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Central-Verein-Zeitung · 1937-02-25 · 8 (25.2.1937) · page 4

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
8 (25.2.1937)
Date
1937-02-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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einer erstaunlichen Bildung, für die aus innerstem Bedürfnis geborene Beschäftigung mit' allem Schönen und Gutem, mit Künsten und Wissen-. Schäften. Der Weg des Jubilars im Dienste des Staates, wo er vom staatsanwaltschaftlichen Hilfsarbeiter bis zum Rat am höchsten bayerischen Gericht aufstieg, war in gleicher Weise Dienst an der Gemeinschaft wie das fruchtbare Wirken im jüdischen Bereich. In der Kultusgemeinde München und im Bayerischen Landesverband, als deren Präsident Dr. Neumeyer seit 1921 tätig ist, ist er der unbestrittene Führer, dessen guter Geist, der Geist reinen Menschentums und rastloser Pflichterfüllung, alle Arbeit für die Gesamtheit erfüllt. Otto Weiler. # Der Jüdische Centrai-Verein schliesst sich in Herzlichkeit den Glückwünschen für den Jubilar an, der ihm als Hauptvorstandsmitglied verbunden ist. Anni Bauer, Hamburg Am 21. Februar starb unerwartet Anni Bauer in Hamburg. Sie gehörte seit Jahren dem Vorstand des Landesverbandes Nordwestdeutschland des Centrai-Vereins an und widmete ihm in der selbstlosen Hingabe, die sie in allen ihTen Arbeiten auszeichnete, ihren warmen menschlichen Rat und ihre Hilfe. Anni Bauer gründete die Frauengruppe Hamburg des C.-V., und mit ungewöhnlichem Geschick leitete sie als Vorsitzende deren Arbeit. Sie verstand es, allen ... . ... ... Fot. Kastan (Hamburg) Zusammenkünften den Inhalt und den Rahmen zu geben, der gerade für Hamburg das Richtige war. Von 1928 bis 1933 führte sie^die. Geschäfte des Landesverbandes Nordwestdeutschland, und seit, 1930 war sie Repräsentantin der .Deutsch-Israelitischen Gemeinde in Hamburg, an deren Arbeiten sie sich aufs intensivste beteiligte. Ueberall, wo sie in Frauenkreisen oder in gemischten Gremien mitwirkte, war ihr Rat und ihre Sachkunde geschätzt. Der Central - Verein verliert in Anni Bauer eine Mitarbeiterin, die sich durch Einsatz - ihrer Gesamtpersönlichkeiten in. den Dienst seiner Idee das Andenken aller, die sie kanntenpge- . sichert hat......... M.E. . * Bei der Beisetzung von Anni Bauer,. deren beide Söhne in Südamerika weilen, sprach Rabbiner Dr.. Italiener .als Mitglied des "Vor-. Standes des Landesverbands Nordwestdeutschlandauch für den Central-Verein und die;Frauengruppe Hamburg Worte des Gedenkens. Rechtsanwalt Max Jeselsohn, Mannheim Im 66. Lebensjahr starb Rechtsanwalt Dr. Max Jeselsohn, der in seiner Heimatstadt und über sie hinaus nicht nur in seinem Beruf geschätzt war: viele Jahre bekleidete er die Ehrenämter eines Stadtverordneten und Stadtrats. Den Krieg machte er als Reserveoffizier mit hohen Auszeichnungen mit. Auch im jüdischen Bereich entfaltete er eine segensreiche Tätigkeit. So war er Synagogenrat der Jüdischen Gemeinde in Mannheim und Vorsitzender der Badischen Synode. Die Grossloge Bne Brüh betrauert, in ihm einen ihrer Vicegrosspräsidenten, der Jüdische Centrai-Verein ein