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Central-Verein-Zeitung · 1927-01-28 · 4 (28.1.1927) · p. Seite 48

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
4 (28.1.1927)
Date
1927-01-28
Page
Seite 48 (sequence 8)
Language
German
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4S Oft Kämpft in Oec OtiiWtü Sttsöenieofdiaff. Bor dem Magdeburger TLndenteutage. Am 29. und 30. Januar versammeln sich voraussichtlichdieV e t> freier der preußischen Studentenschaften in Magdeburg, um zu dem bekannten Beschluß des Preußischen Landtages in der Ver'assungsfrage und dem Briese des Kultusministers Stellung zu nehmen. In der Zwischenzeit hat sich die Front der gemeinsamen mit Ministerium und Landtag für eine wahrhaft national-kulturell aufgebaute Studentenschaft erheblich verstärkt. Tie Studentenschaft der Universität Bonn, seit jeher ein Hort srecheitlicher Gesinnung, hat den 8 1 ihrer Satzungen im national-kulturellen Sinne geändert und mit 15 gegen 7_ Stimmen die völkischen Grundlagen verworfen. Die Studentenschaft der Uni» verfität Freiburg ist allen Anfechtungen zum Troß ihrer nach dem Vorbilde Heidelbergs im national-kulturellen Geiste ausgobauten Verfassung treu geblieben und nunmehr auch zum Kamps gegen den Vorstand der Deutschen Studentenschaft übergegangen. In einem auch mit ben Stimmen des Hochschulrings beschlossenen Briefe an den Vorstand der Deutschen Studentenschaft hat sie erklärt, ihre Beitragszahlungen so lange einzustellen, bis ihr eine restlose Aufklärung über den Verbleib der an die Deutsche Studentenschaft gezahlten Gelder gegeben wird. In den letzten Tagen hat sich sogar ein ganzer Kreis der Deutschen Studentenschaft gegen die völkische Grundlage erklärt. Am 12. Januar 1927 fand in dem durch den Studentcntag 1922 in der studentischen Geschichte berühmten rheinischen Städtchen Honnef ein außerordentlicher Kreistag des Kreises V statt, der die Universitäten Bonn. Köln, Marburg, Münster und Frankfurt, die Technische Hochschule zu Aachen, die Landwirtschaftliche Hochschule zu Bonn-Poppelsdorf und die Akademien in Düsseldorf und Paderborn umschließt, und auf dem der Vorsitzende der Deutschen Studentenschaft persönlich deren StandjKurlt vertrat. Von der überwiegenden Mehrheit der anwesenden Studentenschastsvertreter aber wurde folgende Erklärung abgegeben: „Die auf dem außerordentlichen Kreistag in Hannes versammelten Unterzeichneten Studentenschastsvertreter halten die Forderungen des preußischen Kultusministeriums betreffend den Mitgliederkreis der Studentenschaft für billig. Sie geben der zuversichtlichen Erwartung Ausdruck, daß im Einvernehmen mit den staatlichen Stellen ein Weg gesunden wird, der die Zusammenarbeit aller deutschen Studenten auf g r o ß d e u t s ch e r Kulturgrundlage sicherstellt." Eine besonders bemerkenswerte Niederlage hat aber der Vorstand der Deutschen Studentenschaft in Breslau erlitten. Der Ausschuß dort hatte eine grundsätzliche Auseinandersetzung über die Verfassungsfragen beschlosien. Zu diesem Zweck kam Referendar Kersten vom Vorstand der Deutschen Studentenschaft nach Breslau, um die bekannten Gedankengänge des Vorstandes der Deutschen Smdcntschaft darzulegen. Der ungehörige Ton seines Referats veranlaßte den Rektor der Universität, Geheimrat Kornemann, zu> einer Abrechnung mit dem heute in der Deutschen Studentenschast herrschenden Geist. Geheimrat Kornemann ermahnte die Deutsche Studentenschaft in eindringlichen Worten, sich vor der Verunglimpfung der