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Central-Verein-Zeitung · 1929-08-09 · 32 (9.8.1929) · p. Seite 420

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
32 (9.8.1929)
Date
1929-08-09
Page
Seite 420 (sequence 8)
Language
German
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420 Wieviel Luden leben in Benthe«? Rückgang -er Geburten. — Oer Devölkemngüstanerhält sich nur durch Zuzug. Als erste der oberschlesischen Industriestädte hat jetzt Beuthen ein von Dr. Schorn er bearbeitetes Handbuch herausgegeben, das neben sonstigem schätzenswerten Material auch außerordentlich interessante Angaben über die jüdische Bevölkerung enthält. Die Zahl der Juden in Beuthen steigt von 1824 Kopsen im Jahre 1871 auf 2594 im Jahre 1900 an, hält aber in der Zunahme bei weitem nicht Schritt mit der übrigen Einwohnerschaft, die im gleichen Zeitraum von 15 711 aus 51404 anwächst. Der prozentuale Anteil der jüdischen Bevölkerung geht also in diesem Zeitraum von 11,6 v. H. auf 5,1 v. H. zurück. In den folgenden Jahren bis 1910 ist dann eine absolute Verkleinerung der Synagogengemeinde zu beobachten, und damit sinkt der prozentuale Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung der aufblühenden Industriestadt, die 1910 bereits 67 718 Einwohner zählt, auf 3,8 v. H. Nach dem Kriege, besonders nach der im Jahre 1922 erfolgten Abtretung von Ostoberschlesien an Polen, ist infolge Zuwanderung ein starkes Anwachsen der Gemeinde zu beobachten, das seinen Höhepunkt im Jahre 1924 erreicht haben dürste. Bei der Volkszählung im Jahre 1925 wohnen in Beuthen 3263 Juden. Die Synagogengemeinde zählt zur gleichen Zeit unter Einrechnung der in den zugehörigen Landgemeinden wohnenden Juden 3507 Seelen. Prozentual ist der Anteil aus 5,2 v. H. gestiegen, weil durch die Abtretung des von nur wenigen Juden bewohnten Stadtteils Schwarzwald mit etwa 18 000 Einwohnern die Bevölkerungszahl in Beuthen aus 62 543 zurückgegangen ist. Seitdem sind Eingemeindungen erfolgt, die bei einem Gesamtzuwachs von 24 338 Seelen nur den von 94 Juden im Gefolge hatten. Der jüdische Anteil an der Gesamtbevölkerung be¬ „Der Morgen” Zweimonatsschrift, begründet von Professor Julius Goldstein, Darmstadf. Aus dem Inhalt des soeben erschienenen dritten Heftes: Albert Lewkowitz: Moses Mendelssohn. Zum 200. Geburtstag, 6. September 1929. — Ludwig Gold stein: Moses Mendelssohn und seine Zeitgenossen. — Ludwig Goldstein: Aus Moses Mendelssohns Gesammelten Schriften. — Bertha Badt-Strauss: Moses Mendelssohns Tochter Dorothea. — FranzRosenzweig: Der Herr der Welt. Der Hymnus Adon olam. — Julius Bab: Juden bei Paul Claudel. — Ludwig Feuchtwanger: Grundsätzliches zur Forschung über das Alte Testament. — Hanna h Karmin ski: Internationale jüdische Frauenarbeit. — Lise Leih holz: Die Weltkonferenz jüdischer Frauen. — Max Dienemann: Von allerlei Büchern. — Anzeigen. Zu beziehen durch PHILO VERLAG, Berlin SW 68, Lindenstrasse 13. trägt infolgedessen jetzt wieder nur 3,9 v. H., entspricht also ungefähr dem des Jahres 1910. In dem nach der Wtretung neugebildeten Landkreis Beuthen wohnen im Jahre 1925 bei einer Gesamtbevölkerung von 102 435 Seelen nur 257 Juden — die bei der Eingemeindung erwähnten 94 eingeschlossen —, bilden also nur 0,25 v. H. Stadt und Kreis zusammen Zählen unter 189316 Seelen 3614 jüdische oder 1,9 v. H. Leider fehlen für den Landkreis die Vergleichszahlen aus der Vorkriegszeit. Sie würden, abgesehen von dem durch die Abtretung von Hohen linde, Scharley, Orzeg 0 w und Deutsch- Pie.kar entstandenen Verlust, auch einen starken Rückgang des jüdischen Bevölkerungsteiles in den bei Deutschland verbliebenen Landgemeinden ergeben. Lehrreich ist auch ein Blick in die von 1901 bis 1927 reichende Geburtenstatistik. In den letzten Jahren vor dem Krieg nahmen die jüdischen Geburten stark ab; die geringste Geburtenzahl weist das Jahr 1914 mit nur 27 Geburten aus, während das Jahr 1902 mit 64 Geburten die Höchstzahl erreichte. Nach dem Kriege steigt die Geburtenzahl wieder an. So wurden im Jahre 1922 79 eheliche Geburten aus rein jüdischen Ehen und 10 uneheliche verzeichnet. 