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Central-Verein-Zeitung · 1924-09-13 · 37 (13.9.1924) · p. Seite 552

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
37 (13.9.1924)
Date
1924-09-13
Page
Seite 552 (sequence 4)
Language
German
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552 Gkerrabbmer Dr. Max Ropfftsin f. % 33 cm Rabbiner Dr. D. B r n it n schweiger (Oppeln). O b e r r a b b i n e r Kopfstein i st n i ch t mehr! Unfaßbar und tcunn glanblich scheint uns diese Tatsache mtcfj in dieser Stunde noch, wo wir bereits an der heiligen Scholle der Bentheuer Friedensstätte gestanden, die birgt, was sterblich war an Oberrabbincr Dr. Max Kopfstein. H n f a ß b a r.! Weil uns noch zu sehr die u n v e r - w ü stlich scheinende fris ch e Lebenskraft vor Augen steht, mit der der Verewigte durch die Reihen der Lebenden schritt und mit der er noch vor wenigen Tagen in Berlin vor der Oberschlcsierversammlung stand, die ewig jugendliche Patriarchengestalt u m j u b e l t u n d von Beifall u m brau st. Schon in seiner Vaterstadt aus den Knien von Thora.gräßen auserzogen, umweht von dem Geiste eines frommen, gelehrten Elternhauses, stand er ans demselben Boden, aus dem er stets wieder von neuem Geisteskraft und Geistesschärfe schöpfte, dem Boden der i ü d i s eh e n Lehre und d e § j ü d i s ch e n Gei st e s. Seine akademische Bildung erhielt er meist aus der Universität zu Würzbnrg, wo er, seine künftige Größe ahnen lassend, bereits als jugendlicher Student durch sein ung-etvöhnil'iches Rednertalent und sein achtunggebietendes Auftreten sich weit über das Maß der Mittelmäßigkeit hinanshob. Zugleich erweiterte er sein reiches talmudisches Wissen bei dein berühmten Würzburger Rabbiner Seligmann Bär Bamberger. Fast ans den Tag waren es in seiner Sterbestunde 41 I a h r e, seitdem er seine R a b b i n e r l a u f b a h n begönne::, die ihn zuerst zu kurzem, segensreichem Wirken nach Elbing und Eins -führte, bis ihn ein ehrenvoller Nus zum Nachfolger des nach Breslau berufenen Rabbiners Dr. Ferdinand Rofenthal f. A. in Beuchen bestimmte. Langsam, aber in stetem Ausstieg, unter tatkräftiger Uebcrwindung von Schwierigkeiten, die sich jedem ernst strebenden, zielbewußten Menschen entgegenstellen, wuchs er zum geistigen Führer der oberschlesischen Jndenheit empor, nun als letzter des alten oberschlesischen Rabbinettrinmvirals Dr. Jakob Cohn s. A. (Kattowi-tz), Dr. Wichelm Minz s. A. (Gleiwitz) und Dr. Mar Kopsstein dahinge gangen. B o r b i l d I i ch und r ü h r c n b a l § Gatte u n d Bäte r, treu und verläßlich als Freund, pflichtgetren it n b würdevoll als Rabbiner, so steh t se i n B i ld v o r u n s. Ein begeisternder und Parkender Redner, begabt mit einem Herzen, das wärmste Liebe und stete Hilfsbereitschaft ausatinete, stets selbst, bis zmn äußersten mit reichen Händen im stillen gebend, verstand er es, durch feilt Wort und sein Beispiel auch andere unermüdlich für soziale Hilfstütigleit zu begeistern und immer neue Quellen zu erschließen, wenn es galt, Rot zu lindern. Er wurde und blieb so das unerreichte Vorbild einc§ Seelsorger s seiner Geuleinde, in der in jedem das Gefühl erweckt werden mußte lind jeder glauben nmßte, gerade feine Angelegenheit liege dem Führer der Gemeinde besonders am Herzen, und wo jeder die Empfindung harte, es gibt kein forgenbeladenes Gemüt, keine hilschei-schende Rot, die nicht bei ihm Erleichterung fände. Ungezählte Tränen trocknete er allein mt t seiner gütigen, beruhigenden ZusPrache, zu