Weltanschauung anderer zu hüten, und er betonte, daß er genau so protestierend außerhalb dev Deutschen Studentenschaft stehen würde wie die österreichischen sozialistischen Studenten, die das antisemitische Wesen der arischen Kampfausschüffe nicht mitmachen wollen, wenn e r in ihrer Lage wäre. Er schloß mit den Worten: „Wenn die Auftritte so iveitergehen, dann ist das Haus dev Studentenschaft nicht vom Minister, sondern vom Vorstand der Deutschen Studentenschaft, selbst zerstört/ Lehrreich war die feiner Rede folgende Abstimmung, in der auch so rechtsgerichtete Gruppen wie die Christlich-nationale Fraktion und die Gruppe der Kriegsteilnehmer das Rasieprinzip ablehnten. Man darf nunmehr au? -die Ergebnisse des Preußischen Studententogcs in Magdeburg gespannt sein. Indische Kampfer von 1813. Uns wird geschrieben: „In Rr. 53 vom 31. Dezember 1926 berichten Sie in Ihrer Zeitung von einem jüdischen Leutnant Meier Hilsbach, der als Jäger die Freiheitskärnpse mitgemacht hat. Auch mein Großvater David Rosenoaum hat in den Frciheitskämpsen der Jahre 1813, 1814, 1815 mitgekämpft, und zwar als Freiwilligem im v. Reichschen Jäger-Detachement. Eine mit einer Denkmünze versehene Urkunde folgenden Inhalts ziert noch heute in Glas und Rahmen unser Wohnzimmer: Befehl Seiner Majestät des Königs ist die von Allerhöchstdemselben am 17. März 1863, dem Fünfzigsten Jahrestage des Anfr,»*2 des Käma Friedrich Wilhelm UI. an Sein Volk zu den Waffen, gestiftete Erinnerungs-Kriegs-Denknumze für Conbattanten, für die Krieger der glorreichen Feldzüge 1813, 1814, 1815, dem ehemaligen freiwilligen Jager im v. Reichsten Jäger-Detachement David Rosenbaunr zu H a N e, K r e i s H a l l e. als ein erneutes Zeichen der Anerkennung des Königs und des Vaterlandes, von dem Unterzeichneten, mit der Berechtigung zum Tragen dieser Medaille übergeben. Münster, den 17. März 1863. Der Commandirende General des Preuß. 7ten Armee-Corps. v. Herwarth/ Th. Rosenbaum (Bürrde i. W.) Sie-lungsarbeit in Rußland. Ein Reisebericht von Dr. A. Singalowsky. Vor wenigen Tagen ist Dr. A. Singalowsky, das Mitglied des Präsidiums der Zentralverwaltung der Gesellschaft „Ortch aus Rußland znrückgekehrt, wo er insbesondere die alten und neuen jüdifck-en Siedlungen in Weißrußland, der Ukraine und der K r i m studiert hat. Dr. Singalowsky hat dem Vertreter der JüdisckM Telegraphen-Agentur (Jta) seine Eindrücke in einer Unterredung geschildert. aus der wir nachstehende Darlegungen wiedergeben: „Im Zusammenhang mit der in der Sowjetunion vor sich gehenden allgemeinen Wiederaufbauarbeit wird der wirtschaftliche Wiederaufbau der jüdischen Massen i n einem Um« fange intensiv und zielbewuöt durchgeführt, wie es noch in keinem anderen Lande je der Fall war. Dieser Wiederaufbau trägt den Charakter einer Reorganisation, einer W e s e n s w a n d l u n g des ursprünglichen jüdifcl-en Wirtschaft licken und Politischen Lebens. In Weißrußland, wo offiziell 36 Prozent der jüdischen Bevölkerung als berufslos bezeichnet rst, lebt tatsächlich die große Mehrheit der städtischer: jüdischen Bevölkerung in tiefstem Elend. Nur ein geringer Prozentsatz des Handelsstandes widersteht dem gewaltigen Steuerdruck und der Konkurrenz der Konsum« genossensck)asten: die übrigen fristen ein Hungerdasein. Tie Lage der Handwerker hat sich in den letzten zwei Jahren dank den politischen Zugeständnissen und dem Wachstrnn der Handwerker-Kredit- und Produktionsgenossenschaften wesentlich gebessert. Ihre Zahl erreichte durchschnittlich