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Central-Verein-Zeitung · 1937-03-11 · 10 (11.3.1937) · page 4

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
10 (11.3.1937)
Date
1937-03-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Aus der C.-V.-Bewegung S€IHIÄ€lrMeKi Otto Bernstein rezitiertim C.-V. Vor den Berliner Mitgliedern des C. - V. liest OTTO BERNSTE! N am Montag, den 22. März, 20 Uhr 30 im Logenhaus, Kleiststrasse 10 aus Hermann Hesse, Beer-Hofmann, J. L. Perez u. a. Eintrittskarten sind kostenlos nur für Mitglieder der C-V. und deren Angehörige schriftlich oder telefonisch xu bestellen: Berlin W 15, Emser Str. 42. J 2 8141/45. Besondere Einladungen ergehen nicht diesem Bericht hat Reichsminister Dr. Frank unter anderem erklärt, der Jude als Angehöriger eines von der deutschen rassischen Substanz völlig fremden Volkes könne wohl Träger oder Mitgestalter eines jüdischen, niemals aber des deutschen Schicksals sein. Die Emanzipation des Judentums habe nicht dazu geführt, dass die Juden oder deren Abkömmlinge allmählich hinübergeglitten wären; die Möglichkeit dazu müsse geleugnet werden. Die schrecklichen Erfahrungen dieser Vermischung seien eine furchtbare Warnung . . . Zwei Fünfzigjährige Erich Bry-Breslau Am 13. März begeht Rechtsanwalt Dr. Bry, 'der Vorsitzende der Ortsgruppe Breslau und des Landesverbandes Niederschlesien des Centrai-Vereins, seinen 50. Geburtstag. Dieses führende Amt im C. V., das er in schwerer Zeit übernahm, übt er in einer Form aus, für die ihm Dank und Anerkennung gebühren. Die Südamerika-Reise, die Dr. Bry vor kurzem beendet hat, ist mit besonderer Gründlichkeit und hohem Verantwortungsgefühl durchgeführt worden und wird, wie wir hoffen, der Sache der jüdischen Allgemeinheit von Nutzen sein. Die Freunde vom C. V. und die Schriftleitung der C.-V.-Zeitung gratulieren herzlich. Walter Berlin-Nürnberg Rechtsanwalt Dr. Walter Berlin, Vorsitzender der Ortsgruppe Nürnberg des Centrai- Vereins, wird am 11. März 50 Jahre alt. Zahllöse Menschen, denen Berlin in Sorge und Nöten ein hilfsfreudiger und aufopferungsbereiter Ratgeber gewesen ist, werden mit dankbaren Glückwünschen seiner gedenken. Der tollkühne Frontoffizier, dessen Name in der bayerischen Armee den besten Klang hatte, ist der besonnene Mann im Rate, dem Resignation fernliegt. Der Central-Verein spricht ihm seine herzlichsten Glückwünsche aus im Gefühl des Stolzes, dass Walter Berlin zu seinem engsten Freundeskreis gehört. Wann und wo finden Sie Rat? Baden Karlsruhe täglich 11 —12 Uhr oder nach vorheriger Vereinhnrunir im Sekretariat des C. V., Herrcn- Strasse 7. (Tel.: 53 39.) Frciburgr am 16. Mä rz. 17— 9 Uhr. Gerncindehaus , Werthoiannplatz 1. Bruchsal 24. März. 16U-1S Uhr. Rahbinatsgebäud e. Hullen strasse 2. Mitteldeutschland Magdeburg: 17. März, Mendel ssohn - Lo^e. Gro.-sc Schulstrassc 2b, 16 bis l'J Uhr. Erfurt 18. März. Wohn un c Dr. Max ßaumsrar:. Neunenr ain ÜSa. lü bis l<f Uhr Gross-Berlin Am 2. März fand in der Ortsgruppe Weissensee ein besonders gut besuchter Vortragsabend statt, auf dem Rabbiner Dr. Werner van der Zyl und Amtsgerichtsrat a. D. Dr. Fritz G ol ds c h m i d t über ..Grundgedanken und praktische Aufgaben jüdischer Gemeinschaftsarbeit" sprachen. Dr. van der Zyl führte aus, es komme darauf an, aufbauend auf einem umspannenden jüdischen Gemeinschaftsbewusstsein die geistigreligiösen Kräfte zur Auswirkung zu bringen. Hieraus ergebe sich auch eine Bejahung;der jüdischen Existenzform in der Diaspora.' lieber die Entwicklung des C.