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Central-Verein-Zeitung · 1937-02-25 · 8 (25.2.1937) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
8 (25.2.1937)
Date
1937-02-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr.8 * I.Beiblatt CYZeihinq 25. Februar 1937 Koc bricht das Schweigen der Erklärungen in der Zukunft die praktische Bewältigung ihrer Aufgaben denkt. Dr. Kurt Julius Rieger In der polnischen Innenpolitik hat sich, wenn nicht alle Zeichen trügen, in einer auch für die polnische Judenfrage bestimmenden Weise, in den letzten Tagen eine Wende vollzogen. Nach dem am 12. Mai 1935 erfolgten Tode des Marschalls Josef Pilsudski war ein Zwischenzustand eingetreten, während dessen der Kurs der polnischen Staatsführung vielfachen Schwankungen unterlag. Mehr als ein Jahr nach des Marschalls Tod betraute sein Nachfolger, Eduard Rydz-Smigly, den Präsidenten des polnischen Legionärverbandes und ehemaligen Chef der polnischen Staatsbank, den Obersten Adam Koc. mit der Aufgabe, Dr. Alfred Hirschberg spricht über: ,Ausblick in jüdische Zukunft' im Landesverband Linksrhein des CV. Donnerstag, 25. Februar in Trier Sonnabd., 27. Februar in Aachen Montag, 1. März in Koblenz im Landesverband Rhein/.-Westf. Dienstag, 2. März in Duisburg neue theoretische und praktische Grundlagen für die Staatsführung zu legen und ein Programm zu entwickeln, das imstande wäre, der Regierung einen starken Rückhalt im Volke zu sichern. In bewundernswerter Selbstdisziplin haben die führenden Männer Polens seit dem Tage, an dem die entscheidende Persönlichkeit des Landes diese Bestimmung traf, ein Stillschweigen bewahrt, das auch den aufmerksamen und gut orientierten Beobachter der polnischen Verhältnisse nicht erkennen liess, welche Richtung die Regierungspolitik nach ihrer Grundlegung nehmen würde. Selbst an einem zu Proklamationen so geeigneten Tag wTie dem Jahrestage der polnischen Revolution nud der Verleihung des Marschallstabes an Rydz-Smigly ist kein Wort gefallen, das den zuknüftigen Weg der polnischen Staatsführung hätte erkennen lassen. Jetzt erst hat Oberst Koc in einer vom ganzen Lande mit höchster Spannung erwarteten Rundfunkrede die politischen Gedanken entwickelt, von denen her die Reorganisierung des Regierungsblocks im Lande vorgenommen werden soll. Der Werdegang Kocs, der mit dem des Jungen polnischen Staates aufs engste verknüpft ist, ist in vielem bestimmend gewesen auch für die Arbeit, die er seit seiner Betrauung mit dem wichtigen Amte eines politischen und geistigen Reformators geleistet hat. Schon als junger Offizier des russischen Zarenreiches und dann in und nach dem Weltkrieg hat er Seite an Seite mit den Führern des sich erhebenden Polens gekämpft Immer war er Militär, und er blieb es auch, als nach der Konsolidierung des neuen Staates politische und verwaltungsmässige Aufgaben an ihn herantraten. Auch das Programm, das er am vergangenen Sonntag nach neunmonatiger Arbeit am Rundfunk entwickelt hat, stellt in den Mittelpunkt aller staatlichen Aufgaben die Verstärkung der Wehrkraft von Staat und Volk. Diesem Gedanken sucht er alle politischen Notwendigkeiten unter- und einzuordnen, "wobei er das nationale und übrigens auch das religiöskatholische Element stark betont. Von hier aus bestimmt sich auch die Stellungnahme Kocs zur polnischen Judenfrage. Ausgehend von einem starken Bekenntnis zur polnischen Verfassung, die noch in den letzten Monaten der Pilsudski-Periode in Kraft getreten war, erklärte es Oberst Koc als ein Ziel des neuen Regierungsblocks, a n derRechtsgleichheitallerBürger streng festzuhalten. Er verurteile Gewaltakte gegenüber den Juden, doch sei nach wirtschaftlicher Unabhängigkeit des polnischen Volkes zu streben. Die Ausführungen Kocs zur Judenfrage waren eingebettet in seine Aeusserungen zum Minderheitenproblem im allgemeinen, das ja für den polnischen