treues Mitglied, das jahrelang im Vorstande der Mannheimer Orts-' gruppe an führender Stelle gestanden hat. Wir sprechen den Angehörigen zu dem schweren Verlust, durch den besonders auch die Familie unseres Mitarbeiters, Amtsgerichtsrat a. D. Dr. Goldschmidt, betroffen wurde, unser herzliches Beileid aus. Ein Fünfundziebziger Der diese Zeilen schreibt, hat den Lebensweg des Jubilars nicht begleitet Er ist also eigentlich nicht berufen, Worte des Dankes zu sagen. Knapp fünf Jahre sind es erst, dass er Max Gross persönlich kennenlernte, der selten im C:-V. fehlte und selten dort sprach: Keine Reden von .schulmeisterlicher Länge, sondern kurze, oft humorvolle Sätze sachlicher Klärung oder des Vermitteins. Vom Leben des Mannes kann ich nur sagen, was man mir erzählte: Geboren am 1. März 1862 zu Berlin als Sohn eines akademischen Kaufmanns, dessen Vorfahren als fromme Juden aus Halberstadt nach Berlin gezogen waren. Max Gross besuchte das Köllnische Gymnasium und folgte mehr aus Notwendigkeit als aus Neigung dem Vater in der kaufmännischen Laufbahn. Aber er fand Müsse, das noch fehlende Wissen sich als Autodidakt anzueignen. Im öffentlichen Leben Steglitz' war er ein wohlbekannter Mann. Er war BezirksstadtveSordneter und als solcher entsprechend seinerÄNeigung vor allem in der Wohlfahrt, der allgemei- nen und der jüdischen, tätig. Im Vorstand^ der Ortsgruppe Friedenau-Steglitz-Dahlem des .i.Jü- ■ dischen Central -Vereins leistet er?seit vielen Jahren stille und gewissenhafte Arbeit, der wir heute mit dem Wunsche; dankbar ge- denken, dass Max Gross .an der: Seite seiner^rau noch lange in unveränderter Gesundhei&§^und Geistesfrische wirken kann. Hans Oppenhemier. Aus den Familien Paul Lewin (Leipzig), der frühere langjährige Vertrauensmann der Ortsgruppe Falkenstein'■{■Vogtland) des Centrai-Vereins, beging in diesen Tagen seinen 60. Geburtstag. — Isaak Mann. (Osthöfen, Rheinhessen) wurde am 24. Februar 95 Jahre .alt. — Max Lad ewig (Dortmund) begeht am 26. Februar seinen 70. Geburtstag. — Emil Heymann (Berlin- Wilmersdorf) wird am 27. Februar 75 Jahre alt. — Frau Fina Goldschmidt (früher Twistririgen, jetzt Frankfurt a. M.) feiert am 27. Februar ihren 80. Geburtstag. — Frau Emma Weil. (Stuttgart) vollendet am 28. Februar ihr 70. Lebensjahr. — Minna .S o nn (Fronhausen/Lahn) begeht am. .28. Fe-r -*ruar ihren 90. Geburtstag. — Frau Sara Korytowski geb. Zernik . (Berlin-Halensee) wird am 1. März 75' Jahre alt. — Carl D r e i f u s s und Frau Julie geb. Frank (Pirmasens) feiern am 27. Februar ihre goldene Hochzeit. Aus der C.-V*-Arbeit Der Landesverband Hessen-Nassau und Hessen veranstaltete unter der Leitung von Wolfgang S. Matzdorf am 9. und 16. Februar, in Frankfurt a. M. eine Arbeitsgemeinschaft über Auswanderungsrecht für jüdische Rechtsanwälte. Beide Veranstaltungen waren von Interessenten aus allen Bezirken des Landesverbandes stark besucht. Besonderes Interesse fanden die Ausführungen der Rechtsanwälte Dr. Max Hermann M a i e r, Marcus und Dr. Hermann Simon. Am ersten Abend begrüsste Rechtsanwalt Dr. Rudolf Geiger (Frankfurt a. M.) die Erschienenen. — Der Kursus wird auf Wunsch