Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1937-10-21 · 42 (21.10.1937) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
42 (21.10.1937)
Date
1937-10-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2277379-2277516-2277558--12314-2281911
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

8 entity mentions

Seite 6 C.-V.-Zeitung Nr. 42* 21. Oktober 1937 brechung ihrer Studien sich zur Zeit den Prüfungsanforderungen nicht gewachsen fühlen, Repetifionskurse einzurichten. Kandidaten und Kandidatinnen, die bereite die wissenschaftliche oder künstlerische Befähigung für das höhere Lehramt erworben haben, können zur Vorbereitung auf die pädagogische Prüfung jüdischen höheren Schulen zugewiesen werden. U nterhaltszuscküsse Examenskandidaten und -Kandidatinnen, die sich auf die wissenschaftliche oder die pädagogische Prüfung vorbereiten, können mit Rücksicht auf schwierige wirtschaftliche Verhältnisse von der Schulableilung auf Antrag in massigem Umfang ünterbaltszuschüsse erhalten. Zuschriften und Anfragen Sämtliche Zuschriften und Anfragen, die die Prüfungen betreffen, sind zu richten an: Reichsvertretung der Juden in Deutschland, Schulabteilung,' Berlin-Charlottenburg 2. Kantstr. 158. Aus der Lehrhaus-Arfoeit Berlin Montag-Reihe: Beginn: 25. Oktober. Joachimsthal er Strasse 13, Aula. Einführungsvorlesungen: Fritz ü a m b e r? o r , Einführung in die Geschichtswissenschaft, 20.15 bis 21 Uhr: Paul Eppstein, Einführung in die Soziologie, 21.15 bis 22 Uhr. Vorlesungen: In der Woche vom 25. bis 28. Oktober beginnen: ^r. 1. Sehlos sberg. „Politische Geschichte des britischen Imperiums", 26. Oktober, Kantstr. 51 (BZV-Heim), 20.30 Uhr; Nr. 6, John J a c o b s o h i!, „Jüdische Kulimnsik, Versuch einer Darstellung ihrer geschichtlichen Entwicklung'', 27. Oktober, Fasanenstr. SO (Vortragssaal), 20.30 Uhr; Nr. 8, Julius 13 ab, ,.Jüdische Schauspieler'" 26. Oktober. Fasanenstr. 80 (Vortragssaal), 17.30 Uhr. Arbeitsgemeinschaften (20.30 Uhr): Montag, 25. Oktober. Nr. .14, Pollak, Weltwirtschaft, Lützowstr. 16: Nr. 25. Eisenb-erg, Hebungen in freier Rede, Fasanenstr. •%; Nr. 26, Landau. Geschichte der Suite, Fasanenstr. SO (Vortragssaal); Nr. 32a. Simion. Fragen aus der Patentpraxis. Marburger Str. 5, III. — Dienstag. 26. Oktober: Nr. 1, B rasch, Einführung in die Bibel, Franzensbad ex Str. 7 (Synagoge!; Nr. 7, (} ross. Peel-Bericht, Marburger Str. 5, Iii; Nr. 16, Sternberg, Keligionspbüosophic. Fasanenstr. 80 (Bibliothek); Nr. 28, lnstrutnentalgeraeinsdiaft, Fasanenstr. 80 (Vortragssaal): Nr. 29, Tr eitel. Fragen der Biologie, Marburger Str. 5, III: Nr. 31. Photoarbeitsgemeinsehaft. Marburger Str. 5. — Mittwoch. 27. Oktober: Nr. 3. Lcwi'nski. Jesaja, Rykestr. 53 «Schüler. Nr. 5>. Ka lisch. Ibind-is- und Wirtschaftsrecht Palästinas. Marburgcr Str. 5. III; Nr. 11. Fraenkf 1, Wirtschaft, Hecht, Kultur der Juden im Mittelalter. Fasanenstr. SO; Nr. 13, GoHschraid t, Geschichte der Weltreligionen, Prinzregentenstr. 