Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 31 (5.8.1937)
- Date
- 1937-08-05
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 C.-V.-Zeifung Nr. 31 * 5. "August 1937, 'die als Kundendienst anzusprechen sinH '(Beerdigungskommissar, Gerechtigkeit und Bequemlichkeit bei der Vermietung der Synagogenplätze) zu fördern. B. Die jüdische Schule ist allgemeine Bildungsstätte der jüdischen Jugend geworden. Wo einstweilen noch jüdische Kinder auf allgemeinen Schulen unterrichtet werden, da geschieht das auf Grund praktischer, nicht grundsätzlicher Gesichtspunkte. Der Verschiedenheit der Auffassung, die auch heute noch in unserer Gemeinschaft besteht, kann in Grossgemeniden in einem gewissen Umfang in Richtungsschulen Rechnung getragen werden. Dabei sollte aber nicht vergessen werden, dass 'diese Richtungsschulen niemals befähigt sein können, in einer Gemeinde die Gemeinschaftsschule überhaupt zu ersetzen. Denn unzählige Eltern und Lehrer sind nicht geeignet und nicht gewillt, sich einer Richtung zu verschreiben, von den Schülern ganz abgesehen, die doch keine fertigen Menschen sind, und oft genug diejenige Fahne verlassen, auf die sie selbst oder ihre Eltern beim Eintritt in die Schule geschworen haben. Für die Gemeinschaftsschule werden die dem C.-V. nahestehenden Gemeindevertreter als Anhänger des Diasporagedankens ganz bestimmte Forderungen stellen. Sie betreffen nicht das Mass des jüdischen Wissens. Dass 'der heutigen Jugend ein gediegenes jüdisches Wissen und eine gründliche Kenntnis des Hebräischen, und zwar auch der lebenden Sprache, vermittelt werden soll, ist allgemeine Forderung. Ebenso, dass der Palästinakunde ein genügender Raum zu gewähren ist. Daneben aber sollen, soweit dies die Bestimmungen des Staates nur zulassen, auch die Sprachen der wichtigsten Diasporaländer, insbesondere Englisch und — für Südamerika — Spanisch gepflegt werden. Vor allem aber soll der Geist, der in der Schule herrscht, diejenige Weltoffenheit bewahren, die aus dem besonderen Wesen der jüdischen Gemeinschaft fliesst. Der jüdische Nationalismus kann nur eine, nicht die Geistesrichtung sein. Mag so auf dem Gebiete des Schulwesens die Differenz der Auffassungen innerhalb des Judentums noch gelegentlich zum Ausdruck kommen, so besteht über die Notwendigkeit der Pflege des Schulwesens in seiner Gesamtheit wie überhaupt aller kulturellen Einrichtungen wiederum Einvernehmen. Neben den schulischen Einrichtungen für die heranwachsende Jugend (z. B. auch Handels- und Haushaltungsschulen) gehört hierher vor allem auch das Gebiet der Erwachsenenbildung. Lehrhäuser und hebräische Sprachkurse für Erwachsene sind überall entstanden, jüdische Bibliotheken sind wichtiger denn je. Museen und die von den jüdischen Gemeinden zwar nicht unterhaltenen, aber oft genug finanziell gestützten vielfachen Veranstaltungen der jüdischen Kulturbünde dienen dem ästhetischen Bedürfnis. Ein Arbeitsgebiet, das kulturelle und soziale Momente vereint, ist das der Jugendpflege. Die Jugendpflegeeinrichtungen, deren Förderung ebenfalls Allgemeingut .der verschiedenen Richtungen ist, umfassen oft genug Arbeitsgebiete, die ebensogut zum Schulwesen gerechnet werden können (Sportpflege), wie solche, die dem Wohlfahrtswesen sehr nahestehen. Ein typisches Beispiel dieser Mittelstellung sind die sehr verdienstlichen