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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 4 · p. Seite 214

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 4
Article
Die Juden in Unterfranken während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts
Date
1936-01-01
Page
Seite 214 (sequence 6)
Language
German
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Meier Spanier. Zur Charakteristik Johannes Pfefferkorns So hatte z. B. Peter Schwarz Predigerordens im Stern Meschiah, 307b (Eßlingen, 1477), die christlichen Fürsten aufgefordert, das verfluchte Buch in ihren Ländern nicht zu dulden, sondern zu verbrennen. Das in Deutschland sehr verbreitete Fortalitium fidei (Nürnberger Druck 1494) des Franziskaners Alfonso de Spina enthielt in seinem aufgestapelten gelehrten Kram ein ganzes Arsenal vergifteter Waffen, mit denen sich die Kölner gut versorgten. Auch der Apostat Victor von Karben, in seiner Art etwas zurückhaltender als Pfefferkorn, leistete Beistand in Köln. Originell in seinen Tendenzen — man kann es ihm fast zur Ehre anrechnen — war also Pfefferkorn in keinem Falle. Ortuin Gratius, Arnold von Tongern und der Ketzermeister Hogstraten scheinen ihn besonders beeinflußt zu haben. Mag er auch durch sie und andere Dominikaner in Köln angeregt sein10), er hat diese Bestrebungen mit seinem eigenen Fanatismus und einer ganz persönlichen Leidenschaftlichkeit verfolgt, die um so lodernder wurde, als im Reuchlinstreit Hohn, Spott, Verachtung, wohl auch giftige Verunglimpfung besonders ihn, den getauften Juden, zur Zielscheibe nahm. Wenn er es verstanden hat, allerdings mit Assistenz der Franziskaner, die Schwester Kaiser Maximilians für seine Pläne zu gewinnen, wenn der Kaiser selbst ihn amtlich mit der Konfiskation der inkrimierten Schriften betraut hat, wenn der Frankfurter Stadtpfarrer Peter Meyer ihn vor der Kirche am 7. September 1511 gegen die Juden reden läßt, wenn man überhaupt seine unermüdliche Tätigkeit in der Bücherbeschlagnahme überschaut, wie sie Kracauer (ZGJDI, 1887, SS. 160—76,230—48) gründlich darstellt11), so muß man schon eine gewisse Intelligenz ihm zutrauen. Gelehrig, wie er war, wird er auch durch den ständigen Verkehr mit den Kölnern seinen heimatlichen Dialekt gemildert haben. Wenn die hebräischen Bestandteile ausgelassen wurden, war das Judendeutsch damals noch nicht so auffallend12). Ebensowenig wie man berechtigt ist, von seinem „jüdisch-deutschen" und „jüdischen Kauderwelsch" zu sprechen (Grätz, IX, S. 118), kann man ihn „mit einer häßlichen, abschreckenden Gestalt, mit ausgeprägt jüdischen Zügen und mit Gemeinheit verratender Miene" (das.) ausstatten. Auf den überlieferten Bildern ist davon nichts zu sehen. Und wenn er auf Betreiben der Kölner Geistlichen seit 1513 Spitalmeister wurde13) — ein Lohn für so viel 10) Daß er als Anstifter gern die Franziskaner nennt (in der Sturmglock a2a nennt er die Franziskaner in der Provinz Straßburg; vgl. Spanier a.a.O., S. 92, Anm. 6) beruht wohl auf einer klugen Anregung der Dominikaner. Auf die Franziskaner bezieht sich auch sein Wort: „Also sag ich, weß mich die frommen Vetter haben gotlichen vnd erlichen vnderricht, dem han ich gefolgt vnd hetten sy mich noch etwas zu Eer der heyligen kyrchen wyder die anfechteren Christi weyters geheissen. ich het es ouch billych gethon." Streitb. E2b. ") Vgl. ferner MGWJ 1900, Geschichte der Juden in Frankfurt a.M. (1925) I, S. 247 ff.; Max Freudenthal, Dokumente zur Schriftenverfolgung durch Pfefferkorn in ZGJDIII, 1932, S. 227 ff., und meine Ausführungen in MGWJ 1934, S.581ff. über Pfefferkorns Sendschreiben von 1510. 12) Das i, besonders in den Kölner Drucken, bezeichnet damals oft in oi und ei nicht einen Diphthong, sondern ist Längezeichen. In Verkennung dieser Tatsache hat vielleicht Grätz manchmal Jargon vermutet. 13) Man hatte also in diesem Falle des Petrus Nigri Mahnungen im Stern Meschiach beherzigt, den Getauften nicht wegzunehmen, was sie durch Wucher erworben, sondern einen angemessenen Teil ihres Vermögens ihnen zu belassen; im Tractatus contra judaeos hatte er geäußert: nam conversi spreti ab omnibus habentur omnique dignitate aut officio inhabiles, nec mirum quod communiter girofagi aut lusores aut mimi aut lenones efficiuntur. 214

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