69; Nr. 17, M a r g o I i u s, Zur Ethik des Chassidismus. Fasanenstrasse SO; Nr. 19, Kuhn, Psychologie der Persönlichkeit, Marburger Str. 5. III: Nr. 23, Pulvermacher, Geschichte der Stile in der Kunst, Maxburger Str. 5, Sprachkurse, kaufmännische Fortbildung: Auskunft im Sekretariat, Berlin W50, Marburger Str. 5, III, Tel. 2455 87 (10 bis 13, 16 bis 18 ühr). Wiesbaden Das Winterprogrämm 193711938 ist soeben veröffentlicht -worden. Es bringt eine öffentliche Vortragsreihe unter dem Gesamttitel „Führende Geister des zeitgenössischen' Judentums". In dieser Vortragsreihe werden behandelt: „Abra/- banrlsaak-Kuk, der Rabbi von Erez Israel"' (Rabbiner Dr. Eschelbacher. Düsseldorf), „Claude Montefiore. der Aufklärer" (Rabbiner Dr. Saizberger, Frankfurt a. M.), „Chajim Weizmann. der Staatsmann" (Dr. Pom e ranz, Frankfurt a. M.), „Martin Buber. der Erzieher'4 (Dr. Eduard S t r a u s s . Frankfurt a. M.), „Leo Baeck, der Philosoph" (Rabbiner Dr. Dienemann, Offenbach a. M.), Schlussvortrag „Volk und Persönlichkeit" (Rabbiner Dr. Lazarus, Wiesbaden). Aus der Reihe der Arbeitsgemeinschaften seien hervorgehoben ein Lehrgang unter Leitung von Dr. Gallin e r (Frankfurt a. M.), über „Jüdische Maler und ihre künstlerische Umwelt", „Israelitische Königsgeschichte im Rahmen der Weltpolitik" (M. Ros en - busch), „Der Jude in der Welt" (Rabbiner Dr. Dienemann, Offenbach), „Das Zeitalter des Barock" (Dr. Meyer. Wiesbaden), „Falsche Messiasse im jüdischen Volk" CS. L i 1 i e n t h a I, Wiesbaden). Ausserdem Kurse über Bibellektüre (Lehrer C a - pell), Einführung in die Gernara, an Hand leichter Texte. (Lehrer G r ü n b a u m), englische und hebräische Sprachkurse. Saarbrücken Die Bildungsarbeit dieses Winters sieht wie bisher neben den fortlaufenden Kursen des Gemeinderabbiners einzelne Vorträge lehrhaften Charaktere vor. Als Einführungsvorlesung hielt Rabbiner Dr. Rothschild ein Referat über „Don Jizchak Abravanel, Staatsmann und Theolog" und beschäftigte sich nach der Darstellung der geschichtlichen und wissenschaftlichen Bedeutung mit der Bearbeitung, die dieser Persönlichkeit in der neueren Literatur zuteil geworden ist. Neben der Erwähnung in Heines „Rabbi von Bacherach", ist vor allem an das Drama von Alfred Nossig zu denken. R. Hamburg Der Lehrkursus des israelitischen Tempel-Verbandes veröffentlicht sein Wimerprogramm: Oberrabbiner Dr. Bruno Italiener: „Der Peel-Bericht", vierzehntägig, Beginn 26. Oktober. Oberkantor Leon Hornitzer: „Die Schönheit unserer alten Niggunim", vierzehntägig, Beginn 28. Oktober. — Im Rahmen der religiösen Feierstunden spricht Dr. Max Dienemann über „Israel im Zeitalter der Bibel — Staat und Kultur". 24. Oktober, 12 Uhr. Weitere Auskünfte und Anmeldungen durch das Büro: Oberstrasse 120. Frankfurt Am Eröffnungsabend erzählte Martin B u b e r unter dem Motto „Aufgabe des Lehrenden" aus seinem Leben. Dr. Eduard S t r a u ß s benutzte die Gelegenheit, um dem Redner vor seiner Ausreise nach Palästina den Dank der Hörer und der Dozenten des Lehrhauses zum Ausdruck zu bringen. Folgende Vorträge werden angekündigt: Dr. Adolf Lescbnitzer: „Eltern und Schule" iti. November), Dr. Georg Lubinski: „Berufsausbildung"' •20. November-, Dr. Arthur Prinz: ..Auswanderung" (11. Dezember). Die Vorträge finden jeweils Unterlindau 21 um 20Uhr statt. wieder, wie auch sonst, eine Reihe wissenschaftlicher Abende, für die diesmal die Aula der Josef-Lehmann-Schule in der Joachimsthaler Strasse 13 vorgesehen ist. 24. Oktober Fortbildung jüdischer Aerzte Seit einigen Jahren veranstaltet die Gesundheitsverwaltung der Jüdischen Gemeinde Berlin von sich aus für die ortsansässigen jüdischen Aerzte -Fortbildungskurse, an denen jeder jüdische Arzt gegen Entrichtung einer geringfügigen Einschreibegebühr teilnehmen