Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 37 (17.9.1937)
- Date
- 1937-09-17
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 12 C-V.-Zeifung Nr. 37 * 17. September 193? talmudiechen Hörer mit dem Prädikat „Schüler" bezeichnet oder mit „Du" angeredet, denn „ich dachte mir immer, dass dereinst gewiss viele derselben es in der Wissenschaft zu einer beträchtlichen Höhe bringen und mich überflügeln werden". Geleitet von einer beispiellosen Anspruchslosigkeit, liess er sich von keinem seiner Hörer bedienen, nicht einmal ein Lehrbuch zureichen, und so sah man, wie er sich in den öffentlichen Lehrstunden nach dem Seitenzimmer seiner Bibliothek bemühte, ja sogar einige Stufen der Treppe zum Bücherschrein hinaufstieg, um die erforderlichen Bücher zu bringen. Seine Frömmigkeit,.sein strenges Beobachten "der Religionsvorschriften, alles ist beinahe unbeschreiblich. Trotz seiner schwächlichen Körperbeschaffenheit und Kränklichkeit besass er eine , J"d. Willu Rßrtar NO.'GreifswaWepSri^^SS Inhaber »tHy UCLRGi, Kunststopferei. Entmottung.ftufbewahrungetc bewundernswerte Arbeits- und Schaffenskraft. Er nahm an vielen Wohltätigkeitsaktionen teil, in Posen veranlasste er die Stiftung einer Krankenanstalt, die er selbst verwaltete. Bemerkenswert sind seine Verhaltungsregeln bei der Choleraepidemie in Posen. Im Cholerajahr 1831 dankte ihm Friedrich Wilhelm III. für seine Umsicht „Zur Abwehrung und Heilung der Krankheit" in einem Kabinettsschreiben. Nichts lag dem aussergewohnlich bescheidenen R. Akiba Eger ferner, als Bücher drucken zu lassen. Seine zahlreichen Schriften, von denen sehr viele erst nach seinem Tode veröffentlicht wurden, erstrecken sich hauptsächlich auf die Mischna, den Talmud, auf Maimonides, auf die vier Teile des Schulchan Aruch, enthalten auch zwei Bände Responsen. .Seine Werke zählen zu der klassischen Literatur. Unter seinen Söhnen sind viele bedeutende Talmudgelehrte gewesen, besonders sein zweiter Sohn, R. Schelomo, der im Jahre 1835 gleichzeitig zum Rabbiner in Kaiisch und Frankfurt a. M. gewählt wurde. Er nahm die erste Wahl an und folgte dann 1839 einer Berufung nach Posen als Nachfolger seines Vaters, R. Akiba. Der ebenbürtige Schwiegersohn R. Akibas, R. Mosche Sofer in Pressburg, ist zum Stammvater einer hervorragenden Gelehrtendynastie . geworden. Kaum ein zweiter jüdischer Geistesheros der letzten 125 Jahre ist dem jüdischen Volksmund so geläufig und mit dem Zauberkranz verherrlichender Sagen gleich R. Akiba Eger gekrönt worden. Die in seinen Schriften niedergelegte, eigentümlich gründliche und lichtvolle Beleuchtung der talmudischen Literatur", sagt in seinem schon oben zitierten Werke ,Rabbi Akiba Egers Leben und Wirken', ,.ist zwar verschieden von der modernen, historischen und systematischkritischen Methode, bedeutet aber nichtsdestoweniger eine folgerechte, organische Fortentwicklung und gerade durch ihre Einseitigkeit um so tiefere Durchdringung der talmudischen Materie, die zahlreiche Talmudforscher bis auf die Gegenwart angeregt und erleuchtet hat. Er ist die letzte, für die ganze Diaspora massgebende Autorität Deutschlands auf religionsgesetzlichem Gebiete. An ihm bewährt sich das Wort der Mischna (Ende Track Sota): .Seit dem Tode Rabbi Akiba ist die Herrlichkeit der Lehre geschwunden* und das Thorastudium, . namentlich in Deutschland, * vielfach nur noch als theologisches Fachstudium erhalten geblieben." * Der Schuldezernent im Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde hat an die' Schulleiter und Religionslehrer der Schulen .. der Gemeinde ein Schreiben gerichtet, in dem auf den 100. Todestag von Rabbi Akiba Eger hingewiesen und vorgeschlagen wird, in den Schulen dieses Tages zu gedenken. , Im Anschluss hieran hat der.Preussische Landesverband jüdischer Gemeinden unter Uebermittlung dieses Rundschreibens die Rabbiner und Lehrer der ihm angeschlossenen Gemeinden gebeten, wo nur immer die Möglichkeit sich bietet, im Sinne der Anregung der Schulverwaltung der Berliner Jüdischen Gemeinde zu verfahren. Das Aufbringungswerk der Berliner Jüdischen Gemeinde bereitet eine Plakette mit dem Bild von Rabbi Akiba Eger vor. Man darf erwarten, dass man diesmal die Geschmacklosigkeiten vermeiden wird, die das Aufbringungswerk etwavor Jahresfrist mit der Verleihung der Abravanel-Plakette begangen hat.. Von der Wissenschaft des Judentums Im März-April-Heft der Monatsschrift' für Geschichte und Wissenschaft des Judentums (M. & J. Marcus Verlag, Breslau) berichtet Zofja Ameisenowa über eine seit kurzem verschollene ..spanisch - jüdischen Bilderbibel um 1400", deren Entstehung sie in einer jüdischen Künstlerwerkstatt Barcelonas vermutet. Sechs der wertvollsten Abbildungen sind dem Aufsatz beigegeben. J. Bergmann verfolgt den Bedeutungswandel des Wortes „Epikuräer", das sich erst im Laufe der Zeit zum Begriff „Gottesleugner", „Schlemmer und •Schwelger" entwickelt habe, ähnlich wie das Wort „Pharisäer" erst in der christlichen Polemik den Sinn „Heuchler" erhalten hat. Dem Herausgeber der „Monatsschrift", Professor Dr. I. Heinemann, widmet zuin__60. Geburtstag Harry Torczyner Verbesserungen und Nachträge zur Neuausgabe der Bibelübersetzung. Alfred Fürst veröffentlicht zwei Geschichtsqueilen aus einem Sammelband der Bodleiana: eine versifizierte Chronik der Belagerung Ofens durch die Oesterreicher 1686 und eine tagebuchartise Chronik der Belagerung Wiens durch die Türken 1683, beide in Jiddisch. Walter Gotte ch alk steuert eine Bibliographie der Schriften Eugen Mittwochs bei. Von den Besprechungen dürfte Grünewalds Rezension der „Prophetie" von Abraham Heschel weitere Kreise interessieren. * Rabb. Dr. Robert Zion. ■ * Die Rosch-Haschana-Nummer der vom. Zentralbüro der Unabhängigen Misrachi. Landesorgänisation Deutschlands herausgegebenen Monatsblätter für Lehre, Volk, Land, „Z i o n", steht ihi Zeichen der Erörterung des Judenstaatsplanes. auf den Tagungen in Zürich und Genf- Diesem Problem sind Aufsätze von Alfred Lehmann und Samuel Grünberg gewidmet. Ueber den Verlauf des XX. Kongresses berichtet Paul Sulzb erger. Ein Bericht über die Misrachi-Weltkonferenz wird wiedergegeben. Ausserdem bringt das Heft den Abschluss der Untersuchung von S. Grünberg über „Alte und neue Wege der Bibelexegese". * Der dritte Band von Sa-lman S i 1 ber z weigs jiddischem Theater-Lexikon erscheint dieser Tage in N e w - Y o r k- Zur neuen Saison gibt Silberzweig ein illustriertes „Album des jiddischen Theaters" heraus. Apprendam brasileiro (Fortsetzung) Endungen: Sg. i. — (nur das Presente hat -o). PI. i. -mos 3. -m (ursprünglich vgl. Aussprache, Buchstabe m). Anm.: Für die des Griechischen Kundigen verweise ich hier auf die Verba auf -fzi, wie nfrypi, aus denen deutlich hervorgeht, dass die wahre Endung -pu ist. Das -0ist nur Bindevokal, der bei den anderen Verben, wie z. B. ticuSsvcd (entstanden aus xaiösv-o-{u), nach Ausfall der Endung 'pn zu -co gedehnt wurde. Während sich die I.(a)-Konjugation scharf vori den beiden anderen abhebt, beeinflussen sich die II. (e)- und die III.