fortgesetzt. Anregungen sind an das Büro des Landesverbandes (Steinweg 9) zu richten. In der Ortsgruppe Mainz sprach Rabbiner Dr. Max Diene mann (Offenbach) im Vortragssaal der Hauptsynagoge „Vom Sinn jüdischen Schicksals". Die zahlreichen Hörer folgten dem gehaltvollen Referat mit grösster Aufmerksamkeit. Zu Beginn des Abends" gedachte Hans A. Feibelmann vom Büro des Landesverbandes Hessen- Nassau und Hessen in ehrenden Worten des unlängst verstorbenen Ortsgruppenvorsitzenden Justizrat Dr. Otto Lichten. Schlussworte an die Anwesenden und Dankesworte an den Referenten s_prach Rabbiner Dr. S. Levi (Mainz). Am 17. Februar sprach Rabbiner Dr. Max Dienemann (Offenbach) in einer gut besuchten Versammlung in Kassel, die von dem Ortsgruppenvorsitzenden Dr. Dellevie geleitet wurde, über „Jüdische Gegenwart". Die ausgezeichneten und klären Ausführungen wurden mit grossem Beifall aufgenommen. # Die Ortsgruppe Magdeburg veranstaltete zu Beginn des Monats im Logensaal einen aus der Stadt und Umgebung gut besuchten Vortragsabend. Es sprachen Landgerichtsrat i. R. Dr. Kurt Cohn (Chemnitz) und Syndikus Kurt Sab a t z k y (Leipzig) über „Jüdisches Schicksal — Jüdische* Aufgabe''. Die Veranstaltung wurde von dem Vorsitzenden der Ortsgruppe, Augenarzt Dr. Otto Simon, geleitet. "Schachaufgabe ]S"r. 91 von Paul Rosenblatt (Berlin). Vorträge über Auswanderungsrecht im Jüdischen Central-Verein Der Landesverband Gross-Berlin des Centrai-Vereins veranstaltet im März wiederum Vortragsabende über Auswanderungsrecht, insbesondere Devisenrecht. Am Montag, dem 8. .März 1937, 20V2 Uhr, und Mittwoch, dem 10. März 1937, 20V2 Uhr, wird Devisenberater Dr. Heinz Cohn über „Auswanderungsfragen" (Rechtsgrundlage, Verfahren. Transfer) im Logenhaus, Berlin W 62, Kleiststr. 10, „Roter Saal", sprechen. In Aussicht genommen.sind ferner Referate der Herren M i c h a e 1 i s (von der Firma" Gebr. Arnhold) über „Die verschiedenen Arten der Mark und ihre Verwertung" und Dr. Arthur Prinz (vom Hilfsverei.n der Juden in Deutschland) über „Gegenwartsfragen der jündischen Auswanderung aus ^Deutschland". Juristen, die an den Vorträgen teilnehmen wollen, werden gebeten, sich schriftlich an das Büro des Central - Vereins, Berlin W 15, Emser Strasse 42, zu wenden. Matt in zwei Zügen. Weiss: Ka2. Dfl, Tc4, Ld6. Le8. Sc8. Se2 ( 7) Schwarz: Kdö. Dh3, Tc7, Le7, Sbl, Sf6, Ba5, c3. e6, eh (10) # Lösung der Aufgabe Nr. 89: i. Sf2—g4, f6—f5, 2. Te3—eöf! u. 3. Teo—c5 bzw. Sf4—e3 matt. 1. ä , . Kdö—c4, 2. Te3—c3f u. 3. Tc3—co bzw. Sfi—e3 matt. 1. , beliebig, 2. Te3—c3 usw. * Lösung der Aufgabe Nr. 90: 1. Kf4Xf5! LgS-h7f 2. Kfö—e6! Lh7Xd3 3. Ke6—d7! Ld3—föf 4. Kd7—dö L zieht 5. c6—c7 Kb6—b7 6. Kd6—dl L—föf 7. Kd7—d8 und gewinnt. Auf 1. . . . Kb6Xc6 folgt 2. Kf5Xf6, und Weiss gewiant leicht mit dem h-Bauer. # Richtige Lösungen von Nr. 89 gingen ein von: Sanitätsrat Dr. S. Domke, Wirtschaftsprüfer Dr. Herbert E. Hirschberg. Gustav Lewi, Georg Arnheim (Berlin), Michael Levy (Krefeld), Tierarzt Max Koschminski (Landsberg). Max Pniower (Hindenburg), Landgerichtsrat a. D. Dr. Karl Ulrich (München), Martin Hirsch (Grattkau), Dr. med. J. Meyerhoff (Rotenfels), Kantor