Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 4 · p. Seite 213

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 4
Article
Die Juden in Unterfranken während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts
Date
1936-01-01
Page
Seite 213 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2259275-2259303-2259307-2262435--4660-2262501
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Meier Spanier. Zur Charakteristik Johannes Pfefferkorns hebräische Buchstaben gesetzt. Sämtliche Stellen des Judenspiegels, die sich darauf beziehen, lassen diese Deutung zu — Alb, A3b, C4a, Elb. Ich zitiere nur die letzte: dem nae so hayn ich dat hillige Euangelium vyss dem latyn in die hebreuche schryfft mit vil suuerlichen punten vyss den vunff boichern Moysi psalter vnd pro* pheten Jetzoigen, das durch sy erqwyckt mochten werden, in tzo gaen den wech der ewigen wairheit. (Ähnliches findet sich im Tractatus contra Judaeos [1475] des Petrus Nigri, fol. 45b—47b.) Grätz und Geiger haben nur die lateinische Übertragung des Judenspiegels gekannt, an deren Fassung Pfefferkorn unschuldig ist. Daraus erklärt sich ihr Widerstreit. Während Grätz Pfefferkorn der Lüge und Prahlerei zeiht wegen der Behauptung, er habe die Evangelien ins Hebräische übertragen, meint Geiger (J. Pfefferkorns hebräische Schriften, Serapeum 1868, S. 194 ff.), es spreche nichts dagegen, daß diese Übersetzung „verfertigt, streng genommen auch nichts dagegen, daß sie erschienen und herausgegeben sei". Geiger wird in seiner Meinung bestärkt, weil er auf eine mit Pfefferkorns Namen gedruckte Übersetzung des Glaubensbekenntnisses hinweisen kann. Aber Geiger selbst sagt (S. 197, Anm. 2), daß solche Übersetzungen in dieser Zeit bekannt und beliebt waren. Pfefferkorn konnte sie also benutzen. Geiger gibt übrigens zu, daß Pfefferkorn eigentlich an der entscheidenden Stelle (in der lateinischen Ausgabe seiner Schrift!) nur sage: er habe den Anstoß zu einer solchen Übersetzung der Evangelien gegeben. Grätz übertreibt, wenn er Pfefferkorns Schriften nur als „pseudepigraphische" bezeichnet. In seiner Geschichte der Juden (IX, Note 3, S. 527: „Der Pseudomessias Ascher Lämmlein") läßt Grätz Pfefferkorn als zweiten Zeugen zur Feststellung des Datums gelten. Er zitiert ihn sogar nach der lateinischen Ausgabe seiner ersten Schrift. „Wenn Pfefferkorn auch ein verlogener Schriftsteller war (also doch ein Schriftsteller!), so stimmt seine Nachricht von den Büßungen zur Zeit Lämmleins9) mit der anderer Quellen so genau überein, daß an seinen Angaben nicht zu zweifeln ist." Es geht schon nicht an, Pfefferkorn nur als biindgehorchendes Werkzeug der Kölner zu betrachten. Er war kein Golem. Die Tendenzen, die er in all seinen Schriften vertritt, waren sicher die Tendenzen der Kölner Theologen. Es ist daher durchaus abwegig, wenn Geiger (Jüdische Zeitschr. für Wissensch, u. Lit. VII, 1869, S. 302) das Bestreben, die jüdischen Bücher, Quelle aller Ketzerei, zu vernichten, „als ureigenes Produkt des Pfefferkornschen Geistes" bezeichnet. Der Apostat Nicolas Donin, der Juden- und Talmudverfolger, war mit dem Dominikaner Heinrich aus Köln Haupturheber der Talmudverbrennung in Paris (1242). Das Gutachten des Dominikaners Albertus Magnus, wohl von Donin beeinflußt (vgl. Jakob Guttmann, die Scholastik des 13. Jahrhunderts in ihren Beziehungen zu Juden, S. 48), hatte zur zweiten Pariser Konfiskation (1248) beigetragen. Albertus starb in Köln 1280. Es bestand also schon seit langem eine Kölner Dominikanertradition, die auf Pfefferkorn wirkte. Diese Tradition erhielt neuen Antrieb durch die Hetzschriften des 15. Jahrhunderts. 9) „Der Schauplatz seines Auftretens wird in den meisten Quellen in Istrien oder im Gebiete Venedigs angegeben. Die Lokalität Gallia bei Pfefferkorn ist entweder ein Druckfehler oder eine ungenaue Angabe." Grätz a.a.O. Aber in der ersten (deutschen) Ausgabe heißt es bei Pf efferkorn richtig „in welschem lande". 213

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.