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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 166

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 2-3
Article
Ein Geschlecht von Erziehern
Date
1936-01-01
Page
Seite 166 (sequence 26)
Language
German
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Max Freudenthal. Ein Geschlecht von Erziehern In seiner Heimat hatte er gleich seinen Vettern den Unterricht des R. Meinster, seines Onkels, genossen und daraus seine reichen biblischen und talmudischen Kenntnisse, zugleich auch seine pädagogischen Gaben gewonnen. Er verehrte seinen Lehrer aufs höchste. Zu dessen 70. Geburtstag verfaßte er eine schwärr merische hebräische Abhandlung78), in der er im Traum die Größen Israels, die Engelscharen, ja Gott selbst dem Jubilar Lob und. Dank darbringen und ihm Leben hier und dort verheißen läßt, und an seinem eigenen 70. Geburtstag 1854 erklärte er noch: „Ich spreche den Namen dieses wackeren Lehrers noch heute mit der tiefsten Ehrfurcht und der innigsten Liebe aus"79). R. Meinsters Lehrmethode wurde für ihn nach seinen eigenen Worten vorbildlich. Salomon genoß zu Hause bereits auch einen guten deutschen Unterricht bei dem Leiter der Sanderslebener Volksschule, einem Kaplan Bobbe, in dessen Anstalt sowohl wie bei ihm privatim. Im jüdischen „Gymnasium", der talmudischen; Lehrstätte zu Dessau, setzte er seine religiösen Studien und auf dem Wege des Selbstunterrichts wie mit Hilfe eines Dessauer Lehrers zugleich seine Allgemeinbildung fort. Besonders eifrig gab er sich dem Studium der Werke der großen Pädagogen jener Zeit hin. Sein Lehrtalent offenbarte sich zuerst im Privatunterricht, den er erteilte, und wurde bald so bekannt, daß er bereits mit 18 Jahren am Lehrhaus selbst, das er besuchte, wie an der Haupt- und Freischule als Lehrer angestellt ward. Ganz im Stil seiner Verwandten arbeitete er sofort einen Katechismus für den Religionsunterricht aus. Über Erziehung und ihre Methoden hat sich der junge Lehrer und später der reifere Mann in Abhandlungen und Predigten zur Genüge ausgesprochen. Er betonte besonders stark die Gemütsseite in der Erziehung, den Einfluß des Elternhauses auf die religiöse und (sittliche Entwicklung der Kinder, wie er ihn in seiner eigenen engeren und weiteren Familie — auch Josef Wolf in Dessau gehörte ja dazu und stand ihm sehr nahe — vorbildlich selbst erfahren hatte. Mit Vorliebe wandte er sich darum der so vernachlässigten Heranbildung des weiblichen Geschlechtes als dem zur Erziehung der künftigen Jugend berufensten Kreise zu. Schon in Dessau unterrichtete er an der von David Fränkel mühsam errichteten Töchterschule, „in der auf die Erweckung und Belebung des religiösen Gefühles, freilich mit Beseitigung aller Faseleien vorzüglich gesehen wurde"80), und veröffentlichte alsbald in diesem Sinne im ersten Jahrgang der „Sulamith" eine Reihe von aufklärenden erzieherischen „Briefen an ein verehrungswürdiges Frauenzimmer jüdischer Religion", in denen er die Leserinnen vor allem auch mit den biblischen Gestalten vertraut machte. Sein Büchlein „Selimas Stunden der Weihe, eine moralisch-religiöse Schrift für die Gebildeten unter dem weiblichen Geschlecht", später sein auf Veranlassung von Frauen herausgegebenes und einer vorbildlichen Hamburger Frau gewidmetes Predigtheft über das Familienleben dienten dem gleichen Zweck und erreichten ihn auch, wie überhaupt Salomon als der am reichsten begabte, am tiefsten schürfende und am umfassendsten gebildete unter allen Stämmlingen dieses ganzen Sanderslebener Kreises auch die nachhaltigste und weitgreifendste Wirksamkeit erzielte. Sie war freilich nur möglich durch die freiere religiöse Anschauung, zu der er sich bekannte und der er durch Annahme der Berufung an den so eifervoll bekämpften Hamburger Tempel offenen Ausdruck gab. Anfangs bildete sie kein Hindernis für seine Mitarbeit an der Zeitschrift seines Vetters Jeremias; später jedoch hörte diese Gemeinschaft notwendigerweise auf. Gotthold Salomon hatte einen jüngeren Bruder, geboren am 6. März 1789, der als Familiennamen nicht den großväterlichen, sondern den väterlichen Namen annahm — die Annahme verschiedener Familiennamen unter Brüdern war nichts seltenes —, und der sich deshalb Liepmannssohn nannte. Jehuda oder Louis Emil Liepmannssohn 78) Manuskript in der Bibliothek der Berliner Jüd. Gemeinde a. a. O. 7£>) Selbstbiographie, Leipzig 1863, S. 5. — Ober Gotthold Salomon geben die angeführten Werke von Philippson, Kayserling, Horwitz, ferner die Festschrift zum 100jährigen Bestehen des Hamburger Tempels, 1918, sowie die Jüdischen Lexika genügend Aufschluß. Hier soll nur seine erzieherische Tätigkeit skizziert werden. 80) Sulamith I, Teil 1, S. 488. 166

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