(i)-Konjugation ziemlich häufig. — (Für Humanisten' sei hier bemerkt, dass für die Entstehung der romanischen Sprachen die lat. IL, III. und IV. Konjugation" teils zusammengefallen sind, teils die Konjugationsklassen gewechselt haben.) — Wir werden daher zuweilen das Stamm-i der III. Konjugation in der II. antreffen, und das Stamm-e der II. Konjungation'in der III. Es wird an den betreffenden Stellen jedesmal durch Fettdruck der Vokale darauf verwiesen werden. toma-r - I.; nehmen toma-ndo nehmend toma-do genommen Sg. 1. tom-o ich nehme 3. toma- er nimmt PI. 1. toma-mos wirnehmen 3. toma-m sie nehmen Konjugations-Tabelle Infinitiv IL come-r ~ essen G erun dio come-ndo essend Participio passado comi-do (com[e]i-do) gegessen Indicativo Presente com-o (com[eJ-o) ich esse come- er isst come-mos wir essen come-m — sie essen In der 1. Person Sg. wird die Endung -o stets mit dem Stammvokal -a, -e zu -o kontrahiert (zusammengezogen). III.(i)-Konjngation Für den Wechsel zwischen -i und -e (s. vorige Bemerkung über die Beziehung zwischen II. und III.) diene hier folgende Merkregel: In der III. Konjugation bleibt das -i nur in den III. parti-r — abreisen parti-ndo abreisend partido ==■ abgereist part-o (part[i,eJ-o) ich reise ab parte- (part[i]e) er reist ab parti-mos wir reisen ab parte-m (part[i]e-m) sie reisen ab Formen, wo es auch den Wortton trägt, z. B. PI. 1. Person partimos wir reisen ab. Liegt der Wortton nicht auf dem -i, so wird es zu -e abgeschwächt (Beeinflussung durch II. Konj.), z. B. parte er reist ab, partem sie reisen ab. Auch die 1. Person Sg. (ursprünglich parti-o) wurde erst zu parte-o, und erst so konnte e-o zusammengezogen werden, denn eine Kontraktion von i-o gibt es nicht. Sg. 1. toma-va- ich nahm 3. toma-va- er nahm PI. 1. toma-va-mos wir nahmen 3. toma-va-m sie nahmen Imperf eito comi-a- (com[e]i-[v]a-) •-<->• parti-a- (parti-[v]a-) comi-a- (com[e]i-[v]a-) <->■ parti-a- (parti-(vja-) comi-a-mos (com[eji-[vja-mos) <->- parti-a-mos (parti-[vJa-mos) comi-a-m (com[e]i-[vJa-m) -<->■ parti-a-m (parti-[v]a-m) Man achte darauf, dass hier (wie auch später im Maisqueperfeito) der Ton stets dort liegen bleibt, wo er in der 1. Person Sg. war, also tomdva, tomdvamos, tomdvam. 'Auch_ hier zeigt sich deutlich die scharfe Scheidung zwischen der I.(a)-Konjugation auf der einen Seite und der II./III. Konjugation auf der anderen Seite. Die I. Konjugation zeigt noch deutlich die Entstehung an, während in der II./III. Konjugation das intervokale (zwischen Vokalen stehende) -v ausgefallen ist (hier durch Klammer markiert). Ausserdem ist das -i der III. Konjugation hier in die IL eingedrungen, so dass also die fertige Form der II. heisst: comia ich ass, wie partia ich reiste ab. Man sieht indes, dass sie genau so gebildet sind, wie die I. Konjugation es heute noch deutlich aufweist. P erf eito comi ich ass comex er ass Sg. 1. tomei ich nahm 3. tomou er nahm PI. 1. toma-mos wir nahmen come-mos - 3. toma-r am — sie nahmen come-r am - Humanisten, die sich für diese Bildungen interessieren, wollen die vorige Anmerkung beachten. Es ist immerhin für den Anfänger auffallend, dass hier die 1. Person PI. äusserlich genau denselben Formen des Presente entsprechen. Indes ist die Aussprache verschieden. Die Formen des Presente tomamos, comemos, partimos werden mit leichter parti ich reiste ab partiu. — er reiste ab parti-mos «= wir reisen ab parti-r am — sie reisen ab wir assen sie assen Nasalierung des a, e, i gesprochen, also etwas durch die Nase, während dieselben Formen des Perfeito klar klingen. Zuweilen wird dies auch durch einen (völlig unberechtigten) Akzent