Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 33 (19.8.1937)
- Date
- 1937-08-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 33 * 7. Beiblatt 19.Augusf1937 *$erte3 pprendam t bratfleiroj Von Professor Dr. H. Reichmann, Säo Paulo Die Schriftleirung korrigiert die Uebungsaufgaben und beantwortet zusätzliche Fragen "m Rahmen des Möglichen. — Die Einsendungen mit der Anschrift: An die C.-V.-Zeitung, Abtig. Sprachkurs, Berlin W 15, Emscr Strasse 42, müssen bis spätestens Dienstag früh nach dem Erscheinen der betreffenden Aufgabe, eingegangen und deutlich, einseitig mit breitem Rand, geschrieben sein; ein adressierter Freiumschlag ist beizufügen. ,_,Ä! IM1SSENT TO YOKOHAMA.! 26.7, « i ■ 'i JWWll Sao Paulo—Berlin in 60 Tagen! Ein Rekord nicht gerade der Schnelligkeit aber der Zuverlässigkeit des 20. Jahrhunderts ermöglicht uns heute endlich, unseren brasilianischen Sprachkurs lortzusetzen. Alles Rätselraten unserer eifrigen Schüler, alles Kopfzerbrechen der Redaktion, alle sensationellen Kombinationen über abgestürzte Flugzeuge, untergegangene Schiffe, verbrannte Postsäcke finden in den drei Worten ..Missent to Yokohama" (Fehlgeleitet nach Yokohama) ihre harmlose Erklärung. Da gerieten Gleich drei Briefe Professor Reichmanns auf ein- %ggP mal in einen falschen Postsack und statt nach Osten über den Atlantik ging die Reise nach Westen fast um die ganze Erde über den Grossen und den Indischen Ozean durch den Suezkanal und das Mittelmeer zu uns. Wir hoffen, dass unsere „Schüler" die Ferienzeit benutzt haben, um die ersten Lektionen zu wiederholen, so dass sie jetzt mit frischer Kraft an die Weiterarbeit gehen können. Neue Bezieher erhalten auf Wunsch den Anfang des Kurses kostenlos nachgeliefert. kann räumlich und zeitlich gebraucht werden und bezeichnet die Richtung „von wo", z. B. Oertlich: venho de Santos ich komme von (aus) Santos. Zeitlich: dient es zur Angabe von Uhrzcir.cn, z. B. das (aus de + as) z (duas), as (aus a -f as) 3 (tres). wird vielfach mit sobre (s. dort) vertauscht und entspricht dann dem deutschen „von", „über", z. B. falla de (sobre) politica er spricht von (über) Politik. , Elliptische, d. h. verkürzte, Redensarten sind folgende: sernir de interprete als Dolmetscher dienen (verkürzt aus „servir em qualidade de interprete", wobei „em qualidade" ausgefallen ist); trabelbar de aljaiatc — als Schneider arbeiten (beruht auf demselben Grund); estar de luto — in Trauer sein (hier fehlt „em estado" im Zustand); vestir-se de branco — sich in weiss kleiden, weiss tragen (liier fehlt „em roupa" in der Kleidung) u. a. Viele Redensarten, z. B. eego de furor blind vor Wut; de balde umsonst, vergeblich; de repente — plötzlich; de veras (wird auch „deveras" geschrieben) wahrhaft, tatsächlich; de medo aus Furcht; de die — bei Tage; de noite bei Nacht, und viele andere. XB. Nicht hierhin gehören (wie in den meisten Grammatiken angegeben) Ausdrücke wie „de viagern' S> — auf Reisen; „de caminho" — unterwegs; „de passo" — im Vorbeigehen, gelegentlich; „de passagern" mit derselben Bedeutung, die alle nur mit „estar" zusammen dieses „de", das zu estar gehört, haben können (Erklärung s. Absatz d). desde Selten örtlich; meist nur zeitlich gebraucht und entspricht dem deutschen „seit", „von . . . an", z. B. desde estc dia — von diesem Tag an, seit diesem Tage. Auch für Uhr an gaben wird „desde" gebraucht, z. B. desde as j (tres) ate as 4 (quatro) von 3—4. Man beachte hier, dass „desde" mit „ate" verbunden sein muss, während bei Uhrangaben „de'' mit „a" verbunden ist (s. unter „de" Absatz b). Der Unterschied zwischen „das 5 as 4" und „desde as 3 ate as 4' ist folgender: Die erste Ausdrucksweise gibt den betreffenden Zeitraum ohne jeden Kommentar an, ganz gleich, ob dieser als kurz oder lang empfunden wird. Der zweite Ausdruck dagegen hebt den angegebenen Zeitraum als lang von der betreffenden Person empfunden hervor; für einen anderen kann dieselbe Zeit kurz oder bedeutungslos sein. . Ein interessantes Beispiel dafür wäre die Redensart „desde a manha ate a noite", die etwa dem deutschen „vom frühen Morgen bis zum späten Abend" entsprechen würde. 