Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 33 (19.8.1937)
- Date
- 1937-08-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 4 C-V.-Zeitung Nr.33* 19.August1937 Wann und wo finden Sie Rat? Mitteldeutschland Erfurt 26.' Augu t. 16-19 Uh r. "hei Dr. .Max Baumgart, N onnenrain 68a. Aorddeutschland Hamburg'- Altona Beneckestr 2. Montag—F reitag, 10—13 Uh (Tel.: 33 50 "D- Hannover 31. August. 12—14 und 16 bis 17 Uhr, C corgstrasse 14 11. Llnlisrliein Köln Asripninahaus. Breite Str. 92 bis 06. 1 U. Zimmer 76—7S, Montag—F -eitag, 10—13 Uhr. ■ Aachen Gemcindeh ans. Promenad^nstras*c 21. am 24. Augus t, 161/: bis 18 Uhr Bad Kreuznach Gemeindehaus. Adolf - Hitler - Platz 11. . im 25. Aupus ,--HVr bis 13 Uhr. Idar-Oberstein 25. Aujrus . llVs—13 Uhr, Gemeindehaus (Synapope). Hessen-?» assan und Hessen Frankfurt a. M. Sicinwc? 9. Zimmer 75—77 (Tel.: 254 03). Montag. Mittwoeh, Freitag 11—13 Uhr. Kassel 25. Aujrust . 1512—17 >ö ü ir, Gemeindtiaus Grosse Rosen itr. 22. Mainz A'.Mnistr. 12.11 (Tel.: ' IS 57). Montag. E iensrap. Donn erstag, Freitag 16 —IS Uhr. Darmstadt Kasinostr. 31 (Tel.: 362). Dienstas 16—17 .': Uhr. Wiesbaden Kirchgassc 7. I (Tel.: 240 10), Nach Vereinbarung. Glessen 31. Ausus . 10-13 Uhi , Gemeiudehau , Lonystr. 4. Limburg 24. August 15—] 7 Uhr. Werner-Sengcr Str. 13 bei Albert Metzger. Worms 26. Augus ». 15—17 Uhr . .Ge¬ . nieindehau s, Hintere Judenpasse 2: über die Organisationen und Anstaltenenthält. ...Jugend und Alter in der Arbeit der Gemeinde" ist das Motto für einige kurze Darstellungen, in denen sich Persönlichkeiten des Frankfurter jüdischen Lebens mit vordringlichen Fragen wie Schulbildung, Berufsausbildung und Wanderung beschäftigen. Der Gemeindevorsitzende, Justizrat Dr. Julius Blau, stellt dem Almanach ein Geleitwort voran. E. G. L. Jüdisches Wohlfahrts- und Jugendamt Berlin Die Kleiderkaramer wird vom 15. September ab bis zur Eröffnung der Winterhilfe für .den Publikumsverkehr geschlossen. Die noch in den Händen der Hilfsbedürftigen befindlichen Bekleidungsanweisungen werden hiermit zur Einlösung aufgerufen. Sämtliche bis dahin noch nicht in der Kleiderkammer vorgelegten Bcklcidungsanweisungcn verlieren mit dem 15. September ihre Gültigkeit. Die Bezirksstelle VI C h a r 1 o 11 e n b n r g , Bleibtreustrasse 2 (Telephon: 31 26 35) benötigt für einen Betreuten eine brauchbare Schreibmaschine. Spendet für das Jüdische Wohlfahrtsamt Postscheckkonto: Berlin 29640 Aus den Gemeinden Frankfurt a. M. In der Sitzung der' Gemeindevertretung vom 11. August wurde die Zusammensetzung des Jugenddezernats festgelegt: es besteht aus vier Mitglieder (zwei liberalen und je einem Mitglied der Volkspartei und der Konservativen) der Gemeindevertretung und vier Mitgliedern des Gemeiridevprstandes. — Der Ankauf eines Anwesens für ein weiteres Wohnheim der Grundlehre wurde beschlossen. ' A. H.J. Bei vielen jüdischen Veranstaltungen in. Frankfurt a. M. sieht man die hilfsbereiten Sanitäter und Sanitäterinnen des Turn- und Sportvereins ..Schild" Dienst tun, der 1934 eine dieser Abteilung ins Leben gerufen hatte. Die Schaffung eines brauchbaren Nachwuchses ist schwieriger. Trotzdem konnten kürzlich in, einer öffentlichen Prüfung, die ausgezeichnete praktische und theoretische Kenntnisse