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Central-Verein-Zeitung · 1937-09-23 · 38 (23.9.1937) · page 2

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
38 (23.9.1937)
Date
1937-09-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 C.-V.-Zeitung Nr.38 * 23.September 1937 halten, und die Anordnung einer solchen Vorlesung wäre wohl neben der Verlesung der Exodus-Kapitel durchaus sinngemäss. * Oder wäre der Bericht vom Tode unseres Lehrers Mose und von der Schöpfung der Welt nicht auch ein würdiges Thema für das Rosch- Haschana-Fest, für den Tag, an dem wir selbst sagen: „Heut ist der Geburtstag der Welt", für das Fest, zu dessen tiefem Ernst die Todesgedanken des Deutoronomium-Endes eine wir- M\ i€raftk@swei>si€fte?!se*§ ||§ SB! Aufnahme bis 70 jähre ohne Untersuchung § §||| Hans Schwarz '£tJ£?^AZ&™. A uslands-Nachrich ten kungsvolle Illustrierung geboten hätte. Und wäre nicht wiederum dieses „Stirb und werde" vom Ende und Anfang der Tora dem Jörn Kippur durchaus angemessen gewesen? Man sieht, wie die Fülle der Motive eine ungeahnte Menge von Möglichkeiten in sich schliesst. Es war in der Tat nicht immer so. wie es heute, und zwar schon seit vielen Jahrhunderten feststehender Brauch geworden ist. Man hat wirklich in den babylonischen Hochschulen die Schöpfungsgeschichte am Jörn Kippur zu Minchah vorgetragen, und ähnlich berichtet auch der Gaon~Saadia. dass zu seiner Zeit die ersten Verse von Bereschit zu Xe'i'ia gelesen worden seien. Nun war aber für den zweiten Tag unseres Schlussfestes Deut. Kap. 33 (Mosis Abschied) bestimmt. Es ist nach den Darlegungen Elbogens in seinem bekannten Werke: „Der jüdische Gottesdienst" um das Jahr 1000 der Brauch eingeführt worden, an diesem letzten Festtage neben dem Schluss der Tora auch ihren Anfang zu lesen. Bereits in gaonäischer Zeit hatte man für diesen Tag Hymnen und Verherrlichungen der Tora, Lobpreisungen Israels, das die Tora angenommen, und Mosis, der den Empfang der Tora vermittelt, in deu Gebetszvklus aufgenommen. Gleichfalls um das Jahr 1.Ö00 ist der Name Simchas' Tora aufgekommen, und so besteht der ganze liturgische Komplex der Vorlesung vom Ende und Anfang der Tora nun schon seit etwa einem Jahrtausend. Wir dürfen froh sein, dass diese liturgische Einrichtung in engster Wechselwirkung steht zu den Gedanken, die ihr entsprechen. Diese Gedanken, aber sagen uns, dass Torafreude eine eigene Art von Freude darstellt, sie ist keine dionysische und keine bacchantische; diese Arten von Freude heben sich selber auf. Der Wüstenwanderer, der an eine Oase gelangt, weiss, was für einen Weg er hinter sich hat, was für einen er vor sich hat. Solche dcsßn~Ji?v&. Gold- und Silberschmiede BERLIN W 8, Unter den linden 65, {Hotel Brist©!) .auch UMKUUF G.B.H29242 Oasen sind unsere Feste, die Erholung und Kraft für den Weitermarsch geben wollen. Was Simchas Tora vor ihnen auszeichnet, ist: Wir können uns den Grund der Freude und damit die Freude selbst erhalten; die Tora begleitet uns, wenn wir gewillt sind, sie mit uns zu nehmen. Wenn das eine Mahnung ist, dann scheint sie uns nie zeitgemässer gewesen zu sein' als jetzt. Nie war es wichtiger, daran zu erinnern, dass unsere Vorfahren, für die die Beschäftigung mit - der Lehre eine Selbstverständlichkeit war, das Psalmwort wörtlich auf sich beziehen konnten:. „Wäre Deine Lehre nicht mein Ergötzen, ich wäre untergegangen in meinem Elend." (Ps. 119, 92.) Der Winter steht