ihm konnte jeder in seiner Seelenpein flüchten, er verstand cs, mit seltener, gütiger Geduld Klage um Klage anznhören und dann lindernd einzugreisen. Sein soziales Empfinden galt nicht zuletzt den zahllosen Opfern in den von der Kriegssnrie immer wieder von neuem heimgesuchten Gebieten des Ostens, umhin er immer wieder eilte und für die er immer von neuern das Interesse der d e u t f d) c n Jndenheit in den Kriegsjahren und in der Nachkriegszeit zu wecken verstand. Es nimmt kein Wunder, daß er in allen charitativen Bereinigungen und Bestrebungen seiner Gemeinde an der Spitze stand oder zum mindesten stets als Berater hinzugezogen wurde, und auch in der Stadtgemeinde, in der Provinz nnd darüber hinaus suchte um:: ihn in interkonfessionellen Wohlfahrtsbestrebuugen, und man wußte ihn zu fiuden, wenn ruan Männer heischte, deren Rat und Tatkraft sich zu gemeinnützigem Wirker: zrisamruenschließer: sollte, und gar oft „an /der Stelle, wo kein solcher Mann zu sinder: war, bernühte er sich allein, als einzelner und oft als einziger, ein solcher zu sei::". Diese Arbeit aus sozialem. Gebiete, seine segenspendende Saat auf dem Acker der Menschenliebe war der Eckpfeiler sei n e s M ü h e n s und sein c s W i r k e r: s , und nichts tat seinem Herzer: so wehe, als wenn er Menschen und Verhältnisse fand, die in dieser Beziehung anders waren, dachten und handelten als er selbst in seiner'sich stets gleichbleibenden Güte. Darum schrnerzte ihr: an den: verlorenen Kriege auch mit an: meisten die Folgeerscheinung der Nachkriegszeit, die Verrohung der Sitten, das Herabsinker: der ulenschlichen Achtung und Liebe zum Mitmenschen, Dinge, die seinen: idealen Sinn und Wesen so fern lagen. Und doch war diese Arbeit nur eine der vielen Früchte, die aus den reichen Wurzeln seines Herzens emporwuchsen. Es gab'keine Möglichkeit der Beeinflussung der Berstarwesbildüng.' der 'Gemütserfassnng und Willensstärkung se/ner geliebten Gemeinde, die er nicht rmtzbar zu machen verstand. Ob er in: Unterricht die Jugend tu der: reichen Schatz der jüdischen Geschichte und die Ethik der jüdischen Religion eiistührte, ob er in seiner: Bor träger: immer neue Gesichtspunkte der Beträcht:rr:gsuröglichleit des Judentums vor seinen Hörern entwickelte, ob. er rnit zündender: Worten:, aus der ganzer: Fülle seines religiösen Wissens und Empfindens schürfend und ans die Höhen seines Philo so phi-schcn Gedankensbu.g-.es führend, an Sabbat- und F e st t a g e n die Herzen seiner zu andächtigem Lauscher: mitgcrissenen Besucher des Gotteshauses zu fesseln wußte — keiner ging von ihn: leer weg, der Hörer: und lernen wollte. Unendlich reiche Saat streute er auf den seit langer: Jahren gut beackerten religiösen Voder: der altchrrvürdigen Benthener Gerrreinde. rvo seit Geschlechtern Thoraliebe und echtjüdtsches Leber: eirre Stätte gesunder: wie kann: irgendwo in Oberschlesien. lieber die Grerrzen der jüdischer: Gemeinde aber wuchs er hinans in seinen: treuen Bekennen z u d e m Ober s ch l e s: e n . das ihm eine zweite Heimat geworden war. Nicht erst die Tage der Gefahr und Bedrohung führten ihn in die Reiher: derer, die auf dem vorderster: Vorposten zur Pflege urrd Erhaltung deutscher: Kulturlebens in den Ostprovinzen sta::den, und erst recht stand er dort, als nach dem unseligen Kriegsausgang der Verlust der ganzen Provinz drohte. Da fügte er dem frohen Beker: n e r n: n t e die mannhafte Tat hinzu, als es galt, um die Erhaltung der Provinz dein: Deuts ch e n R eiche zu