die Vorkriegsziffer. Absolut wird sür Sowjetrußland die Gesamtzahl der jüdischen -Handwerker auf 200 606 (ohne Familienangehörige) angegeben. Tie Arbeitslosigkeit unter den Handroerkern ist in den letzten Jahren zurückgegangen, das Einkonnnen ist gestiegen. Dessenungeachtet ist die Lage der jüdischen Handwerker keineswegs als normal zu bezeichnen. Den Gipfelpunkt des in der jüdischen Aufbauarbeit Erreichten erblickt Dr. Singalowsky in der neuen jüdischen Landwirtschaft. „In ans Wunderbare grenzender Weise", so führt er aus, „wird hier die Grundlage zn einem neuen Leben gelegt, dessen sci-ensrciche Auswirkung auf das gesäurte jüdische Leben noch nicht in vollem Umfange zu überblicken ist. Jur Verlaufe von 214 Jahrenentstanden mehr als 170 neue jüdische Siedlungen. Für die Zwecke der planmatzigen jüdischen Kolonisation wurden in diesem Zeitabschnitt über 200 000 &cttax Boden für die Ansiedlung von 12 0OO Familien bcrcitgestellt. Im Laufe von 1925 und 1926 wurden 10 570 Familien aus einem Areal von über 180 000 Hektar angesiedelt; davon 6740 Familien in der Südukrainc, 1353 in der nördlichen Krim, 1877 in Weißrußland (einschtictzlich Homel und Retschiza) und 106 Familien im nördlichen Kaukasus. Diese Ergebnisse erforderten einen Aufwand von insgesamt 9 Millionen Rubel. Von diesem Betrage brachten die Siedler selbst 2 Millionen Rubel auf. Weitere 3 Millionen Rubel stellen staatliche Kredite dar, wahrend der Ziest von den jüdischen Organi« s a t i o n e n, mit dem AgTo-Joint an der Spitze, beigetragen wurde. Der wirtschaftliche Erfolg der jüdischen Kolonisation gibt dieser schon jetzt die Bedeutung eines wichtigen Faktors des allgemeinen landwirtschaftlichen Fortschrittes in Rußland. Der innere wirtschaftliche Ausbau der jöbtfrfjctt Siedlungen ist noch nicht vollendet; die Förderung von außen ist zum Teil noch unentbehrlich. Während aber die neue jüdisckje Kolonisation noch vor wenigen Jahren Gegenstand von Fragen und Bedenken gewesen war. find diese Zweifel sowohl nach der allgemeinen Ueberzeugung der staatlichen landwirtschaftlichen Instanzen als auch der jüdischen und nichtjüdischen Sachkenner heute nicht mehr am Platze. . . . Unvergeßlich bleibt mir das Bild der zusammenhängenden jüdischen Kolonien im Cherson er und Kriwojroger Kreis und tn der Krim, wo (mit Ausnahme der Oret-Bezirke S ch a l a ch o w und Eupatorra) AgTo-Joint seine großzügige Kolonisationstätigkeit entfaltet. Aus meiner Reise durch den Chcrsoncr Rayon, wo sich heute das grösite jüdische landwirtschaftliche Zentrum der Welt befindet, Sn dem 40 jüdische Kolonien mit einer Bodenstäche von L60 000 Dctzjatirrcn dicht beieinander liegen, verspürte ich den Alemhauch einer neuen, eigenen, durch und durch jüdischen Lebensart. Einen besonderen Charakter weist die Arbeit in Weißrußland auf, wo etwa 530 000 Juden leben. Juden wie Weißrussen betrachten die jüdische Gleichberechtigung, den Anteil der Juden am staatlichen Leben als eine S e l b st v e r st ü n d l i ch k e i t. Ernst und loyal wird die Eingliederung der Juden in die Staatswirtschaft betrieben. Die landwirtschaftliche Anfiedlung der Juden bildet einen Teil des staatlichen A r b e r t s p r o g r a m m 2. Von der Landwirtschaft leben dort gegenwärtig 7376 jüdische Familien. Für den nächsten Zeitabschnitt sind für die Judenanstedlung weitere 32 000 Deßjatinen Boden bereitgestellt, von denen ein großer Teil erst trockcngelegt und gerodet werden muß.

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