vor der Tür, eine neue Zeit des Lernens beginnt. All die Veranstaltungen, die in unseren Geineinden getroffen sind, um religiöse Belehrung zu verbreiten, werden mit ihrer Tätigkeit wieder anfangen. Aus dem Buche, dem unser Fest gilt, aus den anderen Urkunden unserer Religion, aus Literatur, Brauch, Geschichte uns die Augen öffnen zu lassen für die bleibenden Werte, das wäre die Aufgabe, deren Erkenntnis uns das Simchas- Tora-Fest mitgeben will. Wenn wir unter allem Druck und in allen Nöten ausharren und die Hoffnung nicht verlieren wollen, dann brauchen wir eine Kraftquelle, die immer fliesst. Wenn wir unser Innenleben nicht verkümmern lassen, wenn wir auf die Fragen, die ein forschender Verstand, ein suchendes Gemüt immer wieder aufwerfen, Antworten wissen wollen, wenn es ans treibt, aus den wirren Gängen des Menschendaseins einen Ausweg zu finden, dann wollen wir uns unseres Festes erinnern. Von ihm und seinem Buche strahlt Licht in die dunkle Winterszeit. Lesen wir die Tora und die andern biblischen Bücher, werden wir heimisch in ihren Gedanken und in ihrer Gläubigkeit, dann lernen wir das Kraftvolle und Gesunde, das Echte und Wahre von allem Kleinlichen und Seichten unterscheiden. Wir verspüren die innere Erhebung, aus der der Festdichter unseres T^ges die Worte angestimmt hat: „Wir freuen uns und jubeln ob der Tora, sie ist uns Kraft und Licht." Dänemark In Kopenhagen hat ein Prozess gegen sechs Redakteure judenfeindlicher Zeitschriften wegen Verbreitung verleumderischer Behauptungen gegen die Juden Dänemarks stattgefunden. Von den Angeklagten wurde einer, Lemvigh-Mueller, zu 40 Tagen, ein anderer, Aage Andersen, zu 60 Tagen und schliesslich der Redakteur zweier judenfeindlicher Zeitschriften, N. Olsen, zu 80 Tagen Gefängnis verurteilt. In den jetzt veröffentlichten Urteilsg runden wird betont, dass die in den betreffenden Broschüren und Zeitschriften aufgestellten Behauptungen im allgemeinen als eine Herabwürdigung der Ehre der in Dänemark ansässigen Juden betrachtet werden müsse. Es sei kein Beweis dafür erbracht worden, dass die Lebensführung der Juden Dänemarks die veröffentlichten Behauptungen rechtfertige. Holland In feierlicher Form wurde das neue Gebäude ■ und die darin befindliche Synagoge des „Joodsche Invalide" durch Oberrabbiner Sarlouis eingeweiht. Der ,.Joodsche Invalide" ist die grösste jüdische Wohlfahrteeinrichtung Hollands, in der zurzeit etwa 200 gebrechliche Personen Unterkunft finden. Das neue Gebäude bietet nochmals Raum für etwa 200 Personen. Der Leiter des Institutes ist I. Gans. Italien Die italienischen Rabbiner haben einen Aufruf „An ihre Brüder" gerichtet, in dem sie sich gegen die Bestrebungen wenden, den Z\isammenhang zwischen den italienischen Juden und der Gesamtjudenheit zu lösen. Es sei nicht Aufgabe der italienischen Juden, die guten oder schlechten Seiten des jüdischen Nationalheims und des Teilungsplanes zu prüfen. Sie sollten aber nicht vergessen, dass hier versucht werde, notleidende Juden zu rehabilitieren. Eine Spaltung und der Versuch, in Italien eine von der übrigen Judenheit losgelöste Reformsynagoge aufzurichten, seien zu verurteilen. Treue gegenüber der eigenen Geschichte und Sendung hindere nicht die Erfüllung der Pflichten gegenüber dem Staate. Nur wer sein Leben gemäss der jüdischen Ueberlieferung gestalte, könne behaupten, dass er das Judentum repräsentiere. Litauen Im Gegensatz zu früher verlief in diesem