-V.-Gedankens sowie über die praktische Hilfe, die der C.-V. an einzelnen jüdischen Menschen in Deutschland leistet, sprach Dr. Fritz Goldschmidt. Dem gleichen Thema galt die Veranstaltung der nordöstlichen Ortsgruppen am 3. März, auf der Rabbiner Dr. Manfred S w a r s e n s k y und Dr. Hans R e i c h m a n n das Wort nahmen. Dr. Swarsensky zeigte die Besonderheit der jüdischen Existenz, die sich mit keiner anderen Gemeinschaftsform vergleichen liesse und betonte die Notwendigkeit, die Ueberseeauswanderung neben der Palästinaauswanderung zu fördern und jüdisch zu unterbauen. Gerade hierfür sei eine eingehende jüdische Betreuung erforderlich. Wichtiger als Kundgebungen sei die Hilfe am Einzelmenschen. Hierin liege der besondere Sinn der praktischen C.-V.-Tätigkeit. Dr. Reichmann gab an Hand des soeben erschienenen Berichtes des Zentralausschusses einen ausführlichen Aufriss über die vielfältigen Aufgaben, die im Interesse der jüdischen Menschen in Deutschland zu erfüllen sind. Neben der Auswanderungs-, Schul- und Sozialarbeit schilderte er Einzelheiten aus der praktischen Tätigkeit des C.-V. Linksrhein und Rheinland- Westfalen In überfüllten Versammlungen sprach Dr. Alfred Hirschberg zwischen dem 25. Februar und 2. März in Trier, Aachen, Koblenz, Duisburg über ..Ausblicke in die jüdische Zukunft". Die Referate, in denen sich nüchterne Betrachtung der Realitäten und weite Perspektive in der Beurteilung des Vergangenen und Gegenwärtigen vereinten, hinterliessen in den Gemeinden nachhaltigen Eindruck. Nord west d eutschl and Auch im Monat Februar fand sich der „Kreis im Jüdischen C.-V." in Hamburg zu mehreren Veranstaltungen zusammen. Am 9. Februar bot der frühere Oberspielleiter Hans Lövinson an einem Rezitationsabend seinen sehr zahlreichen Zuhörern „Ernstes und Heiteres" in eindrucksvoller Weise. — Ueber „Die Judenheit in der abendländischen Frühgeschichte" referierte in prägnanter, durchdachter Form . Dr. Hans Liebeschütz, am 16. Februar. Im^.Mittelpunkt einer geselligen Purimveranstaltung stand ein glänzend formulierter Vortrag von Oberrabbiner Dr. Joseph Carlebach. — Syndikus Dr. Freudenthal gedachte der dahingeschiedenen Eduard Peine und Anni Bauer, die sich den Interessen des „Kreises" stets mit voller Hingabe gewidmet hatten. S. E. Niederschlesien Der Vorsitzende der Ortsgruppe Breslau und des Landesverbandes Niederschlesien des Centrai- Vereins, Rechtsanwalt Dr. Erich Bry, spracham 8. März im überfüllten grossen Saal der Lessing- Loge in Breslau über „Südamerika als Auswanderungsziel". Nach einem geschichtlichen Ueber-. blick ging er im einzelnen auf die wirtschaftlichen^kultutrellen und sozialen Verhältnisse Brasiliens, Argentiniens, Uruguays und Chiles ein und zeigte die Bedeutung dieser Staaten als Einwanderungsländer. Damit verband Dr. Bry eine lebhafte und farbige Schilderung der Eindrücke, seiner Südamerika-Reise und eine fesselnde Zeichnung von Land und Leuten, die die Ausführungen seines Vortrages wirksam unterstrich. Schw. ii!!iiiiiiiiiiiiiin;iiiiiiiiiii;!iiiii!iiiiii!i:i!!ifiiiiniiiitiii!i!iiiiiiiii!iiiniiii!iiiiMiiniiiiiiiniii!iiiiir Am Dienstag, 16. März, 20 Uhr 30 Min. pünktlich, spricht im-Gemeindesitzungssaal in Gleiwitz, Niederwallstrasse 9, Willi Fleischer (Gleiwitz) über „Die Musik der Hebräer." Kantor Grabowski wird erläuternde Gesänge vortragen. Die Mitglieder des C.