D. Cohn (Koblenz^ M. Stern (Hanau), Herbert Heimann (Ratibor), Gottfried Gumbel (Stuttgart), Siegmund Austerlitz (Giessen), L. Löwenstein (Osterholz-Schairmbeck). Karl Nussbaum (Ehevdt), Ella Rüben (Bünde). Adolf Schuck (Breslau), Rechtsanwalt Ludwig Mayer, Dr. med. Herbert Picard (Berlin). . # Die Aufsähe Nr. 90 wurde nur richtig gelöst von: Tierarzt Max Koschminski (Landsberg), Rechtsanwalt Dr. Ernst Boehm (Brieg). Weitere richtige Lösungen von Nr. 88 gingen noch ein von: Rechtsanwalt Ludwig Mayer, Diplomvolkswirt Walter Silberstein (Berlin). * Schaehbriefkasten. M. St. (Hanau). Besten Dank für eingesandten. Zweizüger, der leider gar nicht verwendbar ist. Der 1. Zug von Weiss ist nur zulässig, wenn aus der Stellung der Nachweis erbracht werden kann, dass Schwarz unmittelbar vorher keinen anderen Zug hat machen können, als e7—eö. * Schacllmelsterschatt in Frankfurt a. M. Die Meisterschaften aller jüdischen Schachspieler in Deutschland sind in Neuansetzung auf die Tage vom 8. bis 11. März gelegt worden. Zwei stark besetzte Turniere werden von der Frankfurter Sehachvereinigung durchgeführt. Ausser der gesamten jüngeren Elite der jüdischen Schachmeister wird sich auch die „alte Garde" an den 64 Feldern einfinden, so dass der älteste Teilnehmer 72 und der jüngste 25 Jahre zählt. — Wir werden vor Turnierbeginn noch eine Vorschau geben. Ismar Eibogen spricht über: Don Isaak Abravanel Mit einem Nach v/ort über Gedächtnisfeiern von Heinz Kellermann Im ..Verein für jüdische Geschichte und Literatur" sprach am Donnerstag. IS. Februar, der Vorsitzende Professor Dr. Ismar Eibogen über „Don Isaak Abravanel". — Ein Vortrag von Eibogen. das bedeutet Klarheit, Wissenschaftlichkeit und Sachstrenge. Professor Eibogen gab zunächst einen allgemein historischen und einen biographischen Ueberblick. In sehr anschaulicher Form entwarf er das Bild eines Mannes, in dessen Dasein — durch den dauernden Wechsel von Glanz und Heimsuchung — das Geschick vieler jüdischer Generationen zusammengedrängt scheint. Sevilla, Lissabon, Toledo, Neapel, Messina, Korfu. Monopoli, Barletta, Neapel, Venedig, Padua —sind die einzelnen Stationen dieses gehetzten Lebens. Sein Aufstieg wurde ihm zum Verhängnis, seine Verbindungen nutzten die anderen aus, er selbst verstrickte sich in ihnen. Keineswegs einer der Grossen aus der offiziellen Repräsentanz der zeitgenössischen Weltmächte, geriet er durch Zufall und törichtes Missgeschick immer wieder zwischen die Räder der west- und mitteleuropäischen Politik am Ende des Mittelalters; anfangs hineingezogen in die dynastischen Wirren im aragonisch - kastilischen Prätendentensterit und Märtyrer der torquemadischen Judenpolitik, später — und sogar nach dem Tode! — unverlangtes und gänzlich nutzloses Opfer der französisch-spanischen Auseinandersetzungen in Italien und um Aujou. Ständig litt er ein doppeltes Schicksal: das fremde seines gestürzten Gönners und das eigene des unbequemen Juden. Aber entscheidend war, dass nur die Verfolgungen, die dem Besitzer der Fürstengunst galten, Isaaks Abravanel unfreiwillig und unerwartet trafen, dass er aber das Judenschicksal stets freiwillig auf sich