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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 167

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 2-3
Article
Ein Geschlecht von Erziehern
Date
1936-01-01
Page
Seite 167 (sequence 27)
Language
German
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Max Freudenthal. Ein-Geschlecht von Erziehern widmete sich gleichfalls dem Lehrerberufe81). Er genoß sicher zuhause dieselbe Vorbildung wie sein älterer Bruder, besuchte aber dann als Freischüler die Franzschule zu Dessau und übernahm hierauf Lehrerstellen in Kothen, in Alt-Strelitz, zuletzt in Landsberg an der Warthe82). Selbstverständlich hielt er auch deutsche Predigten und Konfirmationen ab. Die in Landsberg a. d. W. am 16. Februar 1822 vorgenommene Konfirmation von sechs Mädchen und zwei Knaben erhielt durch die Teilnahme der Behörden und dreier evangelischer Geistlicher eine besonders festliche Bedeutung. Sie hatte allerdings für diese Teilnehmer ein unangenehmes Nachspiel83). Friedrich Wilhelm III., der aus einem Bericht der Spenerschen Zeitung von der FeLer Kenntnis erhielt, war sowohl über den Bericht wie über die Teilnahme der Behörden empört und verbot nicht nur für die Zukunft Berichte über jüdische Feierlichkeiten von solchem „Gepränge", sondern ließ auch seinen Beamten sein Mißfallen darüber ausdrücken, daß sie durch ihr Verhalten einen Verstoß gegen Anstand und christliche Sitte begangen hätten. Der Verstoß wurde in dem „Hervorheben einer jüdischen willkürlichen Ceremonie über eine Handlung des evangelischen Cultus" erblickt. Da jedoch der so getadelte Polizeidirektor und Bürgermeister als Entschuldigung vorschützte, er habe seine Gegenwart für notwendig erachtet, „um sich durch eigene Wahrnehmung zu überzeugen, wie sich die dabei vorkommenden Lehren und Religionsgrundsätze zur Moral und zu anderen Religionen verhielten und ob sie nicht wenigstens zum Teil zweideutig und versteckt gegen diese oder das aEgemeine Beste wären", verzog sich auch die königliche Ungnade hinter die Gegenerklärung, daß nur die pomphafte Anzeige mißfällig bemerkt worden sei. Liepmannssohn gab später den Lehrerberuf auf; aber in seinen Nachkommen blieben die religiösen und Bildungs-Ideale aufs stärkste lebendig8*). 81) Aus Sandersleben stammt auch der Lehrer und Prediger Selig Louis Liepmannsohn, 15.1.1800 daselbst als Sohn des Nagelschmieds Lipmann Hess und der Rahel geb. Juda geboren. Bei der Einführung der Familiennamen behielt die Witwe den Namen Hess bei, während von ihren Söhnen der eine, Aron, den Namen Schlesinger, der andere, den obigen, Liepmannsohn, annahm. Auch hier entwickelte sich ein ganzes Erziehergeschlecht. Schlesinger war u. a. Lehrer und Prediger in Parchim, Liepmannsohn in zahlreichen westfälischen Gemeinden (s. über ihn Schmidt a.a.O., S. 518; Kayserling a.a.O. II, 308 u. Homilet, u. Liter. Beiblatt 2, 72; Sulamith Bd. VII und VIII). Letzterer veröffentlichte gleich seinen Landsleuten Predigten, Religionsbücher, Agenden, Kalender. Die letzten 30 Janre amtierte er in Horn i. W., trat mit 80 Jahren in den Ruhestand und starb am 12.4.1888 im 89. Lebensjahr. Er wurde in Lippstadt begraben. Sein Sohn Eli bekleidete Lehrerstellen in Stadthagen, Hoppstädten und Horn, ging dann nach Amerika, woselbst er gleichfalls in mehreren Gemeinden wirkte. Er starb im 80. Lebensjahr in Chicago. Ein anderer Sohn, Josef, Zögling des Lehrerseminars zu Münster i.W., war Lehrer in Olfen i.W., Leiter der Kandidatenschule in Rahden i. W., alsdann 42 Jahre Lehrer und Prediger in Minden i. W. Seit 1920 lebt er daselbst im Ruhestand. Ich verdanke ihm einen Teil der vorstehenden Personalnotizen.; 82) Über ihn s. Schmidt a.a.O., S. 517, der irrig 15.3.1793 als Geburtsdatum angibt; 1793 ist das Geburtsjahr seines Bruders, des Schneidermeisters Mendel in S. Schmidt bezeichnet ihn 1809 als Privatlehrer in Kosel O.-S., während C15, No. 121b ihn in demselben Jahre als Lehrer in Koethen i.A. nennt, was wahrscheinlicher ist. Patriotische Predigten von ihm in Alt-Strelitz 1816 und 1817 bei Schmidt und in Sulamith V, Teil 1, S. 316. Das., Teil 2, S. 399, ein Bericht über die Knabeneinsegnung 1818. Er ist 1815—20 in Alt-Strelitz tätig; in der Subskription auf Gotthold Salomons erstes Predigtheft, Dessau 1818, ist er als Privatlehrer dort bezeichnet. Alsdann ist er in Landsberg a. d. W., wo 1827 ein Bericht von ihm über die „höheren Orts concessionirte Schule" erscheint, die er leitet. Nach Aufgabe des Berufs starb er daselbst am 4.4.1867. 8S) Ludwig Geiger in Allg. Ztg. d. Judent. 1902, No. 1. Ein Bericht über die Konfirmation auch in Sulamith VI, Teil 2, S. 139. Si) Von seinen Söhnen sind besonders bekannt geworden: Gustav, politischer Redakteur der Vossischen Zeitung und Berliner Stadtverordneter, sowie Leo, hochmusikalisch, Schüler von Hans von Bülow, Begründer des bekannten musikalischen 167

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