Staat auch sonst von weittragender Bedeutung ist. Er sprach hier von dem Wunsche eines brüderlichen und staatsbürgerlichen Zusammenlebens auf einem Boden, „für den wir im Laufe der Jahrhunderte unser Blut vergossen. Unsere Geschicke sind durch eine geschichtliche Entwicklung verflochten." Die Andersartigkeit der Minderheiten werde stets anerkannt und geachtet werden, solange sie nicht den Interessen des Staates schadet und solange sie nicht absichtlich dazu benutzt wird, eine chinesische Mauer aufzurichten und den Hass zu festigen. Was die jüdische Bevölkerung angehe, so lege der polnische Regierungsblock zu hohen Wert auf die Kultur und die Achtung für Gesetz und Ordnung, als dass er Gewaltakte und brutale judenfeindliche Ausschreitungen billigen könnte, die die Würde und das Prestige eines grossen Volkes herabdrücken. Andererseits sei es klar, dass der Instinkt kultureller Selbstverteidigung befolgt werden müsse, und es sei nur natürlich, das die polnische Gesellschaft danach strebe, wirtschaftlich unabhängig zu werden. Am Schlüsse seiner Ausführungen betonte Oberst Koc noch, dass man den Religionen ausserhalb der katholischen mit der traditionellen polnischen Toleranz begegnen werde. Auf wirtschaftlichem Gebiet sprach sich der Oberst — was gleichfalls vom jüdischen Standpunkt aus wesentlich ist — für die Erweiterung des städtischen Wirtschaftslebens und den Ausbau von Handel, Industrie und Handwerk aus. Allen, die gemeinsam am Aufbau des Staates unter Hintansetzung persönlicher Ziele mitarbeiten wrollten, sei die Hand entgegengestreckt. Diese Gedankengänge bestätigten im wesentlichen das, was schon in allen publizistischen und parlamentarischen Verlautbarungen der regierungstreuen Seite als Grundlinie der Judenpolitik erkennbar geworden war. In den Tagen unmittelbar vor Kocs Rundfunkrede hatte ein anderer Militär, der bekannte Oberst Miedzynski, Chefredakteur der offiziösen „Gazeta Polska" und Führer des Regierungsblocks im Sejm, im Parlament selbst und dann in einer Sitzung des Diskussionsklubs der Sejm- Abgeordneten grundlegende politische Referate gehalten, die diese Gedankengänge erkennen Hessen. Im Diskussionsklub erklärte Miedzynski, der übrigens ein radikaler Vertreter der Theorie von einer jüdischen Massenauswanderung ist, „Nationalismus, Religiosität, Kampf gegen umstürzlerische Bewegungen und sozialer Radikalismus seien die Grundlagen des neuen Regierungsprogramms'4. Zum Minderheitenproblem erklärte er, dass die einzelnen Minderheiten in Polen verschieden behandelt werden müssten. Was die jüdische Minderheit angehe, so sei jede Gewalttätigkeit abzulehnen, da das jüdische Problem in Polen ausschliesslich ein soziales und wirtschaftliches sei. Im Sejm sprach sich Miedzynski von neuem für Massen Wanderung aus. Das Echo, das die Ausführungen Kocs und Miedzynskis im Lande fanden, war ausserordentlich stark. Die Tageszeitungen berichteten davon, dass zahlreiche Anmeldungen zu der Organisation der Regierungsfront vorlägen. Allerdings machte sich auch Widerspruch geltend. Im polnischen Sejm polemisierte der Abgeordnete Hoffmann gegen die antijüdischen Anschauungen, die Miedzynski in das Regierungsprogramm eingebaut wissen wolle. Auch die Abgeordnete Frau Pelzinska wandte sich gegen jede antijüdische Massnahme. Auf der anderen Seite empfinden die National demokraten, der auch ein grosser Teil der Jugend besonders nahe steht, die Ausführungen der Regierungsmänner gerade zur Judenfrage als nicht weitgehend genug. Koc wird vorgeworfen, dass er das Streben der polnischen Judengegner nach kultureller und wirtschaftlicher Selbständigkeit nur „verständlich" finde, anstatt „die Regulierung des geschichtlichen Ablaufes in Angriff zu nehmen". Wenn in der Oppositionspresse dem Regierungsprogramm Kocs vorgeworfen wird, es sei zu verschwommen und allgemein, so gilt dies in gewissem Umfange