Vorlehreeinrichtungen, die gleichzeitig der schulischen Unterweisung, der Berufsvorschulung, wie dem Bedürfnis dienen, die noch nicht berufsreife Jugend von der Strasse herunterzubekommen. III. Sozialer Aufgabenkreis Zu den Aufgaben der jüdischen Religionsgemeinde gehörte seit jeher die Wohltätigkeit. Mit der Entwicklung des organisierten Wohlfahrtswesens in den letzten Jahrzehnten haben auch die jüdischen Gemeinden Schritt gehalten. Immer mehr trat neben die einfache.Zahlung von Unterstützungen in Notfällen die produktive Fürsorge, die bezweckt, den Bedürftigen zu befähigen, der Hilfe Dritter künftig entraten zu können. In den seit 1933 gegebenen Verhältnissen aber ist die Aufgabenstellung für die soziale Arbeit grundlegend verändert. Die Arbeit ging bis dahin im allgemeinen vom einzelnen aus, der sich als Antragsteller an die Gemeinde wandte. Es konnte mit gutem Grunde die Meinung vertreten werden, dass es auch grundsätzlich richtig sei. sich auf die Hilfe für die zu beschränken, die ihrerseits die Gemeinde in Anspruch nehmen wollen, dass Wirtschaftsplanung nicht Sache einer Kultusgemeinde sei. Die Auswirkungen der gesetzgeberischen Massnahmen seit 1933 haben aber eine solche planmässige Einwirkung auf die Gesamtheit der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland notwendig gemacht. Damit ist nicht etwa gesagt, dass die jüdischen Gemeinden der Wohlfahrtspflege im alten Sinne entraten könnten. Das Gegenteil ist der Fall. Grösser denn je ist die Zahl der Gemeindemitglieder, deren Mittel und Einnahmen so gering sind, dass sie, sei es chronisch, sei es in Fällen von Krankheit, Umzug usw. in Not geraten. Die Arbeit der Wohlfahrtsämter wird hier nach wie vor sein, durch Rat und Tat zu helfen, auch wenn durch den einzelnen Akt der Fürsorge keine produktive Arbeit geleistet werden kann. Ein Teil dieses Gebiets der Wohlfahrtspflege ist insbesondere auch die Jüdische Winterhilfe. Für sie sind besonders hohe Mittel aufzuwenden, durch sie kann aber auch besonders vielen Hilfe gegen Hunger und Kälte geleistet werden. Wenn nun die unter dem Gedanken der Wirtschaftsplanung geleistete Sozialarbeit in den Kreis der Betrachtung gezogen wird, so ist die Auswanderung in den Vorder- Jüdische Bevölkerungsbewegung Die Meldestelle für Binnen- und Auswanderung beim Preussischen Landesverband jüdischer Gemeinden veröffentlicht ihren dritten Bericht, der die Zeit vom Januar bis März 1937 umfasst. Der Sachbearbeiter beim Landesverband, Max Birnbaum, bemerkt einleitend, dass seit dem 1. Januar das Meldewesen grundsätzlich von den jüdischen Gemeinden bzw. Landesverbänden in allen Teilen Deutschlands eingeführt worden sei. Die Binnenwanderung hat im Berichtsquartal zugenommen. Die Gesamtzahl der Fortzüge ist auf 7924 gestiegen. Die Binnenwanderung allein ist mit 2823 Weg* zügen gegenüber dem letzten Quartal 1936 (2282) gestiegen. Die Auswanderung ist auf 5101 Wegzüge gegenüber 5261 Auswanderungen im letzten Quartal gesunken. Als Kennzeichen der Binnen'Wanderung ist hervorzuheben, dass im allgemeinen grössere Gebiete, wie die Provinzen, In ihrem Bestand nur unwesentlich verändert werden. Zuzüge und Wegzüge halten sieh, von Hessen und der Grenzmark abgesehen, ziemlich die Waage. Einen nennenswerten Gewinn durch die Binnenwanderung erzielte lediglich die Gemeinde Berlin mit 322 Personen. Bei den