-V. werden hierdurch eingeladen. IIIMII!!!t!!lliniilll!ni!l[ll!linill!UII>ll!IIIIIIIIilllll!llllll!ill![IIIUIIII[!IIHII!llllllllllll!llll!lIIIIIII Aus den Familien Frau Bartenstein (Breslau) feiert am 11. März ihren 100. Geburtstag. — Bäckermeister Julius S t r a u s s (Bad Vilbel, Kreis Friedberg), Vorstand der Jüdischen Gemeinde, begeht am 12. März seinen 60. Geburtstag. — Frau Sybiila Sommer geb. Appel (Bonn-Endenich') wird am 13. März 75 Jahre alt. — Robert Silberstein (Berlin-Schmargendorf) vollendet am 14. März sein 75. Lebensjahr. — Frau Friederike Rothenberg geb. von Geldern (Berlin) feiert am 15. März ihren 00. Geburtstag. — Frau B. Jachmann, Berlin- Charlottenburg, wird am 18. März 75 Jahre alt. — Julius Hamburger und Frau Helene geb. Szerygielska (Berlin W. 50) begehen am 15. März ihregdldene Hochzeit. — Moritz Brutzkus und Frau Tenny geb. Aronsohn (Berlin-Tempelhof) feiern am 21. März ihre diamantene Hochzeit. Rechtsanwalt B e r g e r und Frau vom Vorstand der Ortsgruppe Hindenburg begingen am 10. März ihre Silberhochzeit. In der grossen Schar der Gratulanten sprechen auch wir unseren verdienten Freunden unsere herzlichen Glückwünsche aus. Rabbiner Dr. S. Levi (Mainz) und seine Gattin Gretl geb. Weissmann feiern am 17. März ihre sil-' berne Hochzeit. Seinem Hauptvorstahdsmitglied und seiner Gattin spricht der C.-V. seine herzlichsten Glückwünsche aus. * In Königsberg (Pr.) ist-.Isidor Fabian, einer der führenden Männer der jüdischen Gemeinde, im Alter von 78 Jahren gestorben. Ihm folgte wenige Tage später seine ihm treu verbundene Gattin, Frida Fabian, die der angesehenen Familie Baerwald in Bromberg entstammte. Jahrzehnte lang spielte Fabian eine führende Rolle in der Repräsentantenversammlung und als' Vorsitzender der Vereinigung-für das liberale Judentum, deren Hauptvercinigung er stets ein wertvoller Berater war. Der Königsberger Ortsgruppe des Centrai-Vereins war er auch ohne Amt jederzeit Freund und Förderer.; * Rabbiner Dr. Weisse (bittet uns um Aufnahmefolgender Zeilen: ..Ueberaus wohlgetan haben mir die vielen Beweise der Anhänglichkeit, für die ich-nur auf diesem Wese herzlich zu danken imstande bin. Dr. S. Weisse." Voranzeigen 15. und 18. März: Gastspiel Deia Lipitiskaja, Brüderverein. 18. März, 20 Uhr 30 Min.: Dr. Mark Wischnitzer „Das jüdische Leben in Afrika einst und jetzt". Logenhaus. Kleiststrasse 10. 18. März. 20 Uhr: Künstlerhilfe. Schumann-Abend Lilli Schlesinger (Ellreich). Festsaal der Josef-Lehmann- Sclnüe. Joachimsthaler Strasse 13. 