Jahr die Tagung des Verbands litauischer Kaufleute und Handwerker „Ve^slinink^, in M e - m e 1 ohne jede judenfeindliche Aeusserung. Vielmehr sprach sich der" Führer des Verbandes, Kibranca, für eine Besserung der Beziehungen zwischen Mehrheitsvolk und Minderheiten .aus, wandte sich gegen die Verfemung der Minderheiten und forderte von der Jugend, solche Berufe zu wählen, in denen noch genügend Betätigungsmöglichkeiten vorhanden seien, um dadurch auch ihrerseits zur Entspanung beizutragen. Der litauische Staatspräsident verlieh am Staatsfeiertag Hirsch K o r k i n m Kaunas eine Medaille für die Errettung des früheren Innenministers und jetzigen Vizehürgermeisters von Kaunas, Oberst' Rustejko. vor einem Attentat. A. Blumensohn aus Kalvarya wurde am gleichen Tage ausgezeichnet. Oesterreich In der Gemeindesynagoge in der Leopoldgasse in Wien wurde in Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste eine vom Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs den jüdischen Gefallenen des Weltkriegs gewidmete Gedenktafel enthüllt. Oberrabbiner T a g I i c h t, Vizepräsident Ticho und Hauptmann Edler v. Friedmann hielten Ansprachen bei der Feier. Rumänien Aus B u h u s i (Moldau) werden ernste judenfeindliche Unruhen gemeldet. Die Schaufenster in jüdischen Geschäften wurden zertrümmert, jüdische Passanten angehalten und schwer misshandelt. Die Polizei musste einschreiten. Berichte ans Polen In P i o t r k o w bei Lodz kam es bei der Abhaltung des Marktes zu schweren Ausschreitungen, bei denen ein jüdischer Bäcker schwer misshandelt wurde. In Gorzkowice wurden Bovkottposten vor den jüdischen Läden aufgestellt. In Pa'bianice versuchten nationaldemokratische Händler die Einführung eines .,Marktghettos". In Lubeinice Kreis Lemberg, wurde gegen die Synagoge und mehrere Häuser von "Juden Brandstiftung verübt. In Ro.tp n o schoss man in das Gebäude des Tarbut- Im Rahmen einer Rundfrage der Zeitung „Curentul" über das Palästinaproblem und die Judenfrage nahm auch der Vorsitzende der Jüdischen Reichspartei, Dr. Theodor Fischer, das Wort. Er erklärte, die jüdische Bevölkerung Rumäniens betrachte sich als ethnische Minderheit, die sich keine entscheidende Rolle in wichtigen Belangen der herrschenden Nationen beimesse. Sie verlange nur die anderen Minderheiten gewährten Rechte. Siesei auch überzeugt, dass die rumänische Vertretung beim Völkerbund für eine weitgehende Erschliessung Palästinas zugunsten der , jüdischen Einwanderung eintreten werde. Abschliessend bemerkt Theodor Fischer, die Entscheidung des Völkerbundes über Palästina könne die bürgerlichen Rechte der Juden in ihren Heimatländern nicht berühren. Das Unterrichtsministerium hat die Leitungen der höheren Schulen angewiesen, Lehrer, die einer nationalen Minderheit angehören, nicht zu Ordinarien zu ernennen. Die von dem rumänischen Handelsminister Valer Pop angekündigte Verordnung über die Schaffung einer Prozentnorm von 5 Prozent bzw. 25 Prozent für ausländische oder nicht „ethnischrumänische" Arbeiter und Angestelite in der Privatwirtschaft, die bekanntlich zurückgezogen war, findet jetzt in neuer Form ihre Auferstehung. Der Minister hat jetzt zahlreichen Unternehmungen, die Aufforderung zugehen lassen, bis zum Jahresende mindestens 50 Prozent ethnischrumänisches Personal einzustellen. In jüdischen Kreisen ist man über diese Entwicklung sehr beunruhigt. Tschechoslowakei Der Tod des Altpräsidenten der