angedeutet, wie ich es hier in der I. Konjugation angedeutet habe. "Die 1. Person Sg. der IL Konjugation ist hier wieder durch die III. Konjugation beeinflusst. Sg. 1. toma-ra- Ich hatte genommen 3. toma-ra- er hatte genommen PI. 1. tomä-ra-mos wir hatten genommen 3. toma-ra-m sie hatten genommen Maisqueperfeito (Tempuscharakter -ra-) come-ra- ich hatte gegessen parti-ra- ich war abgereist come-ra- — er hatte gegessen parti-ra- er war abgereist come-ra-mos wir hatten gegessen come-ra-m sie hatten gegessen . part't-ra-mos wir waren abgereist parti-r a-m sie waren abgereist langem vorhabe. Schreibe mir schnellstens. München, 22. März 1833. Sehr geehrter Herr Frank Herr Michael Beer hat Ihre lieben Worte noch vernommen und sich damit auch im letzten Stadium seiner Krankheit gefreut. Ich war sein Arzt. Er hörte nicht willig auf mich. Ich riet ihm, "bei seiner leichten Erregbarkeit den Hof und die Festlichkeiten zu meiden. Sein Nervenzustand war beängstigend. Er hörte nicht auf mich, er liess sich einladen, und was ich befürchtete, geschah, er prüfte jedes Wort, jeden Blick und vermutete bewusste Zurücksetzung und Missachtung. Er zehrte seine Kräfte auf und erlag einem Nervenfieber! Die Ursache seines frühen Todes war aber die Tragik einer Selbstzerstörung. Ich sage nur Ihnen, diese meine Ueberzeugung. . Ich weiss, wie nahe Sie dem jungen, begabten, vornehm gesinnten, reinen Menschen waren. Seien sie bestens gegrüsst von Ihrem ergebenen Geheimrat von Walther. München, 30. März 1833. Liebe Cläre! Ich habe unsern Michael auf dem israelitischen Friedhof besucht. Gesucht und gefunden habe ich ihn bei den Freunden, die ich sprach. Und bei ihnen fand ich seinen Willen, sein Streben in guter Hut. Liebe Cläre, Du weisst, ich habe zu Hause in meinem Schreibtisch noch ein Manuskript, die Handschrift meines Dramas „Fata Morgan a"! Bitte, vernichte es, bevor ich zurückkehre. Unser Michael hat es gelebt! Wozu die schwache Versarbeit? Ich komme bald zurück. In der Bibliothek arbeite ich nicht. Wozu in Büchern Umschau halten, wenn das Leben solche Zeichen schreibt! Michael kam zu früh! Auf Wiedersehen Dein Moritz. Berlin, 10. Mai 1846. Verehrter Herr Moritz Frank, Ich soll Ihnen im Auftrag von Herrn Generalmusikdirektor Giacomo Meyerbeer die Mitteilung machen, dass am 19. September zu Berlin die Musik zu Michael Beers „Struensee" zur Erstaufführung kommen wird und. Ihnen die freundschaftliche Einladung zu dem Abend zustellen.. - Jetzt erst konnte der Meister diese Ehrung seines innig geliebten Bruders zustande bringen. Sie werden erkennen, dass diese spät gereifte, in der Zusammenarbeit mit dem Geiste des Verstorbenen entstandene Musik nur in Stunden geschaffen werden konnte, in denen die Brüder — der lebende' und der tote — sich, abgelöst von trüben Zeitlichkeiten, vereinten. Es ist ein Akt der Weihe. Und, wer wie Sie in die Geheimnisse der . Passionen zu blicken vermag, die den nur das Äussentrugbild Schauenden verborgen bleibt, der erkennt die Bedeutsamkeit dieser seltenen letzten brüderlichen Tat. Ich begrüsse Sie im Namen meines Auftraggebers. Sekretär des Herrn Gen.-Mus.