21. März. 20 Uhr 15 Min.: Künstlerhilfe. Konzert zugunsten der Jüdischen Winterhilfe. Mitwirkende: Susanne Löwenstein (Alt), Wolfgang Rose (Klavier). Paul Blumenfeld (Cello), Dr. TCirl Wongtschowski (Violine). Int Haus von Dr. Karl Wongtschowski, Eurfürstendamm 182/S3. Schachaufgabe Nr. 92 von A. Schiffmann (Berlin). Matt in vier Zügen. Weiss: Kc3, Lc7, Lg8. Sd4, Bd6, e3 (6) Schwarz: Kc5, Bd7, d5. f7 (4) Schachaufgabe Nr.. 93 von A. Scniffmann (Berlin). Selbstmatt in drei Zügen. Weiss: Kb5, Da6, Ta4. Tf5, Lb4, Lc4, Saö, Se7, Bb6, c5, d6, g3, h2 (13) Schwarz: Kg4, LcS, Bb7, d7, h3 ( 5) Bei einem Selbstmatt wird bekanntlich Schwerz — gegen seinen Willen — gezwungen, den weissen König mattzusetzen. Wäre in obiger Stellung Schwarz am Zuge, so wäre die Sache sehr einfach, da Schwarz nur den Zug b7Xa6 matt zur Verfügung hat. — Aber Weiss ist am Zuge! Lösung der Aufgabe Nr. 91: 1. Dfl—f5, drohend 2. Tc4—d4 matt . . . e6Xf5, 2. Le8—17 matt . . . Dh3Xfö, 2. Sc2—e3 . . . Dh3—d3, 2. Df5Xd3 „ . . . Tc7Xc4, 2. DföXeö „ . . . Kd5Xc4, 2. Sc8—bS „ .... Tel—d7, 2. Tc4— c5 „ . . . Sf6XeS. 2. Df5—e4 „ . . . Le7Xd6, 2. ScS-b6 „ ... beliebig 2. Tc4—d4 „ Richtige Lösungen gingen ein von: Gustav Lewi, Wirtschaftsprüfer Dr. Herbert E. Hirschberg, Sanitätsrat Dr. S. Domke, Sanitätsrat Dr. Leiser, Dr. med. Herbert Picard. Rechtsanwalt Dr. Ernst Meyer (Berlin), •. Herbert Heimann (Ratibor), Frau Tilde Adler, Tierarzt Max Koschminski (Landsberg), Albert 'Pappenheim (Frankfurt a. Main), Dr. med. Heyerhof f (Rotenfels), Rechtsanwalt Dr. Ernst Boehm (Brieg), Moritz Heynemann (Düsseldorf),- Kantor D. Cohn (Koblenz), Gottfried Gumbel (Stuttgart), Siegmund Austerlitz (Giessen), Karl Bechhöfer (Nürnberg), Fritz Ollendorff, Adolf Schuck (Breslau), Landgerichtsrat a. D. Dr. Karl Ulrich (München). Michael Levy (Krefeld), M. Stern (Hanau), Sanitätsrat Dr. Ritterband, Diplomvolkswirt W. Silberstein (Berlin). Weitere richtige Lösungen .von Nr. 89: Joachim Neumark, Diplomvolkswirt Walter Silberstein, Rechtsanwalt Dr. Emst Meyer (Berlin). Rechtsanwalt Leo Rothschild (Konstanz"). Karl Bechhöfer (Nürnberg): von Nr. 00: Joachim Neumark (Berlin). tretender Vorsitzender nieder, blieb aber bis zu seinem- Ableben ein unermüdlicher Arbeiter am Werk des C.V. Die Stunden der Unterhaltung mit ihm über Fragen, in denen er besondere Kenntnis besass, sind den Sachbearbeitern des C.V. und den Schriftleitern der C.-V.-Zeitung, die ihm zahlreiche bedeutungsvolle Aufsätze verdankte, als unvergessliches Erlebnis haften geblieben. Vor allem behandelte er die Weisen von Zion, den sog. jüdischen Ritualmord und die sog. jüdischen Geheimgesetze. Hier zeigte sich der Mann mit weltweitem Blick, mit der grossen historischen Kenntnis und der erfahrene politische Journalist, der nicht nur auf das Was der Darstellung, sondern vor allem auch auf das Wie besonderen WTert legte. Paul Nathans Funktionen im jüdischen Leben hat nach ihm kein anderer mehr übernommen. Aber vielleicht gerade deswegen, weil Nathan der Letzte seines Typs war, liegt auf der Erinnerung an ihn besonderer Glanz. * Dr. Er ns t Feder hat in seiner kurz nach Nathans Tod von der Deutschen Verlagsgesellschaft für Politik und Geschichte in Berlin veröffentlichten Biographie („Politik und Humanität. Paul Nathan. Ein Lebensbild.'') unter Benutzung des grossen handschriftlichen Materials und aus eigenem persönlichen Erleben, ein interessantes und fesselndes Bild von der Persönlichkeit Paul Nathans, seines Freundeskreises und seiner Zeit entworfen. Gemeinschaftsarbeit der jüdischen Jugend Der Arbeitsbericht des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbände, der nach seinem Untertitel lediglich die , Tätigkeit des Reichsausschusses in den Jahren 1933/36 widergeben soll, hält mehr, als er verspricht: er gibt einen umfassenden Aufriss. . über die Lage der jüdischen Jugend-in Deutschland und bemüht sich, auch die Atmosphäre, in der sich jüdische Jugendarbeit abspielt, einzulangen. Es versteht sich von selbst, dass. in den vielfältigen Einzeldarstellungen am häufigsten der Name Ludwig T i e t z wiederkehrt, dessen Bild am Beginn der Schrift wiedergegeben ist, und dessen Wirken die Grundlage für die heutige Arbeit jüdischer Jugend "schuf. "Mit Recht weist Friedrich Brodnitz, Tietz' Nachfolger im Vorsitz, darauf hin. dass der Reichsausschuss den Gedanken jüdischer Gemeinschaftsarbeit schon zu einer Zeit in die Tat umgesetzt -habe, als die grossen jüdischen Organisationen sich noch in stärkster Isolierung gegenüberstanden. Auch für die inhaltliche Ausgestaltung der Arbeit war es von entscheidender Bedeutung, dass die Wurzeln der Reichsausschusstätigkeit in eine Zeit zurückreichen, in der jüdische Jugend — noch relativ unbelastet von den uns heute berührenden wirtschaftlichen und berufspolitischen Problemen — in freiwilliger Entscheidung zu jüdischer Gemeinschaftsarbeit vordrang und die persönlichen und geistigen Voraussetzungen für die heutigen weit umfassenderen Arbeiten der Bünde schaffen konnte. Es ist interessant, die verschiedenen Selbstdarstellungen der dem Reichsausschuss angeschlossenen Bünde zu lesen, die alle geeint sind im Willen zu jüdischer Zukunft, aber unterschieden in jüdisch-weltanschaulicher und struktureller Hinsicht. Die ausführlichen Darstellungen von' Bruno Sommerfeld über ..Die Sondersituation der jüdischen Jugendbewegung" hatten wir bereits mit Vorabdruck In der C.-V.-Zeitung (Nr. 53/36, 1/37) wiedergegeben. Für die B i 1 d u n g s a r b e i t der jüdischen Jugendbünde fordert Paul Eppstein das Fernhalten von einseitigen Parolen: es gelte, einen Mittelweg zwischen der aus Bildungsfeindschaft angegriffenen vermeintlichen ..Intellektualisierung" und der Bildungsüberwertung aus Furcht vor vermeintlicher „Fellachisierung" zu beschreiten. Die jüdische Lebenswirklichkeit, zu der der Bund erziehen müsse, umschliesse Geschichte und Gegenwart, Palästina und Diaspora. Zur religiösen Situation äussern sich Heinz Kellermann und Abraham Wolf f. In einem exakt durchgearbeiteten Bericht schildert Georg J o s e p h t h a ] die B e r u f s 1 a g e der jüdischen Jugend. Nach Ausführungen von Walter Gross (Stellung zu Palästina) und Hans F r i e - d e n t h a 1 (Sportfragen) lässt Georg L u b i n s k i in einer lebendigen Schilderung die Tätigkeit des Reichsausschusses von der Gründung bis zum Jahre 1933 erstehen. Es folgen Berichte über die organisatorische Tätigkeit, Wiedergaben der für die jüdischen Jugendbünde wichtigen behördlichen Erlasse sowie Berichte über kulturell*, musikpädagogische, sportliche Veranstaltungen. Die Zahl der im Reichsausschuss zusammengeschlossenen Jugendlichen wird mit 45 000 bis 50 000 angenommen. Unter den vielfältigen künftigen Aufgaben betrachtet der Reichsausschuss als besonders dringlich die örtliche Durchgliederung, die Bildung von Landes- und Ortsausschüssen, die engere Verbindung mit den Gemeinden, die Mitarbeit an den Fragen der Berufsausbildung, die Vertiefung der Bildungsarbeit sowie die Gründung einer eigenen Zeitschrift. Der Wunsch, den die Lektüre dieser 160 Seiten starken, mit