nahm. Er hätte es nicht nötig gehabt. Privilegierung und persönliche Beziehungen zu Hof und Herrscher hatten ihn bislang vor allen sozialen Demütigungen, denen der spanische und portugiesische Jude seiner Zeit ausgesetzt war, geschützt. Die Taufe hätte ihn vor allen zukünftigen Anfeindungen und vor der Vertreibung bewahrt. Er verschmähte diesen Ausweg und zog ein Leben der Verbannung und sogar das Todesurteil in contumaciam dem Glaubensabfall vor. Der tiefe Sturz rührte nicht an seine persönliche Grösse. Er war zu keiner Zeit seines Lebens ein Mann, der mit der üblen Nachrede des bankrotten Bankiers oder des verjagten Höflings behaftet werden konnte. Der Gedanke von der gerechten Vorsehung beherrschte sein Leben und sein Werk. Von diesem Geist, aber auch von dem grossen Wissen eines Juden und eines belesenen Menschen seiner Zeit, der Zeit der Renaissance und des Humanismus, zeugen alle seine Schriften. Der gläubige Jude und der rationalistische Humanist lagen in ihm in Widerspruch und führten ihn zu einer „aufgeklärten Gläubigkeit", ja, bisweilen bis zu „gläubiger Skepsis". Er liebte die Philosophie an sich nicht — selbst Maimonides begegnete er mit dem Misstrauen des verehrenden Opponenten, der zugleich der sachlichen Meinung widerspricht und zugleich sich der persönlichen und geistigen Grösse des Gegners gefangen gibt —, aber er bediente sich ihrer. Wie sein Glauben zum Schluss die Sclnvere des eigenen Schicksals überwand, so auch den ketzerischen Geist realistischer Denkweise. Seine Einwände in dem gross angelegten Bibelkommentar hätten der modernen Bibelkritik alle Ehre gemacht. (Sie haben übrigens die christliche Welt mehr beschäftigt als die jüdische seiner Zeit, Von christlicher Seite ist der Bibelkommentar später herausgegeben und dem seinerzeit regierenden preussischen König gewidmet worden.) Aber über alle Zweifel triumphierte die gläubige Hoffnung, die in mittelalterlicher Fragestellung auf zwei Grundlagen ruhte:. Einmal auf der Erschaffung der Welt durch Gott aus dem Nichts, so wie sie im Buch steht, mit allen Wundern und Zeichen, an deren Wahrheit Abraranel keinen ' Zweifel gestattete; zum anderen auf', den messianischen Verheissungen der Propheten, die noch nicht eingetroffen seien, aber deren Erfüllung bald bevorstehe. So waren Leben und Werk eins. * Wir müssen Eibogen für sein Referat dankbar sein. Avas an Inhalt und Form so wohltuend berührte, ist die Schlichtheit des Berichts. Der Referent hat es absichtlich vermieden, die Persönlichkeit Abravanels als mehr erscheinen zu lassen, als sie wirklich war. Er war kein Staatsmann, obschon man ihn jetzt vielfach als solchen hinzustellen sich bemüht. Er war auch kein origineller Denker. Selbst sein Adel ist bestritten. Trotzdem war der Mann Abravanel ein Hei d. Aber was ihn zum Helden machte, war nicht die individuelle wissenschaftliche oder politische Leistung, nicht der Ruhm, der Popularität verspricht. Was Abravanel zum Helden macht, das ist das rein Menschliche an ihm. Der Mensch und Jude Abravanel ist als Mensch und Jude, und zwar in einem höchst bedeutsamen und höchst aktuellen Masse ein Held. Er ist es durch die Art