auch in bezug auf seine Stellungnahme zum Judenproblem. Koc hat sich zum Gedanken der Gleichberechtigung bekannt und Gewaltakte abgelehnt, aber gleichzeitig die Theorien Miedzynskis, die sozialen und wirtschaftlichen Probleme des neuen Polen seien spezifisch jüdische Probleme und also nur auf dem Wege über eine radikale Lösung der Judenfrage zu beheben, zum Programm erhoben. ^Hierin liegt ein gewisser Widerspruch, und es wird abzuwarten sein, wie die Regierung sich jenseits Der englische König empfängt die Vertreter der britischen Judenheit König Georg VI. von England wird, nach Mitteilungen aus dem Board of Deputies of British Jews, am 25. März die Vertreter der britischen Judenheit empfangen. Der Deputation, die aus Abgeordneten des Board of Deputies of British Jews und der Anglo-Jewish Association zusammengesetzt ist, werden sich hervorragende, für die gesamte britische Judenheit repräsentative Persönlichkeiten anschliessen und bei dieser Gelegenheit dem Könige die Ergebenheitsadresse der Juden des britischen Reichs überreichen. Türkische Verfassungsänderung schafft Gleichberechtigung In die türkische Verfassung sind neue abändernde Bestimmungen eingeführt worden, durch die festgestellt wird, dass alle türkischen Staatsbürger ohne Unterschied Religionsfreiheit gemessen. Juden, Griechen, Armenier und Angehörige anderer Bekenntnisse werden in Zukunft In allen staatlichen Angelegenheiten den Türken gleichgestellt sein. Nichtmobammedaner cKeccmattn 2ta$manvi e r r e n ■ . d Damen- Ausstattuni Berlin SW, Friedficksir. 50-51 Portugiesische Ministererklärungen zur Judenfrage Beunruhigt durch gewisse polizeiliche Massnahmen gegen Ausländer, darunter auch gegen in letzter Zeit eingewanderte Juden, richteten die Führer der portugiesischen Juden Rückfragen an ihre Regierung. Eine Reihe von Regierungsmitgliedern erklärte, dass ein religiöses Problem in Portugal nicht bestehe, und dass nicht beabsichtigt sei, die Judenfrage aufzurollen. Das HICEM-Komitee, das schon Vorbereitungen für die Weiterleitung der ausgewiesenen jüdischen Einwanderer getroffen hatte, konnte von der Durchführung absehen, da die ursprünglichen Anordnungen wesentlich gemildert worden sind. Auch eine Anzahl aus Deutschland stammender Juden, die Lissabon zunächst verlassen mussten, weil ihnen die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung abgelehnt war, konnte wieder nach Lissabon zurückkehren. werden künftighin nicht mehr in besonderen Formationen als Nichtkombattanten Dienst tun, sondern in die türkische Armee mit gleichen Beförderungsaussichten wie die übrigen Soldaten eingereiht werden. Sie können auch zum Dienst in Ministerien und anderen Regierungsämtern herangezogen w7erden. Der Völkerbundskommissar in Paris Der Oberkommissar des Völkerbundes für Aus Wandererfürsorge, General Sir N e i 11 Malcolm, hat in Paris eine Beratung mit den jüdischen Hilfskomitees und den grossen Hilfsorganisationen, wie Joint, ICA, HICEM, Alliance Israelite und Joint Foreign Comittee, abgehalten. In einer gemeinsamen Resolution wurde die Notwendigkeit festgestellt, dass das Genfer provisorische Abkommen über die Rechtslage der Ausgewanderten vom 26. Juni 1936, das bisher nur Belgien und Frankreich ratifiziert haben, auch von den übrigen Staaten angenommen werde. Rat Neumeyer Ausserhalb Münchens und im engsten Kreise seiner Familie hat Oberstlandesgerichtsrat i. R. Dr. Neumeyer am 17. Februar seinen 70. Geburtstag verlebt. .Wir wissen, dass Rat Neumeyer in seiner Zurückhaltung nicht von seinen Leistungen und noch weniger von seiner Person gesprochen haben will. Die tägliche Arbeit und das gesamte Werk sind aber in einer seltenen Weise und unlösbar mit dem Menschen verbunden; deshalb mögen uns, die wir das Glück haben, in sachlicher und menschlicher Verbun- Fot. Archiv denheit mit Rat Neumeyer zu arbeiten, auch die kurzen, persönlichen