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Central-Verein-Zeitung · 1927-01-28 · 4 (28.1.1927) · p. Seite 47

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
4 (28.1.1927)
Date
1927-01-28
Page
Seite 47 (sequence 7)
Language
German
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47 Zweimonatsschrift pÄÄcaiÄSSd.). 2. Jahrgang: Heft 6 erscheint am 1. Februar Aus dem Inhalt des sechsten Heftes: A. J l r k u: Die bleibende Bedeutung des Alten Testaments. — M. Eschelbacher; Franz Werfels, „Paulus unter den Juden“. — Alfred Ludwig Scbm'tz: Das christliche Ghetto. — B. J a c o b : VII. Abraham. — Else S c h u b e r t-C h r i s t a II e r: Zwei Legenden. — W. Eliasberg: Mensch ln Not. Alfred Einstein: Der Jude in der Musik. — Ernst Jacob: Walther Rathenau als Deutscher und Jude in seinen Briefen und Schriften. Hugo Bergmann: Eine neue Geschichte der Juden. Hugo Gressmann: Ausgrabungen in Palästina. —— Besprechungen. Zu beziehen: Philo Verlag, Berlin SW 68, Lindenstr, 13. Einzelheft 2,25 M., Jahresabonnement 12 M. 16. Jahrhunderts [1905] mit Nachweisen von Ausgaben für Prozesse gegen die Juden (3. 216); über die Geschichte der Kolonisation des Ostens [1905J mit neuem Material über die bis dahin kaum erörterte Frage der Beteiligung der Juden an den Wanderungen (S. 213). Eine Festschrift, die er 1893 zum fünfzigjährigen Bestehen des Vereins nmger Kaufleute schrreb, der sich über konfessionelle und fachliche Zwecke hinaus zu einem Bildungsverein großen Stils in Posen entwickelt hatte, erwies die ersten Jahre der Wirksamkeit des Vereins als eine bedeutsame, emporsteigende geistige Entwicklung der Posener Juden, die eine Folge der Flottwell scheu Jndengesetzgebnng von 1833 war und in: Judenemanzipationsgesetz von .1849 wurzelte (3. 29). Seine historischen Beiträge zur Wiederherstellung des Posener Rathauses [1905] enthalten Akten eines Prozesses der Juden gegen den Magistrat, weil in einer Darstellung der Vertreibung der Wechster aus dem Tempel auf der Rathausfront auch auf Schweinen reitende Juden gemalt waren und eine Jüdin zum Modellstehen gezwungen worden war (S. 223). Hierher gehört auch sein höchst beachtenswerter Aufsatz über Heinrich Heine in Posen, der, zuerst 1894 geschrieben, für den 1911 in Posen tagenden Philologenkongreß wesentlich umgearbeitet wurde und völlig unbekannte Tatsachen zu Heines Posener Aufenthalt im Jahre 1822 brachte (3. 88 und 241). Auch feine leider nicht gedruckten Vorträge über den Hostienprozeß von Sochaczewo im 16. Jahrhundert, über die mittelalterlichen Wanderungen der deutschen Juden nach dem Osten und über Friedrich den Großen und die Juden im Netzedistrikt sind nun ihrem Inhalte nach für die spätere Ceschichtsförschung festgehalten (3. 244).. -Lang ist die Reihe der Juden, die in der Geistes- und Kulturgeschichte oder in der Politik des Ostens einen Namen haben und deren Persönlichkeit und Arbeit Warschauer sein darzustellen weiß: die Breslauer Unwersitätshistoriker und Verfasser der großen Geschichte Polens Richard R o e p e l l und Jakob Caro, der in Posen geborene Kieler Universitätsprofessor Georg Adler, der Professor für semitische Sprachen an der Londoner Universität, Hartwig Hirschfeld, der in der HandschriftensamrnlunF des Britischen Museums noch nie durchgesehene