seines Schicksals und durch die Art, in der er darauf geantwortet hat. Ohne Hass und Ressentiment, nicht beleidigt und nicht verbittert, sondern gläubig, vertrauend und unbeirrt. Man sollte meinen, dass solch ein Charakter schon als Beispiel des Andenkens wert sei. Das w^ar ohne Zweifel auch Eibogens Ansicht. Aber was kann man dagegen tun, wenn das Menschliche den fortschrittlichen Vorstellungen unserer öffentlichen Meinung vom heldischen Leben nicht genügt? Dann wird aus einem geschickten Finanzier plötzlich ein bedeutender Staatsmann und aus einem fleissigen und gebildeten Privatgelehrten eine philosophische Kapazität von richtungweisender Ponderanz. Das Gewissen der eifrigen Historiographen stört es nicht, dass bis zum gestrigen Tage nur wenige die Persönlichkeit und kaum einer den Geburtstag des unglücklichen Opfers einer frisch renovierten Popularität kannten, und es beruhigt sich nicht früher, als bis auch der letzte kleine Heimatverein durch* Feiern, Vorträge, Leitartikel und Plaketten dem Wirken des berühmten Mannes eine Stunde des schlichten, aber würdevollen Gedächtnisses gewidmet hat. Wenn Ismar Eibogen über Abravanel redet, so spricht die berufene Persönlichkeit, und wenn der „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" der Veranstalter ist, so geschieht es am rechten Platz. Aber auf Herrn X. Y. Z. in Klein-Soundso erstreckt sich die Legitimation schon weniger. Weiss der Himmel, wer der findige Kopf ist, der mit unfehlbarem Spürsinn und absoluter Pünktlichkeit die Familiendaten berühmter Leute, die uns vor Jahrhunderten verlassen haben, wieder auskramt. Jedenfalls sollte man des 500. Todestages eines solchen Mannes mit besonderer Dankbarkeit gedenken. Im Ernst, welcher durchschnittlich gebildete Zeitgenosse muss nicht, wenn alle Welt so haargenau weiss und belehrt wird, wer der und jener berühmte Unbekannte war, den bekümmerten Verweis gewärtigen: „Was, Sie wissen nicht, was Don Isaak Abravanel war? Das ist doch der berühmte ...!?! Ach, geben Sie mir, bitte, schnell einmal dasPhilo-Lexikon herüber!" Wohlgemerkt. Es handelt sich nicht darum, die Verdienste hervorragender Persönlichkeiten schmälern. Don Isaak Abravanel ist ein Held und bleibt einer, auch wenn 100 Zeitungsartikel und Reden aus ihm einen bedeutenden Politiker und Religionsphilosophen machen wollen. Es muss nur einmal Front gemacht werden gegen die Form, in der man ehrliche und vor allem . schlichte Männer mit Gewalt populär zu machen versucht, indem man sie mit Auszeichnungen behängt, die ihnen weder zukommen noch auf die sie zum Erweis ihrer Persönlichkeit angewiesen sind. Echtes Heldentum ist nie auf das Gedächtnis der Masse angewiesen. Oder aber esereignen sich Fälle wie dieser: Schrieb da kürzlich eine Gemeinde-Grossorganisation an ihre Unterorganisationen einen Rundbrief, in dem sie ihnen die Veranstaltung von Abravanel-Feiern ans Herz' legte. Und erhielt u. a. folgendes Antwortschreiben: „Sehr geehrte Herren! Wir werden gern Ihrer Anregung Folge leisten und bei der ersten passenden. Gelegenheit des verstorbenen Herrn Abravanel gedenken . ..'£

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