tschechoslowakischen Republik, Masaryk, hat in Erinnerung an die Haltung, die er zeit seines Lebens den Juden gegenüber gezeigt hatte, in jüdischen Kreisen des Landes tiefe Trauer hervorgerufen. Unmittelbar nach Bekanntwerden der Todesnachricht sprachen Abordnungen des Oberrates der jüdischen Gemeindeverbände der historischen Länder und der Prager jüdischen Gemeinde in den Kanzleien des Präsidenten der Republik, Dr. Benesch, und des Ministerpräsidenten Dr. Hodza. vor, um der Trauer der jüdischen Bevölkerung des Landes Ausdruck zu geben. Die Präsidien von Oberrat und Gemeinde haben noch am deichen Tage Trauersitzungen' abgehalten. Am Jörn Kippur wurde während der Seelenfeier in allen Synagogen des Verstorbenen gedacht. Die Prager Gemeinde hat beschlossen, eine Masaryk-Gedächtnisstiitung zu errichten, die kulturellen Zwecken dienen eoll. Aus allen Teilen des Landes kommen Berichte über Trauerkundgebungen der jüdischen Bevölkerung. Das Zentralkonsistorium der Juden Frankreichs und das französische Oberrabbinat haben an die Prager jüdische Gemeinde Beileidstelegramme gesandt. Die von der französischen 'Regierung zum Begräbnis Masaryks entsandte Delegation stand unter Führung des stellvertretenden Ministerpräsidenten Leon Blum. Ungarn Die Föderation d'Universites Internationale hielt, in Budapest ihren 14. Kongress ab. Der Vertreter der palästinensischen Zweigvereinigung, Daniel Sher, legte eine Resolution vor. die sich gegen die judenfeindliche Propaganda an den Hochschulen Polens und Rumäniens wandte. Im Rahmen eines Kompromisses kam es jedoch zu einem Beschluss, in dem die Föderation es als ihre Aufgabe bezeichnete, in Verbindung mit dem Völkerbund die internationalen Probleme zu studieren „frei von jeglicher nationaler, religiöser, rassischer, Standes- oder Partei-Voreingenommenheit". Vereinigte Staaten An der Feier des 15 0jährigen Bestehens der amerikanischen Verfassung am 17. September nahm auch die jüdische Bevölkerung in grossem Umfange teil. In den Synagogen fanden Festgottesdienste statt, die jüdiechen Soldaten in den Garnisonen fanden sich zu besonderen Andachten zusammen, die jüdischen Frontkämpfer nahmen an den offiziellen Feierlichkeiten teil. Der Prozess wird nun nochmals beim Obersten Gerichtshof aufgerollt werden. Auch in dem Prozess gegen Juda Leib Chaskielewicz, der im Sommer d. J. den polnischen Sergeanten Jan Bujak ermordet hatte und deswegen in erster Instanz zum Tode verurteilt worden war; hat das Berufungsverfahren stattgefunden. Wie bei seinen früheren Vernehmungen, machte Chaskielewicz einen völlig verwirrten Eindruck; er versicherte aber, dass nicht politische Motive, sondern Erinnerungen an Leiden während seiner Militärzeit den Hintergrund der Tat gebildet hätten. Der Staatsanwalt verlangte Bestätigung der Todesstrafe, da Chaskielewicz für seine Tat voll verantwortlich sei, betonte aber, dass auch nach seiner Meinung keine jüdische Partei Schuld an dem Verbrechen tragen. Auch das Gericht iit von der These des erstinstanzlichen Urteils, dass „gewisse - Bevölkerungskreise" für die Tat mitverantwortlich seien, deutlich abgerückt. Darüber hinaus hat es sich aber auch ein psychiatisches Gutachten, das Chaskielewicz als pathologisch veranlagten Menschen hinstellt, zu eigen gemacht und demgemäss die Verurteilung zum Tode aufgehoben und auf Bestrafung mit lebenslänglichem Zuchthaus erkannt, da dip Gesellschaft vor dem krankhaften rlass des Angeklagten gegen