übrigen Grossgemeinden sind die Verluste durch die Binnenwanderung grösser als die Zuzüge. Die Auswanderung ist im ersten Kalendervierteljahr gegenüber dem letzten Quartal 1936 etwas zurückgegangen. Das ist darauf zurückzuführen, dass die Auswanderung aus klimatischen Gründen im allgemeinen im ersten Jahresquartal nicht sehr gross zu sein' pflegt. Mit 5101 Auswanderungsfällen zeigen die Meldeergebnisse aber doch, dass mit einer sehr erheblichen, gleichbleibenden Auswanderung gerechnet werden kann. Die meisten Personen wanderten aus Berlin aus (1234). Aus Preussen sind insgesamt 3724 Personen ausgewandert. Als Auswanderungsziele werden für 18,6 Prozent Westeuropa, für 16,5 Prozent Palästina, für 10,2 Prozent Mittel- und Nordeuropa und für rund 26 Prozent die Vereinigten Staaten genannt. Die Auswanderung nach Südamerika ist absolut und relativ zurückgegangen. Die Auswanderung nach Südafrika,"die in den Monaten Oktober bis Dezember 1936 809 Personen oder 18,7 Prozent der Gesamtauswanderung umfasste, ist auf 238 Personen oder 5,7 Prozent zurückgegangen. Die Ziffern der ausgewanderten Schüler deuten darauf hin, dass die Familienauswanderung zunimmt. Die Altersgliederung zeigt eine Verschiebung nach den höheren Altersstufen. Berlin Das Jüdische Wohlfahrts- und Jugendamt (Berlin C.2, Rosenstrasse 2/4) hat kürzlich eine Uebersicht über seine Organisation und den Inhalt und Umfang seiner Arbeit herausgegeben. Die Zusammenstellung ist zugleich ein guter Wegweiser durch den vielgestaltigen Apparat, über den das Amt heute verfügt und verfügen muss. Aus wie kleinen Anfängen sich diese jetzt so bedeutungsvolle Gemeindestelle entwickelt hat, zeigt Rechtsanwalt Dr. Fritz Lamm, der stellvertretende Vorsitzende des Wohlfahrts- und Jugendamts, in einem knappen einleitenden Abriss. E. G. L. Die Ferientageskolonien <Ies Jüdischen JVohliatirts- und Jugendamts haben für 1937 mit dem 31. Juli ihr Ende gefunden. Etwa 2400 Kinder konnten während der diesjährigen grossen Ferien in Tageskolonien oder Heimen untergebracht oder zu Verwandten geschickt werden. Unabhängig von dieser Versorgung in den grossen Ferien läuft die während des ganzen Jahres durchgeführte Verschickung erholungs- und kurbedürftiger Kinder, die nach strengster ärztlicher Vorschrift vor sich geht. Hier werden etwa 1000 Kinder betreut. Die Jüdische Gemeinde bittet für diesen ' Zweck weitere Beträge zu spenden und auf das Postscheckkonto Berlin 29 640 zu überweisen. * Die Jugendpflegeabteilung Mitte des Jüdischen Wohlfahrts- und Jugendamtes, Berlin N4, Auguststrasse 17, bittet um Spenden von Musikinstrumenten. München Als Nachfolger des Justizrats Dr. Max Feuchtwanger und des Rechtsanwalts Dr. Leo Lemle, die kürzlich gestorben sind, und von David Goldberg, der sein Amt niedergelegt hat, traten in die Gemeindevertretung der israelitischen Kultusgemeinde München neu ein Hauptlehrer Julius Kissinger, Dr. Karl Marx und M. S c h a 11 e r. * Das Präsidium des Rats 'des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden hat, nach Anhören der zuständigen Bezirksrabbinate, die Kultufegemeinden Acholshausen (Rabbinatsbezirk Kitzingen) und Trappstadt (Rabbinatsbezirk Burgpreppach) als aufgelöst erklärt. * Im Landjugendheim Wilhelminenhöhe der Hamburger Deutsch-Israelitischen Gemeinde wurde ein Ferienkurs für vierzig Kinder aus Kleingemeinden