der Kandidaten, zeigte — ein Verdienst der Aerzte Dr. Kurt -F r ä n k e 1 und Dr. Paul Bendis — .26 Neulinge ..freigesprochen" werden. Allen am Werke Beteiligten, nicht zuletzt dem Obmann und Gründer der Abteilung, Harry Weiss, wurde herzlich gedankt. g. sch. * Einen Almanach für das Jahr 589S hat im Einvernehmen mit dem Vorstand der Israelitischen Gemeinde Frankfurt a. M. Stephanie Forchheim er herausgegeben: ein handliches, kleines Buch, das neben dem Kalender einen Wegweiser durch die Einrichtungen der Gemeinde und eine Uebersicht Henrietta Szold spricht in Berlin Die ..Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugend-Alijah" Veranstaltet am 21. August. 8.30 Uhr, im grossen Saal des Brüdervereinshauses eine Abschiedsfeier für 100 Jungen und Mädchen, die am 23. August mit der Jugend- Alija ins Emek Hajarden gehen. Bei dieser Feier wird die Leiterin der ..Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugend-Ali ja". Eva Stern, sprechen. Danach wird ein Jugendlicher im Namen der Gruppe sich von Eltern und Kameraden verabschieden. Darauf spricht Henrietta Szold. die Betreuerin der Jugend-Alija in Palästina, die wenige Tage in Berlin weilt und die Gelegenheit dieser Abschiedsfeier benutzen wird, um den Eltern und Jugendlichen von dem Werk der Jugend-Alija in Palästina zu berichten. Aus der Familie Max Mosberg (Bielefeld) wurde am 7. August 70 Jahre alt. — Adolf Simonsohn (Halle a. d. Saale) beging am 1-1.. August seinen 70. Geburtstag. — Frau Lotte Lcder er (Bamberg) feiert am 17. August ihren 90- Geburtstag. — Frau Meta Rosen dorff geb. Sabatzky <Gartz/Oder) begeht am 19. August ihren 75. Geburtstag. — Frau Rosa'ie S o m m e r geb. Joseph (Rotenburg/Fulda) wird am 19. Ausrust 70 Jahre alt. — Albert Eichm a n n (Detmold). Vorstandsmitglied der Ortsgruppe . Detmold des C.-A7., feiert am 22. August seinen 70. Geburtstag. — Frau Simon Salm geb. Frank (Meckenheim b. Bonn) begeht am 24. August ihren 80. Geburtstag. — Frau Marie Berliner geb. Ziegel (Berlin) vollendet am 27. August ihr 75. Lebensjahr- — Magnus Cohn und Frau Henriette geb. Mannheimer (Beckedorf, Grafschaft Schaumburg) feiern am 24. August ihre goldene Hochzeit.— S. Ehrlich und Frau Regina geb. Schwarz (Iserlohn/Westf.) begehen am 24. August ihre goldene Hochzeit. — Gustav Pommer, langjähriger Kassierer der Ortsgruppe Rostock des C-V., ist im Alter von 63 Jahren gestorben. — Frau Henny Emanuel (Burgsteinfurt) starb am 11. August. Lanurabbiner i. R. Dr. Abraham L e w i n s k l (früher Hildesheim, jetzt Mainz), konnte kürzlich sein goldenes Doktor-Jubiläum begehen. Als Vorstandsmitglied der Ortsgruppe Hillesheim hat er stets eifrig die Arbeit des G.-V. gefördert und ist jederzeit in Wort und Schrift für das Judentum eingetreten. ate „frühen Morgen" bis zum „späten Abend" gearbeitet hat; es kommt ihr nur so vor, könnte aber der Wirklichkeit entsprechen, entspricht genau dem deutschen Wort „bis" und wird örtlich und zeitlich gebraucht, z. B. „ate o correio" bis zur Post; „ate este dia" bis zu diesem Tage; „ate logo" (wörtlich „bis bald") auf Wiedersehen (Abschiedsgruss). (Uhrangaben s. unter desde.) NB. ate wird oft, auch in Verbindung mit „mesmo" (selbst) in dem Sinn des deutschen „sogar" gebraucht, z. B. trabalhar ate (oder „ate mesmo" oder „mesmo") em dias santos =■ sogar an Feiertagen arbeiten. sein deutsch: unter 1. entspricht im allgemeinen der deutschen Präposition „in", aber nur auf die Frage „tvo" (nicht wohin"), z. B. moro em Sao Paulo — ich wohne in Sao Paulo. Hierbei geht „em" folg. Verbindungen ein: em + o wird no, em -feste wird neste bzw. nesta, cm + os wird nos, em -f" estes wird nestes bzw. nestas, em + a wird na, em -fesse wird nesse bzw. ncssa, em -fas wird nas, em -f" csses wird nasses bzw. ncssas, em + aquellc wird naquelle bzw. naquella, em + aquelles wird naquelles bzw. naqucllas; em -fum, em -fuma kann zu num, numa werden. In alter Schreibweise, d. h. in der vorläufig offiziellen Orthographie, bleibt es em um, em uma. Anm. In einem einzigen Fall kann „em" auch gebraucht werden auf die Frage „wohin", wenn nämlich die Bewegung mit einem Eindringen in das Ziel verbunden ist, z. B. o menino entrou na sola — der Knabe trat in das Zimmer ein, a pedra cahiu na agua — der Stein fiel in das Wasser. Viele Verben entsprechen indes nicht der deutschen Auffassung, wie chegar a. ankommen in, z. B. o vapor chegou a Santos der Dampfer kam in Santos an, da dies als Richtung „wohin" aufgefasst wird. 2. Redensarten: z. B. em proveito — zum Nutzen, em memoria zum Andenken u. a. 1. entspricht im allgemeinen dem deutschen „mit", z. B. caje com leite Kaffee mit Milch. 2. entspricht auch oft dem deutschen „bei", wenn gemeint ist „in Gesellschaft von", z. B. esta com seit tio er ist bei seinem Onkel, d. h. in Gesellschaft seines Onkels. Damit ist nicht gesagt, dass die beiden Perönen auch zusammen im Hause oder der Wohnung des Onkels sind; sie können .sich . irgendwo ' anders befinden. Gemeint ist. nur, dass beide zusammen sind. Soll dagegen zum Ausdruck gebracht werden, dass sie sich im Hause oder der Wohnung des Onkels befinden, so heisst „bei" nicht „com", sondern „em casa de", also esta em casa de seu tio, was im-deutschen ebenfalls durch „er ist bei seinem Onkel" ausgedrückt werden kann. Auch in der Adressierung auf Briefumschlägen kann „em casa de" vorkommen, wird dann aber stets abgekürzt geschrieben „elc" und entspricht dem deutschen „per Adresse". (Man sieht allerdings auch zuweilen „c!o", was aus dem englischen „care of" übernommen ist.) _ com geht folgende Verbindungen ein: commigo — mit mir, deutsch: auf, über 'Apprendam brasileiro (Fortsetzung) comsigo mit dir, ihm, ih'r, sicH; euch', ihnen, Ihnen (s. auch unter „para'), comnosco mit uns. <f entspricht stets dem deutschen »ohne , z. B. pao. sem manteiga Brot ohne Butter. . . 1t T> 1. sob. — Niemals in wörtlicher Bedeutung; es kommt nur in Redensarten vor, z B. sob esta condicao — unter dieser Bedingung; sob medida nach Mass (Anzüge). 2. In wörtlicher Bedeutung heisst es „cmbaixö de", „abaixo de", „debaixo de" (uneigentl. Präpositionen), etwa dem deutschen „unterhalb von" entsprechend, z. B. embaixo da mesa unter dem Tisch. sobre. Selten in wörtlicher Bedeutung, B. sobre a mesa =■ auf dem Tisch. Meist wird es nur in übertragener Bedeutung gebraucht und wechselt mit „de", z. B. uma obra sobre (oder „de"} . graphia — ein Werk über GeogrC^iue._ ' Während im allgemeinen die Wahl zwischen „sobre" und „de" vielfach vom Wohlklang oder persönlicher Vorhebe iur