Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 12.1894
- Date
- 1894-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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ebenso klar wie die Bewerbung in Hamburg, für die mir Herr Dr. Caesar Seligmann alles Fehlende aus dem Archive der Tempelgemeinde in dankenswerter "Weise zur Verfügung gestellt hat. Mit guten Empfehlungen und vortrefflichen Zeugnissen ausgerüstet, verliess Z. Dienstag, den 26. Sept. 1815 Wolfenbüttel1», reiste zunächst nach Hamburg und Altona und kam Donnerstag, den 12. Oktober in Berlin an. Schon Tags darauf besuchte er Herrn Rüben Samuel Grumpertz, einen in der jüdischen Gemeinde Berlins sehr einflussreichen Mann, der ihm als Gönner vom ersten Augenblicke an stets treu zur Seite stand. Nach dem Versöhnungsfeste, das auf den 14. October fiel, und an dem er Jacobson predigen hörte, Hess er sich an der Universität, die damals unter dem Rectorate Schleier mache r's stand, inscribieren und hörte bei Friedrich August "Wolf, August Boeckh, de "Wette, Savigny und anderen Collegia. Auch für seine leibliche Subsistenz war bald gesorgt. Mitte November trat er in das Haus von Madame Hertz — wahrscheinlich als Haaslehrer — ein und verblieb in dieser Stellung bis zum 28. März 1818. Anfangs April dieses Jahres machte er eine längere Reise, auf der er sich in "Wolfenbüttel, Seesen und Göttingen aufhielt, zum ersten Male seinen Geburtsort Detmold wiedersah und zuletzt — Anfangs Juni — auch nach Hamburg kam. Und da er sich schon im September des vergangenen Jahres im Kreise einiger Freunde im Predigen mit Erfolg versucht hatte2), so folgte er gern der Aufforderung M. Bresselau's daselbst, sich um die Predigerstelle am Hamburger Tempel zu bewerben3). "Warum aus der Sache nichts geworden ist, wird der Leser aus der hier folgenden Korrespondenz ersehen: «) Berlin, den 12. Juni 1818. Hochzuverehrender Herr! Dem Versprechen getreu, das ich Ihnen mündlich gegeben, bin ich so frei, in gegenwärtigem Schreiben Ihnen meinen Entschluss betreflcnd die Hainburger Prcdigerstelle vorzutragen. Nicht nur überhaupt bin ich für eine solche geneigt; ich bin es ganz besonders für eine in Hamburg, wo ich wackere und gelehrte Männer an der Spitze finde, mit denen vereint es mir eine Freude sein wird, für das grosse Ziel vorzuarbeiten, das wir uns stecken müssen. Gern opfere ich dieser Arbeit die Ruhe und die Freiheit, die ich als Studiosus geniesse und ziehe mit der neuen Last auch die Aufmerksamkeit der Welt a\if mich, die stets wächst, wenn ihr Gegenstand höher gerückt wird, aber auch nicht immer diesen Gegenstand glücklicher macht. Sollte auf Ihren ehrenvollen Antrag die Gemeinde mich wählen, so würde es mir eine zweite Freude sein, den Herrn Dr. Kley als Kollegen zu finden, um mit diesem talentvollen Mann zusammen kräftiger den Schwierigkeiten die Spitze bieten zu können, die von mehreren Seiten sich aufthürmen werden. Wenn aber schon im Allgemeinen das Amt eines Predigers so müheals ehrenvoll ist, so ist dies um so mehr in den jetzigen Zeitläuften bei den Juden der Fall. Daher sollte der Prediger mit Anstand leben können und durch Nebenarbeiten sich nur das Entbehrliche nicht das Unentbehrliche anschaffen. Ich glaube daher die Gränzen der Bescheidenheit nicht zu übertreten, wcnu ich wenigstens 1300 Mk. cour. jährlich verlauge. Mag ich nun gewählt oder verworfen werden; es wird mir stets eine angenehme Erinnerung bleiben, Sie persönlich kennen gelernt zu haben, und auch in der Folge werde ich mit Theilnahme auf das Gedeihen der Hamburger deutschen Synagoge hinsehen Mit Erwarten sehe ich Ihrer baldigen Antwort entgegen und verbleibe mit aller gebührenden Hochachtung Ihr ergebenster L. Zunz. Nachschrift. Nachlässigkeiten, die während meiner Abwesenheit bei der Correctur vorgefallen sind, haben das Erscheinen meiner Schrift „Etwas über die Rabbinische Litteratiur verzögert. Sobald mir möglich, werde ich Ihnen und Herrn S. Frankel — dem und dessen würdiger Familie ich mich ganz besonders empfehle — die Exemplare überschicken — Meine Adresse ist; L. Zunz, Letzte Strasse No. 47, Berlin. J) Alle hier und weiter folgenden Notizen sind aus dem oben erwähnten Tagebuche Z\, geschöpft. 2) Vgl. Zunz, Gesammelte Schriften II, 83. 3) Die Angaben Geiger's a. a. 0. S. 233 sind nicht ganz genau. 4) Aus dem Archive der Tempelgemeinde in Hamburg. 1»