Bemerkungen gestattet sein. Auf dem Grunde tiefer Religiosität ruhen die beiden tragenden Pfeiler seiner Arbeit. Güte und Pflichtbewusstsein. Nur bei einer so unendlichen Güte ist es möglich, trotz aller Enttäuschungen immer wieder über menschliche Schwächen hinwegzusehen und sich bei jedem Fall erneut zur höchsten iürsorgerischen Einstellung durch tätige Hilfe zu bekennen. Man muss das geradezu rührende Vertrauen miterlebt haben, mit dem unsere Armen und Bedrängten sich an Dr. Neumeyer wenden, wenn in der ordentlichen Fürsorge nicht ausreichend geholfen werden kann. Nicht auf Kompromiss und Schwäche, sondern auf dem Gefühl für soziale Gerechtigkeit, auf der Bereitschaft, sich in die Seele der anderen Menschen zu versenken, führen die jahrzehntelangen Versuche des Herrn Rat zurück, Gegensätze zu überbrücken und auseinanderstrebende Kräfte zur einheitlichen Arbeit für unsere Gemeinschaft zu binden. Nur aus dieser Ueberzeugung hat Dr. Neumeyer immer wieder in Wort und Schrift mit höchstem Nachdruck und sittlichem Ernst gegen innerjüdischen Streit und für eine gesamtjüdische Haltung seine Stimme erhoben. Ob er deshalb für die überparteilichen Turn-- und Sportvereine eintrat, ob er für den Frieden innerhalb der Gemeinde, im Verband und innerhalb der Reichsvertretung kämpfte, immer wusste man, dass dieser wahrhafte und aufrechte Mann, dem Geschäftigkeit und persönliches Geltungsbedürfnis in tiefster Seele zuwider sind, ohne jeden persönlichen Ehrgeiz nur der Sache der Gemeinschaft dienen wollte. Nur so war es möglich, dass der Landesverband Bayerischer Israelitischer Gemeinden, nie erschüttert durch innere Spannungen und Parte iungen, sich ungestört seinen sachlichen Aufgaben widmen und dass reibungslose und friedliche Arbeit auch in der Gemeinde München geleistet werden konnte zu einer Zeit, da anderwärts innere Schwierigkeiten die Arbeit zu gefährden schienen. Aus diesem Gefühl höchster Verantwortung für unsere Gemeinschaft hat Dr. Neumeyer schon im Jahre 1920 den ersten Landesverband, den Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden, ins Leben gerufen. Aus der gleichen Verpflichtung setzte er sich für die Schaffung einer zentralen Organisation im Reiche ein. Durch seine Mitwirkung bei der Einrichtung des Reichsverbandes wurde er schon früh einer der entscheidenden geistigen Träger der Idee der Reichsvertretung, der er seit ihrer Gründung loyal und uneigennützig seine ganze Kraft zur Verfügung stellt. Erst in jüngster Zeit gingen wichtigste Anregungen zur wirksameren organisatorischen Ausgestaltung durch Schaffung des Rats bei der Reichsvertretung von Dr. Neumeyer aus. Auch die Gründung der Arbeitsgemeinschaft der Süddeutschen Landesverbände, dessen Vorsitzender Dr. Neumeyer ist, verfolgte ebensosehr die Interessen der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland wie die der beteiligten Verbände. Nur ein Mann wie Dr. Neumeyer, der sein ganzes Leben unter dem Grundsatz „Ich diene" stellt, der häufig unter Hintansetzung seiner Gesundheit in eisernem Pflichtbewusstsein sein Tagewerk erfüllt konnte sich mit grösstem Verständnis der vielen neu entstandenen Aufgaben annehmen und sich den verschiedensten Organisationen, so auch der Jewish-Agency und erst kürzlich der Jugend-Alija, zur Verfügung stellen; nur ein solcher Mann konnte in einer beispielhaften, in schwerster Zeit bewiesenen Unerschrockenheit bei seiner Arbeit für unsere Gemeinschaft, für Gemeinde und Verband ausharren. Es ist das Geheimnis dieses nie rastenden Mannes, bei aller Arbeitslast noch Zeit zu finden, für die Vertiefung M.d.J.G. PrinzenstraBe 46 Ecke Sebastianstraße Frankfurter Allee 304 an der Gabelsbergerstr. Wilmersdorfer Str. 138 an der Bismarckstraße ßettfedcrn-ßcttendnl*MHäsche%pü.Paunßnd^n MsteM-mrammmmatemmMM jgggg^^gg^Seirt^IWSi^j^

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