Polonica und Posnaniensia festgestellt und die Anregung zur .Warschauers Forschungsreise nach London gegeben hatte; der Rabbiner der liberalen Brüdergemeinde Posens, Dr. Philipp Bloch, der sich aus seinen relrgionsphilO' sophischen und kabbalistischen Forschungen durch Warschauer' auch „in die Historie verschleppen ließ", der Rabbiner der orthodoxen Posener Gemeinde Wolf Fei lchenselb, der Rabbiner in Jnowrazlaw, Pinne. Lissa und Kempen Louis Lcwin, der Danziger Rabbiner Dr. K ä l t e r, der von den Rügen aus Warsck)au ausgewiesene, in London lebende Zionist Sokoloff, der Posener Archivar Dr. Viktor Löwe, die Posener Gymnafialprosessoren Benno M e n d e l s o h n und Georg Perser, die Posener Aerzte Tr. Joseph Landsberger, Dr. Joseph Paulh und Dr. Joseph Samter, der ^Posener Antiquar und Spezialist für polnische und posensche Geschichte 'Joseph Jölowicz, die Schriftsteller Sigmar Mehring und Julius S te f tc n f) e: m, bk Männer Praktiscl Berufe Bcrthold B r a u n . der jetzige Direktor der Berliner Wa und Schlictzgescllschaft, ÜL-O, ■für ElgentuinZschutz. der Chef cir bedeutenden lllnsenc'n £SnnlvT'i:.rmut>?. cVrtjiA > bk Männer praktischer " ‘ " " Wach. bedeutenden " Posener' Handelshauses Dr.'Moritz Ja ff 6, "der Posener Großkausmann Sallh Jaffö, der Inhaber der bekannten Posener Möbelfabrik Stadtrat Arthur Krönt ha.!, der als Referent für das Judenwcsen bei der Warschauer Zwrlverwaltung tätige Karlsruher Rechtsanwalt Dr Ludwig Haas und der Warschauer Bankier Mathias Verson, dessen seltene Sammlung zur Geschichte der polnischen Indem in den Besitz der indlscheu Gemeinde in Warschau übergegangen ist. Ob Warschauer huschen oder in ihrer Mitarbeit an der landes- Sf'fS.V , )cu Forschung oder in ihrer Förderung des deutschen Geisteslebens eingehend charakterisiert, oder ob er nur ein paar ueme Crnmerungen an sie bringt, immer wird ihr Bild wesentlich bereichert, und einige treten überhaupt zum ersten Mate in greifbarer Gestalt vor uns. . „ So ist dieses Buch auch zu einer Fundgrube T u r d re Geschichteder Juden geworden und bezeugt zugleich den außerordentlich großen Anteil, den das Judentum an der hier dargestellten Kulturgeschichte des deutschen Ostens hat. Das Testament öes Primaners. Borgehen Des branDenörirgischen Provrnzialschutkollegiums. In der Nr. 48 der „C. V.-Zeitung" hatten wir von einer letztwilligen Bestimmung eines Primaners Kenntnis gegeben, der Juden von seiner Beerdigung ausschloß.^ Diese Nachricht hat überall das größte Aufsehen erregt. Es ist erfreulich, daß^auch das P r o v: n z: a l s ch u l k o l l e g i u m sich des traurigen Falls angenommen hat. Es hat nach der „Deutschen Zeitung" folgende Verfügung erlassen: „An die Leiter und Leiterinnen der höheren Lehranstalten für die männliche Jugend in Berlin. Betrifft: Teilnahme jüdischer Schüler an einer Leichenfeier (Zeitungsausschnitt)^ Völkische Jugendvergistung: Die auf so vielen höheren Schulen teils schweigend geduldete, teils sogar geförderte völkische Propaganda unter der Jugend zeitigt gelegentlich Vorgänge, die blitzartig in die Psyche der verhetzten Jugend leuchten. So berichtet jetzt die „C. V.