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Central-Verein-Zeitung · 1930-08-01 · 31 (1.8.1930) · p. Seite 411

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
31 (1.8.1930)
Date
1930-08-01
Page
Seite 411 (sequence 7)
Language
German
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4j1 SieLondotterWeliiagung des Liberalen Zudenlums Sonder bericht für die „C. V. - Z e i t u n g".* W. R. London, 23. Juli. Vom 19. bis 22. Juli versammelten sich zum zweiten Male in London Vertreter des liberalen Judentums aller Länder auf der Tagung der World Union for Progressive Judaism. Mit besonders starken Delegationen waren Amerika und Deutschland und die englischen Gastgeber selbst vertreten; andere Länder hatten nur einen oder mehrere Vertreter entsandt. Vier Tage hindurch wurden die Probleme erörtert, die das liberale Judentum der Welt vor allem interessieren: der Kampf gegen die religiöse Indifferenz vieler Kreise, vor allem der Jugend, und die Erneuerung des Judentums in Anpassung an modernes Denken und Empfinden. Die Konferenz wurde mit einem Gottesdienst der Berliner Jüdischen Reform-Gemeinde eingeleitet. Die Veranstaltung war ein voller Erfolg. Die hohe musikalische Qualität der Chöre und Sologesänge, die durch die Schallplatten eine ausgezeichnete Wiedergabe fanden, sowie die schlichte und doch eindrucksvolle Sprache der Liturgie fanden allgemeine Anerkennung. In seiner von ernster Eindringlichkeit getragenen Predigt hob Rabbiner Dr. Lehmann (Berlin) unter Betonung des universellen Charakters des Judentums feine Bedeutung als Religion des Friedens, der Gerechtigkeit und des Fortschritts hervor, die über die Grenzen aller Stammes- und Volksunterschiede hinaus der gesamten Menschheit die Lehre von dem einen und einzigen Gott gebracht hat. Auf der die eigentliche Konferenz eröffnenden Sitzung überbrachte als Führer der deutschen Delegation Rechtsanwalt Heinrich Stern die Grüße des deutschen Liberalismus, der in der eWorld Union ein sichtbares Symbol liberal-religiösen Einheitswillens erblickt. Obwohl im Weltverband die verschiedensten Richtungen miteinander arbeiten, gebe es doch trotz der Verschiedenheit des Weges eine Gemeinsamkeit des Zieles, die vor allem herausgearbeitet werden müsse. Nachdem auch Vertreter anderer Länder zu Worte gekommen waren, wurde eme Reihe grundlegender Referate über das Judentum und die Gottesidee im Lichte des modernen Denkens gehalten. Zum Höhepunkt der Veranstaltung wurde eine öffentliche Kundgebung, bei welcher der bekannte Schriftsteller Edmond Fl eg (Paris) und der deutsche Nobelpreisträger Professor Richard Millstätter (München) besonderes Interesse fanden. Professor Millstätter fand begeisterte Zustimmung mit der Feststellung, die Menschheit empfinde viel zu wenig Reue über diesen Krieg, in dem es nur Besiegte gegeben habe. In den geschäftlichen Sitzungen wurden soziale Probleme, Fragen der Jugendarbeit und Liturgie, vor allem als brennendstes Problem ' die Bekämpfung der religiösen Indifferenz erörtert. Als wichtigstes Ergebnis für die Praxis des Alltags ist eine Resolution hervorzuheben, welche die Konserenz auf Anregung des Weltverbandes jüdischer Frauen beschloß. Das Präsidium des Weltverbandes wurde neu gewählt; als Präsident wurde der um das Zustandekommen der We'ltkonserenz so außerordentlich verdiente Dr. Claude G. Mont es io re (London), als deutsche Vertreter wurden in das Präsidium Rechtsanwalt Heinrich Stern und Rabbiner Dr. Caesar Seligmann wiedergewählt. Die Konferenz fand ihren Abschluß in einer von Dr. Hugo H o f f m a n n (Frankfurt a. M.) geleiteten Jugendtagung, in der der Vorsitzende selbst, Fräulein Hilde L a ch m a n n - M o s s e (Berlin) und Fräulein Betty Markus (Berlin) und mehrere ausländische Delegierte über die jüdisch-liberalen Jugendorganisationen der einzelnen Länder und über die religiöse Weltanschauung der Jugend berichteten. In der anschließenden Diskussion kam der Will-e der versammelten Jugendvertreter nach Zusammenschluß der jüdisch-liberalen Jugendorganisationen aller Länder zur gegenseitigen Förderung und Unterstützung zum Ausdruck. Es wurde einstimmig beschlossen, das Präsidium des Weltverbandes zur Bildung einer jüdischliberalen