kann. Mit Beginn dieses Jahres sind die Kurse — wie die Gesundheitsverwaltung in einem Rundschreiben mitteilt — amtlich anerkannt; sie unterstehen seitdem der Beaufsichtigung durch den Beauftragten des Reichsärzteführers für das ärztliche Fortbildungswesen. Wenn sie auch noch nicht zu Pilichtfortbildungskursen geworden sind wie die Veranstaltungen für die allgemeine Aerzteschaft, eo legt die Neuregelung — wie die Gesundheitsverwaltung nachdrücklich betont — den jüdischen Aerzten die Verpflichtung auf, mehr noch als bisher diesen Kursen ihr Interesse zuzuwenden. Die neue Kursreihe läuft vom 15. Oktober 1937 bis zum 15. Februar 1938. Nicht weniger als 42 Kursleiter unterrichten an verschiedenen Stellen über ihr Sondergebiet, im Krankenhaus der jüdischen Gemeinde, im israelitischen Krankenheim, in der Krankenhilfe der jüdischen Gemeinde, in der jüdischen Kinderhilfe und an anderen Oertlichkeiten. Neu eingeführt sind. Wochenendkurse für auswärtige Aerzte. Neben diesen praktischen Lehrgängen läuft Ausreden — immer noch? Mit schöner Feierlichkeit ist dieser Tage die Jüdische Winterhilfe eröffnet worden. Rabbiner Dr. Baeck hatte in den Mittelpunkt seiner werbenden Rede den Begriff gestellt: Ernstnehmen — der jüdischen Aufgabe, der Verpflichtung zur Hilfe. Die Synagoge Prinzregentenstrasse war dicht gefüllt, und man musste nach Schluss der Kundgebung den Eindruck gewinnen: Jeder dieser Menschen hat leise zu sich selbst und allen anderen gesagt: „Wir müssen helfen — wir werden helfen, jeder bis zur Grenze seiner Möglichkeiten." Es war Sonntagmittag, und ich hatte mir vorgenommen, noch eine bekannte Dame zu besuchen, die in der Nähe wohnt. Sie ist viel allein und sie wird sich freuen, dachte ich mir. Die einzige Tochter ist weit weg, der Mann lebt nicht mehr. Gewiss, der Frau geht es nicht schlecht, das weiss ich; sie hat noch ihren Kreis, wenngleich auch der immer kleiner wird, sie hat noch ihre schöne, grosse Wohnung — und wenn sie sich auch mit den Mietern oft rumplagt, die sie der Verbilligung halber nahm —, sie lebt doch noch, wne man so sagt, recht anständig. Sie freute sich wirklich mit meinem Besuch. Wir unterhielten uns gut, sprachen über dies und das. Da klingelte es. Frau B., meine Bekannte, ging aus dem Zimmer, um zu öffnen; die Tür war einen Spalt offengeblieben. Bald darauf hörte ich eine Frauenstimme: „Guten Tag. Frau B., nun haben wir uns ein gutes halbes Jahr nicht gesehen — ich komme beute wieder, um die erste Eintopfspende abzuholen . . Viel weifer kam die Fremde nicht; da hörte ich schon Frau B.: ..Ach, Sie wissen doch, ich bin Witwe — nein, ich kann nicht — vielleicht kommen Sie mal in ein paar Wochen wieder — nein, wirklich nicht, es hat gar keinen Zweck — guten Tag." Ich warf noch rasch einen Blick in das Zimmer: Weiche, schöne Klubsessel, eine kostbare Decke auf dem Tisch und darauf vor mir eine Schale mit Obet und daneben etwas Gebäck und Schokolade — und gepflegte Blumen an den hohen Fenstern —--Noch ehe Frau B. wieder ins Zimmer kam, war ich draussen. „Was, Sie wollen doch nicht schon gehen, wie schade, bleiben Sie doch noch ein bisschen, wir unterhielten uns doch eben so nett —" „Ich komme vielleicht auch in ein paar Wochen wieder, vielleicht —und ehe Frau B. es noch richtig begriffen hatte, war ich fort. Mit dem festen Vorsatz, nicht morgen und. nicht in ein paar Wochen wiederzukommen. Und