-Zeitung": „Bor einigen Monaten starb ein seit langen: kränkelnder Schüler einer höheren Klasse eines Berliner Realgymnasiums. Bor der Beerdigung wurde plötzlich verbreitet, jüdische Mitschüler dürften an dem Leichenbegängnis nicht teilnehmen. Ter Verschiedene habe in seinem Testament ausdrücklich ungeordnet. Inden von seiner Leichenfeier auszuschließen. Der Direktor der Anstalt prüfte den Sachverhalt. Es stellte sich heraus, daß das Gerücht zu traf. Jnfolgedepen konnte der Direktor eine offizielle Beteiligung der Klane an der Bestattung nicht gestatten. Vermutlich werden die Völkischen diesen „Erfolg" bejubeln. Sie haben ja noch nie Scham empfunden, wenn ihre blöde Hetze zu Vorgängen führte, die aller Menschlichkeit Hohn spreckren." Abdruck zur Kenntnis und mit dem Ersuchen, sofern cs sich um einen Schüler der Anstalt handelt, sofort über die Angelegenheit zu berichten. gez. Israel." Nur der Nichtigkeit halber bemerken wir, daß statt des Absatzes: „Vermutlich werden die Völkischen . . die „E. V.-Zeitung" damals, wie uns sck>eint, zutreffender schrieb: „Das ist ein völkischer »Erfolg', der jeden wahren Deutschen erschüttern und mit tiefem Schmerz erfüllen wird." Tie hämischen Bemerkungen, die die „Deutsche Z e i t u n 9" an diese Verfügung knüpft, werden auf wenig Gegenliebe bei allen denen stoßen, die die Zerklüftung unseres deutschen Volkes, und gar schon in der Schuljugend, als ein schweres vaterländisches Unglück a wehen. „Echte Caritas kennt keine Grenzen." Tic christliche Sammlung für Die OstjrrDen. Wir haben in der Nr. 51 (Jahrgang 1926) unserer Zeitung bereits von der großartigen Kundgebung amerikanischer Chr: stenin der New Porter Kathedrale Sk Jolm the Divine z u - gunsten der notleidenden osteuropäischen Juden berichtet. Nach ausführlicheren Nachrichten waren weit über 1900 Personen unter den: Vorsitz de^ Bischofs William I. Manning versammelt. Unter den verschiedenen nichtjüdischen Rednern verdient die von warmer Menschenliebe getragene Rede «John F. J. Ryan's, eines der bekanntesten Vertreter der römischkatholischen Kirche, hier auszugsweise nach der „New Dörfer Staatszcitung" wiedergegcben zu werden. Ryan sagte etwa folgendes: „Es ist ein herrlicher, begeisternder Anlaß, der diese Versammlung von E h r i st e n in einer großen christlichen Kathedrale zu dem Zweck zusammengesührt hat, den leidenden Juden in anderen Ländern zu helfen. Ich bin ülwrzeugt, daß diese große Kundgebung den Juden Europas, die nun in ihrer bitteren Notlage aus unsere finanzielle Unterstützung^angewreseu finb, mächtige >3tlfc bringen wird. Was die Flamme der Begeisterung in unseren Herzen mächtig auflodern läßt, ist der Geist echter Caritas, wahren Mitgefühls, urrd dieser Geist ift wahrhaft christlich und er kennt keine Grenzen in seinen: Wohltätigkeitsbedürsnis in bezug auf Religion oder Nationalität. Das gute Beispiel hat allezeit die Menschen mehr zu gleichem Tun augesport e's Worte, und die Bewegung, die uns heute zusammengesührt wird mehr zur Hebung'der Sache wahrer Duldsamkeit de: 'n Europa gegenüber beitragen, als irgendeine Erklärung v nd Schrift dies zu tun vermag/ Im Verlaufe der B rnnulüng wurde eine Sammlung vorgenommen und mehrere ^coße Spenden bekanntgegebeu, darunter 100 000 Dollar von John D. Rockefeller jr., 5060 Dollar von William Nelson Cromwell. 2500 Dollar von Will Rogers und 1000 Dollar von Ctarencc M a ck a y.

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