Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Ein Geschlecht von Erziehern
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 158 (sequence 18)
- Language
- German
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Max Freudenthal. Ein Geschlecht von Erziehern mit Erfolg abgelegt hatte. In allen Orten hielt er nach dem Vorbild des Vaters Predigten und Konfirmationen. In späteren Jahren kehrte er nach Berlin zurück und erteilte dort als Nachfolger von David Cassel 1852—1858 den hebräischen, Religions- und Konfirmandenunterricht an der Mädchenschule der Jüdischen Gemeinde, nahm auch selbst die feierliche Einsegnung der Schülerinnen vor. Seit 1. April 1852 übte er zugleich als Prediger die Seelsorge an der neuen Strafanstalt zu Moabit aus. Er starb am 11. Dezember 1866. Im ersten Jahre seines Breslauer Aufenthaltes, am 22. April 1838, wurde ihm ein Sohn Wolf geboren, der sich später William Wolf nannte und die aus väterlicher und mütterlicher Familie ihm zuströmenden Anlagen in glücklicher Verbindung sowohl als Pädagoge wie als Künstler auf dem Gebiete der Musik aufs erfolgreichste betätigen sollte49). Chordirigent an Berliner Synagogen, Nachfolger Lewandowskis als Lehrer für Musik und musikalische Liturgie an der Lehrerbildungsanstalt, deren Schaffung sein Großvater Jeremias so eifrig, aber erfolglos angestrebt hatte, Dozent an der Humboldt-Akademie, wußte Wolf an letzterer durch seine geistreiche, außerordentlich klare und zündende Sprache und durch die Geschicklichkeit, mit der er seinen Vortrag durch Beispiele am Klavier belegte, eine große Schar von Hörern um sich zu sammeln. Mit dem Synagogengesang beschäftigte er sich auch in wissenschaftlicher Forschung und gab gemeinsam mit dem Berliner Kantor Marksohn eine Auswahl alter Synagogenmelodien heraus. Besonders bekannt wurde er durch sein zweibändiges Werk über Musik-Ästhetik, das ihm einen dauernden Ehrenplatz auf diesem Forschungsgebiet sichert Sein Tod war tragisch, aber des Musikers würdig; er starb während eines Vortrags, den er im Lette- Haus über Beethovens Missa Solemnis hielt, als er mit erhobener Hand die Worte: „Gloria in Excelsis Deo" sprach, am 8. Januar 1913. Aus der Kinderschar des R. Meinster war Jeremias mit den Seinen jedoch nicht der einzige, der die erzieherische Fähigkeit und Kunst des Vaters ererbt hatte. Gleich ihm besaß sie auch sein Bruder Moses Heinemann. Unter den pädagogischen Schriften von Jeremias befinden sich einige kaufmännische Arbeiten. Auf solchem Gebiet wurde er jedoch von diesem seinem jüngeren Bruder bei weitem übertroffen50), der erst später von der Heimat aus nach Berlin übersiedelte und sich daselbst als Kaufmann an der Börse und als Privatlehrer der doppelten Buchhaltung und des kaufmännischen Rechnens betätigte. In diesen Sparten veröffentlichte er zahlreiche Schriften: Lehrbücher für Rechnen „mit Verstand", solche für Geographie, Anweisung über Buchführung für Fabrikanten, Kaufleute und Händler, Wechselkunde, Münz- und Zinstabellen, Sachunterweisungen für spezielle Berufszweige wie Bankiers, Zollbeamte, Lotterieeinnehmer, Zigarrenhändler, Haushaltbücher für die Familie, aber auch Titulartabellen sowie Geschichtstabellen und den Stammbaum des Hauses Hohenzollern, der sogar in mehreren Auflagen erschien. Daneben übersah er auch die jüdischen Erziehungsbestrebungen nicht. So gab er „religiöse Blätter zur Beförderung frommer Gesinnungen" heraus, die er im Sinne des Vaters und wie sein Bruder gepflegt wissen wollte, ferner ein elementarisches Unterrichtsbuch zur Erlernung der hebräischen Sprache, einen exegetischen Kommentar mit grammatischen Bemerkungen zur Haftarah des Chanukkahfestes, eine Beschreibung des Seder-Abends, einen jüdischen Festspiegel, eine Sammlung von Gebeten für *9) Über William Wolf s. Riemann, Musiklexikon, am besten aber die Nachrufe, die ihm Aron Friedmann in „Ost und West" 1913, S. 330 ff. und in Allg. Zeitung des Judentums, 1913, S. 128 ff., widmete. Friedmann war auch bei dem letzten Vortrage Wolfs anwesend. — In einem Privatbriefe vom Jahre 1910 — im Besitze von Sigrid Josephsson — schreibt Wolf selbst über die Familie Heinemann: „Zeit und Schicksal haben gar stark in diesem an trefflichen und begabten Menschen so reichen Geschlecht aufgeräumt. Ich fühle mich als Heynemannscher Nachkomme namentlich in der Beziehung, daß ich die musikalische Begabung mit meinem Onkel Marcus H. und meiner Tante Jenny Goldstein teile". so) Geb. 24.11.1796, gest. 14.6.1867 zu Berlin. 1821 noch in Sandersleben, 1822 in Raguhn. 158