noch mit einem Vorsatz: über diese Angelegenheit nicht den Mund zu halten. Gerade jetzt nicht, wo wir in einen neuen, schweren Winter gehen. Es muss gesagt werden, allen gesagt werden, dass bei all der herrlichen brüderlichen Hilfsbereitschaft sowas noch vorkommt — und nicht mehr vorkommen darf. Es könnte nichts schaden, wenn Frau B. diese Zeilen läse und sich ein wenig oder sehr schämte. Sie wird sie zwar kaum auf sich beziehen, und wenn, wird sie es nicht sagen. Ich frage nur: „Frau B., Ausreden — immer noch?" H. M. n n p p ^W:P/P Die erste Haussammlung der Jüdischen Winterhilfe Berlin findet am Sonntag, 24. Oktober, statt. Sammlerlegitimation erfolgt durch unterstempelten und unterschriebenen braunen Ausweis. Für jeden Betrag erhält der Spender eine lachsfarbene Quittung mit Aufdruck des erhaltenen Wertes.!l!i!!llHI!!li!il!!;iil!l!IIH!i!lIlll!i!ll!!!ll!!!!!!!II!!!!iHIi!Hl!lil!l!Hl!!I!lil!l Ftadspende-Sammlerinneii gesucht Die Pfundspende kann nur mit Erfolg arbeiten, wenn ihr genügend Sammlerinnen zur Verfügung stehen. Die Jüdische Winterhilfe appelliert'an das Gemeinschaftsgefühl aller jüdischen Frauen und bittet, sich in ihren Wohngegenden zu wenden an: Frau Kalkstein, Am Köllnischen Park 6: Frau Rosenkranz, C25, Gontardstrasse 5; Frau Treister^ SW19, Kommandantenstrasse 31a; Frau Reinach, Friedenau, Mainauer Strasse 2 (für westliche Vororte) oder an das Büro der Pfundspende der Jüdischen Winterhilfe, Berlin-Grunewald, Jagowstrasse 30- Spendet Radio-Apparate Für die Alten und Kranken, für die warmen Stuben usw. benötigt die Jüdische Winterhilfe, Abteilung Radio. Berlin C2, Heidereutergasse 5 (Apparat 74), dringend Radioapparate und Lautsprecher. (Keine Kopfhörer und Detektor- Apparate.) In Freud und Leid gedenket der Aermsten Es ist altehrwürdige jüdische Ueberlie'erung, bei frohen und ernsten Ereignissen in der Familie der Armen zu gedenken. Die Jüdische Winterhilfe bittet, diesen Brauch gerade in den Wintermonaten zu üben und an allen Familien- Gedenktagen und -Feiern der Jüdischen Winterhilfe ein Spende zu geben. Postscheckkonto: Berlin 93 344 Aus 'der wissenschaftlichen Welt Das Mitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, der am 12. März 1860 in Nagyrapad (Grosswardein) geborene Philologe und Ethn o 1 o g e Bernhard Munkacsy starb Ende September in Budapest. Sein Flauptarbeitsgebiet war die Erforschung der Sprache der Wogulen in Sibirien, der nächsten Sprachverwandten der Ungarn, und des finnisch-ugrischen Sprachkreises. Munkacsy war u. a. (1892—1909) Vizepräsident der Ungarisch-ethnographischen Gesellschaft und Herausgeber der Zeitschrift ..Ethnographia". Die Ergebnisse seiner Forschungen sind in zahlreichen umfassenden und umfangreichen Werken niedergelegt. * Der zweite Weltkongress jüdischer Aerzte wird Ende 1938 in Paris zusammentreten. Das Büro zur Vorbereitung des Kongresses wird seine Arbeiten in Kürze aufnehmen. Vorsitzender des Rates ist zurzeit Professor Weil- Halle. Die Tagung wird sich u. a. mit den Fragen der Unterbringung jüdischer Jungärzte, der Geschichte der jüdischen Medizin und der Schaffung einer jüdisch-medizinischen Statistik befassen. * Der berühmte Mathematiker und Professor h. c. der Universität Warschau, Samuel Dickstein, beging da3 65jährige Jubiläum seiner wissenschaftlichen und Lehrtätigkeit. Aus diesem Anläse fand eine eindrucksvolle Feier statt, an