-Direktors G. M. Thalheim, 18. Mai 1833. Sehr geehrter Herr! Mein Gatte ist nicht mehr unter den Lebenden. Danken Sie Herrn General- Musikdirektor herzlichst. Mein Mann hat immerzu von Michael Beer gesprochen, die Kinder wissen von ihm und haben das Bild einer yerehrungswürdigen Persönlichkeit vor sich, wenn sie an ihn denken. Sollte Idealismus ein Fehler sein, so war es sein einziger. Ich bin eine müde alte Fiau — mein ganzes Glück sind die Kinder, die mein Mann lehrte, ihre Kräfte zu messen und zu gebrauchen. Grüssen Sie in meinem Namen den Herrn General-Musikdirektor. Cläre Frank. Eine interessante amerikanische Zeitung The Jewish Quarterly Review Im 28. Jahrgang (der „Neuen Serie") erscheint nunmehr die vom „Dropsie College for Hebrew and Cognate Learning in Philadelphia"' veröffentlichte Jüdische Vierteljahrsschrift, die von Professor Cyrus Adler, dem Präsidenten des College, herausgegeben wird. Den wissenschaftlichen Aufgaben des Instituts entsprechend (das zur Verleihung des Grades eines „Doctor of Philosophy" berechtigt ist und das sich satzungsgemäss nicht auf jüdische Studierende beschränkt) umfassen die bisher vorliegenden 27 Bände alle Gebiete der jüdischen Wissenschaft und ihrer Nachbardisziplinen: Biblische und rabbinische Literatur, Geschichte und Aegyptologie, semitische Philologie und Orientalistik. Von der Weite und Mannigfaltigkeit der Forscherarbeit, die von Lehrern und Schülern des Dropsie College geleistet wird, vermittelt das soeben erschienene neue Heft ein anschauliches Bild (The Jewish Quarterly Review Vol. XXVIIL, Nr. 1., July 1937, Philadelphia, USA.). Wenn auch die Zeitschrift ihrer „Herkunft" gemäss akademischen Charakter trägt, so findet sich doch in diesem wie in fast allen vorangegangenen Heften mancherlei, was nicht nur für den Fachwissenschaftler wichtig und bedeutungsvoll ist,' sondern, was auch den nur als „Laien" an den Fragen jüdischer Vergangenheit und jüdischer Lehre Interessierten wissenswert sein wird. Unter den drei grösseren Arbeiten des Heftes gibt die von A. Z. Aescoly (Jerusalem) die Ergebnisse seiner Forschung über Herkunft, Reise und literarhistorische Zuverlässigkeit der eigenen Berichte David Reubenis, des messianischen Schwärmers in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. H. M. Orlinsky von der John Hopkins University behandelt kritisch die hebräischen und griechischen Texte einer Stelle aus dem Buche Hiob und M. M. Zarchin. Professor am San Franzisko Junior College berichtet — und das wird für uns Juden in Deutschland, vorzüglich für die aus der' ehemaligen Provinz Posen stammenden, von besonderem Interesse sein — auf Grund eines Manuskripts in der Bibliothek des „Jewish Theological Seminary of America" von der „Jüdischen Schneiderzunft in Kurnilc" einem Städtchen südlich der Eisenbahnlinie Posen—Schroda, das vor 100 Jahren noch eine ausserordentlich starke jüdische Bevölkerung hatte. Diese jüdische Zunft, mit ihren starken, die Gewerbefreiheit freiwillig beschränkenden Gesetzen und ihren religiös-kulturellen Verpflichtungen und Vorrechten, die zeitweise gegen 50 Mitglieder hatte, zeigt in vielen Beziehungen eine ausserordentlich starke, soziologisch und kulturhistorisch sehr interessante Aehnlichkeit mit dem allgemein bekannten Bilde der mittelalterlichen Zünfte. Aus den Buchbesprechungen im kritischen Teil der Zeitschrift werden wir u. a. mit einem Werk bekanntgemacht, das sicherlich dem besonderen Interesse manches Lesers auch dieser Zeitung begegnen wird. Die in englischer Sprache geschriebene Arbeit de3 Holländers H. R. S. van der Veen über die Jüdischen Charaktere in der englischen Richtung und dem Drama des 18. Jahrhunderts (Jewish Characters io Eighteenth Century Fiction and Drama. Groningen 1935) gibt noch dem Rezensenten über den rein literarhistorischen Stoff hinaus auch wertvolle Hinweise für mancherlei national-politische, kulturelle und psychologische Erscheinungen im England der damaligen Zeit. Dr. Ernst Fraenkel.