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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 157

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 2-3
Article
Ein Geschlecht von Erziehern
Date
1936-01-01
Page
Seite 157 (sequence 17)
Language
German
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Max Frcudenthal. Ein Geschlecht von Erziehern Er konnte ihm freilich aus Mangel an Mitteln keine geeignetere Ausbildung zuteil werden lassen als an „der hohen Schule", d. h. am jüdischen „Gymnasium" zu Dessau und brachte ihn dann sogar in einem Geschäft unter. Allein die ererbten und angeborenen Talente ließen sich nicht zurückdrängen. Josef nahm Hauslehrerstellen an, machte aber dann als freiwilliger preußischer Jäger den Befreiungskrieg 1815 mit und erwies sich während der Besetzung der Normandie als Sekretär im Etappenbureau zu Isigny durch seine Kenntnis der französischen Sprache als besonders nützlich. Als Gotthold Salomon 1819 sein Amt als Prediger am Hamburger Tempel antrat, wurde Wolf nach Dessau berufen, um jenen als Hilfslehrer einstweilen zu ersetzen. Diese Zeit, da er an der Freischule mit und unter seinem Vater arbeiten durfte, bot ihm erwünschte Möglichkeit, seine Fachausbildung als Lehrer wie als Prediger nachzuholen. Für die Tätigkeit als Prediger bot sich Gelegenheit in Dessau selbst, in Hamburg, wo er am Sabbat vor dem Versöhnungsfeste 1820 predigte, in Magdeburg und im Hamburger Meßtempel im nahen Leipzig47). Eine Stelle als Hauslehrer in der Meier Jacobsonschen Familie zu Berlin nahm er gerne an, weil er so imstande war, den kümmerlichen Verhältnissen in seinem Eiternhause abzuhelfen, was er in rührender Kindesliebe tat. Während seines Aufenthaltes in Berlin hörte er Vorlesungen an der Universität mit nachweislich gutem Erfolge und erhielt in Rücksicht auf seinen freiwilligen Militärdienst am 24. 12. 1824 die Aufnahme als preußischer Untertan. Die Erkrankung und der baldige Tod seines Vaters riefen ihn jedoch 1S26 wieder nach Dessau zurück, wo er einige Zeit auf Wunsch der Gemeinde dessen Ämter übernahm48). Später bekleidete er Steilen als Lehrer in Koppenbrügge und Seesen, seit 1827 als Lehrer und Prediger in Sondershausen, woselbst er auch in französischer Sprache am Lyzeum unterrichtete, und seit 1837 in Breslau als Waisenhausinspektor und Religionslehrer, nachdem er am 19. April 1837 eine Lehrerprüfung vor dem Kgl. Schulkollegium der Provinz Brandenburg Josef Wolf als freiwilliger Jäger fehlt in den Listen des Werkes: Die Juden als Soldaten, Berlin 1896. — Rebekka Heinemann, die Gattin Wolfs, ist die Verfasserin des bekannten Kochbuches für die rituelle Küche. Sie starb am 5. September 1880 und ruht an der Seite ihres Gatten. 47) Die Hamburger Predigt am 16. 9. 1820, gedruckt in Dessau, wird bei Schmidt, Anhalt. Schriftstellerlexikon, Bernburg 1830, S. XI erwähnt. Die in Dessau erschienenen sechs „Predigten für warme Religionsfreunde" wurden laut Vorrede in Leipzig, Magdeburg, Dessau gehalten. 1838 und in einer neuen Ausgabe 1869 zu Berlin erschienen 12 Predigten, die in Sondershausen gehalten waren, als letzte die Abschiedspredigt bei der Übersiedlung nach Breslau im März 1837. Die Herausgabe dieser Sammlung erfolgte durch Jeremias Heinemann, der ihr eine Sammlung der Predigten des Vaters J. Wolf folgen lassen wollte. Alle diese Predigten sind wie die jener ganzen ersten Predigtperiode mehr allgemein, moralisch-religiöse Betrachtungen und ermangeln, wie Jeremias mit Recht im Vorbericht beklagt, „des positiven Teiles der Religion". Die dritte der Dessauer Sammlung mit dem typischen Thema — Religion, eine Stütze der Sittlichkeit — hat stärkeren jüdischen Einschlag durch die Klage über den Mangel an guten Religionsschulen und das Eintreten für die Konfirmation, um durch derartige Einrichtungen die Kinder „vor dem immer mehr um sich greifenden Gifte jener falschen, unglückseligen Aufklärung zu bewahren, die selbstgenügsam und prahlerisch sich allen religiösen Pflichten entzieht und sich absondert von der andächtigen Gemeinde". In der Sondershauser Sammlung handelt die fünfte über den Beruf zu Kunst und Wissenschaft; sie fordert zum Übergang zu solchen Berufen auf und tadelt sehr scharf „das unselige Vorurteil, als wäre nur im Handel allein Wohlstand und Glück zu erwerben"; die neunte, am Wochenfest des Jahres 1834 „Über die Glaubenswürdigkeit unserer Thora" hatte die Stiftung einer neuen Thora zum Anlaß. Eine elfte Rede, am Schulfest 1836, tritt für die jüdische Schule ein, lehnt den Besuch der Stadtschule „als nachteilig für die religiöse Bildung und wenig fördernd für das bürgerliche Fortkommen" ab, wendet sich aber aufs schärfste gegen „jene elenden Subjekte, die, hergelaufen aus irgend einem Winkel der Erde, sich zu Lehrern des Volkes aufwerfen", und verlangt die Anstellung geprüfter Lehrer und gebildeter Volksredner, an denen es bereits nicht mangele. 48) Dessauer Gemeindeakten G, I, Beschluß vom 12. 2. 1826, gegen den damaligen Rabbiner alten Schlages Lipschütz gerichtet. 157

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