ringen. Unvergessen muß ihn: sein Mühen bleibe::, wie er keine beschwerliche Reise, keine zeitraubender: Besprechungen scheute, keine Müdigkeit kannte, keine Unlust in ihm austam in den schwersten- Jahren der Besetzung, der Vorbereitung der Abstimmung und der gewaltsamen Zerreißung seines geliebten Oberschlosiens. Dieses harmonische Zusammenklingen seines starker: bewußten jüdischen Empfindens und seines unerschütterlichen, durch keinen Judenhaß zu schwächenden Bekennens zum Deutschtum mrrßte ihn von selbst in die Reihen der C. V.-Arbeiter führen und der E. V.- Arbeit leistete er Jahrzehnte lang wertvolle u n d s ch ä tz e n s w e r t e Dienste. Ohne unbedachten oder gar ungerechten Kamps gegen anders geartete und entgegengesetzte Anschauungen zu führen — ein Kampf, der seiner vornehmen, versöhnlichen Art und vermittelnden Natur gar:z serngelegen hätte — ha: er doch die Prinzipien des C. V. fest und mannhaft vertreten, und die Annalen des Landesverbandes Oberschlesien, den er sei: seiner Reorganisierung nach dem Kriege als zweiter Vorsitzender milleitete, und der Ortsgruppe Beutheu, der er seit viele:: Jahren als erster Vorsitzender Vorstand, wissen zu erzählen von der::, was er für unsere Sache getan, imb mit wehmütiger Freude und erhebendem Stolze erfüllt es uns, daß fein letztes öffentliches Auftreten dem Dienste unserer Sache galt. So viel Liebe sei:: Wort atmete und sein Empfinden zeigte, wenn es galt, dem Freunde und dem Hilfeheischenden gegenüberzutreten, so viel heiligen Zorn sprühte seine Rede und sein Auftreten, wenn cs galt, dem Feinde sich zu stellen, die Ehre des Judentums, seiner Bekenner und seiner Lehre zu verfechten, ungerechtfertigten Angriffe:: entgegenzutreten, und ungezählt sind die Fälle, wo er es durch sei:: würdevolles und u n b e di n g t Achtung einflößendes Auftreten, durch seine überzeugenden Worte und die Wucht seiner Anklage verstand, dem Gegner das Bekenntnis seines Unrechts abzuringen und ihn zur Zurücknahme der Verdächtigungen oder Beleidigungen zu Zwingen. Sein besonderes Augenmerk richtete er auf die B e k ä m p s u n g des A n t i s e mit: s m n 8 in der Schule, wovon noch Vorgänge ans allerletzter Zeit beredtes Zeugnis ablegen. Bezeichnend für die Wirkung der Persönlichkeit eines Kopfstein ist es, daß gerade bei all der Arbeit auf diesem Gebiete er in jüdischen und nichtjüdischen Kreisen, in allen Konfessionen und allen Schichten der Bevölkerung als der eifrigste Vertreter und Förderer des konfessionellen Friedens h i n g e st e l l t und gepriesen io n r d e, wie es auch in den ehrenden N a ch r u f e n des -M a g i ft rats und der Stadtverordneten Beuthens u. a. der Fall ist. So sind es goldene Lettern, die uns entgegenlenchten,--welches Blatt seines Lebensbnches wir auch aufschlagett mögen. Ob als Seelsorger seiner Gemeinde, ob als geschätzter und geachteter Bürger der Stadt, ob als Vorstandsmitglied des allgemeinen und oberschlesischen Rabbinerverbandes oder als Mitglied des Zentralkomitees der Großloge für Deutschland,— Pflichttreue und Arbeitsfreudigkeit, Menschenliebe und Würde sind die Begleiter gewesen bis zu seinem letzten Atemzuge. Als er zu neuer Arbeit sich einige Tage der Erholung und Muße gönnen wollte, hat sein großes, sein starkes Herz zu schlagen ansgehört! '/- Wehe, daß wir ihn verloren! . , .; - H e i l n n s , daß wir i h n b e s e s s e n , daß er ,zu./..den Unsrigen gehörte. In: E. B. und in der deutschen Jndenheit w-rrd

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