schönen Bildmontagen versehenen Schrift auslöst, die von Friedrich Brodnitz und Bruno Sommerfeld geschaffen worden ist, kann nur dahin gehen, dass der Reichsausschuss stets in Treue zu seiner Vergangenheit für die zukünftige jüdische Generation wirken möge. Werner Rosenstock. Breslauer Schulfragen In Breslau ist eine teilweise Neuordnung des jüdischen Schulwerks im Gange, die in der Gemeinde lebhaft besprochen wird. Die Schulträger der Breslauer jüdischen Schulen sind zwei private Schulvereine. Der 1920 gegründete, auf konservativer Grundlage stehende (alte) Jüdische Schulverein unterhält ein Reformrealgymnasium, das in diesen Tagen erstmalig die Reifeprüfung abhält, und eine Volksschule am Rehdigerplatz. Eine zweite Volksschule am Anger wurde 1934 durch den damals entstandenen „Neuen Jüdischen Schulverein", der auf religiös-liberaler Grundlage steht, errichtet. Die Volksschule am Anger ist rechtlich eine Zweiganstalt der Volksschule am Rehdigerplatz. Ihr sind jedoch vom fünften Schuljahre ab Zusatzkurse in den Fremdsprachen angegliedert, und vom neunten Schuljahre ab können die Schüler der Angerschule sogenannte „Familienkurse" besuchen. So konnte die Schule am Anger ihren Schülern den Wissensstoff einer höheren Schule vermitteln, konnte ihnen aber eine Berechtigung (Reifezeugnis oder mittlere Reife^ nicht verschaffen. Im Laufe der Zeit erwies es sich als erforderlich, Verhandlungen wegen einer Vereinheitlichung des Breslauer Schulwerks oder wegen der Uebernahme dieses Schulwerks auf die Gemeinde zu führen. Diese Verhandlungen verliefen ergebnislos, da ein von der Reichsvertretung gemachter Vereinheitlichungsvorschlag zwar vom Neuen Jüdischen Schulverein, aber nicht vom (alten) Jüdischen Schulverein angenommen wurde. Nun haben die beiden Schulvereine unter Mitwirkung der Reichsvertretung einen Vertrag geschlossen, nach dem unter anderem der Neue Jüdische Schulverein das Recht erhält, unter eigener Konzession eine neue Mittelschule, die es bisher in Breslau nicht gab, zu errichten, während er seine Volksschule nach wie vor als Zweiganstalt der Schule am Rehdigerplatz weiterführt. Schulträger des Reformrealgymnasiums bleibt wie bisher der (alte) Jüdische Schulverein. — Zur Lehrerfrage kann vorläufig keine Stellung genommen werden, da ein Schiedsgericht angerufen worden ist, auf das sich beide Parteien geeinigt haben. Der Neue Jüdische Schulverein hat aber wiederholt auch in der Oeffentlichkeit (unter anderem in einer Elternversammlung am 2. März und in einer Versammlung des Religiös-liberalen Vereins am 3. März) die bestimmte Erklärung abgegeben, dass die ausgesprochene Kündigung von Lehrkräften keineswegs ihren Grund in der inner jüdischen Einstellung dieser Lehrkräfte hat, dass vielmehr andere zwingende Gründe dafür massgebend gewesen sind. Andere - in der jüdischen Oeffentlichkeit verbreiteten Begründungen für die Entlassung einzelner Lehrkräfte sind demnach unzutreffend. Dr. Rudolf Breitbarth. Wir weisen wiederholt darauf hin, dass unverlangt eingesandte Manuskripte nur zurück-' gesandt werden, wenn Porto oder Freiumschlag beigefügt war. Irgendwelche Rechtsansprüche können aus der Zurückbehaltung von Arbeiten, denen das Rückporto nicht beigefügt war, nicht hergeleitet werden.

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