'Dabei ist es aber ganz unwesentlich, ob die betreffende Person beispielsweise auch wirklich vom Die Zahl der jüdischen Schüler Wir veröffentlichten in Nr. 29 der C.-V.- Zeitung vom 22. Juli einen Aufsatz „Jüdische Schüler in Preussen'* von Dr. Hermann Weil, Frankfurt a. M. Die Angaben stützten sich auf Mitteilungen der Zeitschrift ..Deutsche Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung". Jetzt macht Regierungsrat Dr. Klararoth vom Reichserziehungsministerium im ..Deutschen S c. h u I v e r w a 11 u n g s a r c h i v" neue Mitteilungen zu diesem Thema. Er stellt als Ergebnis der bisherigen Massnahmen zur Durchführung der Rassenpolitik in der Schule fest, das© in den allgemeinen deutschen Schulen keine jüdischen Lehrer mehr unterrichten. Die Zahl der jüdischen Schüler, die in Preussen die Volksschulen besuchen, und zwar einschliesslich der privaten und der Schulen für jüdische Sehüler, beträgt 20 164 Juden und 5095 jüdische Mischlinge. Bei einer Gesamtzahl von 4.S Millionen Volksschulkindern betrage der Anteil der jüdischen 0,2 Prozent. Die privaten Volksschulen seien zu rund 70 Prozent von jüdischen Kindern besucht. Das habe seinen Grund darin, dass ausser den Minderheitsschulen so gut wie keine privaten Volksschulen mehr für deutschblütige Kinder bestehen, während in den letzten Jahren für jüdische Schulkinder in grösserer Zahl private Volksschulen errichtet wurden. An den m i 11 l'e r e n Schulen Preussens gibt es 3184 Juden und 533 Mischlinge. Für die höheren Schulen liegt eine Zahl aus dem ganzen Reich vor: 11 70fi Juden und 3581 Mischlinge. Hierbei sind nur die reichsangehörigen jüdischen Schüler berücksichtigt. Unter diesen jüdischen Schülern befinden sich 8042 Kinder von Frontkämpfern. Unter Einrechnung dieser beträgt der Hundertsatz jüdischer Schüler rund 1.8 Prozent, ohne ihre Errechnung nur 0.5 Prozent. Der Referent stellt fest, dass die Verhältniszahl von 1.5 Proz?nt demnach bei der Gesamtzahl der jüdischen Schüler der höheren Schulen weit unterschritten sei. Juden im Schweizer Heer An den Wettbewerben der Schweizerischen Unteroffizierstage, die vor kurzem in Luzern stattgefunden haben, nahmen auch jüdische Soldaten teil. Soweit die Resultate bekannt sind, war die von dem jüdischen Wachtmeister Bernhard Riemer geführte Maschinengewehrtruppe des Unteroffiziersvereins Zürich erfolgreich. Note: Vorzügliche Leistungen, 3. Fang unter den 21 Kampfgruppen dieser Waffengattung. * Die jüdischen Reserveoffiziere der in der Nähe von Budapest gelegenen Stadt Kispest. in der es in der letzten Zeit wiederholt zu judenfeindlichen Ausschreitungen gekommen ist, haben beschlossen, eine eigene Organisation ins Leben zu rufen. Die Organisation soll der Vertiefung des Glaubenslebens und der Pflege der jüdischen Tradition dienen. 3. Kenessio Gedaulo in Marienbad Zu der Tagung der 3. Kenessio G-edaulo der Agudas Jisroel sind rabbinische Autoritäten und andere Persönlichkeiten aus den verschiedensten Ländern eingetroffen. Die Tagung hat auch den Peel-Bericht und seine Auswirkungen für die jüdische Gesamtheit zum Gegenstand. Der grösste Teil der Rabbinen cbassidischer' und anderer Richtung in Polen stehen dem Plan deis jüdischen Staates grundsätzlich zustimmend gegenüber; es werden jedoch wichtige Forderungen religiöser Art erhoben. Die orthodoxen Rabbiner der Vereinigten Staaten haben, wie ihr Delegierter Rabbi Silver berichtet, eine Resolution gefasst. in der sie verkünden, dass die Juden der Tora zufolge keinerlei Teilung Palästinas akzeptieren dürften. ..Wir haben", so schliesst die Resolution, ,.die bloffnung auf das Kommen des Mascfcriach und die völlige Erlösung unseres Landes und unseres Volkes nicht verloren.'