Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Ein Geschlecht von Erziehern
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 156 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Max Freudenthal. Ein Geschlecht von Erziehern Seine Schwestern, besonders die in Berlin geborene jüngste Jenny, waren ebenso musikalisch begabt. Die ältere, Rebekka, wurde die Gattin ihres Großvetters JosefWolf oder, wie er sich zum Unterschied von seinem Vater nannte, Wolf söhn, bei dessen Aufnahme in den Bund Abrahams R. Meinster einst die Patenschaft übernommen hatte44). Josef Wolf, der Vater, richtiger Wolf Josef, der Schwiegervater von Rebekka, war der bekannte Dessauer Schulmann und Prediger, der als der Begründer der deutschen Synagogenpredigt gilt45). Seine Mutter Malka wiederum war die Schwester des R. Meinster und hatte das Erziehungstalent ihrer Familie an diesen Sohn aus ihrer kurzen ersten Ehe weitergegeben46), der es auf den seinigen fortpflanzte. 44) Ascher ben Naftali Oppenheim in seiner Schrift Dibre Ascher, Dessau 1804, in der er interessant über die Einführung medizinischer Instrumente bei der Beschneidung gegen den Widerstand des damaligen Dessauer Landesrabbiners Michel Speyer berichtet. — Josef Wolf, der Sohn, war am 8. März 1796 geboren. Dagegen Lazarus a. a. O., S. 183 Anm. 3, der Jacobson diese Ehre zuteilen will. David Frankel in Sulamith IX, Teil 1, S. 18, bringt eine unklare Notiz, in der auf alle Fälle unrichtig ist, daß Loeb Berlin in Kassel die erste deutsche Predigt in einer Synagoge gehalten habe. Jeremias Heinemann hat aber wohl doch Recht, wenn er im Vorbericht zu den Reden seines Schwiegersohnes (s. die folgende Anmerkung) erklärt, das Verdienst deutsche Reden im eigentlichen Sinne des Wortes gehalten zu haben, gehöre seinem Freunde J. Wolf zu, welcher die ersten wohlgeordneten Religionsvorträge in deutscher Sprache vor seiner Gemeinde zu Dessau gehalten habe. 46) Zur Ergänzung der Personalnotizen in Philippsons Darstellung a. a. O., Heft 2, S. 131 ff.: Der erste Gatte der Malka, der Privatlehrer Josef ben Feibusch, starb am 30. Kislev 5523 16. Dezember 1762, sein Vater Feibusch ben Seeb Wolf erst nach ihm 1773 (Dessauer Grabsteine No. 353 und 354). Der zweite Gatte der Malka, der Privatlehrer Mordechai Gumpel ben Abraham, starb Freitag, den 22. Adar II 29. März 1799 (Grabstein 277). Malka selbst am 10. Dezember 1811, 70 Jahre alt, also 1741 geboren und demnach älter als ihr Bruder R. Meinster, dem zu Ehren sich übrigens ihr Sohn aus zweiter Ehe, 1785 geboren, Bendix Gumpel Meinster nannte, während sie selbst ihren ersten Sohn aus dieser Ehe, 1784 geboren, nach ihrem Vater Joachim benannt hatte. Bendix starb 1S55, Joachim, der ebenfalls Lehrer und zwar an der Töchterschule war, 1845 (Grabstein 1058). Feibusch — Philipp Wolf, der Großvater von Josef Wolf, war bereits in Dessau geboren. Dagegen war der Schwiegervater von Josef Wolf, Mordechai ben Moses, aus Libschitz in Böhmen als fahrender Student nach Sandersleben gekommen und hatte 1764 Niederlassungsrecht zur Heirat mit Rosina, der Tochter des „Judenschusters" Levin Simon, erhalten (C 15 No. 118). Seinem Schwiegervater widmete Josef Wolf den Obadja der Bibelausgabe Dessau 1805. Über seinen Sohn Josef finden sich zerstreute Notizen bei Philippson a. a. O. II, S. 210, Ludwig Horwitz, Gesch. d. Herzogl. Franzschule, Dessau 1894, S. 26 und 33, Kayserling, Bibliothek jüd. Kanzelredner I, 7 u. II, 307, und in den Predigten Josefs selbst. Eine Reihe von Personalangaben verdanke ich Jacob Jacobson aus Akten der Berliner Jüdischen Gemeinde. Die Angaben bei Kayserling a. a. O. sind ungenau, weil es auch in Brieg zur selben Zeit, da Wolf in Breslau wirkte, eine Persönlichkeit gleichen Namens gab, die dort am 14. 6. 1843 starb. Jochanan Wolfsohn subskribiert von Stralsund aus das Werk Chebel lehachajjoth, Altona 1803. Breslau 1843 erscheint das Buch Hiob, mit Beziehung auf Psychologie und Philosophie der alten Hebräer, neu übersetzt und kritisch erläutert von J. Wolfson. Ich vermag nicht zu entscheiden, wer von beiden Subskribent oder Verfasser ist. Das Eulogium zu Michael Wroneks Schern Olam, Breslau 1846 (Roest-Rosenthal, S. 114), gehört dem Breslauer Wolfsohn an. Ebenso nach Mitteilung von Aron Friedmann der Text zu einer Hymne im Psalter von Lewandowski („In Flammes Blitzen" usw.). Der von Kayserling a. a. O. erwähnte Woldemar Wolfsohn ist ein Nachkomme des R. Wolf Dessau, dessen Biographie ich in der Festschrift zum 70. Geburtstag Martin Philippsons gegeben habe. Vielleicht gehört auch der Brieger Wolfsohn in diese Reihe. — Der Name von 156