Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 159

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 2-3
Article
Ein Geschlecht von Erziehern
Date
1936-01-01
Page
Seite 159 (sequence 19)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2259275-2259303-2259306-2262237--4557-2262384
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Max Freudenthal. Ein Geschlecht von Erziehern Frauen „Die betende Jüdin", eine Übersetzung des Buches Koheleth, sogar eine Predigt 1837 in der Cholerazeit „Euer Stolz tödtet", „zum Tröste der leidenden Menschheit"51). Ebenso vielseitig wie sein Bruder Jeremias, trat er jedoch aus seinem stillen, bescheidenen und von tiefer Gottesfurcht erfüllten Leben weniger als jener an die Öffentlichkeit. Seine Söhne Nathan und Adolf wandten sich gleichfalls dem Lehrfache zu52). Wohl mit gleichen Gesinnungen, jedenfalls aber mit gleichen Bestrebungen reiht sich den Brüdern ein dritter Sohn von R. Meinster an, namens Wolf Heinemann. Er wanderte nach London aus und betätigte sich dort gleichfalls zuerst als Hauslehrer53), dann als Privatlehrer für hebräische und deutsche Sprache. Als solcher gab er in derselben Vorliebe wie seine Brüder für katechetischen Unterricht, die übrigens von einem großen englischen Verleger geteilt wurde54), einen Katechismus der deutschen und ebenso der hebräischen Grammatik und ein kleines Lehrbuch zum Erlernen der Anfangsgründe des Hebräischen heraus, die er einem hochstehenden englischen christlichen Geistlichen William Frend als Zeichen der Wertschätzung für dessen „Tugenden und Talente" widmete55). Die Herausgabe begründete er damit, daß seit dem Erscheinen der grammatischen Schriften von Hyman Hurwitz, den ersten in England56), derartige Lehrbücher fehlten, und wenn auch die seinigen als die eines jungen Schriftstellers sicherlich ihre Mängel hätten, so würden sie doch durch die Vorzüge verständiger Auswahl, systematischer Anordnung, Leichtigkeit der Kombination, Kürze und Deutlichkeit eine sehr vorteilhafte Anwendung in der Hand des Lehrers gestatten, vorausgesetzt, daß dieser selbst ein Mann von Erfahrung und Fähigkeit sei. Ein solcher müßte imstande sein, Erwachsenen das hebräische Lesen in sechs, Kindern von vier Jahren und aufwärts bei guter Fassungsgabe in acht, bei mittlerer Begabung in zwölf Lektionen beizubringen. Zugleich erbot sich Wolf sowohl in dieser Einleitung zu seinem Buche als auch in einem besonderen Prospekt zur Erteilung von Unterricht im Hebräischen und Deutschen, sowie „zur Auslegung der Schönheiten und erhabenen Teile der betreffenden Klassiker"57). 51) Cat. Bodl. No. 5203 und die anderen Bibliographien verzeichnen nur wenige von seinen Schriften, die wohl vollzählig aus dem Katalog der Preußischen Staatsbibliothek zu ersehen sind. Das hebräische Elementarbuch ist einem christlichen Wohltäter gewidmet. Ein hebräisches Gedicht zum 70. Geburtstag seines Bruders Jeremias in der Bibliothek der Jüdischen Gemeinde zu Berlin a.a.O. 52) Nathan wirkte als Professor in London, Adolf leitete in Berlin eine Privatanstalt zur Vorbereitung für die Einjährigen- und Abiturienten-Prüfung und gab auch ein diesbezügliches Unterrichtsbuch heraus. 53) Cecil Roth, The first Jew in Hampstead (Jew. Museum Publications No. 1), London, 1932, S. 7. Den Hinweis verdanke ich Cecil Roth selbst. 54) William Pinnock, Herausgeber von pädagogischen Werken, besonders von Katechismen zur Allgemeinbildung auf allen möglichen Gebieten; s. über ihn Dictionary ot National Biography, Bd. 45, 321. Danach nennt auch Wolf seinen Katechismus einen Pinnock. 55) Über den Reformer und Wissenschaftler William Frend, der durch seinen Übertritt zum Unitarismus sehr viel zu leiden hatte, aber durch seine Überzeugungsfestigkeit und Herzensgüte sehr großen Einfluß und allgemeine Achtung besaß, s. Dictionary usw. a.a.O., Bd. 20, 254. Er galt als der beste Kenner des Hebräischen seiner Zeit und war Mitarbeiter an einer Übersetzung des A.T. — Jedidja II, Teil 1, S. 228ff., bringt eine Ansprache von ihm gelegentlich einer Jahresfeier des Neweh Zedek-Hospitals. 56) Über Hyman Hurwitz s. Dictionary usw. a.a.O., Bd. 28, 319 und Jew.Eticycl. VI, 50. Von seinen Elements of the Hebrew Language war der erste Teil über Orthographie 1807, in demselben Jahre auch der erste Teil seiner Etymology and Syntax ot the Hebrew Language erschienen, während die eigentlichen Werke erst 1829 bzw. 1831 herauskamen. 57) Cat. Bodl. No. 5204 und Steinschneider, Bibl. Handb., No. 850 vermerken kurz das Sefer Reschith hallimmud laschon ibri, London 1823. Der Verfasser nennt sich Professor of the Hebrew and German language, author of the Catechisms of Hebrew and of German Grammar and Introduction of German Reading. Der Katechismus selbst trägt den Titel: Pinnocks Catechisms — a Catechism of Ger- 159

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.