der auch Vertreter der polnischen Wissenschaft teilnahmen. Der polnische Staatspräsident Professor M o s c i c k i sandte ein Glückwunschtelegramm und Professor S i e r - pinski hielt eine Ansprache im Auftrage der polnischen Akademie der Wissenschaften und der Warschauer wissenschaftlichen Gesellschaft. Professor D i c k s t e i n übergab zwei von ihm bisher geleitete wissenschaftliche Zeitschriften der Verwaltung der wissenschaftlichen Gesellschaft und machte für diese Zeitschriften eine grössere Spende. ¥ Professor Bruno R o s s i in Padua wurde der von der Societa per il progresso delle scienze gestiftete Preis von 10 000 Lire für erfolgreiche Forschungen auf dem Gebiet der Chemie und Physik zuerkannt. Professor Rossi widmet sich neben seinen wissenschaftlichen Aufgaben auch der jüdischsozialen Arbeit im Rahmen der Jüdischen Gemeinde Padua. Er ist Mitglied der jüdischen Kulturvereinigung „Samuel David Luzaito". Der Astronom Dr. Arthur Beer wnjrde anlässlich der Errichtung einer neuen grossen Sternwarte in London-Millhill an die Universität London berufen. Seit mehr als drei Jahren arbeitete Dr. Beer am Solar Pbysics Observatory in Cambridge. Früher war er an der Universitätssternwarte in Breslau und an der Deutschen Seewarte in Hamburg tätig. it. Die Franz -Josephs-Landesrabbinerschule in Budapest beging in diesen Tagen das Jubiläum ihres 60jährigen Bestehens. Die Gründung dieses Institutes war dadurch ermöglicht worden, dass Kaiser Franz Joseph I. die zwei Millionen Kronen betragende Kriegskontribution, die der ungarischen Judenheit nach dem Zusammenbruch des ungarischen Freiheitskampfes 1848/49 von General Haynau auferlegt worden war, den Juden Ungarns wieder zur Verfügung stellte. Die Landesrabbinerschule hat in den sechzig Jahren ihres Bestehens fast 200 Rabbiner ausgebildet, von denen die meisten durch hervorragende wissenschaftliche Arbeiten bekanntgeworden sind. Knnstnachrichten In München starb im Alter von 83 Jahren der Buchantiquar Jacques Rosenthal. Er war eine weltbekannte Persönlichkeit, seine 1895 gegründete Firma war ein kleines Museum. Es gab keine grosse Bibliothek, zu welcher er nicht in geschäftlicher und persönlicher Beziehung stand, bedeutende Sammler in allen Ländern hatten ihn zum Berater. Für die Preussische Staatsbibliothek erwarb Jacques Rosenthal das berühmte Evangelium Prumense, für die Bayerische Staatsbibliothek ein Evangeliar aus Tegernsee, für Kaiser Wilhelm IL die Korrespondenz Voltaires mit Friedrich dem Grossen. Vielen inländischen und ausländischen Bibliotheken hat Rosenthal wertvollste Werke gespendet. Er besass Medaillen und Ehrenurkunden der Universitäten Berlin und München, Orden und Auszeichnungen des preussischen und bayerischen Hofes, war Officier de l'Academie frangaise und päpstlicher Kämmerer. Im vorigen Jahr löste er das Münchener Stammhaus seiner Firma auf und zog sich ins Privatleben zurück. Ca. * Durch die Uebersiedlung von Dr. Heinrich Feucht wanger nach Palästina verliert München einen sehr bedeutenden Judaica- Besitz. Dr. Feuchtwanger besass annähernd vierhundert Gegenstände der Volkskunst, er legte bei der Zusammenstellung seiner Sammlungen weniger Wert auf Edelmetall, sondern räumte der Folkloristik und der künstlerischen Gestaltung weitgehenden Raum ein. Neben zahlreichen Holz- und Eisenarbeiten stehen mehr als fünfzig Arbeiten aus