der Provinz Schleswig-Holstein eröffnet. _ 25 Jahre Jüdische Kinderheilstätte (Bad Dürrheim) Am 28. Juli hat das Friedrich-Luisen- H'o s p i z in Bad Dürrheim, die jüdische Kinderheilstätte auf der Hochebene des Schwarzwaldes, sein 25jähriges Bestehen feiern können. Das Friedrich-Luisen-Hospiz ist ureigenstes Werk der Juden in Baden: entstanden aus dem Gedanken und dem Herzen des vor sechs Jahren verstorbenen Geheimen Oberregierungsrats Dr. David Mayer, gebaut nach den Plänen des Mannheimer jüdischen Architekten Arthur Lehmann und errichtet mit grösstenteils von den Juden Badens aufgebrachten Mitteln. Dieses Werk der engeren jüdischen Gemeinschaft Badens war von vornherein selbstverständlich in den Dienst der jüdischen Gesamtheit gestellt. Aus allen Teilen Deutschlands und vielfach aus dem Ausland kamen "die 11000 jüdischen Kinder, welche in diesen 25 Jahren Heilung und Erholung in diesem Hause finden. In Verbindung mit dem Hospiz wird man stets den Namen Dr. David Mayers und den seiner für das Haus wirkenden Gattin Marie Mayer dankbar nennen müssen. Ihre Namen ehrt eine Stiftung für Freiplätze -im Hospiz, vom Oberrat der Israeliten Badens zum 25jährigen Eröffnungstage auf den Namen dieser Frau erweitert und zusätzlich mit Mitteln versehen. Eine schlichte Gedenkfeier vereinte am Wann und wo finden Sie Rat? Llnksrhein Köln Aachen Bonn Koblenz Bad Kreuznach Trier Idar-Oberstein Agrippinahaus. Breite Str. 92 bis 96. III, Zimmer 76—78, Montag—Freitag, 10—13 Uhr. Gemeindehaus, Promenadenstr. 21, am 10. und 24. August, 161/2—18 Uhr. Im .JBiiro von Rechtsanwalt Dr. Herrmanns, Meckenheimer Strasse 64. am 18. August, I7—I8V2 Uhr. Gemeindehaus, Florinsmarkt 11, am 17. August, 16—17% Uhr. Gemeindehaus, Adolf - Hitler Platz 11. am 11. u. 25. August, 11%—13 Uhr. Im Büro von Rechtsanwalt Dr. Voremberg, Adolf - Hitler - Strasse 9. am 18. Augast, 111/2—13 Uhr. 25. August, 11%—13 Uhr, Gemeindehaus (Synagoge). Hessen-Nassau und Hessen Frankfurt a. M. Mains Darmstadt Wiesbaden Glessen Friedbergr Limburg: Worms Steinweg 9. Zimmer 75—77 (Tel.: 254 03), Montag. Mittwoch, Freitag 11—13 ühr. Albinistr. 12, II (Tel.: 318 57), Montag, Diensta-c. Donnerstag, Freitag 16—18 ühr. Kasinostr. 31 (Tel. 362), Dienstag 16-17% Uhr. Kirchgasse 7. I (Tel. 240 10). Nach Vereinbarung. 17. u. 31. August. 10—13 ühr, Gemeindehaus. Lonystr. 4. 12. August, 15—17 Uhr. Gemeindehaus, Kaiserstrassc. 24. August. 15—17 Uhr, Werner-Senger-Str. 13 bei Albert Metzger. 26. August, 15—17 ühr. Gemeindehaus. Hintere Judengasse 2. 3Torddeutschland Hamburg-Altona Hannover Beneckestr. 2. Montag—Freitag, 10—13 Uhr (Tel.: 33 50 71). 17. und 31. August, 12 bis 14 und 16—17 Uhr, Georgstrasse 14. II. Mitteldeutschland Dresden 11. Aueust, 16—19 Uhr. Jüdische Wirtschaftshilfe, Zeughausstrasse 3 ptr. Rheinland- Westfalen Bielefeld Herford Essen Düsseldorf am 1. und 3. Dienstag (nicht mehr, wie bisher, Mittwoch) jeden Monats, 11—13 Uhr, Turnerstr. 7. am 2. und 4. Dienstag (nicht mehr, wie bisher, Mittwoch) jeden Monats, 11—13 . Uhr. Gehrenberg 1. Montae bis Freitag. 11—13 Uhr. Hindenburgstr. 