1927 ist die Geburtenzahl dann wieder aus 36 eheliche und 8 uneheliche Geburten zurückgesunken. Diese starke Zunahme der unehelichen Geburten verdient besondere Beachtung. Während in den 21 Jahren von 1901 bis 1921 im ganzen nur 22 zu verzeichnen waren, steigen sie in den folgenden sechs Jahren bis 1927 aus 48, Verachtsachen sich also. Diese bedauerliche Erscheinung dürfte weniger aus die freieren Anschauungen nach dem Kriege als aus die verringerten Heiratsaussichten für die jüdischen Mädchen zurückzuführen sein. Die Zahl der ehelichen Geburten aus rein jüdischen Ehen betrug in den 27 Jahren von 1901 bis 1927 insgesamt 1201, dazu kommen noch 70 uneheliche Geburten. Im gleichen Zeitraum sind aus Mischehen 79 Kinder hervorgegangen, deren Religionszugehörigkeit sich aber aus dieser Statistik nicht ersehen läßt. Rechnet man die Zahl der Zwischen den Volks- > Zählungen 1910 und 1925 Geborenen zu der im Jahre 1910 ermittelten jüdischen Bevölkerungszisser hinzu, so ergibt sich ungefähr der Bevölkerungsstand von 1925. Das bedeutet, daß die Beuthener jüdische Bevölkerung sich nicht mehr durch ihren Geburtenzuwachs erhält, sondern nur durch Zuwanderung. Das drückt sich auch in der gegenüber der Vorkriegszeit veränderten Zusammensetzung der jüdischen Gemeinde aus. Sie zählte im Herbst 1925 unter ihren 3507 Mtgliedern 798, jetzt bei 3485 Mitgliedern 924 ausländische Juden. Die Gründe hierfür sind weniger in der Zuwanderung, als in der größeren Fruchtbarkeit und, da es sich größtenteils um jüngere Menschen handelt, in der geringeren Sterblichkeit dieser ausländischen Juden zu suchen. Auch wandern sie weniger als die deutschen Juden ins Reich ab. Altersaufbau und Kultussteuern sind aus dieser Statistik nicht ersichtlich Nach einer an anderer Stelle gemachten Feststellung betrug die Zahl der Steuerzahler der Synagogengemeinde im Herbst 1925 1101. Am 24. März 1927 war sie bereits aus 900 Zurückgegangen fnaiKirÜdvis MW Für die Gesundheit! Facliinger Versandstelle, Berlin SW 11, Bcliöneberger Strasse 16a. Telefon: Lfttzow 8260/61. und dürste heute etwa 860 betragen. Die während der Inflation zu beobachtende Verarmung weiter Schichten des jüdischen Mittelstandes hat sich demnach auch ln den folgenden Jahren noch ausgewirkt. Erfreulicher ist das Bild bei der Betrachtung der Aus- und Uebertritte. Vom 1. Januar 1920 bis zum 30. Juni 1928 sind nur ein Austritt aus dem Judentum und fünf aus der Synagogengemeinde erfolgt. In der gleichen Zeit sind 6 Uebertritte zur Synagogengemeinde zu verzeichnen. Verlust und Gewinn halten sich hier also die Wage. Soviel über die Entwicklung der Gemeinde. Wie man aus den Zahlenangaben, aus denen hier keine weiteren Schlüsse gezogen werden sollen, sieht, hat sie trotz Krieg und Nachkriegswirren ihre alte Bedeutung zu wahren gewußt. Eine Betrachtung des geistigen Lebens in der Gemeinde würde das in noch vielfältigerem Maße bestätigen. Dr. J. Jakobowitz (Beuthen). Die Frauen -es Lentralvereins für -en liüörfthen Zrie-ensbunö. Der Jüdische Friedensbuud bezweckt „die j Zusammenfassung der Bewegungen, welche die Verwirklichung des Friedens als eines in der I Religion wurzelnden sittlichen Gebotes erstrej ben", und „die Schaffung einer? Friedensatmoj sphäre innerhalb der weitesten Volkskreise, als zuverlässigster Grundlage der Erhaltung eines j Friedens". Dieses Arbeitsprogramm hat den j Centralverein veranlaßt, sich korporativ dem | Jüdischen Friedensbunde anzuschließen. Als ein J Ausruf an die jüdischen Frauen Groß-Berlins | erging, an dem großen Friedenswerk aller Konj fessionen mitzuschaffen, dessen eines Glied der f Jüdische Friedensbund ist, haben alle jüdi- | scheu Frauenorganisationen, darunter auch die | C. V.-Frauengruppen Groß-Berlins, diesem Ruf * Folge geleistet. Sie haben sich zu einem J „Frauenausschuß des Jüdischen Fri'edensbundes" E zusammengeschlossen, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, ausgehend von dem jüdischen | Hause, das nach alter Väter Sitte die Stätte p des Friedens bedeutet, der Friedensidee im K Sinne der Religion zum Siege zu verhelfen. | Damit ist, dies sei ausdrücklich betont, keine | neue Frauenorganisation geschaffen worden, §1 sondern es soll nur innerhalb der Frauenorga- | nisationen aller Weltanschauungen und Rich- 8 tun gen eine ihnen allen innewohnende Idee | zmn Leben erweckt werden. § Die C. V.-Frauen in Groß-Berlin, die nun schon säst ein Jahrzehnt an der Arbeit des Eentralvereins tätigen Anteil nehmen, unterstützen aus der Idee des C. V. heraus die Aufgabe, die sich der Jüdische Friedensbund gestellt hat. Denn nur die Anerkennung, der Wertigkeit jedes einzelnen deutschen Staatsbürgers ohne Unterschied der Religion kann uns den wahren Frieden auch unter den Völkern bringen. Margarete Fried.

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