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Central-Verein-Zeitung · 1924-09-13 · 37 (13.9.1924) · p. Seite 553

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
37 (13.9.1924)
Date
1924-09-13
Page
Seite 553 (sequence 5)
Language
German
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553 fein Name klingelt und erzählen von dem wackeren, aufrechten Mann, dem treuen, guten Juden, dem treuen, g u t e n D e u t s ch e n. Auch das Andenken dieses Gerechten wird Zum Segen sein! Koalier zaddik liwrooho! Abschied von unserem Ropsstein. (Von unserem nach Beuthen entsandten 8ed—r-Mlaobener.) Wer das Glück gehabt hat, noch eini-ge Stunden nach der herzbewegenden Kundgebung im Berliner Bech steinsaal mit Oberrabb'iner Dr. Max Kopfstein über die n ä ch st e n A ufgaben des Ce n t r a l - B e r e -i n s Zu sprechen und den weisen RaLschlägert dieses überragender: Geistes lauscherr durfte, wer nui't dem Unvergeßlichen tags darauf in unserer Hauptgeschäftsstelle Fragen des kommenden ober schlesischen NeichstaMvahlkampses behandelte und sah, wie sich in den fditgen Augen des -Meisters der Feuereifer für die Sache seines geliebten Oberschlesiens widerspiegelte — der konnte es nicht fassen, daß wenige Tage später der unbestritten bedeutendsten PerMrlichkeit des obers-chlesischen -Judentums das letzte Geleit gegeben werden sollte. Sichtbarer Liegt selten der Trenn ungs schmerz über einer Trauergerneinde. Heftiger hat sich leidenschaftliche Anhänglichkeit der Massen wohl nie Bahn -gebrochen als in dem Augenblick, da Max Kopfstein Zur ewigen Ruhe gebettet wurde. < Unübersehbar war die Menge auf dem weiten Platz vorder in würdigen: Trauer schmuck gekleideten Synagoge, Kopf an Kops .gedrängt., die keinen Einlaß mehr in die überfüllte Wirkungsstätte des Dahingeschiedenen fmden konnte. Die Leiche Kopfsteins war in den späten Abendstunden des Donnerstag dort auf gebahrt worden. Am Freitag um 10K Uhr begann die Trauerfeierlichkei t. Man sah die Spitzer: der Behörden: Landrat Dr. U r ba n e k, Ol^erbürgermeister Dr. S tep har:, Bürgermeister Leber, Stadtverordnetenborsteher Tischleroberlneister .Zawadzki mit einer Anzahl Stadtverordneten; den K orn rna n- .deur der Schrrpo, sowie Vertreter des Lehrkörpers des H i n - d e n b u x g - G h n: na s i r: rn s, an dem der Verblichene 35 Jahre taug gewirkt hatte, und der k a t h o li sche n Obe r r e alschul e. sDie katholische Geistlichkeit war unter anderer: durch Erzspriester Schw ie r-k rmd Pfarrer Ni estreh . die evangelische durch ^Superintendenten Schmula und Pastor Nauck vertreten. Die Rabbiner und Lehrer ans allen Städter: Oberschlesiens füllten die 'ersten Reihen des Gotteshauses. Ferner sah man Abordnungen mit :Fahnen: die S ch ü tz e n g i l d e, deren Ehrenmitglied der Verstor-?bene gewesen, den K r i e g e r v e r c i n, den V e r e i n e h e:n a - iliger 63er und mehrere Militär-- und Kriegervereine, die Feuer-- ilvehr und viele andere Gruppen in Zivil. Für den Central- Derer:: waren der Landesvevbandsvorsitzende Oberschlesiens. Rab-!Inner Dr. B r aunschwei ger, für die Berliner Geschäftsleitung der stellvertretende Syndikus Arthur Schweriner, ferner die Vertreter sämtlicher Ortsgruppen sowie die Mitglieder des Landesverbandsvorstandes anwesend. . Als die ergreifenden Klange des Orgelspiels und die wehnnäbige Klage eines vierstimmigen Chors verhallt waren, ergriff der Ben-; thener Amtsbruder Kopfsteins, Rabbiner