Glas, Fayence, Porzellan und Steingut, darunter einige Unika. Vor seiner Uebersiedlung nach Palästina liess Dr. Heinrich Feuchtwanger 223 Aufnahmen von wertvollen Beständen seines Kunstbesitzes anfertigen, eine wichtige Quelle für die Forschung, da auf den Photos nähere Angaben über Datierung, Material, Herkunft usw., angegeben sind. Dr. Feuchtwanger hat über seine Sammeltätigkeit hinaus seit mehr als vier Jahren die kunsthistorische und archivalische Betreuung des Bayerischen Gemeindeverbandes in Händen gehabt. In der langen Zeit ehrenamtlicher Betätigung konnte er mit den Lehrern in den Kleingemeinden zusammenarbeiten. Aus seiner kenntnisreichen Feder stammt u. a. der im Verlag B. Heller (München) erschienene Aufsatz „Jüdische Denkmalpflege", ein Leitfaden für alle interessierten Judaica-Sammler und Freunde antiker jüdischer Kunst und Kultur. * Ein Rundgang bei L. Bernheimer in München zeigt die Fülle der Anregungen für die alte und die neue Wohnkultur. Am allermeisten fesselt das antike Material, die kostbaren Möbel, die oft kopiert werden, Pariser Kommoden des Louis XV., vornehmlich eine des bekannten' Ebenisten Doiral. Truhen sind zu sehen, die man in der italienischen Renaissance Cassoni hiess, Schreibtische, Sofas und Fauteuils mit gut erhaltenen Stickereien. Daneben Uhren und Spiegel, reizvolle Glaskronen und eine Fülle von China-Kunst, die eine besondere Abteilung am Lenbachplatz füllen. Auch Gemälde und Plastik bewundert man, eine frühe französische. Madonna, den Entwurf zu einem Deckengemälde von Pietro di Cortona (1596—1660) in italienischem Rahmen. Man hat den Originalentwurf zum Deckenbild in der Sala di Marte im Palazzo Pitti in Florenz vor sich. Weiter sind da herrliche Textilien, Porzellane, Lackarbeiten, spanische und andere Fayencen. Die bekannte Sammlung italienischer Majoliken von Geheimrat Professor Dr. Alfred Pringsheim. dem berühmten Mathematiker, ist in ihren Beständen nicht mehr vollständig. Die Sammlung, welche seinerzeit von Geheimrat Otto von' Falke katalogisiert wurde, verfügte über ein interessantes Material von Fayencen aus den Hauptzentren italienischer Majolikakunst. Deruta. Faenza. Urbino waren besonders gut vertreten. Die grosse internationale Auktionswoche der Galerie Fischer in Luzern stand im Zeichen sensationeller Wertsteigerungen. Die zum Aufgebot gelangende berühmte Miniatursammlimg des Wiener Arztes, Professors Dr. E. Ulimann, brachte Preise, die schon lange am Kunstmarkt nicht bezahlt wurden. Auch der König von Bulgarien hatte zahlreiche Kaufaufträge durchführen lassen. Das Sekretariat für .Bildende Kunst bereitet für den Monat Dezember eine Ausstellung vor: „Berliner Künstler auf Reise n". Dip jüdischen Künstler-Mitglieder des Reichsverbandes der jüdischen Kulturbünde in Deutschland, die sich an der Ausstellung beteiligen wollen, werden ersucht, ihre Anmeldung schriftlich bis zum 2. November 1937 an das Sekretariat für Bildende Kunst, Kantstrasse 15S zu richten- Spätere Meidungen können nicht berücksichtig' werden. Dr. Irmgard Schüler spricht am 27. Oktober. 20 Uhr 15 Min., pünktlich, an Hand zahlreicher Lichtbilder im Rahmen des Jüdischen Museunisvereins im Jüdischen Museum, Berlin, Oranienburger Strasse31, über: „Jüdisches Fraue n fe b e n. Geschildert an alten um1 neuen Werken jüdischer K u n s t-" Gäste willkommen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.