* Ueber das taktische Vorgehen der Agudas Jisroel äusserte sich der Ehrensekretär, Oberrabbiner Tobie Horowitz, dabin, dass die Orthodoxie durch die Agudas mit der Jewish Agency und, falls diese es ablehnen sollte, direkt mit der Mandatsregierung, in weiterer Folge mit dem Völkerbund, eine Verbindung anstrebe. Die Orthodoxie sei, da sie in der Jewish Agency nicht vertreten sei. von der Mitwirkung auf dem internationalen Forum formell ausgeschlossen; da jedoch mindestens 40 Prozent des Jischuw religiös seien, so sei es Pflicht der Orthodoxie, durch Schaffung einer machtvollen Organisation Einfluss auf die bevorstehenden politischen Entscheidungen zu nehmen. Fasttag am 29. August Wie der Vorstand des Rabbinerverbandee in Polen mitteilt, haben die Rabbinerverbände einer Reihe von Ländern beschlossen, im Hinblick au! die Verschärfung der Judennot und insbesondere die Erschwerung der religionsgesetzlichen Lebensführung durch das in Polen eingeführte Schlarhtungsgesetz einen Weltfasttag der Judenheit für den 22. Elul (29- August) zu verkünden. Der Vorstand des polnischen Rabbinerverbande* fordert die Rabbiner auf. für die Einhaltung dieses Fasttages Sorge zu tragen. Kranken und werdenden Müttern kann eine Befreiung vom Fasten gegen Ablösung für wohltätige Zwecke gestattet werden. Rabbiner-Versammlung vor 100 Jahren Von Rabb. Dr. P. Lazarus-Wiesbaden Im Sommer dieses Jahres sind hundert Jahre vergangen, seitdem in Wiesbaden auf Einladung des damaligen Wiesbadener Rabbiners Abraham Geiger eine Rabbinerversammlung zusammentrat, die zwar klein an Zahl der Teilnehmer und;m greifbaren Resultaten, dennoch als erste in ihrer Art historische Bedeutung gewonnen hat als Vorläuferin der späteren öffentlichen und allgemeinen Rabbinerversammlungen des 19. Jahrhunderts. In den dreissiger Jahren des vorigen ■Jahrhunderts schien es, als ob die Saat, die Mendelssohn und seine Schüler gesät, schöne Früchte tragen sollte. Das ganze damalige Judentum, unter Führung bedeutender Männer wie Jacob- *olm und vor allem Zunz, befand sich in einer aus dem Schoss des Judentums selbst hervorgegangenen Umwandlung. Eine neue Epoche in ler inneren Geschichte des Judentums hatte seit dem Erscheinen von Zunz' „Gottesdienstlichen Vorträgen" (1832) begonnen, die Geburtsstunde ier Wissenschaf! des Judentums und zugleich die Geburtsstunde der wissenschaftlichen Reform des Judentums in Deutschland. Die alte Rabbinergeneration war allmählich ausgestorben; eine neue Generation jüdischer Reformatoren war herangewachsen. Sie beschränkte sich nicht auf die praktische Tätigkeit der Erziehung der Jugend und der Reform des Gottesdienstes, der seit dem f. HereinEluten der modernen Bildung und gleichzeitigen Umwandlung der wirtschaftlichen und sozialen Lage der Juden in Deutschland alle An- § ziehungskraft verloren hatte und der Andacht entbehrte. Mit Hilfe der Wissenschaft des Judentums suchte man das Judentum geistig zu erfassen und von innen heraus zu verjüngen und fortzuentwickeln. Die Noch-Religiösen sollten für ein lebensnahes Judentum gewonnen, die grosse Zahl der Gleichgültigen aber für ein lebendiges Judentum zurückgewonnen werden. Die Bibelübersetzungen, die damals zahlreich unternommen wurden, die Einführung der deutschen Predigt, die Reform des jüdischen Gottesdienstes überhaupt, sind Etappen auf diesem Wege. Wir jüdischen Menschen von heute können uns kaum noch eine Vorstellung von den grossen Errungenschaften jener Zeit machen: für uns sind sie längst etwas Selbstverständliches geworden und werden von uns nicht mehr als Fortschritt empfunden. Der Führer und Vorkämpfer dieser neuen Rabbinergeneration war Abraham