Staat und Armee geschützt werden müsse. — In der Oeffentliehkeit hat das Urteil des Berufungsgerichtes grosses! Aufsehen erregt. Bekanntlich war die Tat Chaskielewicz der jüdischen Bevölkerung im Allgemeinen zur Last gelegt worden, und im Verfolg der heftigen, gegen die Juden gerichteten Vorwürfe war es zu schweren Ausschreitungen in Minsk- Mazowieck gekommen. Endlich ist es vor dem Berufungsgericht in Lublin zu einer zweiten Verhandlung gegen fünf niehtjüdische und drei jüdische Angeklagte gekommen, die an den Ausschreitungen in Przytyk im März 1936 beteiligt gewesen waren. Der Antrag des Verteidigers eines der jüdischen Angeklagten, das Verfahren gegen, ihn abzutrennen, weil ein Universitätsgutachien besage, dass er die ihm zur Last gelegte Tat unmöglichbegangen haben könne, wurde aus Rechtsgründen abgelehnt. Das Gericht hielt in allen Fällen die Schuld der Angeklagten für erwiesen, bestätigte die Gefängnistrafen geringer Dauer, die gegen die nichtjüdischen Angeklagten verhängt worden waren und setzte die Gefängnisstrafen der beteiligten Juden um 1 bzw. Vi Jahre herab: die l^jährige Untersuchungshaft wurde auf die Straten angerechnet. Gymnasiums. Der jüdische Fuhrmann Mosche Leib B e d a r wurde in Warschau von einem Steinwurf getroffen; er starb wenige Stunden darauf an den Folgen des Ueberfalls. In B y d - goseze (Bromberg) wurden im Verlaufe von Ausschreitungen 60 Juden verletzt und viele Läden geplündert. Auch in K i e 1 c e und R a - dorn kam es zu judenfeindlichen Ausschreitungen. In Warschau ist ausserdem anlässlich des Beginns des Schuljahres von nationalradikalen Abteilungen ein Boykott gegen die jüdischen Buchhandlungen organisiert worden. Ministerpräsident Skladkowski hat sich in Begleitung des Warschauer Woiwoden persönlich von der Lage im Buchhändlerviertel überzeugt. Die Vorgänge, die sieb zunächst in den kleineren Städten konzentriert haben, beginnen auf die grösseren Städte überzugreifen. In G r o d n o, der zweitgrössten Stadt der Woiwodschaft Bialystok, ist von den Nationaldemokraten gemeinsam mit der Koc-Partei ein „antijüdischer Monat" proklamiert worden. Flugblätter werden in allen Teilen der Stadt verteilt, Lautsprecherwagen verbreiten judenfeindliche Parolen. In Lublin wurden Boykottposten aufgestellt. In P i o t r k o w, einer grossen Stadt in der Woiwodschaft Lodz, sind Plakate mit der Aufschrift „Tod den Juden" angebracht worden. In der grossen ostgalizischen Stadt Tarnow kam es zu Zusammenetössen zwischen Boykottposten und nicht judenleindlich gesinnten Polen. In Warschau kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Boykottposten und Angestellten jüdischer Geschäfte. Bei der Zerstörung der Schaufenster und Lichtreklamen jüdischer Buchbandlungen verhaftete man Führer der Koc-Jugendpartei. Inzwischen hat der Berufungsprozess gegen den Juden Wolf Czszerbowski stattgefunden. Wie erinnerlich, hatte Czszerbowski, ein 18jähriger Fleischergeselle, in einem persönlichen Streit in Brest-Litowsk den Polizisten Kedziora erstochen. Die Tat hatte seinerzeit — im Mai dieses Jahres — die Ereignisse von Brest-Litowsk ausgelöst, über die wir ausfuhrlich berichtet haben. Bekanntlich war Czszerbowski wegen seiner Tat zum Tode verurteilt worden. Für den Berufungsprozess waren ausserordentlich umfassende Vorkehrungen und Abspernnassnahmen getroffen worden. Der Staatsanwalt trat zunächst für Bestätigung der Todesstrafe ein, erklärte aber nach dem