Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 12.1894
- Date
- 1894-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Hochgeehrter Herr! Ich habe das Vergnügen gehabt das Sehreiben, womit mich Ew. Wohlgeb unterm 12. d. M. beehrten, in der Versammlung meiner Herren Collegen bei den Tempel-Angelegenheiten vorzulegen, und bin beauftragt Ihnen zu eröffnen, dass man die Aspiranten in einer von ihnen über einen aufgegebenen Text zu haltenden religiösen Bede zu hören wünsche, und dass dazu die ersten Tage des nächsten August Monates bestimmt sind. Wenn also Ew. Wohlgeboren sich um die Stelle bewerben, so würden Sie wohl thun am ersten August in Hamburg zu seyn. Es würde mich persönlich recht herzlich freuen, wenn die demnächst vorzunehmende Wahl Sie träfe. In Absehung der Besoldung würde Ihr Wunsch wohl zu befriedigen seyn. Ich darf wohl einer Antwort von Danen entgegensehen und bitte Sie nur noch von meiner persönlichen Achtung sich versichert zu halten und die Kürze dieses Briefes mit meinen Geschäften gütigst zu entschuldigen. Hamburg, 26. Juni 1818. Ihr ganz ergebener Bresselau. J) Hochgeehrter Herr! Aus Ihrem Schreiben vom 26. v. M. ersehe ich, dass die dortige Gemeinde die persönliche Gegenwart der Aspiranten verlangt, um von deren Fähigkeit zu reden sich zu überzeugen. Ungeachtet bei meinen noch ungewissen Aussichten zu der Anstellung mir der Zeitverlust und die Störung nicht gleichgültig sein kann: so sehe ich die Nothwendigkeit dieser Maassregel zu gut ein, habe auch mündlich schon mich dazu anheischig gemacht, als dass ich nicht in die Reise eingehen sollte Jedoch wünsche ich, dass meine Herren Concurrenten auch den ersten August in Hamburg seien, damit wir den 2. sämmtlich an die Ausarbeitung der Reden schreiten und höchstens bis zum 8. die Proben abgelegt haben können. Zugleich nehme ich mir die Freiheit, Ihnen beifolgendes Exemplar meiner kleinen Schrift zu übersenden, und bitte Sie, es als einen schwachen Beweis der Achtung aufzunehmen, womit ich mich nenne Berlin, 3. Juli 1818. Ihren Sie wahrhaft hochschätzenden L. Zunz. Hochgeehrtester Herr! Mit besonderem Vergnügen habe ich die Schrift gelesen, welche Sie die Güte hatten mir zuzusenden und wofür ich Ihnen höflichst danke. Der Directum des T. V. habe ich Ihr geehrtes Schreiben vorgelegt. Nachdem dieselbe beschlössen hat, dass die Aspiranten die Proben ihres Rednertalents in dem Tempel selbst nach seiner Eröffnung ablegen sollen, und da diese Eröffnung in den ersten Tagen des September statt haben wird, so bitte ich Sie, Ihre Reise hierher bis dahin aufzuschieben und etwa am 1. September bei uns zu seyn. Herr Fraenkel bittet mich, ihn zu entschuldigen, dass er nicht auch Ihre Zuschrift beantwortet; da wir das Vergnügen haben werden Sie bald hier zu sehen, so will er mündlich seinen Dank für Ihre ihm gütigst zugesandte Arbeit abstatten. Ich bitte .Sie die Versicherung meiner Achtung zu genehmigen. Hamburg, 14. Juli 1818. Bresselau. 2) Hochgeehrtester Herr! Es macht mir keine kleine Freude, dass meine Schrift Ihren Beifall , hat, ungeachtet noch so Manches darin nachzuholen ist, das theils eine klarere Ansicht, theils reichhaltigere Nachweisung geben kann, und das ich auch, so' Gott will, einst nachzutragen gedenke. Was übrigens meine Concurrenz zu der dortigen Predigerstelle betrifft, so trete ich freiwillig davon zurück aus Freundschaft für Herrn Büschenthal.3) Wie ich erfahre, so hat dieser Mann sich noch nicht unmittelbar angetragen, — dass er die Stelle wünscht, weiss ich: dass er sie verdient, muss jeder bezeugen, der diesen vortrefflichen Mann näher kennt; dass er ihr gewachsen ist, beweisen seine schon gelieferten litterarischen Arbeiten hinlänglich. Auch er ist ein Beispiel davon, dass die jüdische Nation die Köpfe, die sich unter ihr hervorthun, nicht gehörig unterstützt, nicht einmal anerkennt. Mir werden sonst noch Aussichten übrig bleiben, zumal da ich noch jung bin, auch mein philosophisches Studium zu beenden wünsche. Auch haben sich sonst noch ältere und würdige Leute eingefunden, so dass die Unwahrscheinlichkeit meiner Wahl mir deutlicher wird. Nie aber würde Furchtsamkeit oder Misstrauen gegen mich selbst mich vom Kampfplatze gejagt haben, thäte es nicht die Freundschaft und meine wahrhafte Theilnahme an Herrn Büschenthal. Der Mann verdient es, glaube ich, dass die Herren Directoren ihm einen Wink geben, es sei ihnen angenehm, wenn er coneurrire; ergehen doch selbst von Regierungen Einladungen an ausgezeichnete Männer zu angebotenen Stellen. J) Aus dem Archiv der Tempelgcmeinde in Hamburg. z) Aus dem Archiv der Tempelgemeinde in Hamburg. 3) Der aber schon am 27.Dccember 1818 zu Berlin verstorben ist. Vgl. Nachgel. Sehr. v. Dr. Zunz H, 14?.