertung bisher in diesen! Zusammenhänge nur sehr unvollkommen verwerteten und zum größten Teil gänzlich unbekannten historischen Quellenmaterials sowie durch die Verwertung höchst bedeutsamer archäologischer Funde — wie einer Tonbildlampe mit reliefartig eingebrannter Menorah, dem ersten und einzigen Fund dieser Art auf deutschem Boden, und Terrakottafiguren, jüdische Karikaturen darstellend, alles aus dem 3. und 4. Jahrhundert — konnte Oberrabbiner Dr. Alt mann den Nachweis erbringen, daß Juden in Deutschland innerhalb eines geordneten jüdischen Gemeinwesens im r ö m i - schen Trier zuerst gelebt haben und nicht — wie die Forschung bisher an nahm — in K ö l n. —os— <> Welche Annehmlichkeit für die rituelle Köche — fleischig und milchig zu gebrauchen! Diese große Erleichterung bieten Ihnen TOMOR und PALMIN koscher DIE KOSCHEREN PFLANZENFETTE TOMOR^ PALMIN KOSCHER die Mandelmilch -Margarine, hergestellt unter Aufsicht seiner Ehrwürden de*s Herrn Rabbiner Dr. Wolf. 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