Plaidoyer des Verteidigers, dass er nunmehr auf einer anderen sehr schweren, Strafe bestehe. Der Verteidiger des Angeklagten forderte ein milderes Urteil mit Rücksicht auf das jugendliche Alter des Täters und die besonderen Umstände, die zu der Tat geführt haben. Er habe sich in einem Zustand hoher Erregung befunden, der ihn als nicht voll verantwortlich erscheinen lasse. Das Gericht schloss sich jedoch diesen Ausführungen nicht an und bestätigte das Todesurteil: Anlässlich des Semesterbeginns an den polnischen Hochschulen werden Zahlen über die Zusammensetzung der Hörerschaft veröffentlicht, die den Rückgang des Studiums unter den Juden widerspiegeln... Bei einem 30prozentigen Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung Warschaus beträgt ihr Anteil an der Gesamtstudentenschaft nur 19,5 Prozent; der Anteil, der jüdischen Studierenden an der-Universität Posen beträgt 1.6 Prozent, in Wilna 18,1 Prozent, in Krakau 14 Prozent, in Lemberg 16,2 Prozent. Vergleicht man diese, dem Studienjahr 1935/36 entnommenen Zahlen mit denen von 1930/31, so ist ein Rückgang der jüdischen Hörer in Warschau um 19 Prozent, in Wilna um 45 Prozent, in Krakau um 53 Prozent, in Lemberg um 56 Prozent zu verzeichnen. Eine Versammlung des Krakauer A e r z t e - Verbandes bat mit 250 gegen 150 Stimmen die Einführung des Arierparagraphen abgelehnt. Es verlautet, dass gemeinsam mit der von der Leitung des „Lagers der nationalen Einigkeit" angekündigten Neuwahl der Vertretungskörperschaften auch eine Neubesetzung der Vertretungen in den jüdischen Gemeinden stattfinden werde, deren Legislaturperiode abgelaufen ist. In vielen Städten, darunter in Warschau, sind bekanntlich die gewählten Vertretungskörperschaften durch kommissarische Vertretungen ersetzt worden.. Die von- Polen nach Madagaskar entsandte Expedition, die dort mit Zustimmung der französischen Regierung die Möglichkeiten zur Ausiedlung von Juden, prüfen sollte, ist zurückgekehrt. Ihr Leiter, Major L e p e c k i, wurde von Außenminister Beck empfangen. Bei der Eröffnung des Studienjahres ist es an der Universität Lemberg zu antijüdiseben Ausschreitungen gekommen, bei denen mehrere jüdische Studenten misshandelt wurden. Auch an der Warschauer Hochschule gab es Unruhen. Der jüdische Abgeordnete Dr. Emil Sommers t e i n hat dem Unterrichtsministerium einen Berich erstattet. K. J.R. Lehrhaus Berlin Beginn des Winter-Semesters 14. Oktober. ' Der neue Lehrplan erscheint Ende dieses Monats. In.tensiv-rvu.rsu3 für Englisch: Anfang'Oktober wird — bei genügender Teilnehmevzabl — die Einrichtung eines neuen Intensiv-Kursu? geplant. — Möglichst umgebende Meldungen an das Sekretariat, W 50, Martrarger Str. 5 III. Tel. 24 55 8", während der Sprechstunden (Montag bis Donnerstag, 10—13, 16—18 Uhr). Chefredakteur: Dr. Alfred Hirschberg; stellvertretender Chefredakteur: Dr. Margarete Edelheim. Verantwortlich für den Sport: Dr. Ernst G. Löwenthal; verantwortlich für die Aufnahme von Bildern: Dr. Margarete Edelheim; sämtlich in Berlin. Für Rücksendung unverlangter Einsendungen ist Freiumschlag■ beizufügen. Leiter der Anzeigen-Abteilung und verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Friedrich Nathan. Berlin. DA II. Vj. 38 236. PI. 5. Verlag: Jüdischer Centrai-Verein e. V.. Berlin W 15, Emser. Str. 42. Druck der Buch- und Tiefdruck-Gesellschaft mbH, Berlin SV7 19. MjTW^-^M*^^ WS fji. 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