Dr. R o s e nthal, das Mort, den: unermeßlichen Schmerz der B e n t hene r Ge me i nde! Ausdruck zu geben. Keine jüdische Gemeinde im gingen deutschen s Vaterland dürfte einen Seelsorger und Seelenhirten aufweisen, der s so wie Kopfstein seine Gemeinde :n 35 I a h r e l a n g e r r a st loser!Tät ig k e i t Zu solcher Größe hinaufgeführt Hütte. Liebe und Pflicht stür Judentum und Deutschtum seien Inhalt seines gottbegnadeten -Lebens gewesen. Namens der Gemeindevertretung sprach -Rechtsanwalt Dr. S. Reumann, um in längeren Ausführungen als Pole des Kopfsteinschen Lebens Idealismus u n d Pflichterfüllung hinzustellen. Rabbiner Dr. Baeck (Berlin) wußte eindrucksvoll die Lebendigkeit des Empfindens, des Temperaments und des Gemütes des Verstorbenen zu preisen, in dem sich G ul e , Leidenschaft und Würde innig verein: g te n. Rabbiner Dr. Kren gel (Rakiborh ilberbrachte die letzten Grüße des O b e r schlesischen R a b b i r: e r v e r b a nde s. Dozent Dr. Lewkowitz (Breslau) mahnte die Gesamtheit des deutschen Judentums, ihr Leben in: GersteKopfsteins Zn leben und in Treue rmd Verbundenheit über das Grab hinaus das Wort seiner Lehre in die Tat um Zusehen. Hemmungsloser Schmerz übertönte die Morde der Orgel, als der schlichte Sarg aus dem Gotteshairse hinausgetragen wurde. Dem Leichenwagen voran schritten unter Führung ihrer Lehrer die Kinder der Beukhener jüdischen Schule und die jüdischen Schüler der höheren Lehranstalten. Darm folgten die Vereine mit ihren Fahnen. Ein schier endlos scheinender Trauerzug gab Dem geliebten Führer das Geleite. Die Stadt hatte die brennenden Straßenlaternen, die Gaskandelaber und Bogenlampen, durch die der viele Tausende /fassende Zug sich bewegte, mit Trarrerflor über- -r l e r d e n lassen. Ungeheure Menschenmaffen bildeten aus den Durchgangsstraßen lÄ^rlier. In der Leichenhalle des Friedhofes sprachen noch Rabbiner Dr. Braunschweiger (Oppeln) als persönlicher Freund des Verstorbenen zu den trauernden Angehörigen und als Vertreter des Hauptvorstandes vom C. V. und Rabbiner Dr. Löwenstamm (Spandau) als Schüler Kopfsteins. Unter Gesängen wurde der Sarg zum Ehren grab getragen. Die Fahnen senkten sich Zum letzten Gruß. Es ist mir immer ein Rätsei gewesen, wie ein gerechter' Mensch Antisemit sein kann. Wollte doch das deutsche Volk aus den furchtbaren Leiden, die ungerechtes Urteil über uns gebracht hat, lernen, damit das Wort des de Selva in Gutzkows „Uriel Acosta“ wahr werde: „ . . . jedes Volk, das selbst erfahren hat, wie weh die Knechtschaft tut, wird Brüder nicht aus einem blinden Vorurteil verfolgen “ Dr, Trentin, Bürgermeister, Breslau. Das Vogelnest, Betrachtung Zum W o ch e u a b s ch n i t t. 1 Wenn dem Juden vielfach das Verständnis für die Natur und' ihre Schönheit obgesp rochen wurde, so geschah das mir Unrecht. Als Hirten- und später Bauernvolk lebte Israel in und mit der Natur, und sein religiöses Leben, wie es sich besonders tu seinen Festen cmsprügle. trug die Erinnerungen an j-cme frische, frohe und freie Zeit innigen Verwachsenseir:s mit der Natur auch -in die dunkler: Gassen 'des Ghetto. Indessen läßt es sich nicht leugnen, daß gerade die Religion dem Juden, in dem sie ihn vor einer Ttergötrernug der Natur bewahren wollte, die naive Freude des reinen Schürens der Natur genommen hat. Sie läßt -ihn hinter den Naturerscheinungen stets das Göttliche und die sittlichen Ideen ahne;:. Ein Musterbeispiel -dafür ist