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Central-Verein-Zeitung · 1930-08-01 · 31 (1.8.1930) · p. Seite 412

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
31 (1.8.1930)
Date
1930-08-01
Page
Seite 412 (sequence 8)
Language
German
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41L Juden abzuw ätzen, vor allem auf jene, die sich durch Vaud und Mühe zu chrem Judentum. bekannten. Wer nicht im Graben gewesen war, suchte diesen Mangel durch t ftramm antisemitische Gesinnung auszugleichen, um sich dann, für freche Beschimpfungen zur Verantwortung gezogen, mit dem billigen Argument aus der Affäre zu ziehen, der jüdische Feldsoldat sei nicht satisfaktionsfähig. Der Begriff ehrenvoller Genugtuung wurde in Heidelberg oft genug zur Phrase. Anfangs seltener, dann mit immer mehr zunehmender Schnelligkeit häuften sich trübe Vorfälle. Die „Bavaria" trat aus der Vertreterversammlung der Heidelberger Korporationen aus, als sie das Andenken ihrer Gefallenen nicht mehr beschmutzen lassen woll te. zeichnen. In die Vergangenheit projiziert, aus der Gegenwart typisiert, stehen Fragen auch des deutschen Judentums aus, obwohl keines der Bücher den deutschen Juden unserer Tage schildert wir warten noch auf eine unverzerrte Darstellung des deutschen jüdischen Menschen von heute. Aber geographisch wie seelisch stehen wir in der Mitte zwischen Oft und West und werden zwischen den sich widerstreitenden Fanatismen des Ostens und der hemmungslosen Assimilation des Westens die organische Mitte, den Typ des in seinem Judentum und in seinem Volkstum wurzelfesten jüdischen Menschen herauszubilden haben. Schalom Asch läßt in zwei in sich abgeschlossenen Bänden, „Petersburg" und „Warschau" (Verlag Paul Zsolnay), -das russische und polnische Judentum der Vorkriegszeit mit eindringlicher Kraft erstehen; ein dritter Band, „Moskau", soll noch folgen. Der erste Band zeigt ein überreich gewordenes Großbürgertum, mit dem Judentum fast nur noch durch Judenpaß und Judenhaß verbunden, keiner Idee, nur -der eigenen Arbeit und einem vagen russischen Nationalismus verpflichtet. Im Grunde leben diese Menschen ein Fassadenleben, dessen sie selbst nicht froh werden, ein Leben, dem nur das Bankkonto seinen Halt gibt: Das 40. Stiftungsfest hat gezeigt, daß der „Bavaria" um ihre Zukunft nicht bange zu sein braucht. Es war ein stolzes Fest, der alten Tradition würdig; wenn auch die Behörden den Strömungen der Gegenwart Rechnung zu tragen glaubten^ als sie trotz der Einladung der Verbindung dem Festkommers fernblieben. Dr. Max M a i n z e r in Frankfurt, der Gründer der ,L)adenia" und seit 40 Jahren ihr guter Geist, jetzt ihr Ehrenmitglied, wird sich durch das vorsichtige Gebaren der hohen Herren so wenig beeinflussen lassen, wie der jüngste Fuchs. Die Alten und die Jungen haben es einander aus chrem Jubeltag aufs neue beteuert: Die Vavaren stehen zu Heidelberg auf einem schweren, aber nicht aus verlorenem Posten und sie stehen dort so froh, so stolz und so unbekümmert wie je, trotz allem und gerade deshalb. tum lassen sich ihre Duldung bezahlen. Der Ausschluß aus 'der politischen Macht und aus gesellschaftlicher Geltung drängt zur Betäubung in protzig-überslüsstgeut Genuß: der Wunsch eines jungen Mädchens zaubert mitten im Winter Kirschen herbei, in Schnee serviert . . . Aber hinter diesen Entwurzelten, die selbst wissen,, daß sie ihr Leben nur auf Worten ausgebaut haben, steht die jüdische Masse, noch ungegliedert, voll schlummernder Kräfte, aber unsagbar bedrückt. Sie füllt das Bureau des berühmten jüdischen Rechtsanwalts und taucht in dem zweifelhaften Hause unter, das sie vor der Polizei schützt. Ein Stückchen Schweinefleisch hat den Sohn einer frommen Mutter nach Sibirien gebracht, Studenten der Verdacht revolutionärer Propaganda. Unheimlich und unvergeßlich die Gestalt des Gemeindevorstehers von Tolestyn, der vor -dem nächtlich erleuchteten Winterpalast Gottes Rache über dieses gottlose Land herabbeschwört . . . MirRn, der Held des Romans, - findet aus Schuld und Ueberdruß zu denr kaum gekannten Judentum und zu der namenlosen jüdischen Masse zurück. Der zweite Band, „Warschau", führt ihn nach Polen, in ein Lehrerhaus, das die Gestalt der unermüdlich hilfsbereiten, resolut tüchtigen Lehrersfrau beherrscht. Ideen und Kräfte, dieser Masse ziehen m Typen vorbei: der Lehrer aus der ersten Schicht der Emanzipation, dem Wißen Lodbad Tdlz. AkveMmSÄimmSL- Preßen das Beste an Unterkunft und Verpflegung. und Lernen über alle Entbehrungen und Schicksalsschlage Hinweghilst, sein lungenkranker zionistischer Freund und Disputgegner. Die junge Generation hat sich der Revolution verschrieben, in die auch Mirkin hinein gezogen wird. Er erlebt das Elend der Hinterhäuser und Höfe, in denen ein altersschwacher Baum die ganze Natur ersetzen muß, der Kinder, die immer nur geschlagen wurden, erlebt Krankheit, Not und gegenseitige Hilfsbereitschaft. Der große Name seines Vaters soll dieser Masse Hilfe bringen: er soll erreichen, daß die großen jüdischen Fabrikherren jüdische Arbeiter ausnehmen. Denn noch immer fitzen diese frommen Juden mit trüben Augen an mittelalterlichen Handrvebstühlen — das geistige Ghetto ist gefallen, das Ghetto der Arbeit besteht immer noch. Aber auch die Fabrikanten stehen unter dem Zwang ihrer Lage: einsam, das Zimmer vergittert gegen eine Welt voll Haß und Neid, find sie Sklaven des selbst gebauten Werkes. Und doch trügt auch sie nur der Glaube an den Gott jener großen Masse, den „armen Gott" — aber sie fühlen sich -als seine Auserwählten, sie wollen herrschen kraft ihres Glaubens. Ihre Gegenspieler aber, die Revolutionäre, wollen sich opfern für ihren Glauben. Es ist 'die Größe dieser Religion, die äußerste Spannung dieser menschlichen Typen in sich zu vereinigen und noch immer, aus einem neuen Feld, Propheten und Märtyrer zu zeugen, und ihre Tragik, daß diese sich gegeneinander wenden. Der Dichter läßt seine Entscheidung offen oder vielmehr hebt sie auf, indem er hinter diese Frage eine noch' größere setzt: den Krieg. Führt die Existenz großer, jüdischer Massen in Polen und Rußland notwendig Kr scharfer Ausprägung gegensätzlicher Strömungen, so gewinnt in dem weniger dicht besiedelten Ungarn der einzelne eine größere Breite an Lebensraum, allerdings auf Kosten der Tiefe. So nruß Schalom Asch trotz aller Fülle der Gesichter und Typen in dre Darstellung von Ideen münden, während Ludwig Hatvany in seinem Roman „Vondy jnrr." mit liebevoller Breite den Einzelmenschen, das ^Schicksal einer (wohl seiner eigenen) Familie malt (Drei Masken-Berlag, München). Die Etappen -des Aufstiegs gehen vom Gekreidewucher über das Ladengeschäft zum riesigen Engrosbetrieb in der Großstadt. Obwohl aber die Darstellung Eine Bücherschau Von Dr. Äans Bach Fünf Bände liegen vor mir, die, aus größerer oder geringerer Entfernung vom Judentum, jüdische Probleme und Menschen Reaktion und Revolution, Kirche und Beamten¬ Pflichten haben Sie nicht nur gegen andere, Sandern auch gegen sich selbst! Denken Sie rechtzeitig daran, sich den Lohn für Ihr arbeitsreiches, mühevolles Leben zu sichern und sich einen sorgenlosen Lebensabend zu bereiten. Die beste Vorsorge für das Alter ist der Abschluss einer Lebensversicherung. Vereinigte Berlinische und Preussrsche Lebens-Versicherungs-Aktien-Gesellschaft BERLIN SW 68 gegründet 1836 Markgrafenstrasse 11. BERNHARD BAUCH PELZMODEN MÜNCHEN KAUFINGERSTR. 25 SCHÄFFLERSTR. 3 BRIENNERSTR. 8 TELEPHON 91540/41 - Nächster Anzeigenschluss am 4. August für die Nr. 32 vom 8. August MöMiMliiÄ nienallee 56. Riesige Ausrvahl.Zahl.-Erleichterung. z Fü" ■“■uckerkranke noch „Faekol“ Kein Einspritz., keine Berufsstörg., aberärztl. erprobt u.unschädl. 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