Weltorganisation der Jugend auszufvrdern. Die Konferenz hat bereits bestehende internationale Beziehungen vertieft, neue angeknüpft und allen Delegierten Anregungen und Belehrungen vermittelt. Man mag zu den religiösen Richtungen stehen, wie man will; jeder wird eine das Judentum bejahende und die Teilnahmelosigkeit bekämpfende Tätigkeit in den letzten Fragen unserer Gemeinschaft nur wärmstens begrüßen. Die Israelitische Volksschule in Essen feierte kürzlich ihr hundertjähriges Bestehen. Zu der schlichten Feier war der Vertreter der Regierung in Düsseldorf, Oberregierungsrat N i ck o l, erschienen, der die herzlichsten Glückwünsche seiner Behörde aussprach. Die Stadigemeinde Essen ließ durch ihren Vertreter ein ansehnliches Geldgeschenk überreichen. Die Synagogengemeinde Essen war durch Rechtsanwalt Dr. Herzseld vertreten. Wir entbieten der Jubilarin, die zu den ältesten jüdischen Schulen in Deutschland gehört, und die es immer verstanden hat, ' ihre Schüler in gleich ernster Weise in die deutsche wie in die jüdische Kultur einzusühren, unsere herzlichsten Glückwünsche und geben der Hoffnung Ausdruck, daß die bisherige gedeihliche Entwicklung der Schule sich weiter fortsetzen möge. Der Ehrentag der Jsraeltischen Volksschule in Essen gibt uns ein beredtes Zeugnis von dem generationenlangen Verwurzeltsein des Judentums in den deutschen Kulturbestrebungen. 40 Zahle auf Vorposten! Das Stiftungsfest der Verbindung im &. L. „Bavaria" Vor kurzem hat zu Heidelberg die Verbindung im K. C. „Bavaria" den Tag ihres 40jährigen Bestehens gefeiert. Die Geschichte der „Bavaria" und ihrer Stammverbindung „Badenia" ist eine Chronik, die von dem zähen unaufhörlichen Ringen einer Minderheit um ihr Recht, um jeden Zollbreit Boden für die deutschen Juden an den deutschen Hochschulen berichtet. In den Tagen Stöckers, als die deutschen studentischen Korporationen ihre jüdischen Bundesbrüder ausschlossen, die Aufnahme von Juden ablehnten, entstand die „Badenia" als der Bund einer Handvoll jüdischer Studenten. Franz Oppenheimer hat vor wenigen Tagen in seinen Erinnerungen davon berichtet, wie seine Burschenschaft auf dem ersten Konvent, an dem er, der beste Fechter des Bundes, nicht teilnahm, den Arierparagraphen annahm. Das war die Gesinnung, gegen die sich die erste jüdische Korporation an der Heidelberger Universität wandte. Für den Kamps, der ihr bevorstand, ergriff sie die Waffen, die an deutschen Hochschulen üblich waren, und es gelang ihr in kurzer Frist, den Respekt, wenn auch nicht die Freundschaft der Heidelberger Studentenschaft zu erringen. Und wenige Jahre darauf schloß sie sich mit den gleicher Not und Gesinnung entsprossenen Verbindungen an anderen Universitäten zum K. C. zusammen. Die alten Badenen, stets nur ein kleines Häuslein, festigten in dem Vierteljahrhundert bis zum Ausbruch desKrieges den Ruf der deutschjüdischen Korporation so, daß kein lautes Wort antisemitischer Tendenz auf dem Boden der Ruperta Carola siel. Sie waren stets wach und bereit, Angriffe abzuwehren, woher sie auch kamen, und es war nicht immer leicht im Kampf mit Gewalten, die unter dem alten Regime höheren Orts immer Beschirmer fanden. Im Anfang des Jahrhunderts wurde die „Badenia" durch die akademischen Behörden aufgelöst, um wenige Tage daraus als „Bavaria" mit den alten, kaum geänderten Farben wieder zu erstehen. Ein letztes frohes Sommersemester, dann war der Krieg da, die Aktivitas meldete sich geschlossen freiwillig. Und als sich die Verbindung im Winter 1918 wieder in Heidelberg zusammenfand, waren 23 junge Bundesbrüder vor feindlichen Gräben geblieben. Zwölf Jahre hindurch haben seitdem wesentliche Teile der Heidelberger Studentenschaft versucht, Deutschlands Verhängnis auf die DEM NICHTRAUCHER IN NÖTEN Es slehl der Menschen dingenormles Schaffen moderner Zeit in Widerstreit mit ihrem Blut. Ein kleines Weilchen geht die Sache gut — bis dann zuletzt die Nerven doch erschlaffen. Du, lieber Freund, bist dann ganz „aufgeschmissen''. Denn wer nicht raucht, der ist verbraucht. Doch weiter schafft, wer zwischendurch mal Zigaretten pafft. — Ich möchte „Dritte Sorte” nicht mehr missen. tV.H. Wolff

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