das Gesetz vom Vogelnest. Ein solches irr Wald oder Garten gefunden, wird bei dem Menschen je nach seiner Geartung die verschiedensten Handlungen und Gefühle wachrnfen. Diele werden achtlos daran Vorbeigehen. Der wilde Jäger rafft es, rücksichtslos zerstörend, als Beute. Der sentimentale Natur, freund freut sich an dem zärtlichen und geschäftigen Treiben, der Alten :md an dem unbeholfenen und doch von warmer Liebe behüteten Spiel der Junge::. De:: Juden läßt sein Gesetz zwischen beiden in -der Mitte stehen. Es hält ihn gleich fern vor: falscher Sentimentalität wie von blinder Zerstörungssucht. Er folgt dem Gottesgebot, das ihm die Natur zu seiner Selbsterhaltung als Eigentum zu spricht. Die, Jungen darf er sich nehmen. Die Mutter soll er fliegen lassen. Das Gebot ist nicht ein Ausfluß der Barncherzigkeit. Diese würde die Trennung der Mutter von den Jungen verbieten. Vielleicht hieß mar: deshalb etuen Vorbeter schweigen, nmm er betete: „Auf ein Vogelnest erstreckt sich deine Barmherzigkeit, o Gott, so :nöge sie sich auch auf uns erstrecken/' Denn er schob -den: Gesetze ein falsches Motiv unter. Die Ätntter sollte erhalten bleiben ans dem praktischen Grunde, um -m.ihr die Art zu erhalten, und aus dem sittlichen Motive, um auch in der Vogelnmtter das Mütterliche zu ehren. So wird für die Erfüllung dieses Gebotes als-Lohn verheißen: „Auf daß es dir gut ergehe und dr: lange lebest." Das irdische Wohl des einzelnen beruht auf dem richtigen Gebrauch, den er von der Natur macht. Das lange Leben und die Dauer der Gesamtheit beruht auf der Ehrerbietung, die man den Müttern zollt. Nur die Gemeinschaft kann bestehen, wo es das höchste Glück des Weibes ist, Mutter zu sein, und zwar eine Mutter, die sich der vielen Kinder freut. So lehrt uns dieses Gesetz, auch das Kleine und scheinbar Iöebensächliche und Unwichtige hochschätzen. Denn auch in ihn: spiegeln sich die großen und erhabenen Ideen wieder. So kann ein Volk Lebensglück und Lebensdauer auch finden im Vogelnest. H offm a nn. Ein Hrief ües Reichskanzlers a. D. wirth Das in Karlsruhe erscheinende nationalsozialistische Blatt „Der Völkische Kämpfer" brachte in einer seiner Letzten Nummern die angeblich dem „G ö t t i n g e r T a a b l a tt" entnommene Mitteilung, daß ReichsEanzter a. D. Dr. Wirth bald nach Ausbruch der Revolution 1918 in Ueberlingen eine Rede gehalten habe rmd dabei etwa folgendes gesagt habe: „Wie sehr die Juden aus die Revolution hingewirkt haben, geht aus der Tatsache hervor, daß ein einziger Jude in Karlsruhe den Elementen, von denen sie tatsächlich ausging, volle fünf Millionen gespendet hat." ... Wenn wir auch sonst dem Inhalt des „Völkischen Kampfer" keine weiterer Beachtung schenken, schien es in vorliegendem Falle doch geboten, einer nwglicher: Legendenbildung loorzuveugeu. Aus eine Anfrage unseres badischen Landesverbandes erhielt dieser von Dr. Wirth das nachfolgende Schreiben: „Dem Herrn Vorsitzenden des Landesausschusses des C. V. beehre ich mich unter Mckgabe des Briefes vom 15. August nebst Zeitungsausschnitt mitzuteilen, daß ich eine Bemerkung, wie sie in dem „Göttinger Tagblatt" steht, niemals gemacht habe. Ich habe auch keine Kenntnis davon bekommen oder auch nur gehört, daß in Karlsruhe ein Jude Millionen Mark gespendet hat. Von dieser Erklärung können Sie jeden beliebigen Gebrauch machem Mt vorzüglicher Hochachtung gez. Wirth."

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