75 (Tel.: 31212). Donnerstag, 16—18 Uhr, Bilker Str. 44. Jubiläumstage einen Kreis engerer Freunde und Mitarbeiter des Hospizes. In ihrem Rahmen gab der Vonsitzende des Oberrats. Friedrich A. St raus, die Stiftungserweiterung bekannt; er überbrachte namens des Oberrats der Oberin des Hospizes, Bettina Falk, und allen langjährigen Mitarbeitern an diesem Werke Ehrung durch Ueberreichen von Plaketten, Preisen und Anerkennungsschreiben. Stg. grund zu stellen. Dabei ist zu beachten, dass die Wanderungshilfe im engeren Sinne vereinbarungsgemäss nicht von den Gemeinden besorgt wird, sondern vom Palästina-Amt für die Palästinawanderung und vom Hilfsverein der Juden in Deutschland für die sonstige Auswanderung. Finanziert aber wird die Arbeit dieser Organisationen zur Hälfte von den Gemeinden (zur anderen Hälfte von der Reichsvertretung), und so haben die Gemeinden in gewissem Umfang auch die Möglichkeit, auf diese Arbeit Einfluss zu nehmen, so z. B. dafür zu sorgen, dass das seelische Band, das die Auswandernden mit ihrer Gemeinde verbindet, durch geeignete Massnahmen aufrechterhalten wird. Die Aufgabe, die zur Auswanderung geeigneten und willigen Mitglieder unserer Gemeinschaft bei ihrem Vorhaben zu unterstützen, erschöpft sich aber nicht in der unmittelbaren Auswanderungshilfe. Leitgedanke muss sein, für unsere Jugend und wesentliche Teile der „Zwischengeneration" neue Existenz- und Aufbauvorbereitungmöglichkeiten zu schaffen. Zu dem, was zu diesem Zwecke im Lande selbst geleistet werden kann, gehören besonders die Berufsausbildung und Berufsumschichtung, ebenso wie die Unterweisung im Hebräischen und in den für die Auswanderung in Betracht kommenden Fremdsprachen. Die Arbeit der Berufsausbildung und Umschichtung wird zum Teil — z. B. in Berlin — von den Gemeinden direkt geleistet (unter Verrechnung von Zuschüssen der Reichsvertretung gegen Gemeindebeträge); anderwärts sind die Gemeinden indirekt an der Arbeit beteiligt. In jedem Falle erfordert sie bei ihrer ganz besonderen Bedeutung das aktive Interesse der Gemeindekörperschaften. Ein Nebenzweig dieser Arbeit ist die Unterbringung des Hausrates auswandernder Gemeindemitglieder zur Verhinderung der unwirtschaftlichen Verschleuderung von Werten. Keine Planung des jüdischen Auswanderungswerkes wird es ermöglichen, auch nur annähernd die Gesamtheit unserer Gemeindemitglieder einer neuen Existenz im Ausland zuzuführen. Die Wirtschaftshilfe für die in Deutschland Zurückbleibenden bedarf daher ebenso der planmässigen Führung, und hierfür ist keine Stelle berufener als die Gemeinde. So nimmt gerade in grösseren und verhältnismässig leistungsfähigen Gemeinden schon jetzt die Wirtschaftshilfe namentlich in Form der Kredithilfe einen besonderen Raum ein, und nach dem Beispiel dieser Gemeinden sollten die Bemühungen um Erhaltung selbständiger Existenzen allgemein als besonders wichtige Aufgaben der Gemeinden betrachtet werden. Die in diesem Zusammenhang erforderliche Rechtsberatung ist nach besonderen Vereinbarungen zwischen dem C.-V. und den Gemeinden aufgeteilt, ünd hierbei sollte es bleiben. Eine verhältnismässig neue Tätigkeit, die aber von zunehmender Bedeutung sein dürfte, ist die der Beratung der Gemeindemitglieder in Wohnungsangelegenheiten. Wenn man die voraussichtliche zahlenmässige Entwicklung der jüdischen Gemeinden in Deutschland statistisch und soziologisch betrachtet, so wird man zu dem Ergebnis kommen, dass sich ein Umbau des Anstaltswesens der Gemeinden anbahnt. Bei allem Wert, den man der Jugendfürsorge in jeder Form zusprechen wird, muss man sich doch der Lehre der