Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Juden in Unterfranken während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 212 (sequence 4)
- Language
- German
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Meier Spanier. Zur Charakteristik Johannes Pfefferkorns Desgleichen Psalm 32 (31), 2 — Osterb. D3b — selig ist der, bey dem got kein sundt vindt vnd der in seynem geist nit ist eyn betriger (Vulgata richtig: nec est in spiritu eins dolus). Die Anführung jenes aus Jes. 56, 7 und Jerem. 7, 11 zusammengesetzten Ausrufs aus den Evangelien bei der Austreibung der Wechsler lautet bei ihm: ky besv bes tfilla zu teutsch Dan mein hauß ist ein hauß des gebetß vnd jr habt ein knülhauß darauß gemacht. (Handspiegel f2a.) Um die Frage der Übersetzerbefähigung Pfefferkorns abschließend zu beantworten, seien hier noch einige Proben angefügt. Als eine Übertragung vom echtesten Pfefferkorn stelle ich aus dem Osterbüchlein C 2 a eine anscheinend gar nicht korrigierte Stelle voran. 4. Buch Mose 15, 32ff.: fayergemio ozo boefonim fayomos caeuscher zifa Also luten dise wort. Das eyn armer man het auß grosser seyner noturfft auf den Sabath spen gelesen, er wort begriffen vnd gebrocht vor Moysen vnd aaron vnd vor die gantz gemein men ließ em in die gefencknis, wan sy wüsten nit wae mit sy inne stroffen solten. Do sprach got zu Moysen er sol werden getodt diser man mit stainen ewser halb der schar, do wart er auss gefort von der gemayn vnd worde verstainchet als got Moysen geboten hat. Nun mecht yr mercken der arm man hat nit gehalten das gesetz darumb wurd er gestainget also mach ich auch sprechen das die Juden nit halten das gesetz. Darumb seyn sye schuldig des gerichts. (Osterb. C2a.) Wie ungenau er Prophetenstellen übersetzt, zeige folgendes Beispiel (Jes. 1, 11—16): Ich will nit mer ewere verschneidung. Ich bin sat oppfer der wider vnnd vnslits raitt dem blüt Auch euwerer schaff vnnd böck beger ich nit / so jr kumpt für mein angesicht / wer begert das von eweren henden So jr einget in meinen hof / sollen jr Euch nimmer versamlen zu bringen presentz die ich veracht / der weyrach ist mir vnwirdig / Die monfeyer vnd der Sabat den jr hailig macht mag ich nit haben / durch miß tat Ewerer sünd / Ewer feyrtag vnnd hochzeit haßt mein seel. Sy seind mir worden streflich vnd wenn jr außsprait Ewer arm So wend ich meine äugen von Euch. Wa jr euch vermengfeltigt mit ewerm gebet / das selbige hör ich nit, wan ewer hand seind vol blut. (Judenfeind clb f.) Wenn er aus dem Gebetbuch das owinu malkenu in hetzerischer Absicht zitiert, so ist die Fälschung des Sinnes wohl nicht — oder nicht nur — auf Ignoranz, sondern auf Bosheit zurückzuführen. In der Judenbeicht A4b: don roch vber vnser veynde, verderbe al die gc::or die vns vbels gonen vnd boesheit gedencken tzu doen mit pestilencie, mit allen plagen van wegen deyner besnydener Kynder. Im Judenfeind a4a: Got soll zerstören die gedancken vnserer veind mit dem mord vnd schwert / Hunger, Pestilentz vnd sundern plagen vnd das geschech vmb vnnsern willen. Und zuletzt noch in der Klag D2a weist er auf „das buch Pfylla" hin: „Vnser Vatter, vnser König, verstör die gedancken vnser feyandt, vertylg den radt vnser feyandt, verderb sie mit der pestilentz, mit dem schwerdt, mit dam hunger, mit den bösen blatern, mit dem bösen grindt oder plack mit den vnaußsprechlichen plagen." Der Verwünschung gymach schmo phesichroe fügt er die Obersetzung bei: we dir vnd we dem der des namens ingedencklich ist. Judenbeichte c3b. Aus all dem geht hervor, daß Reuchlin mit der Einschätzung des h e - bräischen Wissens Pfefferkorns im Recht war. Er wußte eben nicht mehr als irgendein anderer ungebildeter Jude der damaligen Zeit; vom Talmud verstand er gar nichts, und die Fähigkeit, das Neue Testament ins Hebräische zu übersetzen, war ihm ganz sicher nicht eigen. Es scheint mir übrigens, als ob man Pfefferkorn falsch verstanden habe. Er hatte wohl nur die deutsche Übersetzung von Evangelienstücken, wie sie ihm die Kölner Freunde für den Missionszweck zur Verfügung stellten, in 212