Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Ein Geschlecht von Erziehern
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 160 (sequence 20)
- Language
- German
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Max Freudenthal. Ein Geschlecht von Erziehern So geht er in allem denselben Weg wie seine Brüder, an deren Arbeiten er sicherlich Anteil nahm, wie seine Beteiligung am „Jedidja" — wenigstens als Abonnent in mehreren Exemplaren — zeigt. Andererseits bewies Jeremias gerade an den pädagogischen Bestrebungen in England besonderes Interesse; er brachte im „Jedidja" Abhandlungen für und wider die Bell-Lancaster-Schulen und regelmäßige Berichte über das Hospital Neweh Zedek, das stiftungsgemäß vor allem ein Erziehungsinstitut sein sollte58). Wie Wolf nach England, so trug der Sohn aus der dritten Ehe des R. Meinster, Jakob Koppel, Carl Heinemann genannt, seine gleich starken pädagogischen Talente in das Ausland, nach Schweden59). Am 2. April 1802 in Sandersleben geboren, genoß er zunächst wie seine Brüder den väterlichen Unterricht, brauchte jedoch nicht mehr gleich ihnen seine allfemeine Bildung als Autodidakt zu erwerben60). Rabbi Meinster sandte diesen ohn bereits selber in eine öffentliche Lehranstalt, nämlich in das Gymnasium zu Hildesheim, welches Carl in raschem Aufstieg und schon nach einem Jahr als Klassenprimus vom Herbst 1817 an viereinhalb Jahre lang besuchte und im März 1822 mit einem ausgezeichneten Reifezeugnis verließ61), um vom Sommer dieses man Grammar containing the Principal Rules arranged in a Series of Questions and Answers as a more familiär way of attaining that language, by W. H., Professor of Languages and Author of Introduction to German Reading, Introduction to the Hebrevv language and Catechism of Hebrew Grammar, London 1823. Abschriften der Titel und des Vorworts verdanke ich der Freundlichkeit von Selma Stern-Täubler, den Hinweis auf einen „Prospectus of an Institution for educating twelve young gentlemen, 1823" C e c i 1 Roth. 58) Friedberg, Beth Eked Sefarim, Anvers 1928, vermerkt noch zwei Huldigungsschriften von Jeremias für Chebrath Neweh Zedek in hebr. Sprache, die eine (S. 310 No. 228) mit deutscher, die andere (S. 354 No. 682) mit englischer Übersetzung, Berlin 1847 (letztere auch Cat. Bodl. No. 5202), wohl identisch mit dem hebr. Gedicht im Allg. Archiv. I, S. 202. — Über das Hospital selbst s. besonders Jedidja I, Teil 2, S. 100 ff., III, Teil 1, S. 47ff., sowie Jew. Encycl. s. v. London. — Mitabonnent am Jedidja mit Wolf Heinemann war Michael Josephs, bekannt als Hebraist und Pädagoge, später Leiter des Hospitals, s. Jew. Encycl. VII, 274. * * < 59) Nach Schweden wanderte noch ein anderer Sohn des R. Meinster aus, Salomon Heinemann. Er hatte 7.4.1821 den Schutzjudeneid für Sandersleben geleistet und wurde vom Amt als ausgezeichneter Kaufmann gerühmt. Lange Zeit Vorsteher der Gemeinde, unterzeichnete er gemeinsam mit August Hirsch 1830 die Einladung an Herzog Leopold Friedrich zur Einweihung der Synagoge (s. Anm. 9); der Fürst konnte ihr zwar wegen Krankheit nicht folgen, dankte aber in warmen Worten und wünschte, daß die Gemeinde in dem neuen Gotteshause stets den wahren Trost bei jedem Geschehnis des menschlichen Lebens finden möge. Ein älterer Sohn von Salomon, namens Callmann oder Carl, mußte noch 23.2.1838 den Schutzjudeneid leisten und wurde gleichfalls als hervorragender Kaufmann vom Amte bezeichnet. Er wanderte zusammen mit dem Vater nach Stockholm aus, woselbst er später die Stellung eines deutschen Generalkonsuls bekleidete (C 15, No. 108 und No. 121, 5 u. 9). 60) Die nachfolgenden Dokumente über den Bildungsgang von Carl Heinemann sind im Besitz seiner Enkelin Sigrid Josephsson, der Tochter seines Sohnes Max und der Anna Hirsch. Diese letztere ist wiederum eine Enkelin des in Anm. 9 erwähnten Lipmann Heinemann und der Esther Hildesheimer, deren Tochter Friederike (Rebekka) die zweite Gattin des David ben Uri Lipmann Hirsch in Aschersleben war. Die erste Gattin desselben war eine gleichnamige Tochter Friederike (Rebekka) des in voriger Anm. genannten Salomon Heinemann und nach einem Jahrzehnt der Ehe verstorben. 61) Das interessante Maturitätszeugnis lautet: Quod felix faustumque sit. Carolus Heinemann, in Principatus Anhaltino-Desaviensis oppido Sandersleben a parentibus Mosaicae religionis cultoribus ao MDCCCIIo natus, quatuor annos et sex 160