Ziffern bewusst sein, dass eine rapide Abnahme der Zahl der Kinder und Jugendlichen in den jüdischen Gemeinden Deutschlands eingetreten ist und weiter bevorsteht. In der Praxis des Alltags wird diese Tatsache teilweise noch verdeckt durch den Umstand, dass die Wirtschaftslage in erhöhtem Umfange die Erziehungsberechtigten zwingt, ihre heranwachsenden Kinder der Fürsorge der Gemeinde in Säuglingsheimen, Erziehungsanstalten, (Waisenhäusern) , Kindergärten und Horten, Kinderlesestuben und Einrichtungen der Jugendpflege zu überlassen. Aber der Zeitpunkt steht bevor, in dem trotzdem eine zahlenmässig erheblich verminderte Inanspruchnahme aller - dieser Einrichtungen eintreten muss. Von dieser Entwicklung nicht getroffen ist dagegen die Krankenpflege in Krankenhäusern und Polikliniken, die vielmehr durch die Umbildungen im öffentlichen Gesundheitswesen neue Antriebe erfährt. Eine vollends entgegengesetzte Entwicklung aber ist hinsichtlich der Altersheime und Siechenhäuser vorauszusehen. Ueberalterung des jüdischen Bevölkerungsteils an sich, Verarmung, Unmöglichkeit der Auswanderung für alte Leute, Unvermögen oder — vereinzelt — auch mangelnde Bereitschaft ausgewanderter Kinder, für die zurückgebliebenen Eltern zu sorgen — alles das sind Faktoren, die zusammenwirken, um die Zahl der heimbedürftigen Alten ungeheuerlich anschwellen zu lassen. Einer Vermehrung der Zahl der Altersheime, die dem Bedürfnis entspricht, werden voraussichtlich finanzielle Schwierigkeiten entgegenstehen. Es wird der geeignetste Weg gesucht und gefunden werden müssen, um unter Benutzung neuer rationeller Formen eine möglichst grosse Zahl alter Leute für den Rest ihres Lebens sicherzustellen. Die Diskussion über das Problem der Wohnheime, die im letzten Jahre begonnen hat, dient dieser Aufgabe. Es scheint aber, dass der rechte Weg noch nicht gefunden ist, und dass hier noch ein für die Zukunft beinahe zentrales Problem der Lösung harrt. IV. Gesamtorganisation Süddeutschland kennt seit mehr denn hundert Jahren die Zusammenfassung seiner Gemeinden in den Landesverbänden. Der Preussische Landesverband hat mehr als ein Jahrzehnt anerkannten Wirkens sowohl als Vertretung der Juden in Preussen wie als Ausgleichsstelle und zur wirtschaftlichen und kulturellen Stützung der Klein- und Mittelgemeinden, zur Erhaltung des Rabbiner- und Lehrerstandes hinter sich. Die Reichsvertretung, seit langem erstrebt, ist im wesentlichen erst seit 1933 in Wirksamkeit, aber ihre Bedeutung ist in diesen Jahren bald allgemein anerkannt und gewürdigt worden. Gerade dem oben geschilderten Aufgabengebiet der Wirtschaftsplanung (Wanderung, Beruf sümschichtung usf.) hat sie ihr täiiges Intereese in besonderem Masse zugewendet. Die Landesverbände sind auf den Gemeinden, die Reichsvertretung auf den Gemeinden, Landesverbänden und Grossorganisationen aufgebaut. Die Vergangenheit hat mancherlei Spannungen unter diesen Körperschaften gesehen, die der Entfaltung eines Höchstmasses von Wirkungskraft abträglich waren. Unsere programmatische Darlegung soll in dem Wunsche ausklingen, dass nunmehr die zentralen Körperschaften und die Gemeinden harmonisch in der Erfüllung ihrer Aufgaben zusammenwirken mögen, in Anerkennung der Notwendigkeiten zentraler Planung der Gemeinschaftsausgaben ebensowohl wie kraftvoller autonomer Führung der Gemeindegeschäfte.