eines von*bcidcn abhängt, ist „sobre" vorzuziehen in solchen Fällen, wo sonst die " Präposition de sich mehrfach wiederholen würde. Schon aus Gründen des Wohlklangs ist also vorzuziehen „uma obra sobre a civilizacäo des povos da America do Sul", statt „uma obra da civilizacäo dos povos da America do Sul". Palavras Wochentage: Zahlen (6 bis dia m. Tag dia santo kirchl. Feiertag dia feriado weltl.Feiertag (ausser Sonnu. Feiertag) dia util Wochentag domingo — Sonntag segunda-feira Montag terca-feira Dienstag qitarta-fcira Mittwoch quinta-feira Donnerstag sexta-feira Freitag sabbado — Sonnabend Rechnungszeichen mais -f" menos — igual a oder sao Zahlen seis 6 sete 7 oito — 8 nove — 9 dez — io onze =11 deze 12 treze =13 quatorze 14 (qu wie k) q Hinze 15 dezeseis =16 deze sete 17 dezoito =18 dezenove 19 vinte 20 empregada, criada f. Dienstmädchen minciro m. Bergmann terno m. Herrenanzug cadeira f. — Stuhl relogio m. Uhr lixo m. Müll, Mülleimer (x sch) cafeteira f Kaffee- : kanne ouro m. =. Gold ,'• - escola f. .= Schule _ aula f. := Unterrichtsstunde medida /." Mass manhä f. Morgen, Vormittag lingiia f. Zunge, Sprache esquina f. — Strassenecke agua f. — Wasser terra f Erde superficie f. Oberfläche vapor m. Dampf, Dampfer estrada de ferre f. Eisenbahn trem m. Eisenbahnzug bonde m. Strassenbahn portuguez, -n portugiesisch geralmcnte (adv.) im . allgemeinen ho je heute feito gemacht, getan, fertig .qy.ebrado zerbrochen, kaput viver--=± leben pode er sie kann; Sie können . vorn er — sie kommt; Sie kommen rpg* er sie geht; Sie gehen tr}ista er — sie,, es behandelt jopt er sie spielt; er ■fie wirft dormo ich schlafe trafegam sie verkehren (Bahnen) trabalham sie arbeiten divide-se wird eingeteilt. liegen uns keinerlei Protokolle vor. Lediglich der kurze Bericht in „Abraham Geiger, Leben und Lebenswerk" (S. 45), der sich auf ..Wiss. Z. III", ..Nachgelassene Schriften V" und zwei Briefe an Maier und Derenbourg stützt, gibt uns ein Avenig Aufschluss über diese erste Rabbinerversammlung. Auch der kürzlich veröffentlichte Bericht von Aub an das bayerische Ministerium (Z. f. Gesch. d. J. in Deutschland Jg. VI, 1) beleuchtet etwas die Hintergründe dieser kleinen nichtöffentlichen Versammlung, die wahrscheinlich in der Privatwohnung von Geiger stattfand. Die Resultate dieser Zusammenkunft entsprachen ganz und gar nicht Geigers Hoffnungen. „Es wurde viel Unklares hin- und hergeredei und viel Engherzigkeit bewiesen" (Brief an Derenbourg vom 23. August 1S37). Es bedurfte der ganzen Energie Geigers, wenigstens eine Vermittlung zustandezubringen, die dahin führte, dass mehrere einzelne Gegenstände bearbeitet und in der Geiger'schen Zeitschrift veröffentlicht werden sollten. Ueber die in diesen Arbeiten enthaltenen Vorschläge sollten dann ..gutachtliche Erklärungen von den zustimmenden Rabbinen abgegeben, veröffentlicht ' und als Norm ferneren praktischen Wirkens anerkannt werden". (Erschienen sind nur ein Aufsatz von Kohn: .,Trauergebräuche" und ein anderer über ..Das Haartragen der Frauen" in der „Wiss. Zeitschrift".) Mancherlei Enttäuschungen blieben Geiger auch nach der Versammlung nicht erspart. Abgesehen von der Spaltung im eigenen Lager, suchte ein anonymer Kritiker diese Rabbinerzusammenkunft hämisch herabzusetzen