Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Ein Geschlecht von Erziehern
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 161 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Max Freudenthal. Ein Geschlecht von Erziehern Jahres an bis zum Sommersemester 1825 mit Beihilfe der Anhaltischen, Regierung an der Berliner Universität zu studieren62). Wie sein Entlassungszeugnis aus Hildesheim zeigt, hatte er bereits am Gymnasium alte und neue Sprachen erlernt; an der Universität hörte er bei den hervorragendsten Lehrern' Vorlesungen über klassische Philologie, Sanskrit, Syrisch, Arabisch, Englisch und Philosophie63). Das philosophische Doktorexamen und eine gleich seinem Bruder Jeremias am 14. Juli 1825 vor dem Kgl. Konsistorium der Provinz Brandenburg; in den Schulwisssenschaften erfolgreich abgelegte Prüfung krönten den Abschluß seiner Studien. Zum Frühjahr des Jahres 1826 übernahm er zunächst eine OberlehrersteHe in Prenzlau, wo sich auf wiederholtes Verlangen des Magistrats die menses in Gymnasio nostro Regio transegit, linguae Latinae, Graecae, Hebraicae, Francogallicae et Anglicae discendae, elementis literarum Arabicarum et Persicarum haud neglectis, eam navavit operam, et doctrinis, quae in scholis pertractari solent, etiam arti mathematicae, id addixit Studium, ut huncce juvenem, ab optimis virtutibus probatum, et qui illo, qui rite a nobis instituitur, examine maturitatis prodierit spectatus, testimonio tum dihgentiae tum morum magna cum laude exornare nulli dubitemus. Valeat juvenis nobis dilectissimus, et cum summa itidem laude studia, quae philologiae profanae et sacrae Berolini dicaturus est, juventutis literarum artiumque bonarum studiosae Patronis commendatissimus absolvat. Dabamus in Gymnasio nostro Regio Andreano Hildesiae calend. Mart. anni MDCCCXXIIi. D. Cludius Ephorus. D. Julius Billerbeck director. Godofr. Seebode. Lipsius. Ferd.Muhlert. G.Hennecke. J.H.Herbst. Aug.Sander. — Sigillum. — Rektor Seebode gibt dem Absolventen sogar den Auftrag mit, den in der Berliner Bibliothek befindlichen Codex des Sueton für ihn zu vergleichen (Tagebuch). 62) In seinem Tagebuch „Momente aus meinem Leben der Selbsterinnerung gewidmet" berichtet Carl Heinemann interessante Einzelheiten aus seinem Bildungsgang. Er kam am 8.10.1817 nach Hildesheim zu seinem Schwager Benlevi in Pension und mußte erst Latein und Griechisch nachlernen. Außer den im Abgangszeugnis erwähnten Fächern gab es am Gymnasium noch Unterricht in Geschichte, Geographie, Technologie, Mythologie, Altertümern, Encyclopädie, Psychologie, Logik, Ästhetik, Naturgeschichte und in allen Einzelfächern der Mathematik. Trotzdem erteilte der Gymnasiast noch Privatstunden. Zur Erlangung des Dessauer Staatsstipendiums von jährlich 50 Gulden mußte er sich nach Einreichung einer Arbeit einer Prüfung in Dessau selbst unterziehen. Das Prüfungskollegium bestand aus dem Direktor der Bürgerschule und Seminarinspektor Heinrich Ludwig de Marees, dem Direktor der herzoglichen Gelehrtenschule Christian Friedrich Stadelmann, dem Direktor der Hauptschule Schulrat Professor der Mathematik Gerhard Ulrich Anton Vieth und dem Rektor der Haupt- und Gelehrtenschule! Johann Georg Feldhann. Nach bestandener Prüfung hatte er sich dann noch dem Kabinetsrat Ludwig de Marees, dem Superintendenten und Hofprediger Ludwig de Marees, dem Medizinalrat Dr. Franz Olberg, dem übrigens die in Anm. 47 erwähnten sechs Predigten Wolfsohns gewidmet sind, und zuletzt dem Fürsten selbst vorzustellen, „einem außerordentlich schönen und angenehmen Mann", dem er in einer halbstündigen Audienz Dank sagen durfte. Ober die genannten angesehenen Personen vgl. Schmidt, Anhalt. Schriftsteller-Lexikon. Die Nachricht von seinen Dessauer Erfolgen konnte Carl dem Vater gerade zu dessen 75. Geburtstag überbringen. 63) In Berlin fand der Studiosus Aufnahme in der Familie seines Bruders Jeremias, den er seit 10 Jahren nicht gesehen hatte und von dessen Angehörigen er nur den Sohn Marcus kannte. Die Exmatrikel der Universität reicht vom 20.4.1822 bis 28.3.1826 und ist am 26.3.1826 von Boeckh als Rektor unterzeichnet. Carl hörte klassische Philologie bei Bernhardy, Boeckh, Buttmann, Klenze, Ullrich, Wolf; Sanskrit bei Bopp; Syrisch und Arabisch bei Hengstenberg; Englisch bei Seymour; Geschichte der Philosophie, Logik und Metaphysik bei Hegel; Ästhetik bei Toelken; Universalgeschichte bei Raum er; Geographie von Palästina bei Ritter; in allen Fächern bei den hervorragendsten Vertretern jener Zeit. Die Testate über die Vorlesungen enthalten stets ausgezeichnete Urteile über Fleiß und Leistungen des Hörers. Wo und worin er dann doktorierte, ist nicht festzustellen. Das Tagebuch schließt bereits am 4.1.1823, merkwürdigerweise mit dem Bericht über eine Whistpartie mit seinem Bruder, dessen Frau und Tochter und Wolfsohn, wohl dem erwähnten Schwiegersohn des Jeremias. 7 161