Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Juden in Unterfranken während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 237 (sequence 29)
- Language
- German
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Wilhelm Stern. Die Juden in Unterfranken während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gionslehrer und Vertreter der Kultusgemeinden statt52), in welcher die Errichtung einer Oberbehörde für die Juden in Bayern als erstrebenswert erklärt wurde; als die Kreisversammlung keinen Erfolg hatte, traten die unterfränkischen Juden an die Staatsregierung mit der Bitte heran, den Würzburger Rabbiner Seligmann Bär Bamberger (1840—1878)53) zum Oberrabbiner von Unterfranken zu erklären; die Bitte wurde abgeschlagen. 1846 reichte der Kissinger Rabbiner Adler ein gedrucktes Memorandum „Die bürgerliche Stellung der Juden in Bayern" ein54). 184& glaubten sich die Juden der Verwirklichung ihrer Ziele, der vollen Emanzipation, nahe. Unter den damals in Würzburg führenden Demokraten und Volksrednern war auch ein Jude, der spätere Landtagsabgeordnete und damalige Student der Rechte Wolf Frankenburger55), der aus Obbach in Unterfranken stammte. Frankenburger stellte unter Beweis, daß ihn zu allen seinen Handlungen heiße Vaterlandsliebe und nicht selbstsüchtige Motive trieben. Die Adresse der Stadt Würzburg an König Ludwig I. vom 7. März 1848 enthielt auch die Forderung auf Gleichberechtigung jeden Glaubensbekenntnisses56). Die Enttäuschungen, welche das Jahr 1848 brachte, betrafen auch die Wünsche der Juden; allerdings erwarben sie das aktive und passive Wahlrecht zum Landtag. In den auf 1848 folgenden Jahren der Reaktion drohte die judenfreundliche Stimmung umzuschlagen; 1850 beteiligte sich die Stadt Würzburg an dem Adressensturm an den Landtag gegen die Judenemanzipation"). Doch brachte das Gesetz vom 29. Juni 1851 den Juden gewisse Erleichterungen. 1853 entspann sich eine literarische Fehde zwischen zwei Würzburgern. Dem Domprediger Himmelstein58), der in Ahasver ein Bild der „jüdischen Nation sah, welche das Heil von sich stieß", trat der Arzt Heffner entgegen59); die Schriften der beiden behandeln in ihrem sachlichen Teil50) insbesondere die 52) Vgl. Heimberger, Die staatskirchenrechtliche Stellung der Israeliten in Bayern, 2. Aufl., Tübingen 1912, S. 18. M) Über ihn s. N. Bamberger, Rabbiner Seligmann Bär Bamberger, dessen Leben und Wirken, Beigabe zum Jahresbericht für 1896/97 der isr. Lehrerbildungsanstalt zu Würzburg, Würzburg 1897. 54) Vgl Eckstein, Der Kampf der Juden um ihre Emanzipation in Bayern, Fürth 1905, S. 78. 5i) Über ihn Eckstein, Beiträge z. Gesch. d. Jud. i. Bayern, I, Bamberg 1902, S. 23 f. 5ß) Günther a. a. O., 4. Bd., S. 9. 57) Günther a.a.O., 4. Bd., S. 91. — Als in demselben Jahre zwei Landtagsmitglieder irreführende Talmudzitate vortrugen, verfaßte Rabbiner S. B. Bamberger zur Richtigstellung die Schrift „Einige Worte des Aufschlusses im Betreffe der Emanzipation der Juden" (abgedruckt in der Anm. 53 angeführten Schrift). ss) a.a.O. 59) Die Juden in Franken, Nürnberg 1855. 60) An die beiden ersten Schriften schlössen sich an: Himmelstein, Herr Dr. Ludwig Heffner und die Interessen der Wissenschaft und Wahrheit. Zur Abwehr der in seinem Schriftchen „Die Juden in Franken" gegen mich gerichteten ungerechten Angriffe, Würzburg 1855; ferner Heffner, Herr Domprediger Dr. Himmelstein und die Juden in Franken. Eine Zurechtweisung und Abfertigung seiner „Abwehr", Nürnberg 1855. 237