und ihr jeden Wert abzusprechen, ja sogar der Vermutung Raum zu geben, als ob die Versammlung von der Regierung auseinandergetrieben worden sei. Man muss sich wundern, dass ein Mann wie Ludwig Philippsohn einer anonymen und auch sicherlich ihn unglaubwürdig erscheinenden Mitteilung in seiner „Allgemeinen Zeitung des Judentums" Jg. 1S37, Nr. 47 und 48, Raum gab. Geiger setzte sich zur Wehr, berichtigte mit aller Schärfe und wiesvor allem darauf hin, dass die Zusammenkunft vorher der Regierung angezeigt und die Verhandlungen von ihr mit freundlichem Wohlwollen .begleitet worden seien. Diese erste Rabbinerversammlung ist ohne greifbare Resultate auseinandergegangen, aber Geigers Verdienst bleibt ungeschmälert, mit der Einberufung dieser ersten Rabbinertagung die Anregung gegeben zu haben zu den grossen Rabbinerversammlungen des 19. Jahrhunderts, an denen er ja auch selbst in leitender Stellung und als Berichterstatter über wichtige Fragen teilgenommen hat. Wie Geiger aus dem Studium der Geschichte heraus die neue Gestaltung des Judentums in der Gegenwart zu formen versucht hat, für die geistigen Führer des Judentums die genaue Kenntnis und methodische Forschung der Urkunden des Judentums, vor allem der Bibel und des Talmuds, als unerlässliche Voraussetzung für ihre Tätigkeit erkannte, so hat er damit zugleich — und diese Wiesbadener Rabbinertagung legt auch Zeugnis dafür ab — den vielgeschmähten Namen und Stand des Rabbiners, der der wahre Führer in allen religiösen Fragensein soll, wieder zu Ehren gebracht. Alte jüdische Gelehrsamkeit, harmonisch verbunden mit der Bildung der Zeit, das ist es, was Geiger von den religiösen Führern verlangt, eine Forderung, die heute als etwas ganz Selbstverständliches für den Rabbiner jeder Richtung gilt. Gerade diese Wiesbadener Rabbinerversammlung, so spärlich auch ihr Erfolg war, zeigt, uns schon den 27jährigen Geiger als den anerkannten Führer derer, die einen Ausgleich des Judentums mit den zeitgemässen Ideen auf historischer Basis anstrebten. Klar und scharf hat Geiger als erster überhaupt die Probleme angefasst, und die Lösung auf historisch-kritischem Boden angebahnt. Die Arbeit, die damals von Wiesbaden aus der junge Geiger begann und die nun schon hundert Jahre zurückliegt, bildet einen Wendepunkt in der neueren Geschichte des Judentums. Die Tatsache, dass auf dieser Tagung der Satz von der Entwicklungsfähigkeit des Judentums, von der Möglichkeit und Notwendigkeit einer Reform ausgesprochen .wurde, gibt der Wiesbadener Rabbinerversammlung bleibende Bedeutung. vom Jahre 1837 ihre Wissenschaftliche Nachrichten Professor Dr. jur. Ernst J. Cohn, früher Breslau, ist die Dozentur für römisches Recht an der Birkbeck College in London (nicht an dem University College,^London) übertragen worden. * Das 'dem Völkerbund unterstellte „Institut für geistige Zusammenarbeit'' in Paris gibt vierteljährlich den „Index Translationu m" heraus, ein internationales Verzeichnis der Uebersetzungen, die in den Ländern Dänemark. Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Italien. Norwegen, Oesterreich, Polen, Russland, Schweden, Schweiz, Spanien, Tschechoslowakei, Ungarn, Vereinigte Staaten erscheinen. An der Spitze dieses Index stehen zur Zeit Jack London, Edgar Wallace und Stefan Zweig, dessen Bücher in 25 Sprachen vorliegen, darunter Chinesisch, Japanisch, Georgisch und Ukrainisch. In weiteren Abständen folgen dann u. a. Pearl S. Buck und Andre M a u r 0 i s. * Der bekannte Berliner Dermatologe Dr. Reinhold Ledermann feiert in' diesem Jahre das goldene Doktorjubiläum. ' Es . gibt wohl wenige Menschen, denen man einen so unermüdlichen Fleiss nachrühmen könnte. Seine Arbeitsfreude ist ihm mehr als ein halbes Jahrhundert treu geblieben und hat ihm den wärmsten'Dank seiner Patienten erworben, von denen er-jetzt schon mehrere Generationen betreut. Als Wissenschaftler hat er sieh einen Namen gemacht durch sein Lehrbuch der Haut- und Geschlechtskrankheiten, das in neun Auflagen erschienen und durch verschiedene Uebersetzungen auch im Auslande verbreitet ist. Als Professor August v. Wassermann die weltbedeutende Entdeckung der sogenannten Wassermannschen Reaktion gemacht hatte, übergab er die Prüfung und Einführung in die Praxis zuerst Reinhold Ledermann. Oft wurde ihm auch der ehrenvolle Auftrag zuteil, im Kaiserin-Friedrich- Haus in Berlin im Rahmen der ärztlichen Ausbildungskurse zu lesen. Ledermann ist der Schwiegersohn von Professor Senator, dem Leibarzt der Kaiserin Augusta und Leiter des Kaiserin-Augusta-Hospitals. R- M. * Der im Internationalen Pavillon der Pariser Weltausstellung errichtete Stand für jüdische Kultur wurde von dem französischen Sportmmister, Leon Legrange, eröffnet. Ausser dem Minister hielten ^Persönlichkeiten, die in der jüdischen Kult'urbewegung tätig sind, Ansprachen. Eine Neunzigjährige Frau Johanna M e y e r, geb. Bernstein, in Freiburg im Breisgau. vollendet am 20. August das neunzigste Lebensjahr. Sie ist eine Tochter des als Darsteller jüdischen Volkslebens weit bekannten Schriftstellers Arön Bernstein (1812—1884) und als sechstes seiner sieben Kinder aus erster Ehe in Berlin geboren. Schon mit sechs Jahren verlor sie die treffliche Mutter, erhielt aber auch weiterhin unter Leitung des Vaters und ihrer früh verstorbenen ältesten Schwester Fanny eine liebevolle Erziehung. Im Sommer 1871 vermählte sie sich mit dem bekannten Chemiker Richard Meyer (1846—1926), der seit 1889 ordentlicher Professor an der Technischen Hochschule in Braunscbweig war. Johanna Meyer hat von ihrem Vater die Begabung für die Schriftstellerei geerbt Ausser kleineren Arbeiten hat sie vor allem fesselnde Erinnerungen an den Vater niedergeschrieben und sie zum 6. April 1912, seinem hundertsten Geburtstag, für die Familie drucken' lassen: ein Beispiel, dem im Jahre darauf ihr ältester Bruder, der hervorragende Hallenser Physiologe Julius Bernstein (1839—1917) mit den schönen „Erinnerungen an das elterliche Haus" gefolgt ist. Schon früher (1902) hatte sie zum Gedächtnis ihres Schwagers, des berühmten Chemikers Victor Meyer "(1848—1897) gemeinsam mit ihrem Gatten, dem späteren Biographen seines Bruders, den Freunden von dessen Jugendzeit erzählt. Von ihren Kindern lebt noch ihre Tochter; von den beiden Söhnen ist ihr der ältere im frühen Kindesalter, der jüngere, der ausgezeichnete Göttinger Internist Erich Meyer (1874—1927), durch einen Unglücksfall entrissen worden. Ihren Geburtstag kann die ehrwürdige Frau in voller körperlicher und geistiger Frische begehen.