Geiger, der, selbst wissenschaftlich geschult, vertraut mit der Bildung seiner Zeit und zugleich voll tiefer, gründlicher Kenntnis des Judentums und seiner Quellen, in sich die Berufung zu einer Reformation des Judentums fühlte. Auf ,seine Einladung hin versammelten sich im Juni des Jahres 1S37 (nicht im August, wie Ludwig Geiger in der Biographie seines Vaters schreibt) vierzehn Amtsbrüder in Wiesbaden. Geiger hat sich selbst in einem „Sendschreiben an einen befreundeten jüdischen Geistlichen" über diese Rabbinerzusammenkunft ausgesprochen („Wie Z. i. j. Theologie", 3. Bd.): ^,Sie soll nicht ein neues Judentum aufstellen, sie soll keine Synodalgewalt aussprechen: sie soll nur die Besprechung redlicher Männer über ihre fernere Amtsführung veranlassen und ein Anfang sein zu einer Zurückführung des fast entschwundenen, zu einer Aufgrabung des fast erdrückten Geistes des Judentums." Für Geiger stand nicht der Kampf um die Emanzipation im Vordergrund, sondern ihm ging es in erster Linie darum, das Judentum vorher zu reinigen und zu läutern, seine Wurzeln aufs neue zu befestigen. Die religiöse Freiheit muss die Vorstufe der bürgerlichen werden. ..Nicht Emanzipation, sondern Reform ist die Frage unserer Zeit!" Er verzichtet auf die Mithilfe des- Staates, der solche Rabbinerversammlungen erzwingen könnte; er hält es für besser, dass von den Rabbinern selbst die Initiative ausgehen, von ihnen allein die Gegenstände der Beratung aufgestellt werden würden. Von vornherein war sich Geiger darüber im klaren, dass es keine grosse Versammlung sein sollte, sondern lediglich eine Aussprache einiger weniger gleichgesinnter entschiedener Amtsbrüder, die sich über ihre Praxis unterhalten sollten. „Allerdings wird die erste Zusammenkunft ziemlich leise auftreten und gerade nicht nach den Resultaten der biblischen Kritik sich richten, aber allerdings hat die Praxis andere Normen als die Theorie ... Sollte auch fürs erste Mal der Erfolg unscheinbar sein, ich habe einen schönen Plan, diesen Versammlungen eine grössere Ausdehnung und Bedeutsamkeit zu geben", so schreibt Geiger an Derenbourg am 10. April 1837. Je näher die Zeit der geplanten Zusammenkunft kam, um so unruhiger wurde Geiger, der im Grunde doch meist recht wusste, welches das — wenn auch stillschweigende — Prinzip der Beratungen sein sollte; denn ein System konnte und sollte ja nicht aufgestellt werden, und die Einzeiheilen, die zur Sprache kommen sollten, waren doch zu willkürlich aufgegriffen (Brief an Derenbourg vom 23. August 1837). Dessen also war sich Geiger im Innersten bewusst, aber nach aussen suchte er all seine Zweifel und Unklarheiten zu übertönen, betrieb mit grosser Energie die Vorbereitungen und lies* sich sogar auf Diskussionen über Wert und Unwert solcher Zusammenkünfte in vielen Briefen an einzuladende Amtsbrüder ein. Vierzehn Rabbiner, nur Süddeutsche, waren der Einladung des 27jährigen Geiger, dessen Name schon als Programm galt, gefolgt, Männer, die zum Teil später grosse Bedeutung gewannen: so u. a. der Kirchenrat Dr. Maier (Stuttgart), Dr. Wassermann (Mühringen). Dr. Herxheimer (Bernburg), der vor allem durch seine Bibelübersetzung bekanntgeworden ist, Dr. Aub (Bayreuth), der später Rabbiner in Mainz und Berlin war, Wechsler (Birkenfeld), der spätere Landrabbiner von Oldenburg, Grünebaum (Landau). Manche, deren Teilnahme Geiger sehr begrüsst hätte, wie Holdheim in Frankfurt, a. d.O. und der Oberrabbiner Frankel (Dresden), lehnten ab. Ueber die Tagung selbst Senden Sie mir bis auf Widerruf die C.-V.-Zeitung für 99 Pfg. im Vierteljahr Erstmals zahle ich 33 Pfennig für September bei Vorlage der Postquittung an den Briefträger. Name: Orh_ Strasse:. Ausschneiden und mit 3 Pfg. frankiert (oder auch unfrankiert) senden an: C.-V.-Zeitung, Vertrieb, Berlin W 15, Emier Strasse 42. Telefon : 928141.